Vorsicht: Taktik. Foto: Tim Kramer (Tremark Fotografie)

Vorsicht Taktik! Bitte NICHT lesen.

Zugegebenermaßen ist die Überschrift als Eyecatcher gedacht, denn wir wollen uns tatsächlich ausschließlich mit Taktik in diesem Artikel beschäftigen. Präziser gesagt: Wir wollen uns mit möglichen Grundformationen und Interpretationen dieser des VfL Bochum beschäftigen. Obgleich die Taktik in den vergangenen Jahren, vermutlich seit Jürgen Klopps Auftritten im WM Studio 2006, in aller Munde ist, wird sie teilweise als „Verkomplizierung“ des Fußballs betrachtet. Wir haben jedoch Spaß an taktischen Überlegungen und wollen euch gerne daran teilhaben lassen. Sofern ihr mögt, lest also gerne weiter!

Die Ausgangslage

Robin Dutt freut sich mit Sicherheit über seine neuen Optionen. Foto: Tim Kramer (Tremark Fotografie)

Seit seinem Amtsantritt hat Robin Dutt als unser Chef-Trainer auf eine Grundordnung im 4-2-3-1 gesetzt, um die Stabilität aufrecht zu erhalten, derer Heiko Butscher in seinem Spiel als Interimstrainer bereits die Grundlage geschaffen hatte. Unsere Mannschaft fühlt sich merklich wohler, wenn sie mit einer Viererkette agiert und mit mindestens einem zentralen Mann vor der Innenverteidigung das Zentrum verdichten kann. Die Möglichkeit mit einer Dreierkette zu agieren, besteht jedoch weiterhin. Wie in unseren Saisonrückblicken zur Defensive und zur Offensive teilweise herausgearbeitet wurde, gibt es jedoch diverse Möglichkeiten die neuerliche Aussage von Robin Dutt zu interpretieren und Überlegungen anzustellen, in welche Richtung sich die Mannschaft im Sommer entwickeln soll.

„Es ist durchaus möglich, dass wir mit Johannes Wurtz als zweite hängende Spitze agieren werden.“ – Robin Dutt (gegenüber der Funke Medien Gruppe)

Der neue Mann im Mittelfeld: Sebastian Maier. Foto: VfL Bochum 1848

In den vergangenen zwei Wochen wurden einige Grundsteine von unserem Sportvorstand Sebastian Schindzielorz gelegt, auf denen wir eine Interpretation aufbauen wollen. Thomas Eisfeld hat seinen Vertrag langfristig verlängert, Görkem Saglam verlängerte seinen Vertrag ebenfalls, Vitaly Janelt wechselt fest zum VfL Bochum und Tom Weilandt kehrt von Holstein Kiel zurück. Die beiden Neuverpflichtungen Miloš Pantović und Sebastian Maier ergänzen unseren Kader und verstärken die Flügel beziehungsweise das Zentrum! Selim Gündüz wird uns hingegen verlassen. Doch was bedeuten diese Entscheidungen für unsere Mannschaft?

Das 4-2-3-1 als Grundordnung (Taktiktafel 1)

Durch den Abgang von Kevin Stöger und die Verpflichtung von Sebastian Maier kann das vergangene System 1 zu 1 übernommen werden. Maier sucht öfter den Torabschluss, lässt sich jedoch ungern tiefer in die eigene Spielhälfte fallen. Dadurch wird seine Präsenz sicherlich eine andere sein als die von Kevin Stöger. Hier sollte Thomas Eisfeld eher der Mann sein, der von seiner Spielweise her Kevin Stöger ähnelt.

Auf den Außenbahnen kann Robin Dutt, je nach Wunsch, mit Spielfreude oder mit Tempo agieren. Durch Stefano Celozzi und Danilo Soares oder Jan Gyamerah und einem hoffentlich bald wieder fitten Timo Perthel, hat er diverse Variationsmöglichkeiten, um die Asymmetrie sogar rechtslastig zu gestalten.

Taktiktafel 1: Das bekannte System mit zwei spielgestaltenden Außenverteidigern, einer klaren Grundordnung Maier agiert in der Defensivordnung mit Hinterseer auf einer Linie. Dahinter formieren sich zwei klare Viererkette.

In der Offensive sind die Zonen klar aufgeteilt: Robert Tesche sichert den offensiven Danilo Soares (oder Timo Perthel) und die Angriff ab, während Anthony Losilla in den Zwischenräumen versucht verloren gegangene Bälle direkt wieder zu erobern. Stefano Celozzi bringt sich vermehrt im Spielaufbau mit ein, um die Schwäche von Patrick Fabian zu kaschieren. Sam und Kruse agieren eher invers, um das Zentrum zu besetzen. Ein klares Flügelspiel bleibt hierbei leider auf der Strecke. Tom Weilandt oder Johannes Wurtz sind Optionen für den hängenden Part hinter Lukas Hinterseer.

In der defensiven Grundordnung wäre keine Änderung notwendig. Wie sagt man im Neu-Deutschen so schön? „Never change a running system.“ Sebastian Maier agiert neben Lukas Hinterseer, um den Spielaufbau des Gegners in die Räume zu leiten, in denen man attackieren möchte. Im Rücken der beiden formieren sich zwei Viererketten. Das vor einiger Zeit noch bei fast allen Mannschaft ersichtliche Spielkonzept wirkt derzeit wieder erfrischend neu, aufgrund der zuletzt in Mode gekommenen Dreierkette.

