Mit einer großen Blockfahne präsentierte sich die Ostkurve vor dem Duell mit Arminia Bielefeld. Foto: einsachtvieracht

Wichtiger Heimsieg gegen die Ostwestfalen

Unser VfL Bochum kann doch noch gegen die Arminia aus Bielefeld gewinnen! Seit 2013 waren wir gegen die Arminen sieglos, das änderte sich am gestrigen Abend. Der 1:0 Heimerfolg war gegen gut sortierte Bielefelder sicherlich schmeichelhaft, allerdings geben auch schmeichelhafte Siege drei Punkte, wodurch wir kurzfristig auf den 5. Tabellenplatz klettern. In zwei Wochen erwartet uns ein Topspiel im Hamburger Volkspark! Aber vorab die Nachbetrachtung zum Spiel gegen Bielefeld.

Vor 19.231 Zuschauern anne Castroper half der Geniestreich von Tom Weilandt dabei den kleinen Negativtrend der letzten Spiele zu beenden. Zum Glück spricht man mittlerweile wieder von einem Negativtrend, wenn die Ergebnisse nicht stimmen, man der Mannschaft spielerisch aber keinen Vorwurf machen kann. Unsere Gäste aus Ostwestfalen kamen mit einem imposanten Traktorkorso gen Bochum und verstopften vor dem Spiel die Castroper Straße. Ein Vorteil, wenn man seinen Hof bereits morgens bewirtschaften kann und das Spiel am Abend stattfindet. Dementsprechend viele Bauern und Bäuerinnen von der Alb waren im gegnerischen Bereich zu finden. Nun gut, die Damen und Herren sind nicht wirklich mit dem Traktor angereist, aber ihr kennt ja unseren Gesang. Premiere demnach auch für unsere Ultras, welche den ersten Dreier des VfL, seit ihrer Rückkehr, feiern durften. Etwaige Unkenrufe, dass der Negativtrend mit der Rückkehr einher ging, sind damit vom Tisch.

Grundausrichtung und Beobachtungen

Hielt seine Seite sauber: Timo Perthel. Foto: Tim Kramer (VfL Bochum 1848)

Seit der Amtsübernahme von Jeff Saibene im März 2017 gehört Arminia Bielefeld zu den Mannschaften in der zweiten Liga, die gut organisiert und mit einem klaren Konzept in die Spiele gehen. Die beiden Viererketten hinter zwei anlaufenden Stürmern ist dafür prädestiniert dem Gegner die Lust am Fußballspielen zu vermiesen. Vor allem das zielstrebige Umschaltspiel kann zum Genickbruch werden, wenn man kopflos anrennt. Beim Gastspiel in Bochum lies Saibene einige Kandidaten für die erste Elf auf der Bank Platz nehmen. Andreas Voglsammer, Brian Behrendt, Keanu Staude oder Patrick Weihrauch galten zuletzt oder in der letzten Saison durchaus als Stammspieler. Auffällig bei den Bielefeldern war das Übergewicht auf der linken Seite, auf der der linke Mittelfeldspieler Nils Seufert eher nach invers agierte und damit Platz für Linksverteidiger Florian Hartherz und seine Ausflüge gen Grundlinie machte. Seufert konnte somit im zentralen Mittelfeld immer wieder zahlenmäßig ausgleichen und die beiden zentralen Mittelfeldspieler Manuel Prietl und Max Christiansen unterstützen.

Lukas Hinterseer musste gestern oft auf die Flügel ausweichen, um gegen die körperlich robusten und gut sortierten Arminen an Bälle zu gelangen. Lee und Weilandt agierten gut im Halbraum und konnten stetig für gefährliche Aktionen sorgen.

Unser Chef-Trainer Robin Dutt überraschte Saibene sichtlich mit der Umstellung der Grundordnung in ein 4-1-4-1, um die Sperre von Anthony Losilla aufzufangen. Chung-yong Lee und Sebastian Maier agierten als Achter vor Robert Tesche und konnten somit immer wieder die beiden eng gestaffelten Viererketten der Bielefelder ins schwimmen bringen. Für den verletzten Maxim Leitsch agierte Jan Gyamerah als Innenverteidiger neben Tim Hoogland, beide machten einen soliden Job. Gegen den körperlich robusten Fabian Klos wäre auch Patrick Fabian eine sinnvolle Option gewesen, der Routinier verbrachte jedoch das gesamte Spiel auf der Auswechselbank. Durch die Interpretation der einzelnen Rollen in der Defensive, konnte sich Timo Perthel offensiver positionieren. Perthel hatte die rechte Seite der Bielefelder gut im Griff, offensiv merkt man ihm jedoch noch die mangelnde Spielpraxis an. Seine Flanken aus dem Halbfeld zeugen davon, dass das Selbstvertrauen noch nicht wieder komplett zurückgekehrt ist.

