Gehen die Aufsteiger baden oder ist mehr drin? Foto: Tim Kramer (Tremark-Fotografie)
Graue, kurze Tage mit viel (Schnee-) Regen. Was bedeutet das wohl? Das Wintertransferfenster steht vor der Tür! Foto: Tim Kramer (Tremark Fotografie)

Der einsachtvieracht-Scouting-Bericht #5

Es ist kalt geworden in Deutschland und das Weihnachtsfest steht vor der Tür. Für uns heißt das: Glühwein, Tannenbaum und Transfers! Ja, richtig gelesen: Das kurze Transferfenster steht vor der Tür! Zum Glück haben wir noch etwas Zeit und schreiben daher unseren Wunschzettel, um unsere Mannschaft frischen Kräften zu verstärken. Egal, ob bereits im Winter oder in Hinblick auf einige auslaufende Verträge im kommenden Sommer.

Chong-T(h)ese: „Uns gehen die offensive Mittelfeldspieler aus, also holen wir doch einen Stürmer!“

Sebastian Hettmann: Mit Simon Zoller rückte zuletzt ein Stürmer erneut in den Fokus, der immer wieder als möglicher Neuzugang anne Castroper gehandelt wird. Mit seinem guten Antritt und dem Näschen dafür Räume zu sehen, kann sich Zoller immer wieder gut in Position bringen. Gerade seine Läufe in die Spitze sind gefährlich, wenn er schneller reagiert als die Verteidiger und sich somit einen Vorsprung erarbeiten kann. Im Ballbesitzspiel sehe ich Zoller eher als zweite Spitze, aber gerade auswärts könnte er uns mit seiner Zielstrebigkeit zum Tor hin tolle Möglichkeiten verschaffen. Auch in Hinblick auf die neue Saison und zwei auslaufenden Verträgen im Sturmzentrum bleibt Zoller jemand, der uns durchaus helfen könnte.

Christoffer Nyman im Trikot von IFK Norrköping. Foto: Anders Henrikson (Wikimedia Commons)

Steven Ongsiek: Simon Zoller wäre in meinen Augen eine echte Verstärkung und würde uns in der Offensive definitiv weiterhelfen. Durch seine Vielseitigkeit verschafft er dem VfL mehr Möglichkeiten, sofern auch mal das Spielsystem innerhalb eines Spiels geändert wird. Zoller ist zudem auch eine Alternative, falls uns, wie aktuell, die Flügelspieler ausgehen.

Claudio Gentile: Zoller wäre sicherlich auf dem Papier ein Name, der sich sehr gut liest und auch auf dem Platz die Qualität nochmal anheben dürfte. Allerdings stellt sich für mich durchaus schon die Frage der wirtschaftlichen Umsetzbarkeit. Zoller wird in Köln nicht wenig verdienen und hat nun mal noch einen Vertrag bis 2020. Warum sollte der Spieler groß auf Geld verzichten? Wäre alles in allem nur machbar, wenn Köln Zoller loswerden will und dafür finanziell dem VfL entgegenkommt.

T(h)ese: „Wenn uns Hinterseer und Ganvoula verlassen sollten, müssen wir den Sturm komplett neu aufstellen.“

Sebastian Hettmann: Nicht nur die offensiven Mittelfeldspieler gehen uns aus, auch die Zukunft von Lukas Hinterseer und Silvère Ganvoula ist über die Saison hinaus unklar. Ein Stürmer, der für mich nahtlos die Rolle ausfüllen könnte und desse Vertrag ausläuft, ist Christoffer Nyman. Bei Eintracht Braunschweig derzeit noch im Kader geführt, ist die dritte Liga unter seinem Niveau. Für seine Statur ist Nyman beweglich, nimmt am Spiel teil und im Strafraum am Ball ungemein gefährlich. Dazu hat er diese Saison verloren und könnte daher bei einigen Verantwortlichen aus dem Blickfeld geraten sein. Demnach wäre eine Verpflichtung für den VfL möglich, sollte man sich früh um den jungen Schweden bemühen. Selbst wenn Lukas Hinterseer im Verein verbleibt, wäre Nyman sicherlich eine tolle Verpflichtung und ein Fingerzeig gen Konkurrenz.

