Foto: Tim Kramer (Tremark Fotografie)

Nach den Chaoswochen: Was bringt die Zukunft?

Randale auf der Jahreshauptversammlung, Trainerentlassung, Suspendierung des Kapitäns sowie das Preisgeben von Interna in der Öffentlichkeit – die Ereignisse der letzten Wochen haben rein gar nichts mit dem sonst so beschaulichen Verein an der Ruhr zu tun, so wie man ihn eigentlich kennt. Und sind wir mal ehrlich, mit Ruhm hat sich in diesen Wochen wohl kaum jemand beim VfL bekleckert. Doch auch nach diesen Wochen des Chaos muss es für den VfL weitergehen. Den Blick wieder nach vorne gerichtet und zwar gemeinsam! In schweren Zeiten kann ein Verein nur als Einheit funktionieren. Eine Einheit unter den Fans, eine Einheit im Team. Unabhängig ob Spieler, Manager oder Fan – wirklich jeder sollte zum Wohle des Vereins zur Not auch über seinen eigenen Schatten springen. Letztlich zählt nur der Verein, unser aller geliebter Verein!

In erster Linie müssen hierfür die geschaffenen Gräben wieder gemeinsam aus dem Weg geräumt werden. Sinnbildlich für diese neuen Gräben kann man die internen Machtkämpfe rund um die Personalien Felix Bastians und Christian Hochstätter nennen. Ohne dabei näher auf das Thema einzugehen – denn viel zu viel wurde bereits dazu geschrieben und medial hineininterpretiert – muss dieses Thema endgültig abgeschlossen werden. Hierfür muss das eigene Ego zurückgestellt werden, um wieder für das gemeinsame Ziel zu arbeiten. Völlig egal, wer da wie oder was gemacht hat. Solche kindlich anmaßenden Schuldzuweisungen gehören definitiv nicht in die Öffentlichkeit oder gar vor ein Arbeitsgericht. Bei zwei erwachsenen Männern kann man durchaus erwarten, dass sie untereinander (!) auf ein Bier oder einem Kaffee mal kurz Tacheles reden und danach wieder zum Wohle des Vereins einen gemeinsamen Weg finden. Schlicht und ergreifend wieder Professionalität an den Tag legen und sich auf das Wesentliche konzentrieren, denn beide sind in ihrem Kernbereich für den Verein im Grunde unverzichtbar. Will man wieder Ruhe, sollte man zu allererst bei sich selbst anfangen und das leidige Thema hinter sich lassen. Gleiches gilt selbstverständlich für Fans wie auch Medien.

Fleißig wurde in den Medien Klicks generiert und die Themen dabei regelrecht (und häufig recht subjektiv) ausgeschlachtet und dies alles leider ohne dabei an ein gemeinsames „Hinterher“ zu denken. Ein Schelm, wer hinter einigen Artikeln der Journalisten Eigeninteresse oder gar Antipathien gegenüber handelnden Personen vermutet. Auch hier gilt, man sollte sich wieder auf das Ganze konzentrieren, zu dem weit mehr als nur Momentaufnahmen oder einzelne Fehlgriffe gehören. Nochmals, es braucht zwingend wieder Ruhe rund um den VfL!

Zusammenhalt unter den Fans

Foto: Tim Kramer (Tremark Fotografie)

Was für das Umfeld gilt, sollte allerdings nicht für die Ränge im Stadion gelten. Besonders in schwierigen Zeiten ist häufig die Psyche der Spieler der entscheidende Faktor, welcher über Sieg oder Niederlage entscheidet. Erst recht, wenn diese Psyche gelitten hat, kann ein grenzenloser Support im Stadion durch die Fans der Mannschaft enormen Aufwind bringen und somit auch Spiele (mit-) entscheiden. Explizit loben muss man hier sämtliche Ultra-Gruppierungen und Fanbewegungen, welche mit dem Verein seit Jahren durch dick und dünn gehen. Dieses Herzblut und die daraus resultierende Stimmung sowohl in der Ost, als auch in der Fremde sind immens wichtig für den Verein. Umso wichtiger ist es, dass alle Fangruppierungen zueinander halten und die Mannschaft aus tiefstem Herzen und lautem Munde bedingungslos unterstützen. Leider bleibt festzuhalten, dass neben der sportlichen Talfahrt sowie den Querelen im Verein, vor allem die Ausgliederung eine Spaltung der Fanszene bewirkte. Dies ist nur allzu verständlich, brachte diese richtungsweisende Entscheidung über die Zukunft des Vereins genügend Reibungspotential mit ins Spiel. Pro und Contra Seite haben sich aufgerieben und in die Sache ihr Herz gelegt. Dabei wird es auch künftig über die mittlerweile mehrheitlich beschlossene Ausgliederung immer zwei Meinungen geben und nie werden sich auch nur ansatzweise alle einig sein. Was uns hingegen alle eint, ist die Liebe zum Verein und diese Liebe sollte gerade in schweren Zeiten Vorrang haben. Die Mannschaft braucht uns und wir brauchen wieder eine Mannschaft. Nur eine funktionierende Symbiose zwischen Fans und Mannschaft vermag es auch wieder die verschiedenen Bewegungen innerhalb der Fanszene zu einen. Hierbei steht und fällt die Stimmung selbstverständlich mit dem Sportlichen.

Die sportliche Situation

Nicht verwunderlich also, dass die Gefühlswelt der Fans nicht nur durch den Prozess der Ausgliederung und Außendarstellung des Vereins, sondern vor allem auch durch die sportlichen Misserfolge gelitten hat. Vieles wäre deutlich leichter zu verdauen, würde der Tabellenstand stimmen und wenn man sich als Fan eins zu eins mit dem Team identifizieren könnte. Leider stehen aktuell zwei Trainerwechsel, Platz 13 und 8 Punkte Rückstand auf die angestrebten Aufstiegsränge nach 12 absolvierten Spielen zu Buche. Obendrein schmerzt die bittere Niederlage in Paderborn sehr. Noch ist immer noch keine Konstanz erkennbar, noch ist also auch noch keine (deutliche) Besserung in Sicht.

