Unser VfL braucht Verstärkung! Foto: Tim Kramer (VfL Bochum)

Der Einsachtvieracht-Scouting-Bericht #8

Die erste Hälfte der Spielzeit 2019/20 lief überhaupt nicht wie gewünscht. Missratener Start, zu viele Unentschieden und viele knappe Spiele, die man nicht für sich entscheiden konnte. Noch liegen allerdings 16 Spiele vor uns. Genug Möglichkeiten also, um doch noch für eine ordentliche Saison zu sorgen. Dass der Kader Potenzial hat, wurde immer wieder unter Beweis gestellt. Konstanz war allerdings ein Fremdwort. Auch scheint auf einigen Positionen die Kaderplanung nicht ideal zu sein. Einige Nachwuchsspieler, die man als Back-Up eingeplant hatte, sind noch zu weit weg vom Profikader. Andere gestandene Spieler enttäuschen bisher mit den gezeigten Leistungen. Punktuell braucht der Kader unserer Ansicht nach noch Verstärkung, um ideale Bedingungen für eine gelungene Rückrunde zu schaffen. Kurz gesagt: Scoutingbericht Nr. 7 ist lange her, wir haben Ideen für unseren Kader!

Auf der linken Abwehrseite braucht es einen Back-Up oder gegebenenfalls schon Nachfolger für Danilo Soares. Fällt der Brasilianer aus, muss man Spieler positionsfremd einsetzen, um die Lücke zu schließen. Stefano Celozzi und Vitaly Janelt sind keine Linksverteidiger, Stelios Kokovas und Moritz Römling aktuell weit weg vom Kader. Dazu weiß man nicht, wie es um eine potenzielle Vertragsverlängerung des Brasilianers steht. Dass er uns im Sommer verlässt, ist wahrscheinlich.

Ohne stabilen Nebenmann hat auch Anthony Losilla häufig das Nachsehen. Foto: Tim Kramer (Tremark Fotografie)

Das zentrale Mittelfeld weist trotz eines üppigen quantitativen Angebots immer wieder große Probleme auf und ist in unseren Augen ebenfalls eine größere Baustelle. Mit Anthony Losilla hat man einen Dauerbrenner – dahinter wird es allerdings dünn. Janelt schafft es nicht, konstant seine Leistung abzurufen, Robert Tesche hat in größter Not für Stabilität gesorgt, man merkt in vielen Situationen allerdings immer mehr wie ihm die Dynamik abgeht. Thomas Eisfeld enttäuscht bisher auf ganzer Linie. War ihm vor der Saison eine zentrale Rolle zugedacht, schafft er es nicht, auch nur ansatzweise das in ihn gesetzte Vertrauen durch Leistung zurückzuzahlen. Hier braucht es einen konstanten Partner für Losilla.

Nicht ganz unwichtig wäre darüber hinaus ein Pendant für die rechte Seite zu Danny Blum. Tom Weilandt hat immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen und steckt zudem seit der letzten Rückrunde in einer Formkrise, Simon Zoller ist und bleibt kein Flügelstürmer. Natürlich kann man mit dem vorhandenen Material die Spielzeit über die Runden bringen, aber hier ist, eben wie auch im zentralen Mittelfeld, Verbesserungspotenzial vorhanden.

Welche Spieler könnten uns im Winter verstärken?

Claudio Gentile: Auch auf die Gefahr hin, hier einige zu langweilen, werfe ich einen Spieler in den Ring, den ich schon das letzte Mal vehement gefordert habe: den 19-jährigen Liberato Cacace. Der Kiwi mit italienischen Wurzeln geht aktuell, trotz seines noch jungen Alters, schon in seine 3. Spielzeit als Stammspieler bei den Profis (39 Einsätze in der A-League) und ist auf der Linksverteidiger-Position zu Hause. Bei der U20-WM in Polen war einer der Leistungsträger. Auch in der A-Nationalmannschaft der Kiwis ist er nicht wegzudenken. Er ist trotz seiner recht kleinen Größe von nur 1,70m sehr robust und sprintstark. Er hat sehr gutes Gespür für Spieldynamiken und bringt Flanken mit extrem viel Schnitt vor das gegnerische Tor.

