Fünf Jahre Einsachtvieracht

Einsachtvieracht feiert Geburtstag. Heute vor genau fünf Jahren, am 18.06.2017 haben wir unseren ersten Artikel veröffentlich. Hätte damals jemand gedacht, dass es uns in fünf Jahren noch gibt? Wahrscheinlich eher nicht. Viel ist seit dem passiert. Eine kleine Zeitreise. 

Die Spielzeit 2016/17 neigt sich gerade dem Ende und der VfL Bochum steht nach einer eher durchschnittlichen Saison unter Trainer Gertjan Verbeek am Ende auf einem 9.Platz. Es ist die erste Saison ohne Simon Terodde, der in den beiden Saisons zuvor den VfL fast allein getragen hat. Stiepermann, Wurtz, Mlapa – der Verlust der Tormaschine sollte gemeinschaftlich ersetzt werden. Aber nicht nur die Namen in der Mannschaft waren vor fünf Jahren andere in der Mannschaft – auch die Wahrnehmung des VfL in der Öffentlichkeit war eine völlig andere.

Nach vielen Jahren im Unterhaus der Bundesliga, schwachen Leistungen und zwischenzeitlichen Abstiegssorgen war auch das öffentliche Interesse am VfL eher gering. Dies merkte man ganz besonders an der Berichterstattung über den VfL. Ausführliche Berichterstattung, wirklich tiefgehende Analysen, die man nicht mal eben in zwei Minuten durchlesen konnte? Fehlanzeige. Viel Clickbait, viele Artikel nicht länger als fünf Zeilen. Einzig und allein Philipp Rentsch hielt einigermaßen die Fahne mit gezielter VfL-Berichterstattung hoch, damals noch unter Westline-Banner.

Der Blog erblickt das Licht

Zu der Zeit waren viele der heutigen Mitglieder im Transfermarkt-Forum des VfL unterwegs. Die Qualität der Kommentare dort war vielseitig. Von Einzeilern bis hin zu „halben Doktorarbeiten“ war alles dabei. Diese „halben Doktorarbeiten“ waren es schließlich auch, die die Idee für Einsachtviertacht lieferten. Forum schön und gut, aber warum diese Kommentare, Meinungen und Analysen nicht einem viel größeren Publikum zur Verfügung stellen, auf einer eigenen Plattform? Wieso nicht durch gute Inhalte und ordentlich Substanz in Artikel die etablierten Medien ein Stück weit unter Druck zu setzen, keine mal eben „dahingeklatschten“ Artikel mehr den Fans des VfL vorzusetzen. Die Geburtsstunde des Blogs.

Dabei haben wir in den fünf Jahren viel erlebt – bereits die Anfangsphase des Blogs war sehr intensiv. Mit der Abstimmung über die Ausgliederung vor der Tür haben wir damals dieses hochemotionale Thema versucht, möglichst sachlich zu beleuchten, in dem wir damals sowohl der Initiative gegen die Ausgliederung als auch dem damaligen Vorstand Engelbracht interviewt haben. Dazu gab es noch eine Einordung aus der juristischen Perspektive.

Prägend war auch die Phase um den verkorksten Saison-Start im Sommer 2019. Ker was ging es da hin und her. Und eines wurde wieder sehr klar: negative Emotionen treiben. Und das nicht zu knapp. Wild draufzuhauen und auf jeden Zug aufzuspringen ist eines der Dinge, die wir immer versucht haben zu verhindern. Aber Leidenschaft lässt sich niemals zu 100% durch Rationalität ersetzen.

Corona

Corona war nicht leicht für uns. Der VfL lebt davon, dass er ein Verein ist, den man anfassen kann. Die praktisch nicht existente Distanz zwischen Anhängern und Spielern sorgt für eine ganz besondere emotionale Atmosphäre. Corona hatte dieses Gefühl schlagartig beendet – und das mitten in einer Zeit, in der unser Verein mit einem Fuß schon im Abgrund war. Dass die Zeit nach Corona sich zur sportlich erfolgreichsten seit Ewigkeiten entwickeln würde, damit hätte niemand rechnen können. Der VfL hat während einer harten Phase vielen Menschen ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. Auch uns. Und trotzdem, Emotionalität in Texten zu transportieren, wenn man nur zu Hause vor dem Fernseher sitzt, war schwer. Wir machen drei Kreuze, dass es jetzt wieder anders ist. Spiele wie gegen die Bayern oder Dortmund live zu erleben und darüber zu schreiben. Gänsehaut.

Auch unsere Kurzvideos auf Instagram – genannt Reels – hatten überragende Zugriffszahlen. Von 200.000 bis zu einer Million Views vom Stadionmarsch vor dem Mainz-Spiel. Unglaublich wie dort die Zahlen durch die Decke gingen.

