Noch sind die Trainerstühle leer. Wer folgt auf Jens Rasiejewski? Foto: Tim Kramer (Tremark Fotografie)

Die einsachtvieracht Wunschkandidaten für den Posten des Chef-Trainers

Jens Rasiejewski wurde von seinen Aufgaben als Chef-Trainer ebenso beurlaubt wie Christian Hochstätter von seinen Aufgaben als Sport-Vorstand. Soweit so bekannt. Mit Heiko Butscher als Interimstrainer und Sebastian Schindzielorz als Sport-Vorstand stehen die (vorübergehenden) Nachfolger fest. Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass ein neuer Chef-Trainer unsere Jungs demnächst über den Trainingsplatz scheuchen wird. Doch wer wird neuer Trainer beim VfL Bochum? Wir haben uns Gedanken gemacht wer denn aus unserer Sicht gut zur Mannschaft passen würde. Meine Herren, wer sollte eurer Meinung nach der Nachfolger von Jens Rasiejewski werden?

Perspektive schlägt Kurzfristigkeit – Janik Aschenbrenner

Natürlich gibt es eine Menge Kandidaten, die je nachdem, ob man einen Feuerwehrmann oder eine direkte längerfristige Lösung sucht, mehr oder weniger Sinn ergeben. Der Kandidat, für den ich mich als Sportvorstand entscheiden würde, wäre Jan Siewert. Der ehemalige U19 Trainer des VfL wechselte im Sommer zur U23 unseres ungeliebten Nachbarn Borussia Dortmund. Da Jan Siewert und der VfL noch nicht allzu lange getrennte Wege gehen, kennt er einen Großteil der Spieler noch. Er war der Hauptverantwortliche für viele der jüngeren Spieler im Kader und durch das Modell des VfL’s war er zu der Zeit auch beim Profi-Training beteiligt. Die Eingewöhnungsphase würde somit nicht allzu lange dauern.

Vielleicht bald zurück in Bochum? Jan Siewert. Foto: Tim Kramer (Tremark Fotografie)

Ebenso würde er zu der Spielphilosophie zurückkehren, die der VfL sich seit der Amtszeit von Gertjan Verbeek offiziell auf die Karte geschrieben hat, die in der letzten Zeit unter Rasiejewski jedoch nicht mehr ersichtlich und höchstwahrscheinlich von diesem nicht mehr gewünscht war. Das Jan Siewert mit dieser Spielidee jedoch Erfolg haben kann, sieht man an den Erfolgen der U19 unter ihm, wie den Gewinn des Westfalenpokals. Danach, so berichtete der ebenfalls am Mittwoch entlassene Sportvorstand Christian Hochstätter, war er intern als Nachfolger von Gertjan Verbeek vorgesehen, hätte er nicht den Verein gewechselt, man traute es ihm also noch vor Atalan oder Rasiejewski zu. Aus langfristiger Sicht ist er ebenfalls eine gute Lösung, da seine Spielidee sich schon damals leicht von Verbeeks unterscheidete, so lag der Fokus der U19 eher auf den Angriff durch den Halbraum, als über die

Flügel, worauf sich die Profis fokussierten. Eine Weiterentwicklung der Spielweise war also damals schon ersichtlich.

Der Wunsch zurück zu einer stimmigen Spielidee – Sebastian Hettmann

Ich schließe mich Janik an und würde eine Lösung mit Jan Siewert extrem spannend finden. Wie die Tauben rund um die Castroper Straße zwitscherten, hätte oder sollte er durchaus Nachfolger von Gertjan Verbeek werden, bei seiner Entscheidung pro zweiter Mannschaft vom BVB war eine Trennung jedoch nicht absehbar. Der Schritt war von Siewert absolut nachvollziehbar, wollte er in den Seniorenbereich und wie seine Arbeit in Dortmund zeigt, hat er durchaus die Fähigkeiten dafür. Demnach wäre Siewert jemand, dem man in Bochum den nächsten Karriereschritt bieten könnte und dem ich zutrauen würde eine Spielidee (wieder) zu implementieren, die uns auf Jahre Freude bereitet.