Wirbelt Liberato Cacae statt im Dress von Wellington Phoenix bald in Blau und Weiß? Foto: Wiki Commons (CC BY-SA 4.0)

Der Neuseeländer ist kein Spieler, der nur an der Linie klebt, sondern ist oft bei seinen Offensivaktionen sehr diagonal orientiert. Großes Plus: seine Beidfüßigkeit. Vor allem vor dem Hintergrund, dass nicht klar ist, ob Soares über den Sommer hinaus bleibt, wäre hier eine Verstärkung wünschenswert. Mit dem Kiwi kann man möglicherweise aber auch eine zweite Kaderposition gleichzeitig abdecken. Er hat bei Wellington Phoenix oft im 3-5-2 als Schienenspieler agiert und gezeigt, dass er hohe Offensivqualitäten besitzt. Wäre er also eventuell auch eine Alternative eine Position weiter vorn? Durchaus denkbar.

Sein Vertrag läuft im Sommer 2020 aus – eine mögliche Ablösesumme wäre daher sehr überschaubar. Auch hat Liberato Cacace selbst in einem Interview gesagt, dass er gerne bald den nächsten Schritt nach Europa gehen möchte. Mein anderer Spezi, Sapreet Singh, sei dabei sein Vorbild. Der spielt übrigens in er zweiten Mannschaft der Bayern groß auf und trainiert nun dauerhaft mit den Profis mit. Im Winter wird da sicherlich nichts gehen, aber vielleicht wäre Singh im Sommer ja ein Leihkandidat?

Stefan Zils: Im Winter wirkliche Verstärkungen zu bekommen ist immer schwierig. Man kann sich auf dem Markt umschauen, im Regelfall findet man aussortierte Spieler bzw. Spieler mit wenig Spielpraxis und eher junge Spieler, die momentan nicht so zum Zuge kommen. Zwei Spieler aus der Bundesliga wären für mich da insbesondere interessant, zum einen Georg Teigl vom FC Augsburg, der nach seiner Vertragsverlängerung bis 2022 im Sommer so gut wie nicht mehr zum Einsatz kam und den man eventuell leihweise bekommen könnte, ob nun mit oder ohne Kaufoption, sollte für den Kampf um den Klassenerhalt nebensächlich sein. Teigl ist pfeilschnell, kann auf beiden Außenbahnen offensiv sowie auch als Rechtsverteidiger eingesetzt werden. Als seine Stärken würde ich die Laufstärke und defensive Mitarbeit, sowie seine Flanken ansehen, grad bei einem Mittelstürmer wie Ganvoula sicher nicht das schlechteste.

Der zweite Spieler wäre Elvis Rexhbecaj vom VfL Wolfsburg. Letzte Saison quasi mit seinem Durchbruch, diese Saison unter neuem Trainer noch ohne Bundesliga-Einsatz. Im Sommer lehnte Wolfsburg viele Angebote ab, sollte sich die Meinung über ihn nicht grundsätzlich geändert haben, könnten sie einer Leihe über ein halbes Jahr durchaus zustimmen, ein Kauf wäre für unseren VfL allerdings wohl nicht möglich. Er kann im Mittelfeld auf der 6/8 zum Einsatz kommen und könnte als laufstarker Mentalitätsspieler genau der sein, der uns fehlt. Man könnte ihn von der Art vielleicht ein wenig mit Onur Bulut vergleichen.

Mir wären feste Verpflichtungen im Grunde lieber, aber hier wären zumindest zwei Spieler, die aktuelle Lücken im Kader füllen könnten.

Die Ostkurve schreit nach Innenverteidigern, die Vereinsführung ebenso. Wir würden es gutheißen.