Mit Jens Rasiejewski ist nun allerdings ein neuer Trainer im Amt. Ein Trainer, dem man durch seine unaufgeregte Art, seinen sachlichen Analysen und den Leistungen im Nachwuchsbereich durchaus einen Vorschuss an Vertrauen zugestehen müsste. Geht es nach der Stimmung in Foren und Fanlagern ist dieser Vorschuss nach lediglich 4 Spielen längst aufgebraucht. Dabei hat man in der Liga in 3 Spielen, unter anderem gegen den Tabellendritten und den Tabellenersten, welcher mit einer unglaublichen Siegesserie angereist ist, immerhin beachtliche 4 Punkte geholt und sich in jedem Spiel ein Chancenplus erarbeitet. Die Stimmung bei den Fans ist aufgeheizt, die Stimmung ist teilweise auch ungerecht. Kann man denn wirklich von einem neuen Trainer innerhalb weniger Wochen erwarten mit einer verunsicherten Mannschaft die drei besten Defensiven der Liga (Platz 1 Düsseldorf mit 10 Gegentoren, Platz 2 Braunschweig und Sandhausen mit jeweils 11 Gegentoren) auseinander zu nehmen? Liegt es am Trainer, dass die Chancen teils kläglich vergeben werden und sowohl gegen Paderborn als auch gegen Düsseldorf vermeintliche Tore durch den Schiedsrichter aberkannt werden?

Mit neuen Hierarchien zu neuen Erfolgen?

Foto: Tim Kramer (Tremark Fotografie)

Rasiejewski schaffte es durch teils unpopuläre, aber durchaus notwendige Entscheidungen, wie beispielsweise den Verzicht auf öffentliches Training, zumindest (vorerst) wieder Ruhe in das Team zu bekommen. Ebenso wird keine Rücksicht auf große Namen genommen – beides Grundvoraussetzungen, um wieder sportlichen Erfolg einzufahren. Es gilt das Leistungsprinzip und das macht im Einzelfall auch nicht vor Namen wie Robert Tesche und Alexander Merkel oder einstigen Leistungsträgern wie Anthony Losilla halt. Das sportliche Problem liegt deutlich tiefer als „nur“ bei der taktischen Ausrichtung durch die Trainer oder der Zusammensetzung der Mannschaft durch den Manager, denn Qualität dürfte das Team unbestritten haben. Zu sehr hat sich ein Gefühl der Sättigung eingestellt, zu sehr hat man sich auf die Lorbeeren und dem Grundgerüst aus der Saison 2015/16 ausgeruht. Aber war es in der genannten Saison nicht maßgeblich die gesunde Mischung aus etablierten Spielern mit aufstrebenden Talenten wie Haberer, Eisfeld oder Bulut, die ein funktionierendes Kollektiv geformt haben?

Waren die Aufstellungen unter Ismail Atalan häufig noch sehr auf Sicherheit durch Routiniers bedacht, so setzt Rasiejewski jedenfalls auch wieder auf junge und vor allem hungrige Talente. Gyamerah und Hemmerich scheinen gesetzt und auch Janelt bekam am Montag erstmals nach seiner Verletzung wieder den Vorzug vor manch einem Altstar. Bedenkt man die Vielzahl talentierter Spieler im Verein und die festgefahrenen, leider sportlich zuletzt wenig erfolgreichen Mannschaftsstrukturen, ist ein Überdenken der vereinsinternen Hierachien unausweichlich. Ein Überdenken, dass Rasiejewski durchaus bereits eingeleitet hat. Dies alleine garantiert selbstverständlich keinen Erfolg. Ob also Rasiejewski letztendlich sportlich den gewünschten Erfolg bringt, bleibt demnach vorerst abzuwarten. 4 Spiele und wenige Wochen des Trainings sind deutlich zu wenig, um einen Trainer in seiner Kernaufgabe abschließend zu beurteilen. So erscheint es durchaus sinnvoll und richtig die Entscheidung über die Zukunft des Trainers genau wie die Kapitänsfrage bis in die Winterpause zu vertagen. Mit Kaiserslautern, Fürth, Aue, Union und Regensburg hat man ein durchaus machbares Restprogramm vor der Tür. Ein Restprogramm, das durchaus auf deutlich mehr Punkte als im ersten Saisondrittel hoffen lässt und welches Licht in die Zukunft von Rasiejewski bringen wird. Im Gegensatz zu anderen Fragen gibt es hier auch keine zwei Meinungen, Rasiejewski beziehungsweise die Mannschaft muss jetzt liefern!

Schafft es Rasiejewski mit der Mannschaft dieses Restprogramm erfolgreich zu gestalten und schaffen es alle Beteiligten wieder eine Einheit zu formen, hat man zumindest die Möglichkeit, diese „Chaoswochen“ ein für alle Mal hinter sich zu lassen. Natürlich nicht ohne Schrammen, natürlich nicht ohne bleibende Erinnerungen. Zu viel ist Abseits des Rasens geschehen und sportlich musste man längst die hoch gesetzten Ziele begraben. Nichtsdestotrotz kann und muss dies jetzt alles hinter uns gelassen werden und wir alle müssen den Blick wieder nach vorne richten. Es wäre schließlich auch nicht das erste Mal, dass aus verbrannter Erde eine neue Hoffnung keimte.

Foto: amenic181

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