Ausgecheckt: Der 1. FC Heidenheim 1846 – Kontinuität als Grundlage des Erfolgs

Die nächste Reise führt unseren VfL Bochum in das fast 500km entfernte Heidenheim. In der 50.000-Einwohnerstadt ist seit 2014 der 1. FC Heidenheim 1846 Dauergast in der zweiten Liga. Wobei hier das „1846“, also zwei Jahre vor unserem 1848, eine kleine Mogelpackung ist. Denn der 1. FC Heidenheim existiert in seiner derzeitigen Verfassung erst seit 2007. Und seitdem auch dabei: Frank Schmidt – der aktuell amtsälteste Trainer im deutschen Profifußball.

Die Voith-Arena, oben auf dem Berg gelegen neben dem Landkreisklinikum ist ein echtes Schmuckstück. Vor zehn Jahren stand dort lediglich die Haupttribüne. Rundherum eine Tartanbahn und ein paar Stehplätze auf Grashügeln – mehr als Oberliga war dadurch nicht drin. Durch die Unterstützung der lokalen Unternehmen, vor allem das örtliche Maschinenbauunternehmen Voith, dessen Namen die Arena seit 2010 trägt, wurde das Stadion zu einem schicken Stadion ausgebaut. Mittlerweile fasst das Rund 15.000 Plätze. War zu Beginn noch die Stadt Heidenheim Eigentümer des Stadions, ist seit April 2019 der FCH selber Herr im Hause. Zwei Millionen Euro zahlte der FCH an die Stadt und das war, wenn man denn so will, der teuerste Transfer diesen Sommer an der Ostalb.

Doch springen wir zurück an das Jahr 2007. Der Heidenheimer SB, seines Zeichens noch Oberligist mit einer spielstarken Mannschaft klopft an das Tor der damalig drittklassigen Regionalliga Süd. Am 17. September 2007 wird schließlich Trainer Dieter Märkle durch Frank Schmidt ersetzt, der erst im Sommer seine Spielerkarriere beendet hatte. Für diese war er vier Jahre selbst als Kapitän aktiv und führte diese in die Spitzengruppe in der Oberliga. Zuvor kickte der gebürtige Heidenheimer Schmidt, also nur wenige Meter vom Stadion entfernt geboren, unter anderem beim 1. FC Nürnberg, TSV Vestenbergsgreuth, Alemannia Aachen und auch mal in Österreich bei First Vienna FC.

Meister vor RB Leipzig

Durch Platz 4 in der Saison 2007/08 qualifizierte sich der FCH für die neu geschaffene Regionalliga Süd. Vom Karlsruher SC konnte Schmidt schließlich den jungen Marc Schnatterer zu sich lotsen, der die nächsten Jahre entscheidend mitprägen konnte. So konnte in der Regionalliga direkt der Meistertitel und der Aufstieg in Liga 3 gefeiert werden, mit Patrick Mayer von Eintracht Frankfurt und später Michael Thurk vom FC Augsburg konnte sich der FCH teils prominent verstärken. So verbrachte der FCH fünf Jahre in der dritten Liga immer in der oberen Tabellenhälfte, bis 2014 der Aufstieg als Meister, noch vor RB Leipzig und Darmstadt 98 gelang.

Der Grund für den sportlichen Erfolg war schnell gefunden: Kontinität. Trainer Schmidt auf der Trainerbank, Kapitän Marc Schnatterer als Spielgestalter, sowie den defensiven Abräumer Sebastian Griesbeck, der von Nachbar SSV Ulm verpflichtet wurde, sowie Robert Strauß. So konnte das Team aus der Ostalb in der ersten Zweitligasaison 2014/15 einen starken 8. Platz belegen, stellte mit Florian Niederlechner auch einen der besten Torschützen der zweiten Liga. Nun geht der 1. FC Heidenheim in seine siebte Zweitligasaison. Es wurde nie schlechter als Platz 13 (Saison 2017/18) abgeschlossen, aber auch nie besser als Platz 5 (Saison 2018/19, sowie 2019/20). Besonders denkwürdig war in der letzten Saison das Viertelfinale im DFB-Pokal, als man in der Allianz Arena beim FC Bayern vier Tore schoss, und trotzdem ausschied. Vier Tore zu Hause Ende Oktober sollten dann aber reichen 😉

Die Bilanz gegen den FCH: Ausbaufähig!