Das 4-4-2 als Grundordnung

Robin Dutt favorisierte die klare Grundordnung des 4-4-2 in seiner Zeit beim SC Freiburg und agierte damit sehr erfolgreich. Im Grunde agiert der hinter der Sturmspitze agierende Part im Zehnerraum auf gleicher Höhe mit Lukas Hinterseer, um die erste Pressinglinie zu bilden. Diese Position könnte also auch Sebastian Maier übernehmen, da wir in der defensiven Grundordnung unter Robin Dutt bereits mit Kevin Stöger neben Lukas Hinterseer agiert haben. Gleichermaßen kann hier auch Robbie Kruse, Sidney Sam oder ein weiterer Stürmer agieren.

Das 4-3-2-1 als Grundordnung (Taktiktafel 2)

Taktiktafel 2: Athletische Außen, kompaktes Zentrum, ausweichende Bewegungen der Zentrumspieler und Defensivstürmer Hinterseer als Wandspieler. Das 4-3-2-1.

Eine interessante Möglichkeit bieten die Neuzugänge, wenn man im Zentrum die Räume sichern und überladen möchte. Sollte uns, so hoffen wir, unser Raumgenie aus Ostwestfalen, Robert Tesche, erhalten bleiben, könnten wir ein absolut variables Zentrum etablieren. Wichtig hierbei wären jedoch die Außenverteidiger, welche viel Raum zu bespielen haben und daher die komplette Außenlinie nutzen können müssen. Mit Jan Gyamerah hätten wir eine athletische Option auf der rechten Verteidigerposition und auf links erwarten wir Timo Perthel zurück, welcher hoffentlich eine verletzungsfreie Vorbereitung spielen kann. Auch Danilo Soares hat gezeigt, dass er mit seinem Offensivdrang die komplette Seite bespielen kann. Mit Timo Perthel erwarten wir hoffentlich die Option zurück, um auch das Flügelspiel zu beleben und Lukas Hinterseer mit Flanken zu füttern. Jan Gyamerah hat dies ebenfalls gezeigt, bevor er nach seinen Verletzungen eher defensiver eingestellt ins Spielkonzept integriert wurde.

Fokus bei dieser Grundordnung liegt klar auf dem Zenturm, aus welchem sich unsere Jungs immer wieder mit ausweichenden Bewegungen auf die Außen Platz verschaffen können. Die Zonen sind horizontal mit Spielern besetzt, wodurch Tesche den aufbauenden und absichernden Part vor der Abwehr übernimmt (rote Zone), Losilla im rechten Raum auf Balljagd geht (gelbe Zone) und Thomas Eisfeld etwas offensiver das Spiel gestaltet (blaue Zone). Auch Sam und Maier können in der Spielgestaltung eingreifen sowie die Außenräume nutzen, um mit Tempodribblings nach innen zu ziehen.

Das 3-5-2 als Grundordnung

Zuletzt bleibt auch weiterhin die Dreierkette eine Option, wenngleich Robin Dutt diese hat nicht wirklich spielen lassen. Wie eingangs bereits erwähnt, fühlt sich unsere Mannschaft mit einer Viererkette auch merklich wohler. Durch die Verpflichtung von Vitaly Janelt und die variabel einsetzbaren Anthony Losilla und Tim Hoogland, bleibt zumindest die Umstellung während eines Rückstands oder bei einem zu erwartenden arg defensiven Gegner eine Option, um die Räume in der gegnerischen Hälfte mit mehr Personal zu besetzen.

Fazit

Foto: Tim Kramer (Tremark).
Das letzte Puzzleteil für unser zentrales Mittelfeld: Robert Tesche. Foto: Tim Kramer (Tremark).

Grundsätzlich wird Robin Dutt vermutlich an Feinheiten arbeiten und weiterhin auf eine Viererkette und zwei offensive Außenbahnspieler setzen. Je nach Interpretation und Gegner stehen ihm mit unserem (derzeitigen) Spielermaterial, vor allem im zentralen Mittelfeld, viele Optionen zur Verfügung. Man darf gespannt sein auf welchen Positionen weitere Neuzugänge präsentiert werden. Eine Verlängerung der Leihe oder Verpflichtung von Robert Tesche sollte derzeit oben auf der Agenda bei Sebastian Schindzielorz stehen. Bei den Neuzugängen wären ein Innenverteidiger, ein Flügelspieler und ein Stürmer weiterhin wünschenswert. Generell passen jedoch die ersten Entscheidungen und Robin Dutt wird sich mit Sicherheit freuen über die vergangenen Tage!

Sebastian Hettmann

Sebastian Hettmann

Als ich zum ersten Mal bewusst im Ruhrstadion war, spielte der VfL Bochum in der Saison 2002/2003 gegen den Hamburger Sport Verein und ein direkt verwandelter Eckstoß sowie einige Anekdoten von meinem Großvater lassen mich seither den Rothosen die Daumen drücken. Ich kam allerdings nie wieder vom Ruhrstadion los und bin seitdem regelmäßig ins Ruhrstadion gegangen. Seit der Saison 2006/2007 fiebere ich als Dauerkarteninhaber im Block N2 bei Spielen unseres VfL mit.

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