Unsere Mannschaft der Saison 2017/2018. Foto: Tim Kramer (Tremark Fotografie)

Bewertung und Ausblick auf die Saison 2018/19: Mittelfeld und Angriff

Der zweite Teil unseres Saisonabschlusses stellt unser Mittelfeld und den Angriff in den Fokus. Wir haben mit Kevin Stöger einen Senkrechtstarter und mit Lukas Hinterseer einen Spätstarter, doch wie ist die jetzige Kaderzusammenstellung zu bewerten? Wer ist unverzichtbar? Auf wen könnte man verzichten? Wo besteht Bedarf? Und was hat Sebastian Schindzielorz damit zu tun? (Ich nehme es vorweg: Natürlich ziemlich viel.) Ein Rück- und Ausblick.

Die Schaltzentrale

Der Senkrechtstarter der Saison: Kevin Stöger. Foto: Tim Kramer (Tremark Fotografie)

Anthony Losilla ist und bleibt unangefochtener Stammspieler, Motor und Führungsspieler innerhalb der Mannschaft. Toll, dass er uns weiter erhalten bleibt und eine Ära beim VfL prägt, so, wie es beispielsweise Thomas Zdebel getan hat. Neben Anthony Losilla hat sich vor allem Kevin Stöger den Großteil der Saison als Senkrechtstarter aufgetan, wodurch ein Wechsel in die Bundesliga bevorsteht. Ismail Atalan hat ihn von der linken Seite ins Zentrum berufen, um mehr Kreativität ins Spiel zu bringen. Und das konnte Stöger mit seinen langen Bällen und seiner schnellen Auffassungsgabe stets erreichen. Durch das situative Zurückfallen konnte Stöger geschickt immer wieder Überzahlsituationen schaffen, wodurch wir unsere besten Angriffe initiieren konnten.

Seit Robin Dutt den Chef-Trainer Posten übernommen hat, hat sich jedoch ein weiterer Mann ins Rampenlicht gespielt. Beziehungsweise, er ist weiterhin derjenige, der das Rampenlicht lenkt. Die Rede ist vom verkannten Genie aus Ostwestfalen: Robert Tesche. Tesche sichert die Überzahlsituationen ab, Tesche erobert Bälle und spielt sie präzise weiter, Tesche hilft beim Spielaufbau und macht die Dinge, die viele nicht mögen. Im Basketball nennt man solche Spieler „Glue Guy“. Robert Tesche hält die Balance zwischen Offensive und Defensive und seine Verpflichtung über den Sommer hinaus wäre vermutlich wenig spektakulär, aber immens wichtig.

„Thomas Eisfeld hat unserem Team lange gefehlt. Wie sehr, durfte man bestaunen als er wieder auf dem Platz stand. Das Kreativvakuum war sofort behoben und man durfte erahnen wie sehr sich die Mannschaft freut, ihn wieder in seiner Mitte zu wissen. In der kommenden Saison könnte er, sofern er komplett fit bleibt, der Spieler sein, welcher für uns den Unterschied ausmacht. Durch seine Spielübersicht und Qualität im Passspiel und bei Standards kreiert er einfache Torchancen für seine Mitspieler.“ – Ein sichtlich hoffnungsvoller Sebastian Hettmann vor der abgelaufenen Saison

Ebenso wichtig war die Vertragsverlängerung von Thomas Eisfeld, welcher uns nun bis 2021 erhalten bleibt. Durch den bevorstehenden Abgang von Kevin Stöger benötigen wir Thomas Eisfeld, welcher vermutlich nach dem Sommer in neuer Rolle glänzen könnte. Dazu später mehr. Durch ständige Verletzungen konnte Eisfeld zuletzt selten zeigen wozu er in der Lage ist. Gegen Düsseldorf blitzte sein Genie wieder auf und ich, ich denke auch jeder VfL Fan, hoffe sehr auf einen verletzungsfreien Thomas Eisfeld.