Sebastian Hettmann: Wie Stefan ganz richtig angemerkt hat, ist es immens schwierig im Winter passende Spieler fest zu verpflichten. Meist geht der Weg über Leihen, um kurzfristig Qualität von anderen Vereinen einzukaufen und für diesen Verein zu entwickeln. Ich würde an der Stelle unserer Verantwortlichen die Schatulle lieber zu lassen und im Frühjahr versuchen das eingesparte Geld für angehende vertragslose zu verwenden, um die Gehälter zu stemmen. Auch kann man im Sommer eher Spieler für einen Wechsel begeistern, wofür ab und an auch Ablösesummen von Nöten sind.

Macht es Sinn sich bei der Fortuna zu bedienen? Wer wohnt schön gerne in Düsseldorf? Foto: Tim Kramer (Tremark Fotografie)

Mein Vorschlag für eine Leihe im Winter (vielleicht ja sogar für eineinhalb Jahre) wäre Stephan Ambrosius vom Hamburger Sport Verein. Ambrosius hatte sich in der vergangenen Saison ins Schaufenster beim HSV gespielt und durfte einige Partien bestreiten, bei denen er mit seiner athletischen und körperlich robusten Spielweise überzeugt hat. Technisch wurde er bei den Norddeutschen sehr gut ausgebildet und kann ähnlich wie Bella-Kotchap größere Räume verteidigen. In der aktuellen Saison spielt Ambrosius nach überstandener Kreuzbandverletzung in der Regionalliga und ist unumstrittener Stammspieler. Der Linksfuß ist eine Führungspersönlichkeit in der zweiten Mannschaft der Rothosen. Gegen die quantitativ und qualitativ gut besetzte Innenverteidigung beim Hamburger SV hat Ambrosius derzeit das Nachsehen und Spielpraxis in der zweiten Liga ist für einen jungen Spieler Gold wert. Mit einer Leihe könnte demnach eine Win-Win Situation für kleines Geld für alle drei Parteien entstehen. Falls Dieter Hecking weiterhin keine Verwendung für den talentierten Ambrosius sieht, ist sogar ein fester Wechsel denkbar.

Neben Ambrosius hat auch Robin Bormuth derzeit das Nachsehen. Bei Fortuna Düsseldorf war er unter Friedhelm Funkel einige Zeit Stammspieler und hat einen sicheren Part in der Abwehrkette gespielt. Gerade in der Aufstiegssaison hat sich Bormuth sehr gut präsentiert und bestritt 22 Spiele von Beginn an. In der ersten Liga ist Bormuth zu sehr limitiert, wurde von unserem Ex-Cheftrainer Funkel jedoch in zehn Partien über 90 Minuten auf den Rasen geschickt.

Der gebürtige Berliner Manuel Schmiedebach war lange Zeit Publikumsliebling bei Hannover 96. Foto: Kathi Rudminat (Wikimedia Commons)

Der Innenverteidiger aus Hessen ist groß gewachsen, dabei mit einer passablen Schnelligkeit ausgestattet und hat immer die richtige Körpersprache auf dem Feld. Als möglicher Neuzugang kann Bormuth mehr Erfahrung als Ambrosius anbieten. Mit 24 Jahren und einem im Sommer auslaufenden Vertrag ist er prädestiniert für einen Wechsel im Winter. Die Fortuna dürfte Bormuth keine Steine in den Weg legen und Bormuth möchte den Verein verlassen. Warum nicht Bochum statt Dresden?