Steven Ongsiek: Sofern Hinterseer und Ganvoula den Verein verlassen sollten, wäre das für mich aktuell das schlimmste aller Szenarien. Primär sollte Sebastian Schindzielorz versuchen, Hinterseer zu binden, aber auch Ganvoula ist eine echte Alternative, falls er nicht zu viel Ablöse kostet. Als möglicher Ersatz ist Nyman sicherlich ein Spieler, der in der zweiten Liga nochmals gut durchstarten könnte und auch in Bochum gut aufgehoben wäre. Ein weiterer Spieler, der sicherlich realisierbar wäre, ist Keita-Ruel aus Fürth. Mit 29 Jahren ist er im besten Fußballeralter und gerade in dieser Saison hat er schon bewiesen, dass er ein durchaus gefährlicher Stürmer sein kann.

Jeder hat Jugendsünden, deshalb wurde Martin Kobylanski bei Werder Bremen ausgebildet. Aber wir sind ja nicht nachtragend. Foto: Joachim Bomann (Wikimedia Commons)

Stefan Zils: Ich würde es auf keinen Fall so weit kommen lassen, dass uns beide Spieler verlassen. Primär würde ich versuchen, den Vertrag von Hinterseer zu verlängern und dann bei Ganvoula abwägen, wie er sich im Verlauf der Saison schlägt. Dazu wäre natürlich auch gut, ihn mal als einzige Spitze auflaufen zu sehen. Sollte Hinterseer uns verlassen wollen, wäre es für mich aber sinnvoll, Ganvoula weiter zu halten, ob man ihn nun ein weiteres Jahr ausleihen oder die Kaufoption ziehen würde. So hätte man einen Spieler, der sich im System Dutt auskennt und müsste nicht gleich wieder bei Null anfangen. Als Sturmoption käme für mich Tim Kleindienst infrage, dessen Vertrag in Freiburg ausläuft. Auch wenn er sich bislang nicht als großer Torjäger gezeigt hat (wo allerdings Hinterseer auch nicht grad berüchtigt für ist), seine körperliche Anlage (gutes Tempo, beidfüßig, Kopfballstärke) und die hohe Bereitschaft, auch defensiv mitzuarbeiten, könnten im System von Dutt gut zur Geltung kommen und es hat sich schon oft gezeigt, dass ein Spieler nur die richtige Umgebung braucht, damit er richtig funktioniert.

T(h)ese: „Warum sind wir immer so spät, wenn es um Spieler mit auslaufenden Verträgen geht?“

Sebastian Hettmann: Es hängt natürlich davon ab, wann unsere Mannschaft abschließend geklärt hat in welcher Liga man in der darauffolgenden Saison spielt. Demnach gehe ich stark davon aus, dass auch in den vergangenen Jahren vorab einige Pläne für Neuzugängen in der Schublade lag. In diesem Jahr dürfen wir mindestens von der zweiten Liga ausgehen, weshalb wir einige Asse im Ärmel haben dürften. Zudem wird sich das Gesicht der Mannschaft im kommenden Sommer verändern.

Zu Martin Kobylanski gibt es mittlerweile Gerüchte in der Presse zu lesen, weshalb gerade interessant ist, dass der Vertrag des Deutsch-Polen bei Preußen Münster im kommenden Sommer ausläuft. Kobylanski beweist auch in dieser Saison, dass er reif ist für den Schritt in die zweite Liga.

„Neben Nielsen könnte auch Martin Kobylanski von Preußen Münster ein Mann sein, der unsere Offensive mehr Tiefe geben und ergänzen kann. Durch seine Beidfüßigkeit und seinen Spielwitz ist Kobylanski bei den Preußen der Mann für die besonderen Momente und der Vertrag läuft im kommenden Sommer aus. Er hat viel Erfahrung in der dritten Liga sammeln können und wird den Sprung in die zweite Liga definitiv wagen. Durch seine Ausbildung bei Werder Bremen ist er technisch super geschult und kann sich auch in ein bestehendes Defensivkonzept integrieren. Als Mann für die offensive Dreierreihe würde er mehr Wendigkeit in unseren Kader bringen. Das Preis-/Leistungsverhältnis könnte bei Kobylanski sehr gut sein, wodurch wir eventuell ein Schnäppchen machen können ob des auslaufenden Vertrags. Auch Kobylanski hatte ich bereits vorgeschlagen, weshalb die Vorschläge weiter aktuell, aber nicht wirklich neu sind.“ – Sebastian Hettmann, Scoutingbericht #4

Schneeweiß steht ihm nicht so gut wie Blau und Weiß: Sören Bertram. Foto: Northside (Wikimedia Commons)

Neben Kobylanski läuft auch der Vertrag von einem alten Bekannten aus, der, meiner Meinung nach, wunderbar in unsere Mannschaft passen würde: Sören Bertram. Bertram kann mit Tempo und mit Ball am Fuß agieren und Offensiv alle Positionen bekleiden. Hat seit seinem Transfer weg vom VfL überall gespielt und viel Erfahrung sammeln können. Dennoch ist er mit 27 Jahren in einem guten Alter und würde die Offensive um eine Variante bereichern, die uns ein Abgang von Robbie Kruse wegbrechen könnte: Das Tempo. Dass Bertram Linksfuß ist, macht ihn ebenso wertvoll wie seine Zielstrebigkeit zum Tor hin und sein stramme Schusstechnik.