Darüber hinaus würde für mich André Schubert Sinn ergeben. Nicht nur, dass windschnittige Frisuren beim VfL Bochum stets im Trend liegen, auch fachlich für mich eine gute Wahl. Schubert überzeugt darüber hinaus durch seine freundliche Art. Positiv sehe ich weiterhin, dass er sich nach oben gearbeitet hat und von der Akribie lebt. Er lebt den Fußball und versucht stets Lösungen zu finden. Beim SC Paderborn und beim FC St. Pauli war er vielleicht zu verbissen, bei Borussia Mönchengladbach wurde er jedoch entspannter und mittlerweile hat er wohl einiges im Fußballgeschäft gesehen und erlebt, so dass er in manchen Situationen anders reagieren würde. Hierbei geht es jedoch eher um den Umgang mit Journalisten als um Probleme innerhalb der Mannschaft. Taktisch könnte Schubert da anknüpfen, wo Gertjan Verbeek aufgehört hat. Egal welche Zahlenkombination in der Aufstellung gewählt wird, Schubert geht es um Flexibilität im Positionsspiel und zielgerichteten Fußball mit möglichst wenigen Ballkontakten. Mut zu agieren statt zu reagieren und den Gegner ständig beschäftigen, so wie wir in den vergangenen Jahren unsere Mannschaft immer gerne gesehen haben. Außerdem hat er bereits beim SC Paderborn und bei Borussia Mönchengladbach Mannschaften als Trainer während der Saison übernommen und im Anschluss weitergeführt. Eine Erfahrung, die derzeit sehr wichtig erscheint. Wer sich selber ein Bild über die Ideen von André Schubert machen möchte, dem sei dieses Interview ans Herz gelegt, in dem er auch die regionale Komponente für den passenden Fußball anspricht.

Erfahrener Fachmann statt Laptoptrainer – Stephan Kottkamp

Wenn eine Mannschaft nach 21 Spieltagen kurz vor den Abstiegsrängen steht und eine besorgniserregende Niederlagenserie hinlegt, dürfte es in den meisten Fällen daran liegen, dass der Kader einfach zu schwach ist. Dies ist beim VfL mitnichten der Fall. Der Kader ist stark und ausgeglichen besetzt und hat das Potenzial, jede Mannschaft in der 2. Liga zu schlagen. Das war in der Hinrunde immer mal wieder zu besichtigen – leider viel zu selten. Die Gründe für die bislang miserable Saison liegen nicht in der Qualität der vorhandenen Spieler, sondern ganz woanders. Das soll hier und jetzt aber nicht das Thema sein. Das Thema ist vielmehr die Nachfolge vom geschassten Cheftrainer Jens Rasiewski. Es kursieren seit gestern zahlreiche Namen, die sich bzgl. der Realisierbarkeit einerseits und der Sinnhaftigkeit andererseits deutlich unterscheiden.

Für mich gibt es in der jetzigen Situation genau drei Aspekte, die der Neue erfüllen muss:

Klaus Toppmöller und Gertjan Verbeek. Foto: Tim Kramer (Tremark Fotografie)
  1. Er muss ein erfahrener Fußballlehrer sein, der sich im Geschäft auskennt und der mit Drucksituationen umgehen kann.
  2. Er muss den verunsicherten Spielern das Selbstvertrauen geben können, das sie benötigen, um ihr Potenzial abzurufen.
  3. Er muss eine Integrationsfigur sein, die den Verein – also die Mannschaft und die Fans – wieder näher zusammenbringen kann.

Deshalb wünsche ich mir für die kommenden 13 Spiele eine Rückkehr von Klaus Toppmöller. Der vor zwei Jahren zur VfL-Trainerlegende gewählte Pfälzer hat Mitte der 90er Jahre den Fußball in Bochum revolutioniert und vier Jahre lang bewiesen, dass er Spieler weiterentwickeln (z. B. Sebastian Schindzielorz) und eine Mannschaft aufbauen kann. Er steht für die erfolgreichste Zeit der VfL-Vereinsgeschichte und für unvergessliche Spiele im UEFA-Cup. Zudem hat er reichlich Erfahrung im Geschäft und besitzt die Ausstrahlung, die die verunsicherten Spieler jetzt brauchen. Er ist ein Mann, an dem sich Spieler und Fans orientieren können und der in der Lage ist, eine Euphorie zu entfachen.

Und weil nach den letzten gruseligen Monaten das Träumen erlaubt sein muss, wünsche ich mir als Co-Trainer den Fußballgott Thomas Stickroth und Rein van Duijnhoven als Torwarttrainer.