Sebastian Maier hat man deutlich angemerkt, dass ein Einsatz für ihn vermutlich zu früh gekommen ist. Die Länderspielpause wird ihm gut tun und es bleibt zu hoffen, dass sich seine Leistenprobleme durch den Einsatz nicht verschlimmert haben.

„Wir haben danach aber nicht die Flanken zugestellt bekommen. In der Pause haben wir da etwas korrigiert, es wurde dann besser.“ – Robin Dutt (VfL Bochum 1848) nach dem Spiel.

Geburtstagskind Robbie Kruse wirkte auch gestern nicht sonderlich spritzig und mit Spaß am Spiel. Folglich mangelte es ab und an an der Bereitschaft defensiv mitzuarbeiten, weshalb es gut war, dass Lee im Halbraum hinter ihm agierte und seine Wege teilweise mitgehen konnte. Nach dem Spiel sprach Robin Dutt von Umstellungen, um das Flankenspiel der Bielefelder einzudämmen. Diese Maßnahme könnte damit gemeint gewesen sein. Hoffen wir, dass unser Australier bald wieder ein Erfolgserlebnis feiert und sich damit mehr Selbstvertrauen holt!

Ein unnachahmliches Solo bringt den Sieg

Das Spiel wurde gerade angepfiffen, da war die Arminia schon gefährlich vor dem Bochumer Tor. Manuel Riemann erwischte einen Sahnetag und entschärfte nicht nur die erste Chance der Bielefelder. Fast im Anschluss zeigte Tom Weilandt warum er derzeit so wichtig ist für unsere Mannschaft und ließ die halbe Abwehr mit einem unnachahmlichen Solo stehen. Den Abschluss konnte Ortega noch abwehren, doch den abgeprallten Ball verwandelte Weilandt per Kopf zur frühen Führung.

Sein Sololauf brachte den Heimsieg: Tom Weilandt im Dribbling. Foto: Tim Kramer (VfL Bochum 1848)

Nach dem frühen Führungstor übernahmen die Gäste immer mehr das Spiel und konnten gerade über die linke Flanke viele Bälle vor das Tor der Bochumer bekommen. Mit Fabian Klos und Jóan Símun Edmundsson lauerten zwei gefährliche Stürmer auf die Hereingaben, wobei beide gut bei Hoogland und Gyamerah aufgehoben waren. Die Arminen konnten insgesamt aber in Halbzeit 1 nicht mehr gefährlich werden und so wurde zum Pausentee gepfiffen.

In Halbzeit 2 kam mit Voglsammer dann noch mehr Wucht in das Spiel der Bielfelder, welche mit zwei Pfostentreffern dem Ausgleich verdammt nahe waren. Kurz vor Schluss hätte Lee nach einer tollen Vorlage von Manuel Riemann das Spiel entscheiden könnten, seiner tollen Ballannahme folgte jedoch ein nicht ganz optimaler Abschluss und somit blieb es beim doch eher schmeichelhaften 1:0 Heimsieg.

Erfreuliche Randnotiz: Tom Baack durfte zum Schluss Bundesligaluft schnuppern und hat seine ersten Minuten in der zweiten Liga absolviert. Das wird ihm Motivation geben, um sich im Training weiter aufzudrängen.

Unzufriedenheit einiger Spieler macht sich breit

Überraschend kam die Nicht-Berufung für die Startelf für Vitaly Janelt, welcher fest mit einem Einsatz als Ersatz für den gesperrten Anthony Losilla gerechnet hat. Gegenüber der Funke Medien Gruppe wurde Janelt nach dem Spiel deutlich:

„Der Zwanzigjährige frustriert: „Ich war auf jeden Fall enttäuscht. Ich hatte eigentlich gedacht, dass ich von Beginn an spiele, aber so ist das im Fußball. Mal schauen, was in den kommenden Wochen passiert.“ Auf die Frage nach den Gründen für seinen Bank-Platz antwortete er: „Gute Frage, da müssen sie den Trainer fragen.““ – Vitaly Janelt gegenüber der Funke Medien Gruppe.

Vor Ende der Partie wechselte Robin Dutt mit Silvère Ganvoula noch unseren zweiten Angreifer ein, um für Entlastung zu sorgen. Auf dem Platz wirkte Ganvoula nicht sonderlich erfreut über die späte Einwechslung und haderte mit jedem Pass, der nicht in seine Richtung gekommen ist.

