Ist das Glas halbvoll oder halbleer?

Der VfL Bochum holt beim Auswärtsspiel in Heidenheim einen Punkt. 0-0 trennen sich die beiden Mannschaften. Damit beendet der VfL die Spiele gegen die direkten Konkurrenten aus dem Tabellenkeller mit 6 Punkten (1S-3U-0N). Wo stehen wir jetzt? Ein Kommentar.

Zwei Grad, Regen, ein schlechter Rasen. Man kann sich kaum etwas Ungemütlicheres vorstellen. Am Ende wurde man das Gefühl nicht los, dass sich das Spiel auf Platz den äußeren Bedingungen anpasste. Defensiv stand der VfL wirklich ordentlich. Man ließ wenig zu und hatte immer einen Zugriff auf das Spiel. Aber offensiv hat man als Außenstehender absolut nicht den Eindruck, dass sich der VfL gerade irgendwo hin entwickelt.

Nun ist es beileibe nicht so, dass man als Fan des VfL aus Bochum Hurra-Fußball mit Tiki-Taka-Elementen erwartet oder dass mit komplett offenem Visier nur in eine Richtung gespielt wird. Nur das, was wir da aktuell sehen, ist eher eine Entwicklung zurück als nach vorne. Bis auf den ein oder anderen guten Pass auf Asano, der durch seine Schnelligkeit dann ab und an mal in gute Abschluss-Situationen kommt, ist da recht wenig. Flügelspiel? Fehlanzeige. Mit Hofmann haben wir einen der kopfballstärksten Spieler der Liga vorne drin – nur bewegt der sich bedingt durch unsere Ausrichtung eher im Halbfeld und macht Bälle fest, die dann eben irgendwie auf Asano gebracht werden.

Ich will hier nicht alles schlecht reden. Wie erwähnt, die defensive Entwicklung geht in die richtige Richtung. Nur offensiv darf und muss man die Frage stellen, ob das eigentlich so reicht – vor allem wenn man sich anschaut, gegen wen man die letzten vier Spiele gespielt hat. 11 Tore in 12 Spielen. Damit wird es am Ende dünn, die nötigen Punkte zu holen. Auch die wenigen und späten Auswechselungen will ich nicht kritisieren, auch wenn sie mich verwundern, so oft wie die Breite des Kaders betont und angesprochen wird. Thomas Tuchel hatte genau dieselbe Diskussion am Freitag, als er das erste Mal seit Louis van Gaal bei den Bayern ein Spiel ohne einen einzigen Wechsel beendet. Passend sagte er, dass Fußball ein Momentumsport sei – und das Momentum auf den Platz als Außenstehender zu beobachten und einzuordnen ist deutlich schwieriger als auf der Bank.

Und damit kommen wir zu dem Dilemma, in dem ich und vermutlich auch einige andere aktuell stecken. Gefühlstechnisch ist das 0-0 gegen Heidenheim als Fan des VfL Bochum irgendwie nicht so richtig einzuordnen. Isoliert betrachtet ist der Punkt gegen den Club aus den Süden, der sich in seinen Heimspielen bisher immer sehr stark präsentierte, absolut in Ordnung. Auch der Blick auf die Tabelle ist so weit erst einmal ok.

Nur wie schnell es in beide Richtungen kippen kann, muss man sich ebenso immer wieder vor Augen führen. Die Tabelle ist eng – so sind es auch die Ergebnisse aus unseren Spielen. Lässt man sich gegen Mainz in der Nachspielzeit keinen einschenken und münzt man seine drückende Überlegenheit gegen Köln in drei Punkte um, steht man plötzlich wirklich gut da. Nutzt Heidenheim den Stolperer von Masovic am Spielende, bringt man sich selber um den Lohn.

Ist das Glas nun halbvoll oder halbleer? Ich kann mir die Frage selbst noch nicht beantworten. Die vier Spiele vor Weihnachten werden mal wieder sehr wichtig.

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Autor: Claudio Gentile

Als gebürtiger Bochumer wurde ich das erste Mal im zarten Alter von sechs Jahren ins Ruhrstadion geschleppt. Der VfL verlor. Was auch sonst. Trotzdem ließ mich der Verein nicht mehr los und spätestens als ich ein paar Tage nach meinem ersten Stadionbesuch das legendäre Papagei-Trikot mit einem "Peter Peschel"-Flock überstreifen durfte, war es um mich geschehen. Das ist jetzt 26 Jahre, wenig Siege und viele Niederlagen her. Wo die Liebe im Fußball hinfällt, kann man sich ja bekanntlich nicht aussuchen. Und eine Liga kennt Liebe auch nicht.

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