Ein neues Gesicht anne Castroper! Saulo Decarli bekommt die Rückennummer 5. Foto: Tim Kramer (Tremark Fotografie)

Ein Belgischer Meister für den VfL

Manchmal geht es dann doch ganz schnell und überraschend. Am 11. Juni stellte der VfL Bochum den nächsten Neuzugang vor. Der Spieler, der auf den klangvollen Namen Saulo Igor Decarli hört, ist in der Innenverteidigung zu Hause und kennt die 2. Bundesliga gut. Saulo unterschreibt bis 2022 anne Castroper. Über die Ablöse wurde Stillschweigen vereinbart.

Probieren geht über Studieren

Saulo Igor Decarli. Nein, kein Ballzauberer vom Zuckerhut, sondern ein Schweizer mit italienischen Wurzeln, der in der Innenverteidigung für Stabilität sorgen soll. Geboren wurde Saulo im Jahr 1992. Am vierten Februar erblickte er im wunderschönen 16.000-Seelen-Dorf Locarno das Licht der Welt. Seine ersten Erfahrungen mit dem runden Leder machte Saulo 1999 bei Losone Sportiva. Von 2005 bis 2007 spielte er dann zwei Jahre in den Jugendmannschaften des FC Locarno, die mittlerweile  nach einem Konkurs  in der tiefsten Liga, der 5. Liga in der Schweiz spielen. Grün hinter den Ohren und begabt wechselte Saulo Igor Decarli  etwas später aus der Jugend des FC Locarno zum AC Bellinzona. Auch hier schmückte er die Innenverteidiger-Position der Jugendmannschaften, ehe er kurzzeitig zum FC Lugano wechselte, um sich dann nach nur einem Jahr wieder das Trikot des AC Bellinzona überzustreifen. Man darf mit Fug und Recht behaupten, dass Saulo nichts anbrennen ließ und er sammelte in vielen Juniorenmannschaften Erfahrung. Quasi ganz nach dem Motto „Probieren geht über Studieren“.

Decarli im Einsatz für die Jugendnationalmannschaft der Schweizer Eidgenossen. Hier im U21-Spiel gegen Schweden im Jahr 2013. Foto: Pechblaende (Wikimedia Commons)

Zurück in die Heimat

2010 wechselte Decarli zurück in seine Heimat zum FC Locarno und sammelte dort in der zweithöchste Spielklasse im schweizerischen Fußball seine ersten Erfahrungen im Profifußball. Insgesamt stand Saulo 1.983 Minuten, die sich auf 23 Spiele aufteilten, in seiner ersten Saison bei den „Großen“ auf dem Feld. Decarli sah fünfmal die Gelbe Karte und erzielte dabei als Innenverteidiger sogar zwei Tore für seinen Verein.

In der folgenden Saison 11/12 unterstrich der grade einmal 19 Jahre alte Decarli noch einmal seine Ansprüche und spielte 30 Spiele über die volle Distanz von 90 Minuten, ohne eine Gelbe oder Rote Karte zu erhalten. Am Ende landete er mit seiner Mannschaft auf Platz neun der zweiten Schweizer Liga.

Auf zu neuen Ufern

Zur neuen Saison wechselte Saulo Decarli ablösefrei zum Liga-Konkurrenten FC Chiasso. Für Chiasso lief Saulo nur 10 mal auf, erzielte dabei ein Tor und bewarb sich zweimal für eine Gelbe Karte. Nach den guten Leistungen wurde der AS Livorno auf ihn aufmerksam. Der AS Livorno spielte zu dieser Zeit in der Serie B und war mit ein Favorit für den Aufstieg in die Serie A. Sportlich und auch finanziell dürfte der italienische Verein aus Livorno eine bessere Adresse gewesen sein als es der FC Chiasso war. Somit wechselte Decarli erstmal auf Leihbasis noch im Laufe der Saison in das Land, das einem Stiefel gleicht und schloss sich somit dem Aufstiegsaspiranten AS Livorno an. Nach 13 Liga- und drei Playoff-Spielen, in denen Saulo auf insgesamt 1.011 Spielminuten kam, verpflichtete der frischgebackene Aufsteiger den grade einmal 20 Jahre alten Saulo für 750.000 Euro fest.