Möchte man das Zentrum generell verstärken, ist Manuel Schmiedebach ein Kandidat, um dem Mittelfeld mehr Tiefe und Stabilität zu geben. Der Vertrag von Schmiedebach läuft im Sommer beim 1.FC Union Berlin aus und der 31 Jährige hat bisher lediglich drei Spiele in der Bundesliga bestritten. Der ehemalige Dauerbrenner von Hannover 96 ist ein Spieler, der vor Einsatzfreude strotzt und überall auf dem Feld zu finden ist. Ähnlich wie Robert Tesche verfügt Manuel Schmiedebach über einen hohen Fußball IQ, um Situationen zu antizipieren und Räume zu schließen. Im vergangenen Heimspiel gegen Jahn Regensburg versuchte Thomas Reis den Gegner früh zu stellen, wodurch eklatant große Räume im Mittelfeld entstanden sind, die Anthony Losilla und Robert Tesche nur schwer beherrschen konnten. Diese Art von Fußball ist für einen Irrwisch wie es Schmiedebach ist, natürlich prädestiniert. Der gebürtige Berliner müsste dafür jedoch vom VfL überzeugt werden, ein Wechsel nach Berlin hatte er sich damalig gut überlegt um wieder in der alten Heimat zu sein. Wechsel zu anderen Vereinen schlug er bereits in der Vergangenheit aus.

Beim 1. FC Köln bekommt Niklas Hauptmann nur noch selten die Möglichkeit das Trainingsleibchen abzulegen. Foto: Sandro Halank (Wikimedia Commons)

Jens Hartenstein: Ein weiterer Mann für das Zentrum wäre Niklas Hauptmann. Hauptmann ist ein klassischer Achter, der ähnlich wie Schmiedebach bekannt für seine Laufstärke ist und durch gutes Antizipieren die Lücken im Zentrum neben Losilla schließen könnte. Bei Dynamo Dresden galt er aufgrund seiner guten Technik und Passspiel als großes Talent und konnte sich dort als Leistungsträger etablieren, weshalb der 1. FC Köln im Sommer 2018 eine siebenstellige Summe an die Sachsen überwies. In Köln konnte er dieser Rolle allerdings nicht gerecht werden und stand seit dem Aufstieg nicht mehr in der A-Mannschaft der Kölner. Eine Leihe, gegebenenfalls sogar mit Kaufoption, wäre somit denkbar. Sollte es ihm gelingen an seine Zeit in Dresden anzuknüpfen, könnte er der Mannschaft sofort helfen und dazu beitragen wieder mehr Stabilität in unser Spiel zu bekommen. Ein Modell mit einer Leihe samt Kaufoption würde gleichzeitig auch das finanzielle Risiko minimieren, falls Hauptmann doch nicht zur Form aus Dresdner Tagen zurückfinden sollte.

Matthias Rauh: Oft wird von Kai Pröger und Christopher Antiwi-Adjej gesprochen, die in der Regionalliga vor der Haustüre kickten und jetzt in der Bundesliga spielen. Ein weiterer der auf dem Sprung ist, ist Joseph Boyamba von den Borussia Dortmund Amateuren. Der jetzt 23-jährige entschied sich nach einer starken Saison bei der SG Wattenscheid für ein weiteres Jahr in der Regionalliga und wechselte zu den schwarz-gelben Nachbarn. Boyamba ist ein offensiver Allrounder, der zudem seine Stärken im Pressing hat. Außerdem braucht er nur wenige Chancen um einen Treffer zu erzielen. Fürs Kombinationsspiel ist Boyamba außerdem auch nicht ungeeignet. Lediglich sein Kopfballspiel ist nicht perfekt, bei 1,72 Metern Körpergröße aber auch verzeihbar. Der Vertrag des Deutsch-Kongolesen läuft im nächsten Sommer aus und wäre damit auch schon für kleinstes Geld im Winter zu haben.

Ein weiteres Talent, was momentan in der Regionalligamannschaft der Borussia spielt ist Tobias Raschl. Der 19-jährige gilt als eine der größten Nachwuchshoffnungen der schwarz-gelben. Raschl verkörpert den perfekten Sechser mit gutem Aufbauspiel und Pressingresistenz. Sein Vertrag läuft bis 2022 und so wäre eine Leihe durchaus im Bereich des Möglichen. Zwar wartet Raschl noch auf sein Bundesligadebüt, mit Spielpraxis kann Raschl aber zu einem richtig guten Spieler werden, der uns die nächsten einandhalb Jahre weiterhelfen kann.

 

 

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