Frohes Neues! Et geht wieder los!

Motiviert aus dem Winterschlaf erwacht - Coach Letsch und seine Truppe. Foto: VfL Bochum

Was ist das Schönste an der diesjährigen Bundesliga-Winterpause? Dass sie so verdammt kurz ist. Schon am 14. Januar geht`s anne Castroper im Heimspiel gegen den SV Werder Bremen wieder rund. Schöner kann ich mir meinen 33. Geburtstag an einem Sonntag nicht vorstellen. Nur zwei Wochen nach Silvester im Ruhrstadion zu sitzen ist ein überragendes Geschenk. Zum Start ins neue Jahr ein paar Zahlen, Erinnerungen, Emotionen, Vorsätze und Wünsche.

Am Dienstagmorgen ging mir trotz des siffigen Wetters die Sonne auf. Ein kurzer Blick auf Instagram, ein Beitrag vom VfL und ein fett grinsender Anthony Losilla, der winkend über das Vereinsgelände flaniert. Dort befand er sich nach kurzem Urlaub auf dem Weg zum Training, welches nur einen Tag nach Neujahr wieder aufgenommen wurde.

Ein weitestgehend funktionierender Verein und seine Mannschaft sind in der Lage, Konstanz zu verkörpern. Und die gibt`s bei uns in Bochum. Zumindest so weit, dass wir es aktuell wieder schaffen, den Kopf oberhalb des ranzigen Sumpfs vom Abstiegskeller halten zu können. Hätte mir Anfang Januar 2019 jemand per Vertrag angeboten, dass der VfL in genau fünf Jahren zum dritten Mal mit guten Erfolgschancen um den Klassenerhalt in Liga eins kämpfen wird – ich hätte dat Ding direkt unterschrieben. Und genau das ist nun erfreulicherweise der Fall.

Die Hinrunde der laufenden Saison ist fast durch und der VfL steht auf Platz 14. Das noch ausstehende Spiel wird gegen den mit gleicher Punktzahl bestückten Tabellenkonkurrenten aus Bremen ausgetragen. Mit Ausnahme eines Rückstands von 8 Zählern in der Tordifferenz trennt uns nichts von Ole Werners grün-weißen.

Eine Statistik, die eine zeitnahe Verbesserung braucht

Insgesamt kreuzten sich Ruhr und Weser 73 Mal auf dem Fußballplatz. 46 Spiele konnte Bremen für sich entscheiden, 17 endeten unentschieden und nur in 10 Duellen konnte der VfL sensationell die Punkte klauen.  Daran sollte sich was ändern und das gern schon in acht Tagen. Vom Bauchgefühl bin ich optimistisch.

Der VfL lieferte zuletzt zwei überzeugende Heimspiele, die jeweils mit drei geschossenen Toren gewonnen wurden. Werder hingegen fuhr in den letzten sechs Auswärtsspielen keinen Sieg ein. Außerdem werden die Bremer ohne einige Ikonen auflaufen, die ich aus vergangenen Aufeinandertreffen noch (schlecht) in Erinnerung habe.

Da wird kein Ailton sein, der mit wohl genährt sitzendem „Young Spirit“ – Trikot aus großer Distanz locker Rein van Duijnhoven überlupft. Auch kein Mesut Özil, der uns, wie an einem Sonntag vor 14 Jahren, mit dem 1:4 in der 90. Minute endgültig den Hahn abdreht und Philipp Heerwagen überwindet. Zum Glück wird auch Torsten Frings nicht nochmal die Chance erhalten, durch einen Gewalthammer aus 30 Metern zum Matchwinner zu avancieren. Bremens aktueller Kader bietet natürlich dennoch eine respektabel hochwertige Qualität. Ich bin jedoch der Meinung, dass unsere Jungs dieser erfolgreich Stand halten können und ein elfter Sieg im dauerhaften Vergleich drin sein sollte.

Takuma Asano wird aufgrund seines Einsatzes beim Asiencup nicht zur Verfügung stehen. Sicherlich ein qualitativer Verlust, den es zu kompensieren gilt. Trotzdem denke ich, dass einige Alternativen mit scharrenden Hufen auf einen Startelfeinsatz brennen und sich reinhauen werden. So kann Taku ohne schlechtes Gewissen im Auftrag Japans wieder Nationaltrainer ins Schwitzen bringen, die er nicht einmal kennt.