An dieser Stelle wollen wir uns auch nochmal explizit bei einigen Leuten bedanken, die uns auf dem Weg von Einsachtvieracht bisher unterstützt haben – hier denken wir besonders an Tim Kramer, Fabian Budde, Volker Barth (Ruhe in Frieden), unsere beiden Podcast-Cutter Tobi Dunkel und Huschke Beck sowie Sebastian Felsen, David Matthäus oder auch die Content Jungs vom VfL.

Unser Anspruch

Unser Anspruch war in den letzten Jahren stets das Maximum rauszuholen, was professionelles Fanmedium möglich ist. Natürlich hat man Restriktionen, natürlich gibt es Hindernisse, aber für die meisten Dinge gibt es eben auch Lösungen, wenn man kreativ genug ist. Design, Inhalte, journalistische Standards (bspw. das klare Kennzeichnen von Kommentaren). Ob uns das gelungen ist, müsst ihr als unsere Leser beurteilen. Wir glauben allerdings, dass wir mit unseren Analysen, Portraits, Berichten , unseren Kommentaren und unseren regelmäßigen Formaten wie dem Scoutingbericht oder Kaderinventur eine gute Nische in der Berichterstattung über unseren VfL gefunden haben, der eine ganze Menge Leute anspricht. Zwischendurch versuche wir auch immer wieder, aktuelle Entwicklungen im Fußball wie Veränderungen im Scouting aufzugreifen. 2020 ist mit unserem regelmäßigen Podcast dann auch ein Format hinzugekommen, bei dem an sich nebenbei beim Autofahren, Einkaufen oder in der U-Bahn gut über die Geschehnisse im Verein informieren kann.

Eure Hilfe

Der Blog lebt nur durch Euch – die Leser / Hörer. Ihr seid immer herzlich dazu eingeladen, unsere Artikel zu kommentieren, zu kritisieren, vielleicht auch zu loben und uns vor allem auch mitzuteilen, wenn Ihr eine Idee habt, zu welchem Thema Ihr unbedingt etwas Lesen wollt. Wir wachsen mit Euch und nur durch Euch können wir auch besser werden.

Der letzte Punkt, dass wir besser werden möchten, ist hierbei entscheidend. Bereits jetzt ist der Blog durch unseren Anspruch an Professionalität, Qualität und Design jedoch mit nicht ganz unerheblichen Kosten verbunden. Nach einer intensiven Diskussion hatten wir uns im Oktober 2021 dazu entschlossen, euch über das Patreon Unterstützermodell mit ins Boot zu holen. So bleibt der Charakter des Blogs als professionelles Fan-Medium unverändert – kostenlos, ohne nervige Pop-Up-Werbung und keine Bezahl-Schranken!

Wenn ihr unsere Arbeit schätzt, könnt ihr uns monatlich mit einem Betrag eurer Wahl unterstützen. Dabei spielt der Betrag für uns keine Rolle – ob es jetzt 1 EUR oder 10 EUR sind – jede Summe hilft uns die laufenden Kosten zu decken, sowie den Blog weiterzuentwickeln.

Die Zukunft

Doch auch Lebenssituationen verändern sich in fünf Jahren. So hatten wir einige wenige Zu- und Abgänge. Prioritäten verschieben sich. Der eine ist Vater geworden, der andere vielleicht weggezogen oder hat durch eine berufliche Veränderung einfach nicht mehr so viel Zeit für seinen Verein. Fünf Jahre sind eine verdammt lange Zeit. Hast du also Lust zu schreiben und bist genauso großer VfL-Fan wie wir? Dann melde dich bei uns – vielleicht passt du ja in unsere Truppe.

Die letzten 4-5 Wochen ist es etwas ruhiger um uns geworden. Auch wir mussten mal durchschnaufen. Eine lange Saison lag hinter unser. Jetzt geht es aber wieder Vollgas und in gewohnter Qualität weiter. Podcast, Kaderanalyse, Scoutingbericht, Portraits der neuen Spieler. Es steht einiges an.  In gewohnter Einsachtvieracht-Qualität. In gewohnter Einsachtvieracht-Länge. Auf die nächsten fünf Jahre.

Autor: Claudio Gentile

Als gebürtiger Bochumer wurde ich das erste Mal im zarten Alter von sechs Jahren ins Ruhrstadion geschleppt. Der VfL verlor. Was auch sonst. Trotzdem ließ mich der Verein nicht mehr los und spätestens als ich ein paar Tage nach meinem ersten Stadionbesuch das legendäre Papagei-Trikot mit einem "Peter Peschel"-Flock überstreifen durfte, war es um mich geschehen. Das ist jetzt 22 Jahre, wenig Siege und viele Niederlagen her. Wo die Liebe im Fußball hinfällt, kann man sich ja bekanntlich nicht aussuchen. Und eine Liga kennt Liebe auch nicht.

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