Hängt demnächst noch ein neues Trikot in der Umkleidekabine? Foto: Tim Kramer (Tremark Fotografie)

Der einsachtvieracht-Scouting-Bericht #4

Am 31. August um 18 Uhr schließt in Deutschland das Transferfenster und bekanntermaßen nimmt der Transfermarkt in der finalen Phase noch einmal richtig Fahrt auf. Nicht wenige Vereine sortieren kurzerhand noch Spieler aus oder versuchen die Lücken im Team noch zu schließen. Im vergangenen Sommer konnte der VfL Bochum am Deadline Day mit Sidney Sam und Robert Tesche noch zwei Spieler in letzter Minute verpflichten. Nach dem überraschenden Abgang von Johannes Wurtz zu Darmstadt 98, könnte vor allem offensiv dieses Jahr noch etwas passieren. Wir haben uns deshalb für euch in einem letzten Scoutingbericht erneut über potentielle Neuzugänge Gedanken gemacht. 

Karim Onisiwo zeigte bereits beim SV Mattersburg seine Torjägerqualitäten. Foto: Steindy (Wikimedia Commons)

Jens Hartenstein: Spätestens nach dem Abgang von Johannes Wurtz wird klar, dass man in der Offensive noch etwas machen muss. Mit Lukas Hinterseer und Neuzugang Silvere Ganvoula stehen allerdings bereits zwei Mittelstürmer unter Vertrag, die Ansprüche auf einen Stammplatz anmelden. Gleichzeitig ist die Besetzung der Flügel gerade in der Spitze noch verbesserungswürdig. Optimal wäre demnach ein Spieler, der sowohl im Sturmzentrum, als auch auf den Flügeln seine Stärken einbringen könnte. Ein perfekter Kandidat, der diese Kriterien erfüllt, ist Karim Onisiwo vom 1. FSV Mainz 05. Onisiwo konnte insbesondere in seiner Zeit beim SV Mattersburg zeigen, dass er durchaus weiß wo der gegnerische Kasten steht. In 51 Spielen für Mattersburg konnte er 20 Tore und 17 Assists in der höchsten österreichischen Spielklasse erzielen und somit eindrucksvoll seine Torgefahr unter Beweis stellen. Vor allem mit seinem Tempo wäre er für unser System perfekt geeignet, um über die Außen Zug zum Tor zu entwickeln. Bei Mainz hingegen kam er seit seinem Wechsel im Sommer 2015 nur sporadisch zum Einsatz. In der letzten Saison brachte er es lediglich auf 250 Minuten in der Bundesliga – zu wenig für die Ansprüche eines Spielers im besten Fußballalter und die große Chance für andere Interessenten. Der Vertrag in Mainz läuft nur noch bis 2019 und so könnte man den Spieler vermutlich gegen ein Handgeld, auch für einen niedriger dotierten Vertrag gewinnen. Mainz dürfte dem Spieler wohl eher keine Steine in den Weg legen und so scheint ein Angebot unsererseits zumindest einen Versuch wert.

Stefan Zils: In der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Sandhausen hat Dutt davon gesprochen, dass man im möglichen 4-4-2 auch mit einem nicht-klassischen Stürmer agieren könnte, so dass nicht zwingend ein solcher verpflichtet werden müsste. In dem Fall würde ich den anderen Weg gehen und Robert Leipertz verpflichten, ein Spieler, der alle Rollen im offensiven Mittelfeld einnehmen könnte. Seine Stärken sind zugleich unsere Schwäche, Zug zum Tor und direkte Torgefahr aus dem Mittelfeld heraus. Vorrangig würde ich ihn als Rechtsaußen sehen, stark einrückend und damit Räume für Gyamerah auf den Außen schaffend. Seine Scorerquote war bis auf seine Zeit in Ingolstadt sehr gut, dort kam er zwar diese Saison schon zum Einsatz, aber nur mit Kurzeinsätzen (außer bei der Pokalschlappe, wo es 45 Minuten waren). Bis zum Ende der Transferperiode könnte sich bei ihnen noch was tun und Leipertz wäre ein Kandidat, der durch das Raster fallen könnte. Mit seinen 25 Jahren ist er einem guten Alter und würde er an seine erfolgreiche Zeit in Heidenheim anknüpfen, wäre dem VfL sehr geholfen.