Claudio Gentile: Wir sind so spät, weil schlicht und einfach zu einer Vertragsverlängerung immer zwei Seiten gehören. Hat ein Spieler gerade ein Hoch, ist es doch durchaus legitim, dass er zum Beispiel auf Angebote aus der ersten Liga hofft und nicht vorschnell bei unserem VfL seinen Vertrag verlängern will. Das ist für uns Fans zwar doof und viele sprechen immer von Söldnertum, allerdings würden das die meisten von uns doch ganz genauso machen. Oder nicht? Ein anderer Arbeitgeber bietet das doppelte Gehalt für die gleiche Arbeit – Da behaupte ich, dass die wenigsten „Nein“ sagen würden. Wir wollen doch immer hungrige Spieler – für Leistungssportler gehört es nun mal dazu, hungrig nach dem best möglichen zu sein – und das ist um Fußball nun mal das Oberhaus.

T(h)ese: „Unser Abwehrzentrum braucht mehr Quantität!“

Stefan Zils: Es bleibt erst einmal abzuwarten, wann und wie Leitsch wieder zurückkehrt, ob man mit Hoogland verlängert und ob man Lorenz für die kommende Saison als vollwertiges Mitglied des Kaders ansieht. Gyamerah würde ich idealerweise eh wieder als Rechtsverteidiger sehen. Man könnte überlegen, mit Baack zu verlängern und ihn ein Jahr zu verleihen. Mit dieser Entscheidungen blieben für mich drei Innenverteidiger (Leitsch, Hoogland, Lorenz) und man bräuchte, vor allem, wenn man sich verbessern will, noch einen Innenverteidiger mittleren (Fußballer-)Alters.

Sebastian Hettmann: Absolut, wobei hier mit Bedacht gehandelt werden muss. Maxim Leitsch wird zurückerwartet, Simon Lorenz hat sich bei 1860 München direkt durchgesetzt und ist uneingeschränkter Stammspieler. Dennoch werden uns, so schwer es mir fällt, im Sommer vermutlich von Jan Gyamerah verabschieden müssen. Mit seinen herausragenden Attributen, seiner seit Monaten tollen Form sowie seines auslaufenden Vertrag, wird er wohl Angebote aus der ersten Liga erhalten. Auch die Verträge von Tim Hoogland, Patrick Fabian und Tom Baack enden im kommenden Sommer. Eine Verlängerung bei Baack scheint sinnvoll und wird vermutlich in der Rückrunde bekannt gegeben. Was jedoch mit unseren beiden Routiniers passiert, kann ich derzeit schwer einschätzen. Ein Umbruch könnte erfolgen, ebenso wie eine erneute Verlängerung bei beiden um ein Jahr, sollten wir in der zweiten Liga verbleiben.

Die Perspektive für Jan Gyamerah kann nur die erste Bundesliga sein. Foto: Tim Kramer (Tremark Fotografie)

Meiner Meinung nach werden ehrliche Gespräche erfolgen und unsere Führungsriege muss entscheiden, ob man die Situation nutzt, um eine Frischzellenkur einzuleiten oder ob man darauf vertraut, dass wir mit dem derzeitigen Personal auch in der kommenden Saison um den Aufstieg spielen können oder die Klasse in der Bundesliga halten können. Sollte man sich für eine Frischzellenkur entscheiden, muss man vermutlich Geld in die Hand nehmen. Zum einen ist die Position mit dem entsprechenden spielstarken Innenverteidiger schwer zu finden und damit teuer. Blickt man ins nahe Ausland, sind mir zwei Spieler aufgefallen, die (kostengünstig) mehr Qualität versprechen könnten.