Das Abenteuer Serie A

Zur Saison 13/14 warteten klangvolle Namen wie Gianluigi Buffon, Francesco Totti, Paul Pogba, Carlos Tévez und Co. auf den Innenverteidiger mit italienischen Wurzeln. Aber wie sagt man so schön? Denkste.
Nach der starken Saison im Vorjahr kam Saulo auf genau Null Einsätze in der Serie A, immerhin saß er 15 mal auf der Bank und konnte von außen zuschauen. Als der Winter in das Land der leckeren Pizza einzog, verlieh Livorno Saulo Decarli an den Calcio Avellino SSD, die damals in der Serie B beheimatet waren. Ganze zehn mal lief Saulo für Avellino auf. Die Leihe endete und Avellino belegte am Ende den 10 Platz in der Serie B. Saulo kehrte ohne große Perspektive zum AS Livorno zurück.

Decarli im Trikot des AS Livorno, für die er in der Saison 2013/14 aktiv war. Foto: Prof. Quatermass (Wikimedia Commons)

Kofferpacken, weiter gehts!

Und so nahm die Reise des Saulo Decardi weiter seinen Lauf. Die Scouts der Eintracht aus Braunschweig hatten Decarli auf dem Schirm und so kam es 2014 zum Wechsel nach Deutschland. Quasi grade in Braunschweig angekommen, plagten Saulo Decarli Oberschenkelprobleme, so dass er erst am 13.09 gegen Leipzig zu seinem Debüt kam. Saulo spielte seine ersten 90 Minuten durch, konnte aber die 3:1 Niederlage seiner blau-gelben Eintracht auch nicht verhindern. Insgesamt kam er auf 17 Einsätze, in denen er 4 Gelbe Karten sammelte und einmal im Spiel gegen FSV Frankfurt beim 2:0-Sieg auflegte. Der Kicker gab dem grade 23 Jahre alten Decarli in der Saison 2014/15 die Durchschnittsnote von 3,2.

Unter Torsten Lieberknecht wurde Saulo zur Saison 2015/16 eine echte Säule in der Innenverteidigung der Braunschweiger. 2.584 Spielminuten, die auf 29 Einsätze über die volle Distanz aufgeteilt sind, spiegeln wider, welch enormen Wert Decarli in der Innenverteidigung für die Braunschweiger hatte. Sechs Gelbe Karten und zwei Platzverweise hinderten Saulo Decarli daran, nicht noch mehr Spielzeit zu bekommen. Eine rote Karte dürften grade die VfL-Anhänger in Erinnerung haben. Bei der 2:3-Heimniederlage gegen Braunschweig sah Saulo Decarli in der 88. Spielminute glatt Rot, nachdem er Bastians einen Kopfstoß verpasste.

Aufgrund der roten Karte und der damit verbundenen Drei-Spiele-Sperre verpasste Decarli den Saisonauftakt der Saison 2016/17. Zurück in der Startelf trug sich Decarli beim 6:1-Erfolg gegen den 1. FC Nürnberg erstmal zweifach in die Torschützenliste ein und feierte mit dem Braunschweiger Turn- und Sportverein insgesamt sechs Siege in sieben Spielen. Durch die 6:0-Niederlage am 33. Spieltag bei Arminia Bielefeld verspielte Braunschweig den zweiten Platz und musste in der Relegation gegen den VfL Wolfsburg antreten. Dort verlor Braunschweig trotz guter Leistung mit jeweils 1:0 und musste trotz 66 Punkten weiterhin in der zweiten Liga bleiben. Der Kicker würdigte seine Leistungen in der  Spielzeit mit dem Prädikat „Herausragend“ in der Kicker-Rangliste.