Qualität, Wille und Charaktere – individuell und im Kollektiv

Kein Zweifel: Erfolg hat immer die Mannschaft. „Zusammenhalt“, „füreinander da sein“, „einer für alle – alle für einen“. Und was es nicht sonst noch alles für romantische Floskeln dafür gibt. Beim VfL wird darauf großer Wert gelegt. Dies ist auch absolut notwendig, um stabil gegen Werder Bremen und die weiteren 16 Konkurrenten auftreten zu können.

Bei aller Relevanz des Teamgefüges ist es jedoch mindestens genauso wichtig, dass gewisse Namen und Charaktere hervorstechen. Allen voran sind das in dieser Saison bisher Bernardo und Manuel Riemann. Beide standen in der laufenden Spielzeit jede einzelne Minute unten auf dem Rasen. Hinzu kommt, dass Bernardo in seinen 16 Auftritten 223 Zweikämpfe gewann. Ligaweiter Bestwert. Wat für ein Tier.

Gewohnt zuverlässig zur Stelle: Manuel Riemann. Foto: Tim Kramer (Tremark Fotografie)

Beim Lesen der Namen habe ich direkt Bilder vor Augen. Bernardo, der auf perfekter Höhe über der Grasnarbe einen Rechtsaußen des Gegners aggressiv aber regelkonform abräumt und anschließend vor Block A die Faust in die Luft reißt. Auch Bernardo, der im Heimspiel gegen Wolfsburg nach einer Ecke wuchtig einköpft.

Manuel Riemann, der in Leipzig zwei Elfmeter hält und in verschiedenen Spielen so manchen Angreifer mit Weltklasseparaden im ‚Eins gegen Eins‘ verzweifeln lässt. Ebenfalls Manuel Riemann, der einen Abschlag ohne jegliche Not ins Seitenaus ballert und anschließend wild gestikulierend seine Vordermänner dafür zur Sau macht.

Aggressiv, fair, bekloppt und motiviert zugleich. Und vor allem eins: einzigartig und sympathisch. Genau das hat mir in den letzten zwei Wochen gefehlt.

Coole Lückenfüller während der spielfreien Zeit

Einerseits tat es gut, mal zwei Wochenenden ohne Fußball zu verbringen. Andererseits belüge ich mich mit diesem dämlichen Satz gerade selbst und ein Wochenende ohne Fußball ist Senf. Umso mehr freute ich mich, als die Medienabteilung des VfL an Silvester das Video „Kracher 2023“ veröffentlichte. Mehrere Male habe ich mir den Clip mit Gänsehaut im Nacken und Kopfhörern im Ohr auf der Couch reingezogen. Satt bin ich von dem Streifen immer noch nicht. Zu fast jeder Szene kann ich eine persönliche Erinnerung greifen. Und das macht einfach nur Bock. Aus dem Grund liebe ich den Fußball und den VfL.

Auch für die, die lieber hören statt zu gucken, ist hier die Möglichkeit gegeben, während der Winterpause per Podcast VfL-Konsum zu betreiben. 200 Minuten gnadenlos fachmännische Hinrundenanalyse in puncto individueller und mannschaftlicher Voraussetzungen, Taktik, Lösungsfindung, Strategie, Gruppendynamik und so weiter. Ob auf der Couch, im Auto, auf dem Klo oder beim Spülen – große Empfehlung!

Vorsätze für die Rückrunde

Üblicherweise startet ein neues Jahr mit (guten) Vorsätzen. Ich persönlich kann mir als Fan nur vornehmen, die Mannschaft weiter durch lauten Gesang und meine bescheidene Anwesenheit zu unterstützen.

Außerdem werde ich weiterhin gern zum Ruhrstadion und manchen Auswärtsspielen laufen und fahren, um dort Geld für Eintrittskarten und frisches Fiege Pils zu verbraten. Die im Alter schwindende Energie werde ich zukünftig immer noch gern in Stadionbesuche bei jeder Witterung, nervenaufreibende Spiele und hitzige halbseriöse Fußballdiskussionen investieren. Wie schon mal am Welttag der seelischen Gesundheit erwähnt ist es mir dabei wichtig, mich zu bemühen, bei aller Rivalität und allem Überschwang fair und menschlich zu bleiben.

Hoffentlich auch 2024 wieder eine Festung – unser Ruhrstadion. Foto: VfL Bochum

Wünsche für die Rückrunde

Wünsche habe ich allerdings viele. In erster Linie den, dass unsere Mannschaft am 34. Spieltag mit tausenden Mitgereisten aus Bochum den Klassenerhalt tanzend vor dem Auswärtsblock in Bremen feiert. Wobei der Sack „Klassenerhalt“ gern auch früher zugezogen werden kann.

