Stand das etwa in der Stadionzeitschrift für das erste Saisonspiel? In den Medien sah man den Namen Ganvoula auf jeden Fall nie. Foto: Tim Kramer (Tremark Fotografie)

Silvère Ganvoula soll für Power vor dem Tor sorgen!

Am Freitag tätigte unser VfL Bochum einen Stürmertransfer, den so wohl niemand auf dem Zettel hatte! Sebastian Schindzielorz überraschte mit Silvère Ganvoula M’boussy, ein 22-jähriger Stürmer aus dem Kongo, welcher für ein Jahr mit Kaufoption vom RSC Anderlecht ausgeliehen wird. Bisher weiß man recht wenig über den Spieler. Neben ein paar Tor-Videos auf YouTube, hat Ganvoula bei transfermarkt einen Marktwert von einer Million und beim EA Sports Fußballableger FIFA eine Gesamtstärke von 70. Wir nehmen den jungen Stürmer mal etwas näher unter die Lupe.

Silvère Ganvoula wurde am 29. Juni 1996 in Brazzaville, der Hauptstadt der Republik Kongo, geboren. Er spielte für die U17 Kongos beim Afrika-Cup 2013. Über seine Zeit beim zweifachen kongolesischen Meister Patronage Sainte Anne ist allerdings wenig bekannt. Zu seinem Debüt in der A-Nationalmannschaft kam Ganvoula bereits im Alter von 17 Jahren und 11 Monaten und ist damit einer der jüngsten Debütanten in der Geschichte der kongolesischen Nationalmannschaft. Im Spiel um die Afrika-Cup-Qualifikation gegen Namibia wurde Ganvoula in der 76. Minute eingewechselt. Zwar verlor Kongo dort mit 1:0, im Rückspiel war Ganvoula von Trainer Claude Le Roy allerdings gesetzt und prompt erzielte Ganvoula sein erstes Länderspieltor. Damit ist Ganvoula übrigens der jüngste Torschütze in der Nationalmannschaft des Kongo.

Auch in der zweiten Runde gegen Ruanda wurde Ganvoula eingesetzt, dort verwandelte er im Elfmeterschießen seinen Elfmeter. In der anschließenden Qualifikations-Gruppenphase wurde Ganvoula nicht mehr eingesetzt, da ihm der erfahrenere Spanien-Legionär Thievy Bifouma vorgezogen wurde. Mit Platz zwei in der Gruppe hinter Südafrika qualifizierte sich Kongo für den Afrika-Cup 2015, der in Äquatorialguinea stattfand.

Ganvoula in Marokko, Türkei und in Belgien

Für Ganvoula ging es aber weiter hoch in der Karriereleiter. Doch statt wie für französischsprachige Fußballer üblich, einen Verein aus der unterklassigen französischen Liga oder der belgischen Liga auszusuchen, blieb Ganvoula in Afrika. Er schloss sich im September 2014 dem Finalisten der FIFA Club-Weltmeisterschaft 2013, Raja Casablanca aus Marokko, an.

Nebenmann von Hinterseer oder doch nur Backup-Stürmer? Silvere Ganvoula kann auch auf den Flügeln eingesetzt werden. Foto: Tim Kramer (Tremark Fotografie)

Dort musste sich Ganvoula erst einmal der Konkurrenz stellen. Sage und schreibe sechs Mittelstürmer standen im Kader, wobei Silvère mit 18 Jahren natürlich der Jüngste war. Dass Raja Casablanca während der Saison insgesamt drei verschiedene Trainer hatte und die Liga, trotz Luxuskader, nur auf Platz acht abschloss, sei am Rande erwähnt. Anfang der Rückrunde nahm Ganvoula außerdem noch am Afrikacup teil, wurde aber nicht eingesetzt. Ganvoula kam bei Raja Casablanca gerade einmal auf vier Einsätze, wovon lediglich einer über 90 Minuten war.