Wie geht es mit Vitaly Janelt und Görkem Saglam weiter? Foto: Tim Kramer (Tremark Fotografie)

Noch vor der Saison hatte ich mit Vitaly Janelt und Görkem Saglam zwei Spieler im Blickfeld, welche zum einen eine mittelprächtige Saison und zum anderen eine Saison zu vergessen hinter sich haben. Eine Verpflichtung von Vitaly Janelt steht derzeit noch in den Sternen. Ich würde eine Verpflichtung von Janelt begrüßen, sofern diese finanziell vertretbar ist. Von der Spielanlage her wäre er der prädestinierte Nachfolger von Anthony Losilla, wobei es fraglich ist, ob Janelt solange im VfL Dress spielt, denn er hat alle Vorausetzungen dafür in der Bundesliga zu glänzen. Ein Sorgenkind ist derzeit Görken Saglam, der eine ganz schwere Saison hatte. Gerüchte um einen Abgang hört man bereits seit der Winterpause.

In der kommenden Saison wird Ulrich Bapoh fest in die erste Mannschaft aufrücken und wir dürfen gespannt sein, ob er sich so entwickelt, dass er eine Alternative für die erste Elf wird.

Die dünn besetzte offensive Außenbahn

Robbie Kruse, Sidney Sam, Selim Gündüz, Philipp Ochs. Das sind die etatmäßigen Außenbahnspieler gewesen, wobei natürlich experimentiert wurde und einige weitere auf den Außenbahnen agiert haben. Philipp Ochs konnte in der Rückrunde nicht wirklich zeigen, dass er in der zweiten Liga Fuß fassen kann und seine Rückkehr zur TSG Hoffenheim ist daher nicht schwerwiegend. Ein Abgang von Selim Gündüz bleibt wahrscheinlich, auch wenn er von den Spielanteilen her eine ordentliche Saison hinter sich gebracht hat.

Ein Abgang käme nicht unerwartet: Robbie Kruse. Foto: Tim Kramer (Tremark Fotografie)

Robbie Kruse wird sich im Sommer ins Schaufenster stellen und die Weltmeisterschaft für Australien absolvieren, wodurch ein Abgang, meiner Meinung nach, sehr wahrscheinlich ist. Auch wenn ich mit der Meinung eventuell alleine dastehe: Ich würde die Ablösesumme gerne generieren und Ersatz holen. Kruse hat mich das ein oder andere Mal durchaus in die Weißglut getrieben. Missglückte Dribblings passieren und gehören zu seinem Naturell als waghalsiger Tempodribbler. Aber die Defensivarbeit war teilweise doch zu lustlos. Zum Ende der Saison fehlte auch oftmals der letzte Wille Bälle zu erlaufen (ich kann natürlich nicht beurteilen, ob die Angst vor einer Verletzung kurz vor der Weltmeisterschaft eine Rolle spielte). Sidney Sam hingegen wurde zum Ende der Saison kämpferischer und der Wechsel zu Robin Dutt tat ihm sichtlich gut. Es ist jedoch weiterhin viel Luft nach oben und einige Ballverluste waren komplett unnötig. Dennoch gehe ich bei Sam davon aus, dass er auch im kommenden Jahr anne Castroper spielen wird.

Den ersten Neuzugang für die Offensive gab es allerdings schon: Milos Pantovic wechselt von den Amateuren des FC Bayerns an die Castroper Straße. Was man allerdings von dem jungen Serben erwarten kann, der bisher regelmäßig nie höher als in der Regionalliga zum Einsatz kam, bleibt abzuwarten. Ein ausführliches Portrait über Pantovic findest du hier „Klick“.