Auf dem Weg dahin hätte ich gern viele weitere Momente, die die Fanbeziehung zum VfL einzigartig machen.

Ein schnelles Comeback unseres ukrainischen Schranks Ivan Ordets. Abendliche Fußläufe mit Freunden in Richtung Flutlicht des Ruhrstadions. Einen starken Auftritt gegen den wegen des Afrika und Asien Cups personell geschwächten Tabellendritten aus Stuttgart. Gehaltene Elfmeter von Manuel Riemann in Heimspielen. Getränke und Gespräche mit Bekannten am Kirmesplatz oder der Tanke. Am 28.01. einen Punktgewinn in Dortmund, der die Säge tief durch die Beine des wackelnden Trainerstuhls von Edin Terzic zieht.

Aggressiv gewonnene Tacklings von Bernardo und Gamboa an der Außenlinie. Distanztore von Kevin Stöger. Schnelle Sprints, präzise Grätschen und eine vielversprechende Weiterentwicklung von Patrick Osterhage. Völlig unerwartet gegen einen starken Gegner zu punkten. Eine Kaderbereicherung in Form eines coolen Neuzugangs – vielleicht noch diesen Winter. Gegen einen ‚machbaren‘ Gegner unglücklich und unerträglich verlieren und alles und jeden in Frage stellen.

Bierfontänen und Ekstase nach einem Kopfballtor von Keven Schlotterbeck. Einen während des Spiels dirigierenden und nach Abpfiff mit seinen Kids vor der Ostkurve feiernden Toto Losilla. Ein Last-Minute-Siegtor, wegen dem ich der vor mir sitzenden Dame im Jubel mein Bier in den Nacken schütte, woraufhin sie mich hasst und ich ihr erst einen Schal schenken muss, damit sie mich wieder gern hat. Das befreiende Tor, welches Philipp Hofmann Erleichterung und einen Ausstieg aus seinem Formtief ermöglicht. Gute Stimmung im Ruhrstadion.

Dass der VfL weiterhin an der Castroper Straße 145 spielt!

Unser Wappen muss weiterhin an der Castroper Straße wehen! Foto: Tim Kramer (Tremark Fotografie)

Und so weiter und so fort. Viele kleine und große Wünsche und ich könnte noch weiter machen. Eigentlich ist aber nichts Utopisches dabei, was wir nicht schon hatten oder haben. Im Großen und Ganzen wünsche ich mir, dass es einfach so weiter geht wie bisher.

So wie es schon immer war – VfL Bochum!

Auch wenn hin und wieder unfassbar wilde Dinger dabei waren. Auch wenn es in Stuttgart fünf und in München sieben Mal gehagelt hat. Plötzlich hältst du in Leipzig die Null und schenkst Wolfsburg und Union zuhause drei Hütten ein. Und schon ist in der Summe wieder alles im Lack. So war es in der Hinrunde und auch in den Saisons davor. Der Kampfgeist der Truppe ist geblieben. Die bedingungslose Unterstützung der Fans ist geblieben.

Wir stehen auf Platz 14 – kein Abstiegsplatz! Auf den werden wir auch dann nicht mehr abrutschen, wenn das kommende Heimspiel in die Hose geht. Und danach gibt es noch 17 Mal die Möglichkeit, mit unseren Jungs Höhen und Tiefen zu durchleben. Das ist das, was zählt. Das ist für mich genau das, was es ausmacht. Erfolgreiche Momente sind besonders schön, wenn sie nicht zur Regelmäßigkeit werden. So soll es bleiben. Auch im Jahr 2024.

Glück auf!

 

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Autor: Lennart Markmann

Am 19.02.2005 stand ich erstmals in der Ostkurve. Die geschenkte Karte eines Bekannten öffnete mir damals die Tür zu Block O links. Drei traumhaft rausgespielte Buden von Zwetschge Misimovic, Raymond Kalla und Tommy Bechmann sorgten dafür, dass der SC Freiburg punktlos aus der Stadt und der VfL nicht mehr aus meinem Herzen verschwand. Seitdem genieße ich die Höhen und Tiefen als Bochumer Junge. Lange Zeit in der Ostkurve stehend, anschließend in Block H1 sitzend und mittlerweile mit 32 Jahren auf dem Altherrenplatz in Block M1.

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Einsachtvieracht-Stammtisch × Spielgeist #1

Einsachtvieracht-Stammtisch #68