Um Spielzeit zu bekommen verließ Ganvoula den marokkanischen Rekordmeister und schloss sich im Sommer 2015 dem türkischen Zweitligisten Elazigspor an. Dank einer Siegesserie stand Elazigspor nach einigen Spieltagen auf dem ersten Tabellenplatz und die Rückkehr in die Süper Lig schien nah, ehe auf Platz vier stehend der Trainer im Herbst gefeuert wurde. Der neue Trainer kam Mitte November und ignorierte Ganvoula komplett. So kam er auf keinen weiteren Einsatz mehr bis zur Winterpause. Der nächste Trainer hielt ganze neun Tage durch, ehe sein Nachfolger Ganvoula auch auf dem Flügel ausprobierte. Der neuer Trainer, der fünfte in einer Saison, kam und setzte Ganvoula wieder im Sturmzentrum ein. So standen zum Ende der Saison für Ganvoula fünf Treffer und eine Vorlage. Die Rückkehr in die Süper Lig verpasste Elazigspor allerdings, da der Verein gegen Adana aufgrund der Auswärtstorregel im Halbfinale der Play-Offs ausschied. Ganvoula musste in dieser Zeit verletzt zusehen.

So fand in der Folgesaison ein größerer Umbruch bei Elazigspor statt und Ganvoula durfte trotz laufendem Vertrag den Verein verlassen. Da kam das Angebot des belgischen Erstligisten KVC Westerlo gerade recht. Da der Topstürmer des Vereins Westerlo in die englische Championship gen Cardiff City verlassen hatte, waren die Fußstapfen entsprechend groß.  In seinem Debüt gegen Standard Lüttich kam Ganvoula prompt zu seinem ersten Saisontor. Auf sein zweites Tor musste Ganvoula bis zum fünften Spieltag warten, dort erzielte Ganvoula den zwischenzeitlichen Führungstreffer bei der 1:2-Niederlage. Westerlo kämpfte weiterhin gegen den Abstieg, Ganvoula blieb hingegen in der Mannschaft. Gegen Kortijk erzielte Ganvoula beim 4:1 sogar seinen ersten Doppelpack im Profifußball. Der RSC Anderlecht erkannte sein Talent und verpflichtete ihn im Januar 2017 für eine Ablösesumme von 1,2 Millionen Euro. Um für ihn aber weiterhin Spielzeit zu garantieren, wurde er bis Saisonende weiterhin an KVC Westerlo ausgeliehen. Westerlo stieg am Ende in die zweite Liga ab, Ganvoula war mit neun Treffern und zwei Vorlagen aber der beste Torschütze der Mannschaft und blieb der ersten Liga erhalten.

Der Wechsel zu Anderlecht

Die Konkurrenz beim belgischen Meister RSC Anderlecht war natürlich riesig. Teodorczyk, Beric und Thelin waren alle vor ihm gesetzt, dennoch kam Ganvoula am ersten Spieltag zu seinem Debüt. Um ihm dennoch mehr Spielzeit zu gewähren, wurde Ganvoula kurz vor Ende der Transferperiode zum Sensations-Europacup-Sieger von 1988, dem KV Mechelen, ausgeliehen. Obwohl dort anfangs als Stammspieler gesetzt, verlor Ganvoula seinen Stammplatz und saß am Ende nur noch auf der Bank. Ein erheblicher Einschnitt für ihn war der Verlust seines Vaters, wodurch er im November, verständlicherweise, zwei Spiele pausierte. Leider gelang Silvère in 10 Einsätzen für den KVC Mechelen lediglich eine Torbeteiligung. Der RSC Anderlecht reagierte und löste die Leihe zum Winter auf. Im Winter war jedoch nicht mehr René Weiler verantwortlich in Anderlecht, sondern der Belgier Hein Vanhaezebrouck.