Bald mit dem VfL Logo auf der Brust? Jens Keller. Foto: Tim Kramer (Tremark Fotografie)

Nach Verfügbarkeit auswählenStefan Zils

Es ist immer die Frage, was machbar ist. Leider haben wir keinen allseits beliebten Trainer-Rentner wie Don Jupp Heynckes, den wir überreden können, aus Liebe zum Verein noch einmal zurückzukehren, um unser Ziel (welches schon reduziert ist auf den Klassenerhalt) zu erreichen. Damit fällt dann für mich die Lösung eines jungen Trainers wie zum Beispiel auch dem (hoffentlich) zukünftigen Fußballlehrer Dimitrios Grammozis ebenfalls raus, die Zeit der Experimente ist vorbei. Zurecht wurde gleich betont, dass man niemand ganz frisches nimmt. Ein Traum wäre der sanfte Übergang von einem erfahrenen Mann zu einem modernen Trainer. Aber wie gesagt, da ich niemand passendes sehe (auch nicht, wenn man es erweitern würde und nicht nur nach ehemaligen VfLern gucken würde), widme ich mich lieber den verfügbaren Trainern.

Hier würde ich zu Jens Keller tendieren. Bei den Nachbarn objektiv gesehen durchaus erfolgreich, scheiterte er daran, zu ruhig zu sein, eine Ruhe, die man dem VfL inklusive Umfeld aktuell wünscht. Natürlich ändert dieser Wechsel das nicht zugleich, aber ein Trainer, bei dem die Arbeit im Vordergrund steht und der gleichzeitig erfahren genug ist, dass man in ihm nicht doch im Zweifelsfall den Jugendtrainer sehen könnte und der das Team mitnehmen kann, das wäre schonmal hilfreich. Zudem hat er noch aktuelle Eindrücke aus der zweiten Liga, nachdem er erst relativ kürzlich in Berlin entlassen würde.

Erfahrung ja, aber bitte kein reiner „Feuerwehrmann“ – Jens Hartenstein

Die vorherrschende Frage bei der Trainersuche wird wohl lauten, ob man sich nach einem kurzfristigen, erfahrenen Trainer oder doch nach einem langfristigen „Konzepttrainer“ umsieht. In der aktuellen Situation spricht sicherlich vieles für Erfahrung. Die Mannschaft hat einiges an spielerischem Potential, doch die Verunsicherung scheint bei vielen Spielern greifbar. Auch gegen Darmstadt merkte man den Spielern in der ersten Halbzeit diese Verunsicherung an. Um den Spielern diese Verunsicherung zu nehmen braucht es einen Trainer, der die Spieler erreicht und gleichzeitig aufgrund seines Alters und Erfahrung die nötige Autorität mitbringt. Dennoch sollte man keinen reinen „Feuerwehrmann“ holen, was den Kreis der verfügbaren Kandidaten letztlich sehr stark einschränkt.

Wäre Ewald Lienen noch einmal bereit für den Trainerstuhl? Foto: Tim Kramer (Tremark Fotografie)

Einer der wenigen Trainer der diese Ansprüche in sich vereint ist Ewald Lienen. Lienen ist schon ewig im Geschäft und konnte bereits Ende der neunziger Jahre seine ersten großen Erfolge mit Hansa Rostock in der 1. Bundesliga und dem 1. FC Köln in der 2. Bundesliga feiern. Letztgenannte führte er dabei wieder zurück ins Oberhaus. Dass er darüber hinaus auch als „Feuerwehrmann“ seine Qualitäten besitzt, konnte er sowohl in Hannover in der 1. Bundesliga, als auch zuletzt eindrucksvoll mit dem FC St. Pauli, eine Etage tiefer, beweisen. Unter ähnlichen Voraussetzungen wie aktuell in Bochum, rettete Lienen die Hamburger in der Saison 2014/15 vor dem Abstieg und führte sie im darauffolgenden Jahr fast wieder in die 1. Bundesliga. Auch nach der Seuchenhinrunde in der abgelaufenen Saison konnte Lienen die Mannschaft wieder auffangen und durch eine fulminante Rückrunde noch auf einen einstelligen Tabellenplatz führen. Lienen scheint also eine mental angeschlagene, aber prinzipiell ambitionierte Truppe, wieder in die Spur führen zu können und wäre somit wie gemacht für die prekäre Situation in Bochum. Fraglich bleibt jedoch, ob er tatsächlich aus seinem Engagement in Hamburg nach Bochum locken lässt. Wenn dies der Fall ist, sollte man diese Option unbedingt wahrnehmen.

Janik Aschenbrenner

Janik Aschenbrenner

In meinem Freundeskreis dreht sich alles um die Blau-Weißen, für die ich in meiner Jugend selbst die Schuhe schnüren durfte - so kommt es, dass der VfL auch mich nicht los lässt. Durch meine Affinität zur Spielanalyse und Trainingslehre bin ich ansonsten bei Konzeptfußball zu finden. Fußball ist für mich eine Kunstform, die ich mitgestalten möchte. - janik.aschenbrenner@einsachtvieracht.de

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