Auf Decarli prasselten daraufhin einige Angebote ein. Das Angebot den Hamburger SV kam sogar an die Öffentlichkeit. Tatsächlich pochte Decarli sogar öffentlich auf einen Vereinswechsel und wurde daraufhin vom Verein suspendiert. Die ersten drei Ligaspiele (plus Pokal) sah Decarli somit von der Tribüne aus. Dann folgte der Wechsel zum FC Brügge. Brügge? Kennen wir doch. Decarli sollte gleich einen zentralen Part in der Dreierkette spielen. Die Ablösesumme betrug rund 1,5 Millionen Euro.

Der Wechsel zu den (Noch-nicht-)Drecksbelgiern

Direkt im ersten Spiel vertraute der Brügger Trainer auf die neue Nummer 35. Gegen Royal Antwerpen erzielte Decarli sogar das Tor des Tages. Trotzdem fand sich Decarli in der Folgezeit häufiger auf der Bank wieder. Eine Operation sorgte dann für das endgültige Saisonaus. Zwar wurde Decarli mit dem FC Brügge Meister, absolvierte aber nur zehn von 25 möglichen Ligaspielen.

In der darauffolgenden Saison wurde die Spielzeit für Decarli noch mäßíger. Trainer Ivan Leko vertraute lieber auf andere Innenverteidiger. Zu seinem Debüt in der Champions League kam Decarli gegen Borussia Dortmund am 28. November 2018 – wenngleich er nur in der letzten Minute eingewechselt wurde um das 0:0 zu halten. Gestern unterschrieb Decarli einen bis zum 30. Juni 2022 datierten Vertrag. Die Ablöse beträgt rund 300 Tsd. Euro, wozu noch weitere Nachzahlungen in gestaffelter Form kommen werden.

Der Wechsel zum VfL Bochum

Der Wechsel zum VfL kann man durchaus als Coup bezeichnen. Decarli besaß beim belgischen Vizemeister nämlich noch einen Vertrag bis 2020. Für die A-Nationalmannschaft der Schweiz konnte Decarli bisher noch nicht debütieren, der Schweizer, der auch für Italien spielen könnte, absolvierte bisher acht Partien für die U21. Die größte Stärke von Decarli ist – wie der Abiturient sagen würde – den Ball zu antizipieren. Decarli erkennt früh Situationen und kann diese oft bereinigen, bevor es gefährlich wird. Außerdem ist Decarli kopfballstark. Wenn man von Decarli aber den Über-Grätscher erwartet, wird schnell enttäuscht werden. Auch das Aufbauspiel ist nicht Decarlis Paradedisziplin. Dennoch freuen wir uns, den 27-jährigen an der Castroper Willkommen zu heißen!

Sebastian Schindzielorz präsentiert mit Saulo Decarli einen echten Knaller für die Innenverteidigung. Foto: VfL Bochum 1848

Herzlich Willkommen anner Castroper, Saulo Decarli!

Sebastian Heise

Sebastian Heise

Ich halte dem VfL nun seit mehr als 23 Jahren die Treue. Eine Saison ohne Dauerkarte geht natürlich nicht. Ich bin durch und durch Lokalpatriot und kein anderer Verein und keine andere Stadt hat einen so großen und wichtigen Platz in meinem Herzen und Leben. Danke Papa. Gefühlt ist Bochum für mich immer noch ein Erstligist, so wie damals, als meine Jungs und ich die ersten Fahrten nach Bremen, Hamburg und wie sie nicht alle hießen auf uns genommen haben. Na ja, aber wie wir alle wissen ist seitdem wir zuletzt in einem Pflichtspiel auf Schalke oder Dortmund trafen viel passiert. Aber hey, auch das gehört nun zu unserer Geschichte. Dass ich Musik mache und auch Songs für unseren Verein geschrieben haben, erwähne ich mal dezent am Rande. Nun gehen wir in das neunte Zweitligajahr und die Motivation mit den Jungs in der Kurve zu stehen und tolles zu erreichen mit dem Verein ist ungebrochen. Wahre Liebe kennt halt keine Liga. Daher, immer vorwärts VfL.

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