„Weilandt stellt eher die Option feine Klinge dar, da er mit weniger Wucht daherkommt, aber technisch und kombinativ neue Optionen in engen Situationen zwischen den Linien schafft.“ – Einsachtvieracht: Inventur des Kaders #1

Wodurch wir zum Problem kommen: Stand jetzt gehe ich von zwei Spielern für die offensiven Außenbahnen aus. Viel zu wenig, gerade im Hinblick auf die zweite Liga, in der die offensiven Außenbahnen mit ihrer Torgefahr über Sieg oder Niederlage entscheiden können. Mehrere Zugänge würden mich also nicht überraschen. Ein Neuzugang kennt die Castroper Straße bereits und wird aus Kiel zurück erwartet: Tom Weilandt. Es wird vermutet, dass Weilandt zukünftig zentral auflaufen könnte. Eine Idee, die wir bereits seit längerem verfolgen. Weilandt könnte dort seine Stärken als kombinationsstarker Techniker besser ausspielen als auf der Außenbahn, bei der er gegen athletische Außenverteidiger oftmals einen schweren Stand hat. In engen Räumen und Situationen kann er jedoch mit seiner Handlungsschnelligkeit glänzen.

Das Anforderungsprofil für die Außenbahnen bleibt klar: Dribbelstark, torgefährlich und mit einem Hauch Kreativität. (Auch hier verweise ich auf einen spätere Zeitpunkt des Artikels für eine nähere Erläuterung.)

Lukas Hinterseer bleibt der Platzhirsch in der Sturmmitte

Ich bleibe dabei, dass Lukas Hinterseer der Platzhirsch ist und uns mächtig gut tut. Als Defensivstürmer agierte er bereits vor Robin Dutt defensiv absolut korrekt und hat die Defensive in vorderster Front gelenkt. Durch die, für ihn, nicht richtigen Abschlusspositionen war er dort glücklos, wenn gleich er durch die langen Laufwege auch zunehmend müde zu sein schien und daher die Konzentration fehlte. Seit Robin Dutt die Zügel in der Hand hält, darf Hinterseer in die Räume vorzustoßen, in denen er sich wohl fühlt und weiß ein eingespieltes Defensivsystem hinter sich, welches ihm erlaubt weniger lange Wege zu gehen. Seine Torserie tat ihm sichtlich gut und es bleibt zu hoffen, dass er daran weiter anknüpft.

Der Platzhirsch in seinem Revier anne Castroper: Lukas Hinterseer. Foto: Tim Kramer (Tremark Fotografie)

Nichtsdestotrotz bedarf es auch für Lukas Hinterseer einer Alternative, um ihm Spitzenleistungen abzuverlangen. Nach dem Abgang vom unzufriedenen Dimitrios Diamantakos, welcher uns aber auch nicht so geholfen hat wie erhofft aufgrund seiner langwierigen Rückenverletzung, verblieb vor der Winterpause Johannes Wurtz als Stellvertreter von Lukas Hinterseer. Versuche von Jens Rasiejewski beide gleichzeitig auf dem Feld aufzubieten, waren leider komplett ineffizient, da sie sich nicht ergänzten sondern Räume stahlen. Im Winter kam mit Janni Serra ein Talent von der zweiten Mannschaft von Borussia Dortmund, um bei uns den nächsten Schritt zu machen. Robin Dutt scheint vom jungen Mann einiges zu halten, durfte er immer wieder als Einwechselspieler agieren. Von daher war diese Leihe durchaus sinnvoll, zumal Evangelios Pavlidis bei der Reserve von Borussia Dortmund wieder Spielpraxis sammeln durfte, die ihm dringend fehlte.

Ein weiterer Stürmer könnte jedoch der Mannschaft gut tun, sollte Janni Serra nicht im Kader verbleiben. Ich traue ihm jedoch zu sich über den Sommer zu steigern, so dass ich bei einem Verbleib von Serra keine Bauchschmerzen bekommen würde. Sicherlich wünscht man sich immer das Maximum, aber Geld sollten wir auf dieser Position nicht in die Hand nehmen, sondern eher an der Torgefahr auf den offensiven Flügeln gewinnen.

