42 Punkte – Abstieg verhindert, Aufstieg im Blick

Das Heimspiel gegen Eintracht Braunschweig war sicherlich einer der unspektakuläreren Siege der Saison. Nichtsdestotrotz gibt das “Wie” viel Aufschluss über die Entwicklung des VfLs in dieser Saison.

Die Niederlage in der Hinrunde bei Eintracht Braunschweig war einer der Tiefpunkte dieser Saison. Man ging früh in Führung, kassierte jedoch nach einem unerwarteten, zielstrebigen Konter den Ausgleich. In einer wilden Phase des Spiels, musste man dann trotz Überzahl das 2:1 hinnehmen. Und dies geschah in typischer Zweitligamanier: Erst nutzte der aufstiegserfahrene Kroos-Bruder Felix seine technische Klasse und Schlitzohrigkeit, um mit einem Freistoß von der Mittellinie Torhüter Riemann zu überraschen und zumindest eine Ecke herauszuholen, die dann der international erfahrene Proschwitz einnickte.

Musste sich nach seiner Vertragsverlängerung gegen Braunschweigs Achter zu Wehr setzen – Anthony Losilla. Foto: Fabian Budde (Photomafia)

In Liga zwei trifft man an jedem Spieltag auf Teams, die Kicker in ihren Reihen haben, deren Potenzial sicherlich zu höherem reicht oder gereicht hat, die dieses jedoch nicht (mehr) mit entsprechender Konstanz abrufen. Dong- Won Ji beispielsweise verstärkt seit dem Winter den BTSV, ausgeliehen von Pokalgegner FSV Mainz 05. Trainer Daniel Meyer wollte die Klasse von Ji nutzen, um sein Team wieder auf die Erfolgsspur zu bringen – kompakt stehen, mit überraschenden Pressingphasen und einer variablen Offensive. Aus dem 4-1-4-1 rückten die Achter immer wieder in die vorderen Reihen vor, um im 4-4-2 oder 4-3-2-1 das Zentrum für die Spielstarken Bochumer Sechser zu verstellen und nach Ballgewinnen mit Tempo durchs Zentrum zu kontern. In der Rückrunde einer Saison sind die Stärken eines Teams in der Regel dem Rest der Liga bekannt und es zeigt sich ob man auf die Maßnahmen der gegnerischen Teams die richtigen Antworten hat.

Nutzte seine Lufthoheit auch mal in der Offensive – Armel Bella Kotchap. Foto: VfL Bochum

Auf der anderen Seite fand der VfL die richtigen Anpassungen auf das Spiel der Braunschweiger. Armel Bella Kotchap mit seinem ersten Profitor nach einer Zulj-Ecke nutzte die Tatsache, dass Jasmin Fejzic gerne auf der Linie agiert und auch bei Ecken dort bleibt. Danach drückten die Löwen aus Braunschweig mehr, aber nachdem Manuel Riemann einen Ji- Elfmeter gehalten hatte, filetierten Danilo Soares und der starke Robert Zulj nach einem abgefangenen Ball an der Mittellinie die Braunschweiger Defensive. Sky-Experte Torsten Mattuschka staunte über das Spielverständnis unseres Brasilianers – Einsachtvieracht-Lesern ist jedoch bekannt, dass Danilo als ehemaliger Mittelfeldspieler nicht nur defensiv denkt und sich auch im Zentrum sehr wohl fühlt.

Konnte seine Stärken heute nicht auf das Feld bringen – Gerrit Holtmann. Foto: VfL Bochum

Sicherlich kann man sich über die fehlende Effektivität unserer Außen trotz ihres Geschwindigkeitsvorteils echauffieren oder sich wundern wo die Kaltschnäuzigkeit und Durchschlagskraft von Silvere Ganvoula aus der letzten Saison geblieben sind.  So boten sich für unseren VfL noch einige Chancen, die Führung auszubauen und über die ein oder andere kann man sich zurecht  auch ärgern. Schlussendlich behielt man aber ungefährdete drei Punkte an der Castroper Straße. Der VfL hat bewiesen, dass er sich von einer oft ratlosen Truppe über starke Leistungen in der Corona-Restart-Rückrunde und kurze Disziplinarmaßnahmen zu einer Einheit entwickelt hat, die entsprechende Lösungen findet und Führungen mit einer Bierruhe über die 90 Minuten bringen kann. Auch  Teams mit Zweitligaroutiniers sorgen mittlerweile nicht mehr für Unruhe, etwas wovon der Stadiongänger lange geträumt hat, um sich noch in Ruhe eine Fiege holen zu können.

Diese Fähigkeiten muss man an den nächsten Spieltagen weiterhin gegen unangenehme Gegner unter Beweis stellen, um dann mit der Beletage der zweiten Liga spielerisch anspruchsvollere Duelle auszufechten. Der Abstieg ist schon einmal verhindert. Hoffen wir, dass wir diese Saison mal bis zum Ende in die andere Richtung schauen können.

Written by Moritz Möller

Über 20 Jahre begleitet mich der VfL jetzt schon - oder ich ihn. Ein Heimspiel Anfang der 90ziger gegen Leverkusen war der Auslöser, dann ging es auf einmal aus der zweiten Liga nach Europa, Abstieg, Aufstieg, wieder Europa, Abstieg und Relegation. Manch euphorische Saisonphasen die vom Auf.... träumen ließen, dazwischen Heimspiele mit 9000 Zuschauern gegen Aue, Mettbrötchen auf dem Weg nach Oberhausen, eine enttäuschende Auswärtsbilanz meinerseits und viele andere schöne Erinnerungen gehören dazu. Immer dabei: Dauerkarte, ein Fiege und eine Gruppe aus guten Freunden in Block Q sind für mich mit dem VfL einfach untrennbar verbunden.

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