Der VfL gastiert am Sonntag bereits zum 6. Mal in Heidenheim. Die Bilanz ist relativ ausgeglichen. Drei Spiele konnten die Hausherren für sich entscheiden, zwei Mal behielt der VfL die Oberhand. Zuletzt setzte es für den VfL zwei Niederlagen. Ein 0:1 zum Dienstantritt von Robin Dutt und vor ziemlich genau einem Jahr ein 2:3 nach 2:1. Jedes Mal war Marc Schnatterer, der Inbegriff Heidenheimer Fußballs, maßgeblich daran beteiligt.

Besonders übel lief es für den VfL zu Beginn der Saison 2014/15. Unter Trainer Peter Neururer war das Team nach sieben Spieltagen noch ungeschlagen und bestach bei Auswärtsspielen durch eine unheimliche Treffsicherheit. So bekamen sowohl der FSV Frankfurt, als auch Erzgebirge Aue jeweils fünf Buden eingeschenkt und auch bei Aufstiegsfavorit Eintracht Braunschweig konnte sich der VfL beeindruckend durchsetzen. Das alles änderte sich am 8. Spieltag in Heidenheim, als der VfL gut begann und plötzlich auseinanderbrach – ein Phänomen, das uns heute sehr vertraut ist. Nach 90 Minuten stand es 5:0 für die Gastgeber. Die Niederlage war der Beginn einer beinahe unheimlichen Negativserie, die mit der Entlassung von Peter Neururer endete.

Teroddes Krönung auf der Ostalb

Um an einen erfolgreichen Auftritt des VfL in Heidenheim erinnern zu können, müssen wir uns gedanklich zum letzten Spieltag der Saison 2015/16 begeben. Durch drei Tore von Simon Terodde in seinem letzten Spiel für den VfL und einen Treffer von Marco Terrazino, ebenfalls final für Bochum im Einsatz, führte der VfL nach einer Stunde mit 4:0. Der ehemalige Bochumer Smail Morabit verkürzte in den Schlussminuten mit einem Doppelpack auf 2:4, konnte den positiven Saisonabschluss der Bochumer aber nicht mehr verhindern. Simon Terodde setzte sich dank seiner drei Treffer die Torjägerkanone der 2. Liga auf, bevor er sich auf den Weg zum VfB Stuttgart machte.

Nach dem Sieg des SV Wehen-Wiesbaden in Stuttgart rangiert der VfL seit Freitagabend auf dem letzten Platz und braucht in Heidenheim ganz dringend ein Erfolgserlebnis. Mit Silvere Ganvoula hat der VfL wieder einen treffsicheren Stürmer in seinen Reihen, der sich anschickt, an die Leistungen eines Simon Terodde oder eines Lukas Hinterseer anzuknüpfen. Bleibt zu hoffen, dass Ganvoula auf der Ostalb auf Teroddes Spuren wandelt und den VfL zu dem ersehnten und benötigten Sieg schießt.

Auf die ersten drei Punkte in der Spielzeit 2019/20.

Matthias Rauh

Matthias Rauh

Obwohl in Bayern wohnhaft besitze ich eine Dauerkarte beim VfL und versuche, jedes Heimspiel und jedes Auswärtsspiel im Süden vom VfL mitzunehmen. Meine Begeisterung für den VfL entwickelte sich in der Saison 2006/07, endgültig besiegelt wurde sie bei dem eigentlich völlig belanglosen Spiel Karlsruher SC gegen den VfL im Jahr 2008. Während eines Fußballturniers wollten meine Mannschaftskameraden in der Bundesligakonferenz ständig die Zwischenstände von Bayern München und Nürnberg wissen, ich erntete misstrauische Blicke, als ich den Zwischenstand von Bochum wissen wollte. Abstieg, Relegation, Funkel, Neururer... ich bin immer noch dabei und freue mich immer mehr auf Spiele wie Bochum gegen Sandhausen als Bayern gegen Dortmund.

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