Couragierter Punktverlust in Kiel

Der VfL Bochum geht im Spitzenspiel gegen Holstein Kiel leer aus und verpasst somit den Sprung auf Platz 1 der Tabelle. 90 Minuten des couragierten Kampfes bleiben am Ende unbelohnt. Kiel offenbart sich als neuer Angstgegner des VfL in der 2. Bundesliga.

Frust und Stolz zugleich – selten werden diese Gefühle so vereint wie im gestrigen Spitzenspiel in Kiel. Nach dem Spielverlauf der ersten 60 Minuten bleibt man als Fan des VfL fassungslos ob der verlorenen Punkte zurück. Und dennoch – so wirklich vorwerfen will man es nach einem, über weite Strecken, spielerisch und läuferisch starkem Spiel unserer Mannschaft niemanden. Bezeichnenderweise wurden die Punkte mit nur einer blöden Handbewegung sowie zwei unachtsamen Minuten in der zweiten Hälfte hergeschenkt.

Dominante erste Halbzeit

Thomas Reis vertraute hierbei der gleichen Elf wie schon gegen Hamburg und Düsseldorf. Mit einem mutigen und offensiv ausgerichteten Spiel wollte man erstmals in der noch jungen Zweitligageschichte von Holstein Kiel drei Punkte aus dem hohen Norden mitnehmen. Zunächst schaute alles sehr gut aus – der VfL schaffte es wie schon zuletzt durch ein starkes Offensivpressing, den Gegner zu Fehlern zu zwingen, und übernahm spätestens nach etwa zehn Minuten das Spielgeschehen. Zoller nach hervorragender Vorarbeit von Soares und Holtmann nach einem blitzschnellen Konter verpassten es jedoch, alleinstehend vor dem Torwart den VfL frühzeitig in Führung zu bringen. Holstein Kiel – bis dato noch überhaupt nicht im Spiel – profitierte in der 30. Minute von einem Videobeweis. Bei einer hohen Hereingabe kam Bella-Kotchap bei einem unglücklichen Kopfballversuch mit der Hand an den Ball und sorgte so für den Strafstoß und die Führung der Kieler. Nach der aktuellen Auslegung des Handspiels sicherlich vertretbar, doch ob definitiv eine unnatürliche Handbewegung vorlag (und somit eine klare Fehlentscheidung) ist zumindest diskutabel. Sei es drum – nach dem unglücklichen Rückstand bewies der VfL Moral und schaffte in Form von Zoller den unmittelbaren Ausgleich. Danach verebbte die Partie und beide Mannschaften gingen mit dem Unentschieden in die Pause.

Zwei bittere Minuten bringen den VfL um den Ertrag

Konnten es nicht fassen, dass 60 starke Minuten nicht zum Sieg reichen: Simon Zoller und Robert Zulj – Bild: VfL Bochum

Auch zu Beginn der zweiten Hälfte ließ Bochum die Gastgeber nicht ins Spiel kommen. Das hochgelobte Mittelfeld Zentrum der Kieler kam nicht zur Geltung und unser Gegner somit ohne Mithilfe des Schiedsrichtergespannes zu keiner nennenswerten Chance. Im Gegenzug hatte Holtmann erneut die Riesenchance freistehend vor Gelios den VfL verdientermaßen in Führung zu bringen. Ein Blick auf die Statistik (Torschussverhältnis 11:5, Ballbesitz 55%, Eckbälle 3:1; Quelle: whoscored.com) verdeutlichte die Dominanz unserer Mannschaft bis zur 55. Minute. Doch mit der Einwechslung von Mees auf Seiten Holsteins kam ein Bruch ins Spiel. Der weiter lauffreudige VfL verlor die Hoheit im Mittelfeld und fing sich binnen zwei Minuten zwei viel zu leichte Gegentore gegen eiskalte Kieler, die ihre ersten drei Chancen allesamt in Tore ummünzten.

Der Rest vom Spiel ist schnell erzählt. Thomas Reis versuchte mit Ganvoula, Eisfeld und Bockhorn nochmal ins Spiel zu kommen – leider vergeblich. Der VfL rannte mit offenen Visier bis zur letzten Minute an, konnte sich jedoch nicht mehr für starke 60 Minuten belohnen.

Eine Niederlage, die Mut macht

Auch wenn man letzten Endes mit leeren Händen nach Hause fährt und auch wenn man mal wieder den Sprung nach ganz nach oben verpasst hat – so kann man der Mannschaft diesmal keinen Vorwurf machen. Der Wille war von der ersten bis in die letzte Minute spürbar und vielleicht waren die Beine nach dem Montagsspiel noch etwas zu schwer, um das Tempo der ersten 60 Minuten das komplette Spiel abzurufen. Bis zum Heimspiel gegen Paderborn hat man jetzt eine ganze Woche, um zu regenerieren und die Niederlage aufzuarbeiten. Eine Niederlage, die bei dem erbrachten Aufwand sicherlich schmerzen wird. Auch wenn es sich immer leicht sagt – jetzt gilt es „Mund abwischen und weiter machen“. Schafft man es weiterhin, sich so mutig und lauffreudig wie zuletzt zu präsentieren, wird auch das Matchglück bald wieder zurückkommen.

Jens Hartenstein

Jens Hartenstein

In Bayern geboren, führte mein Weg zum Fußball über den FC Bayern München erst über Umwege zum geliebten VfL. Hierbei hat mich insbesondere die Phase Mitte der 90 geprägt, als man unter anderm in den UEFA Cup einzog. Nach einer jugendlichen Trotzphase, in der ich mich fast gänzlich dem Fußball, aber vor allem der Kommerzialisierung von selbigem abgewandt hatte, fand ich dann Anfang des neuen Jahrtausends wieder zurück zum Fußball. Ein echter Fußballfan kann eben doch nicht ohne seine Leidenschaft. Spätestens als ich dann beim Abschiedsspiel von Darius Wosz dessen letztes Bundesligator, den Abstieg Gladbachs und unseren beinahe Einzug in den UI-Cup live im Gladbacher Stadion feiern durfte, wars um mich dann komplett geschehen. Seitdem sind mäßige Spiele, Niederlagen, Abstiege und sämtliches Leid aller VfL Fans mein ständiger Wegbegleiter.

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