Unwohlsein bei Heimspielen, aber anders

Neverending Story, manches kehrt immer wieder zurück - Foto: Einsachtvieracht

Auch im vierten Heimspiel bleibt der VfL Bochum sieglos. Nach lediglich einem Tor beim einzigen Punkt und ansonsten drei 0:1 Niederlagen gibt es viele Fragen. Die Frage, ob es nur eine Ergebniskrise ist, stellt sich für mich hingegen nicht mehr. Beim Spiel gegen Arminia Bielefeld wurde allzu deutlich, dass der VfL spielerisch insbesondere durch das Zentrum einfach viel zu ungefährlich ist. Das Kollektiv ist wieder einmal deutlich schwächer als die Fähigkeiten der Einzelspieler.

Ordentlicher Beginn

Der VfL startete durchaus mit Zug gegen die Bielefelder Fünferkette. Es lief viel über Christian Rasmussen und Gerrit Holtmann. Die letzte Aktion kam aber nie sauber und insbesondere die Flanken waren einmal mehr extrem harmlos. Eine Ecke war schon das Gefährlichste, was der VfL dabei rausholen konnte. Insbesondere die rein geschaufelten Bälle sind nicht im Geringsten vielversprechend. Die Boxbesetzung war einmal mehr viel zu dünn. Auch im Rückraum oder generell um den Strafraum herum war der VfL wieder einmal ebenfalls schwach besetzt.

Die Anfangsphase ging so also ohne große Chancen vorbei, wenn man von der einen Aktion absieht, in der Holtmanns vielversprechender Angriff wegen Foulspiels abgepfiffen wurde. Nach knapp einer halben Stunde kam Philipp Hofmann noch zu einer guten Abschlussaktion, die letztlich aber deutlich zu ungefährlich war.

Zerfahrene zweite Spielphase

War es auch vorher schon kein fußballerischer Leckerbissen, wurde es in der Phase vor der Pause noch schwächer. Bochum hatte weiterhin viel Ballbesitz, lief bei den schwachen Angriffsversuchen allerdings immer eher in Konter, als dass irgendetwas dabei raus springen konnte. Die Abwehr konnte in letzter Konsequenz aber meist klären und zeigte, warum der VfL trotz schon vier Niederlagen mit den zweitwenigsten Gegentoren da steht.

Die zweite Halbzeit startete mit einem Konter über Holtmann, dessen Abschluss allerdings leider eher eine Rückgabe war. Wenn man sich spielerisch schon nicht viel erarbeiten kann, müssen solche Aktionen dann auch einfach mal sitzen.

Die nächsten Minuten ging es dann weiter wie zum Ende der ersten Hälfte, Bielefeld wurde aber so langsam mutiger.

Gegentor mit Ansage

Macht man selbst aus seinem Übergewicht an Ballbesitz nichts, kommt es oft so wie in diesem Spiel. Beide Teams zogen die ersten Wechsel, Bielefeld traute sich immer mehr zu. Nach mehreren noch geklärten oder unsauberen Angriffen war dann der eingewechselte Benjamin Boakye durch und versenkte den Ball rechts unten, Maxi Wittek konnte den Abschluss nicht verhindern.

Nun lief der VfL in der Schlussphase also wieder einmal einem Rückstand hinterher. Daniel Hanslik und später Alessandro Crimaldi kamen noch. Es gab anschließend noch eine sehr gute Chance von Berkan Taz, bei der endlich einmal der Rückraum besetzt war und dessen Ball nur knapp am Tor vorbei ging. Ansonsten gab es kaum noch Momente, in denen der VfL dem Ausgleich nah kam. Stattdessen nahm man immer wieder durch völlig dämliche Aktionen Zeit von der Uhr. Als Beispiel ist hier die gelbe Karte für Holtmann zu nennen oder mehrere Aktionen, wo der Ball vom Tor aus nur verzögert weitergespielt wurde. So wurden die Gäste eher noch einmal gefährlich und der VfL ergab sich in spielerischer Trostlosigkeit und mangelndem Glauben an die eigene Fähigkeit, noch ein Tor zu erzielen.

Unausgewogene Mannschaft

Die Ultras hielten während des Spiels Plakate hoch mit Dingen, die bei Ihnen Unwohlsein hervorrufen. Dies war eine Antwort auf das sogenannte Hüpfverbot und die absolut hanebüchene Erklärung dessen. Problemlos hätte man noch die Offensivleistung oder fast schon die generellen Leistungen insbesondere in Heimspielen ergänzen können (ich weiß, darum ging es nicht).

Bilder einer Choreo-Aktion des VfL Bochum mit "Dingen, bei den uns unwohl wird".
Foto: Einsachtvieracht

Mit der aktuellen taktischen Formation und dem Personal schafft man es, defensiv stabil zu stehen. Aber man wird nie verhindern können, dass der Gegner auch mit wenigen Chancen ein Tor erzielt. Zwischen dem zentralen Mittelfeld, das recht tief steht und oft auf einer Höhe mit den hoch schiebenden Außenverteidigern, und der Offensive klafft ein riesiges Loch. Wenn es nicht über Außen geht, von wo die Hereingaben leider in aller Regel komplett harmlos sind, sind es weiterhin lange Bälle auf Hofmann. Diese kann er allerdings kaum mehr behaupten kann und erst recht nicht, wenn er gegen drei Innenverteidiger ganz allein auf weiter Flur steht.