Derzeit unzufrieden mit seinen Einsatzzeiten: Vitaly Janelt. Foto: Tim Kramer (VfL Bochum 1848)

Generell wird das Trainerteam gefragt sein, um Unmut zu erkennen, anzusprechen und hoffentlich zum Wohle des Teams im Keim zu ersticken. Wir werden jeden Spieler in dieser Saison noch brauchen. Klar ist aber auch, dass jeder Spieler auf dem Platz stehen möchte und wenn man die Phrasen weiter bemüht: Wenn ein Spieler nicht frustriert ist wenn er nicht spielt, sollte er sich Gedanken machen, ob er überhaupt Fußball spielen möchte. Wir belassen es dabei und beobachten in den kommenden Wochen, ob die Einsatzzeiten weiter aufgeteilt werden. Generell war es zuletzt jedoch wichtig Konstanz in die Mannschaft und ihre Leistungsfähigkeit zu bekommen, weshalb einige Spieler weniger Einsatzzeiten erfahren haben werden.

Bezüglich Janelt fing Robin Dutt bereits nach dem Spiel damit an:

„Auf der Pressekonferenz nach der Partie verriet Robin Dutt eine Anekdote vom Morgen des Bielefeld-Spiels: „Ich habe ihm gesagt, dass er in der vergangenen Woche einen großen Schritt gemacht hat – auch im Training. Allein, dass ich ihn in Unterzahl in Heidenheim gebracht habe zeigt meine große Wertschätzung. Er hat seine Sache ordentlich gemacht – auch nach der Einwechslung gegen Bielefeld.““ – Robin Dutt gegenüber der Funke Medien Gruppe.

Das Fazit zum Spiel übernimmt in diesem Fall unser Trainer

Das Trainerteam arbeitet akribisch, empathisch und zielgerichtet. Das gestrige Spiel hat Robin Dutt ganz wunderbar zusammen gefasst.

„Es war sehr interessant zu sehen, dass beide Team taktisch im Vorfeld etwas verändert haben. Wir haben auch etwas notgedrungen auf einen Sechser umgestellt, dazu mit Basti Maier und Chung Yong Lee zwei Achter. Zum Glück hatten wir heute mal einen guten Start. Die frühe Führung hat geholfen. Wir haben danach aber nicht die Flanken zugestellt bekommen. In der Pause haben wir da etwas korrigiert, es wurde dann besser. Bielefeld hat viel mit dem Stilmittel lange Bälle agiert. Da haben sie mit Klos und Voglsammer zwei gefährliche Spieler, das sind brutale Situationen für den Gegner. In solchen Phasen brauchst du auch Glück. Die Arminia hat sehr viel Druck gemacht, viele Standards und Torschüsse. Da musst du irgendwie ein Bein dazwischen bekommen. Insgesamt waren wir heute strukturierter als in der Englischen Woche. Nach der 75. Minute konnten wir dann auch wieder für Entlastung sorgen, das ist uns in den letzten Spielen nicht gelungen. Lee und Weilandt, auch Hinterseer und Kruse haben den Gegner toll beschäftigt und die Bälle gehalten. Das war wichtig. Insgesamt war Bielefeld feldüberlegen. Unterm Strich ist heute etwas Glück dabei. Von der Mentalität her haben wir uns voll reingehauen und sind an die Grenze gegangen. Wir nehmen diesen Sieg sehr gerne mit, sind aber auch froh über die Pause jetzt. Dem Gegner alles Gute. Jeff macht super Arbeit, hat toll organisierte Mannschaften. Wir hatten sehr viel Respekt, es ist nicht einfach. Umso wichtiger ist es, dass wir diese drei Punkte geholt haben.“ – Zusammenfassung des Spiels aus der Sicht von Robin Dutt (VfL Bochum 1848).

Dem gibt es nichts hinzuzufügen! Wohl dem, der einen Trainer hat, der Probleme auch nach Siegen erkennt und objektiv ein Spiel betrachten kann. In zwei Wochen geht es in den Volkspark nach Hamburg zum Topspiel gegen den Hamburger Sport Verein!

Sebastian Hettmann

Sebastian Hettmann

Als ich zum ersten Mal bewusst im Ruhrstadion war, spielte der VfL Bochum in der Saison 2002/2003 gegen den Hamburger Sport Verein und ein direkt verwandelter Eckstoß sowie einige Anekdoten von meinem Großvater lassen mich seither den Rothosen die Daumen drücken. Ich kam allerdings nie wieder vom Ruhrstadion los und bin seitdem regelmäßig ins Ruhrstadion gegangen. Seit der Saison 2006/2007 fiebere ich als Dauerkarteninhaber im Block N2 bei Spielen unseres VfL mit.

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