Auch ein Mann für den ruhenden Ball: Havard Nielsen (hier rechts im Bild). Foto: Werner100359 (Wikimedia Commons)

Sebastian Hettmann: Welche Fakten liegen derzeit auf dem Tisch? Wir haben Offensiv in den ersten drei Pflichtspielen der Saison streckenweise Kreativität vermissen lassen. Durch die Rückkehr von Maier und Eisfeld kann dies mit Sicherheit behoben werden. Auch Kruse und Sam scheinen unersetzlich für unser Offensivspiel. Mit Pantovic und Weilandt haben wir auf den Positionen Backups, die sich bereits in den Vordergrund gespielt haben beziehungsweise hoffentlich noch spielen. Dennoch sah man im Pokalspiel, dass Robin Dutt Offensiv zwar Durchschlagskraft auf der Bank hatte in Person von Ganvoula und Wurtz, es jedoch an Raffinesse fehlte. Durch den Abgang von Johannes Wurtz würde ich die Position daher weder mit einem reinen Mittelstürmer, noch mit einem reinen Außenbahnspieler besetzen, sondern mit einem ähnlichen Spielertyp wie Wurtz, nur mit einem feineren Fuß. Da Robert Zulj zur Konkurrenz nach Berlin gewechselt ist, bleibe ich bei meiner Vorstellung aus unserem letzten Scoutingbericht: Havard Nielsen. Nielsen kann uns Kreativität und Power zugleich geben und sowohl mit einem reinen Mittelstürmer auf dem Feld stehen und damit im 4-4-2 die Position der hängenden Spitze bekleiden, als auch in der offensiven Dreierreihe des 4-2-3-1 agieren.

Nielsen ist nicht der typische Mittelstürmer, da er gerne gemeinsam mit einem weiteren Stürmer auf dem Feld steht und dann sein Gefühl für die Räume besser ausleben kann. Durch seine Technik am Ball kann er vor allem im letzten Drittel für Gefahr sorgen: Sowohl im Abschluss als auch als Passgeber. Seine körperlichen Attribute lassen ihn sogar wie einen klassischen, großgewachsenen Mittelstürmer wirken, wodurch das Gesamtpaket abgerundet wird. Mit 24 Jahren ist Nielsen im besten Fußballalter und durfte in den vergangenen Jahren bereits einige Erfahrung sammeln. – Sebastian Hettmann, Scoutingbericht #3

Neben Nielsen könnte auch Martin Kobylanski von Preußen Münster ein Mann sein, der unsere Offensive mehr Tiefe geben und ergänzen kann. Durch seine Beidfüßigkeit und seinen Spielwitz ist Kobylanski bei den Preußen der Mann für die besonderen Momente und der Vertrag läuft im kommenden Sommer aus. Er hat viel Erfahrung in der dritten Liga sammeln können und wird den Sprung in die zweite Liga definitiv wagen. Durch seine Ausbildung bei Werder Bremen ist er technisch super geschult und kann sich auch in ein bestehendes Defensivkonzept integrieren. Als Mann für die offensive Dreierreihe würde er mehr Wendigkeit in unseren Kader bringen. Das Preis-/Leistungsverhältnis könnte bei Kobylanski sehr gut sein, wodurch wir eventuell ein Schnäppchen machen können ob des auslaufenden Vertrags. Auch Kobylanski hatte ich bereits vorgeschlagen, weshalb die Vorschläge weiter aktuell, aber nicht wirklich neu sind.

Kwasi Okyere Wriedt im Trikot der zweiten Mannschaft vom FC Bayern München. Foto: Werner100359 (Wikimedia Commons)