Fazit

Johannes Wurtz hatte in diesem Jahr arg mit sich selber zu kämpfen und konnte seine tolle letzte Saison nicht bestätigen. Technische Mängel traten bei ihm immer wieder auf, wodurch die Aussagen von Robin Dutt zum Saisonende eher einer Änderung der Balance im Mittelfeld und im Angriff nach sich ziehen könnte.

„Es ist durchaus möglich, dass wir mit Johannes Wurtz als zweite hängende Spitze agieren werden.“ – Robin Dutt (gegenüber der Funke Medien Gruppe)

Eine mögliche Interpretation des 4-4-2 mit dem jetzigen Kader.

Demnach wird eine Weiterentwicklung der Mannschaft über den Sommer hinaus stattfinden, wodurch wir im kommenden Jahr unser Team in einer 4-4-2 Grundordnung sehen könnten. Bereits in seiner Zeit in Freiburg favorisierte Robin Dutt das 4-4-2 und unser Kader ist hierfür wie gemacht, sofern noch ein Spielertyp hinzukommt: (Eine weitere) Hängende Spitze. Nach der Ankunft von Robin Dutt ging es darum die Mannschaft zu stabilisieren, weshalb das 4-2-3-1 absolut gerechtfertigt war. Über den Sommer hat Dutt jedoch genug Zeit die Abläufe und Abstände so einstudieren zu lassen, dass das 4-4-2 gelebt werden kann, wodurch wir Offensiv mehr Durchschlagskraft erwarten können.

Ich gehe davon aus, das Thomas Eisfeld neben Anthony Losilla in die Zentrale rücken wird und wir neben Lukas Hinterseer eine hängende, torgefährliche Spitze etablieren werden. Die Kreativität kommt von den Flügelpositionen, wo wir bereits mit Sidney Sam und Robbie Kruse, und eventuell Aias Aosman als Neuzgang, dribbelstarke und kreative Flügel im Kader wissen. Die Außenverteidiger rücken hierbei hoch auf.

Eine Variante des 4-4-2 wäre in der zweiten Liga begrüßenswert, um gerade gegen tiefstehende Gegner oder bei Rückstand flexibel reagieren zu können. Die Einwechslungen von Johannes Wurtz zuletzt zeugten vom Versuch, wobei die Abläufe noch nicht einstudiert wirkten. Die mangelnde Zeit hat hier vermutlich dazu geführt. Durch die zu erwartende Dominanz der Absteiger aus Köln und Hamburg bleibt jedoch auch weiterhin eine 4-2-3-1 Grundordnung mit Robert Tesche statt Johannes Wurtz ein probates Mittel, um das Zentrum zu sichern.

In Hinblick auf die neue Saison wird es also essentiell wichtig sein eine Verpflichtung von Robert Tesche und Vitaly Janelt anzustreben, oder für Ersatz zu sorgen und einige Neuverpflichtungen sind auf den Flügelpositionen zu erwarten. Der Grundstock ist da, er muss nur sinnvoll ergänzt werden. Einige Ideen könnt ihr in unseren Scoutingberichten #1 und #2 nachlesen. Ergo liegt der Spielball natürlich nun bei Sebastian Schindzielorz, der, in Absprache mit unserem Trainerteam, die richtigen Spielertypen vom VfL Bochum überzeugen muss, damit wir im kommenden Jahr eine schlagkräftige Mannschaft auf dem Rasen unterstützen können!

Sebastian Hettmann

Sebastian Hettmann

Als ich zum ersten Mal bewusst im Ruhrstadion war, spielte der VfL Bochum in der Saison 2002/2003 gegen den Hamburger Sport Verein und ein direkt verwandelter Eckstoß sowie einige Anekdoten von meinem Großvater lassen mich seither den Rothosen die Daumen drücken. Ich kam allerdings nie wieder vom Ruhrstadion los und bin seitdem regelmäßig ins Ruhrstadion gegangen. Seit der Saison 2006/2007 fiebere ich als Dauerkarteninhaber im Block N2 bei Spielen unseres VfL mit.

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