Foto: Tim Kramer (Tremark Fotografie)

Ein Spiel für die Katz

Ein Unentschieden der Marke Tiefschlag. Ein Unentschieden, welches einem jegliche Lust auf Fußball raubte. Ein Unentschieden, dass die Stimmung in Bochum weiter anheizt. Sportlich bleibt nicht viel zu sagen nach dem Spiel auf dem Betzenberg. In diesem Moment ringe ich ehrlich gesagt mit mir selbst, um das Gesehene irgendwie noch zu Papier zu bekommen.

Dabei war eigentlich alles für ein Fußballfest angerichtet: Flutlichtspiel, Betzenberg, eine engagierte Leistung unserer Mannschaft in der Vorwoche und obendrein ein Gegner der die Punkte derzeit zum Nulltarif in der Liga verteilt. Wie gesagt, „eigentlich“ – denn letztlich war das Spiel alles, nur definitiv kein sportlicher Leckerbissen oder gar ein Fußballfest. Bei mir persönlich ging es sogar so weit, dass ich zwischenzeitlich nach 65 Minuten vom TV aufgestanden bin mit den Worten „selbst die Katze füttern ist spannender als dieser Kick“. Das traurige daran – ich sollte recht behalten! Die Katze zeigte Freude, die Katze zeigte Eifer – mehr als ich beim VfL über 90 Minuten sehen durfte.

Was man letztlich sah, war eine Mannschaft, deren Verunsicherung greifbar war. Eine Mannschaft, die gefühlt 90 Minuten lang nur als Statist auf dem Platz war. In einem Spiel, in dem beide Mannschaften jegliche fußballerische Klasse im Offensivspiel vermissen ließen, konnte Kaiserslautern wenigstens durch Willen und Laufbereitschaft überzeugen und erzwang somit einige wenige echte Torchancen. Für die VfL-Anhänger war das Spiel hingegen trostlos. Ein Schüsschen von Eisfeld zu Beginn des Spiels und dessen direkter getretener Freistoß – die restlichen Offensivbemühungen waren nicht erwähnenswert. Drei Torschüsse über 90 Minuten, kein einziger in der zweiten Halbzeit. Dies alles gegen den Tabellenletzten, welcher zuvor in 12 Ligaspielen 22 Gegentore kassierte und eine alles andere als sattelfeste Abwehr vorweisen kann.

Als Fan des VfL Bochum bin ich leidensfähig, als Fan des VfL muss man das auch sein und ist man ein Stück weit schon gewöhnt. Das gehört auch zur eigenen Identifikation. Woche für Woche nimmt man Rückschläge in Kauf und schöpft neue Motivation, um mit Herz und Leidenschaft mit seiner Mannschaft zu fiebern. All dies selbst, wenn die eigens ernannten Ziele längst verfehlt und zu den Akten gelegt wurden. Man beschränkt sich dabei auf den Sport, Fußball wie wir ihn lieben! Zweikämpfe, Torraumszenen, Laufbereitschaft – nur war davon gestern nichts zu sehen. In all diesen Statistiken war Kaiserslautern uns im wahrsten Sinne des Wortes meilenweit überlegen. Weil aber auch Kaiserslautern alles andere als gut spielte, konnte man eines der langatmigsten Spiele der letzten Jahre beobachten. Es mutete einem Sommerkick an, indem es für die Mannschaft um nichts mehr geht. So aber bleiben nur Fragen.

Richtete sich mein Apell in den vergangenen Tagen noch zu einem großen Teil an die Fans, so muss dieser nun an die Mannschaft gerichtet sein. Viel mussten die Fans in den letzten Wochen mitmachen. Fans, die alles für diesen Verein geben. Nun liegt es an der Mannschaft, diese Fans wieder mitzunehmen. Vier Spiele bleiben dafür noch bis zur Winterpause. Vier Spiele, in denen die Mannschaft alles aus sich herausholen muss, will man halbwegs beschaulich Weihnachten beim VfL feiern. Die Länderspielpause scheint hier wie ein Geschenk. Es kommt einiges an Arbeit auf Rasiejewski zu, denn die Mannschaft muss gegen Fürth wieder ein komplett anderes Gesicht zeigen.

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