Matthias Rauh: Mit Milos Pantovic haben wir bereits einen Spieler aus der Regionalliga von der zweiten Mannschaft des FC Bayern verpflichtet. Ein ebenso interessanter Mann ist Kwasi Okyere Wriedt, kurz „Otsche“, der im Sturmzentrum zuhause ist. Wriedt stammt aus der Jugend des FC St. Pauli, ehe er anschließend beim LSK Lüneburg zum Torjäger reifte und in 34 Spielen sofort 23 Treffer erzielte. Auch eine Liga höher, beim VfL Osnabrück, konnte Wriedt sich behaupten und nach anfänglichen Problemen auch regelmäßig Scoren. Bereits damals galt Wriedt als sehr interessanter Spieler für die zweite Liga, unter anderem Duisburg, Fortuna Düsseldorf und der SV Sandhausen zeigten Interesse. Wriedt entschied sich aber für die Regionalligamannschaft des FC Bayern. Aufgrund guter Leistungen durfte Wriedt auch bei den Profis mittrainieren und kam bislang zwei Mal (im Pokal gegen Leipzig und in der Liga gegen Gladbach) zum Einsatz. Und auch in dieser Saison beweist Wriedt wieder seinen Torriecher. In den ersten sieben Partien traf Wriedt in der Regionalliga Bayern fünf Mal und das, obwohl sein „persönlicher Vorlagengeber“ Pantovic weg ist. Wriedt würde mit seinen 24 Jahren gut in das Altersgefüge der Mannschaft passen, allerdings müsste der VfL eine Ablöse an den FC Bayern überweisen. Denn bereits Europa-League-Teilnehmer Sturm Graz ist bei Bayern wegen Wriedt abgeblitzt.

Jens Hartenstein: Ein Spieler der aktuell auf dem Transfermarkt verfügbar ist, alle Anlagen von Tempo über Ballbeherrschung bis hin zu einem guten Torabschluss mitbringt ist für einen Verein wie dem VfL Bochum unter normalen Umständen nicht zu realisieren. Gleiches gilt auch für Uffe Bech. Bech bringt zwar alle genannten Anlagen mit, hat in der 1. Liga von Dänemark bereits in jungen Jahren herausgeragt und wäre obendrein wohl ablösefrei zu haben – doch leider ist Bech seit Jahren vom Verletzungspech verfolgt.  Von Verletzungen im Knie, Sehnenrissen und Muskelverletzungen war im Grunde alles dabei, was künftige Arbeitgeber abschrecken sollte. Auf der anderen Seite konnte er, insofern er denn mal auf den Platz stand, auch in der 1. Bundesliga in seinen 1000 Einsatzminuten mit 6 direkten Torbeteiligungen überzeugen. Bech wäre ein Spieler der Marke Risikotransfer und dennoch wäre er zumindest eine Überlegung für uns wert. Wie Anfangs erwähnt, eine feste Verpflichtung eines Spielers mit diesen Anlagen ist für uns ohne eine solche Verletzungshistorie nicht möglich. Bech ist vornehmlich auf den Flügeln zuhause aber kann auch Sturm spielen und würde somit in das gesuchte Raster passen. Zudem ist er ist aktuell fit und konnte diese Saison in 5 Regionalligaspielen bereits 5 Treffer markieren und 2 weitere Tore vorbereiten – stünde also sofort für die kommenden Aufgaben zur Verfügung. Bech wäre Risiko – aber Bech wäre auch Qualität und sollte man nicht die nötige Qualität auf dem Transfermarkt finden, dann sollte man über einen stark leistungsbezogenen Vertrag zumindest nachdenken.

Jens Hartenstein

Jens Hartenstein

In Bayern geboren, führte mein Weg zum Fußball über den FC Bayern München erst über Umwege zum geliebten VfL. Hierbei hat mich insbesondere die Phase Mitte der 90 geprägt, als man unter anderm in den UEFA Cup einzog. Nach einer jugendlichen Trotzphase, in der ich mich fast gänzlich dem Fußball, aber vor allem der Kommerzialisierung von selbigem abgewandt hatte, fand ich dann Anfang des neuen Jahrtausends wieder zurück zum Fußball. Ein echter Fußballfan kann eben doch nicht ohne seine Leidenschaft. Spätestens als ich dann beim Abschiedsspiel von Darius Wosz dessen letztes Bundesligator, den Abstieg Gladbachs und unseren beinahe Einzug in den UI-Cup live im Gladbacher Stadion feiern durfte, wars um mich dann komplett geschehen. Seitdem sind mäßige Spiele, Niederlagen, Abstiege und sämtliches Leid aller VfL Fans mein ständiger Wegbegleiter.

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