Doch Vanhaezebrouck gab Ganvoula bei seiner Rückkehr nach Anderlecht Spielzeit. Gegen seinen Ex-Leih-Verein Mechelen erzielte Ganvoula sogar einen Doppelpack. Am 30. Spieltag verwandelte Ganvoula zudem einen Strafstoß gegen Royal Antwerpen zum 2:1-Siegtreffer. In den darauffolgenden Playoffs kam Ganvoula überwiegend als Einwechselspieler hinter Teodorczyk zum Einsatz. Zur Erklärung: Nach der Meisterrunde spielen die besten sechs Teams noch einmal den Meister aus. Die Meisterschaft konnte der belgische Rekordmeister allerdings auch nicht mehr verteidigen, der FC Brügge holte sich stattdessen seinen 15. Meistertitel.

Silvère und unser Sport-Vorstand Sebastian Schindzielorz bei der Vertragsunterschrift am 20.07.2018. Foto: VfL Bochum 1848

Zur Beginn dieser Saison schien für Ganvoula allerdings kein Platz mehr. Mit Landry Dimata vom VfL Wolfsburg wurde ein jüngerer, talentierterer Spieler ausgeliehen. Außerdem verpflichteten die Belgier den Kroaten Ivan Santini vom SM Caen. Anderlecht erhofft sich von der Leihe eine Wertsteigerung von Ganvoula, damit dieser zumindest dann zumindest gewinnbringend weiterverkauft werden kann. Die VfL-Verantwortlichen konnten dem sogar einen Riegel vorschieben, sodass man sich eine Kaufoption für eine eventuelle Leistungsexplosion Ganvoulas sichern konnte.

Welcher Spielertyp ist Silvere Ganvoula?

Ganvoula ist mit 1,91 Metern ein echter Hüne. Seine größten Stärken sind, wie Sportvorstand Sebastian Schindzielorz erwähnte, seine physische Präsenz und seine Kopfballstärke. Von bisher 17 Treffern in seiner Profikarriere erzielte Ganvoula sieben mit seinem Kopf. Auf Ganvoula könnte außerdem eine Art Arbeiterrolle als Wandspieler im Sturm wie seinerzeit Mlapa und damals auch Terodde zukommen, indem er zwei Verteidiger beschäftigt und die Stürmer in Form von Kruse, Sam oder Pantovic diese freigewordenen Räume nutzen kann. Auch ist die Ballverarbeitung von Ganvoula zumindest ordentlich, wenn auch manchmal etwas unsauber. Zumindest verstolpert er nicht reihenweise Bälle. Vor allem ab Minute 70+ kann ich mir Ganvoula gegen aufgeriebene Abwehrreihen durchaus gut vorstellen. Die Lücken, die er in die Abwehrreihen reisst, müssen die Mitspieler aber dann nutzen.

„Silvère Ganvoula hat eine sehr große physische Präsenz und ist kopfballstark. Nicht allein dadurch, sondern auch durch seinen beidfüßigen Abschluss wird er unsere Angriffsmöglichkeiten erweitern.“ – Sebastian Schindzielorz

Herzlich Willkommen anne Castroper, Silvère! Auf eine erfolgreiche Zeit!

Matthias Rauh

Matthias Rauh

Obwohl in Bayern wohnhaft besitze ich eine Dauerkarte beim VfL und versuche, jedes Heimspiel und jedes Auswärtsspiel im Süden vom VfL mitzunehmen. Meine Begeisterung für den VfL entwickelte sich in der Saison 2006/07, endgültig besiegelt wurde sie bei dem eigentlich völlig belanglosen Spiel Karlsruher SC gegen den VfL im Jahr 2008. Während eines Fußballturniers wollten meine Mannschaftskameraden in der Bundesligakonferenz ständig die Zwischenstände von Bayern München und Nürnberg wissen, ich erntete misstrauische Blicke, als ich den Zwischenstand von Bochum wissen wollte. Abstieg, Relegation, Funkel, Neururer... ich bin immer noch dabei und freue mich immer mehr auf Spiele wie Bochum gegen Sandhausen als Bayern gegen Dortmund.

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