Lukas Spendlhofer ist seit Jahren absoluter Stammspieler und Leistungsträger beim SK Sturm Graz und besticht als Innenverteidiger vor allem durch seine körperlichen Attribute. Vorteil ist, dass der Rechtsfuß im kommenden Sommer vertragslos wird und somit zum Transferziel avancieren könnte. Sein Aufbau- und Passspiel sind absolut sauber und würden uns immens helfen. Innerhalb der Mannschaft könnte er mit Maxim Leitsch ein Duo bilden, welches uns in der kommenden Saison mehr Sicherheit im Defensivverbund verspricht und perspektivisch noch einmal Ablösesummen generieren könnte. Ob Spendlhofer nicht vielleicht sogar ein Regal zu hoch liegt für uns, kann ich derzeit nur schwer abschätzen. Sicherlich müsste man ihm eine Perspektive aufzeigen, die kurzfristige in die erste Bundesliga führt.

Lukas Spendlhofer im Einsatz für Sturm Graz. Einige der Sponsoren könnte er gerne mitbringen. Foto: Steindy (Wikimedia Commons)

Der zweite Spieler, der mir ins Auge gefallen ist, ist Maximilian Rossmann. Der junge Mann aus Niedersachsen ist seinen Weg kontinuierlich gegangen und hat sich von der A-Jugend Bundesliga in die Regionalliga, über die dritte Liga in die Eredivisie zu Heracles Almelo gespielt. Rossmann konnte sich auf Anhieb im Team von Frank Wormuth als Stammspieler durchsetzen und ist, wie Spendlhofer, mit 1,92 Meter ein Innenverteidiger mit Gardemaß, dennoch sehr mobil. Im Gegensatz zu Spendlhofer ist Rossmann technisch weniger beschlagen, es reicht aber natürlich trotzdem für den Profifußball aus und sollte daher keinen Grund darstellen, sich keine Gedanken über ihn zu machen. Der einsachtvieracht-Scoutingtermin am 15.12.2018 gegen PSV Eindhoven musste leider krankheitsbedingt verschoben werden, so dass ich bei nächster Gelegenheit meine Eindrücke sammeln und von ihm berichten werde. Insgesamt müsste man natürlich abwägen, ob Rossmann besser ist als unsere derzeitigen Spieler oder Simon Lorenz, den wir im kommenden Sommer von seiner Leihe zu 1860 München zurück erwarten.

Matthias Rauh: Wieso sollten wir uns im Ausland umsehen, wenn das Glück fast direkt vor der Haustür ist? Ich spreche von Timo Becker, derzeit bei Regionalligist Rot-Weiß Essen unter Vertrag. Becker debütierte wenige Tage vor seinem 19. Geburtstag im März 2016 bei seinem Jugendverein Rot-Weiß Essen in der Regionalliga bei der 1:0-Niederlage bei Fortuna Düsseldorf II. Seitdem kommt der gebürtige Hertener auf 63 Einsätze in der höchsten Spielklasse der Amateure.

Timo Becker in Aktion. Er würde genau den richtigen Mix aus Erfahrenheit und Jugendlichkeit in den Kader bringen. Foto: Volker Barth

Gerade seine Variabilität kam Becker hierbei zugute. Neben Einsätzen als Rechtsverteidiger konnte man Becker auch problemlos ins defensive Mittelfeld stellen. Letzten Endes hat er sich aber auf seiner Stammposition in der Innenverteidigung durchgesetzt. Und auch bei Standards bleibt der 21-jährige gefährlich: Schon vier mal traf Becker bei Standards per Kopf ins Schwarze, so beweißt Beckermit seinen 1,86 Metern Größe Kopfballstärke. Auch seine Spielstärke fiel sofort auf: Denn nach wenigen Spielen war Becker Abwehrchef und zusammen mit Timo Brauer Ankurbler des Offensivspiels von RWE.

 

Beckers Vertrag läuft im Juni 2019 aus und Becker hegt keine Ambitionen, darüber hinaus für RWE aufzulaufen, weshalb RWE die letzten Spiele mit Zeiger und Urban in der Innenverteidigung aufläuft. Ein Wechsel im Winter scheint realistisch, möchte man in zwei Jahren mit dem Innenverteidiger-Duo Lorenz und Becker auflaufen, wäre eine Leihe nach Verpflichtung sehr ratsam.

 

Sebastian Hettmann

Sebastian Hettmann

Als ich zum ersten Mal bewusst im Ruhrstadion war, spielte der VfL Bochum in der Saison 2002/2003 gegen den Hamburger Sport Verein und ein direkt verwandelter Eckstoß sowie einige Anekdoten von meinem Großvater lassen mich seither den Rothosen die Daumen drücken. Ich kam allerdings nie wieder vom Ruhrstadion los und bin seitdem regelmäßig ins Ruhrstadion gegangen. Seit der Saison 2006/2007 fiebere ich als Dauerkarteninhaber im Block N2 bei Spielen unseres VfL mit.

Schreibe einen Kommentar