Am Ende waren es wieder 26 Flanken, die in den Strafraum segelten, zusammen mit den anderen Chancen konnte man sich aber grad einmal einen xG von 0,49 erarbeiten. Schon das zeigt, dass der VfL leider komplett zurecht torlos blieb. Da hilft keine Ballbesitzquote, keine gute Passquote, die meist durch Pässe in der eigenen Defensive zustande kam. Es fehlten die kreativen Ideen, um tatsächlich etwas aus dem Ballbesitz zu machen. Weder Koji Miyoshi noch Mats Pannewig konnten wirklich Chancen durch das Zentrum kreieren.

Mechanismen des Geschäfts

Uwe Rösler dürfte jetzt so langsam angezählt sein und braucht schnell neue Ideen. In der langen Länderspielpause konnte viel gearbeitet werden, das Testspiel gegen den VfL Osnabrück hinterließ auch den Eindruck, man würde offensiv etwas besser rein kommen. Allerdings zeigte gleich das erste Spiel, dass die Mannschaft es zumindest in einem Spiel mit echtem Gegnerdruck nicht umsetzen kann. Es scheint bereits früh, als war es eine vergeudete Möglichkeit, intensiv an den Problemen zu arbeiten.

Ob man Miyoshi nimmt, mit Ausnahme des Spiels in Dresden, Berkan Taz oder die Sechser/Achter, aus dem Mittelfeld kommt insgesamt zu wenig. Natürlich ist es schwierig, man will auch die defensive Stabilität nicht aufgeben. So kann es allerdings einfach nicht weitergehen. Ansonsten wird es zu dem kommen, was in solchen Fällen immer folgt. Ich würde es schade finden, da ich Rösler vom Typen her eigentlich gut zu Bochum passend finde. Aber nur mit Sympathie gewinnt man keine Spiele.

Wenig mitreißendes Spiel des VfL

Aktuell verliert der VfL zuhause nicht nur seine Spiele, von den Fans kommt auch langsam Gegenwind und logische Unzufriedenheit. In Verbindung mit der erstmals sichtbaren Baustelle könnte das zu einem ganz tristen Herbst führen. Auswärtsspiele, bei denen der VfL insgesamt etwas besser aussah und auch mal durch Konter zum Erfolg kam, werden auf Dauer nicht ausreichen, um von der Gefahrenzone weg zu bleiben.

Hier kommen wir wieder zum Problem, dass die Einzelteile deutlich stärker als das Kollektiv sind. Rein für sich betrachtet machen viele Spieler durchaus Hoffnung, Sean Klaiber zeigt sich als sehr gute Last-Minute-Verpflichtung, Tom Meyer macht zwar Fehler und lässt sich ein wenig in hektischen Situationen anstecken, zeigt aber viel mehr, als man ihm vor der Saison zugetraut hätte. Auch Christian Rasmussen bringt ein physisches und dynamisches Element rein, das dem Verein bislang gefehlt hat. Allerdings schafft man es auch hier nicht, seine Aktionen in die Box zu lenken. So kommt auch er nicht vielversprechend zum Abschluss. Über die Stabilität der Innenverteidigung wurde ja bereits häufiger gesprochen.

Ich bin keiner, der die Taktik auseinandernehmen kann und sagen kann, mit welchen Stellschrauben man die Offensive verbessern kann. Ob es am Ende vielleicht ein klarer und zentraler Sechser werden soll und der oft im Offensivspiel in der Luft hängende Zehner gegen einen zweiten Achter ersetzt werden sollte. Ob es vielleicht zwei Spitzen bräuchte, wobei Daniel Hanslik noch immer nicht in Bochum angekommen zu sein scheint. Dafür sind Andere besser geeignet. Es muss halt nur etwas passieren.

Sonst kommt in spätestens zwei Heimspielen der allseits beliebte “Wir ham die Schnauze voll”-Gesang wieder aus der Mottenkiste.

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Autor: Stefan Zils

Wenn man Fan eines im Zweifel erfolglosen Vereins ist, stellt man sich vielleicht irgendwann die Frage, wann man es hätte merken müssen. Bei mir war das sehr früh. Es war der 27.05.1990 und somit das Relegations-Rückspiel gegen Saarbrücken, mein erstes bewusstes Spiel vom VfL (allerdings im Fernsehen). Ich war 9 und somit eigentlich alt genug, um es zu merken. Gut, alle haben wir gejubelt, als uns Uwe Leifeld erlöste (den ich da grad einmal vom Namen kannte) und spätestens da packte mich dann das VfL-Fieber und das logische Denken setzte aus, Fußball wurde Emotion. Anschließend gleich am 2. Spieltag zu meinem ersten Heimspiel ins Stadion (ein 1:0 gegen den 1.FC Köln) und ab da zu vielen schönen und weniger schönen Spielen (anfangs meist) mit einem Mitspieler vom LFC Laer 06 und unseren Vätern. Im Sommer häufiger mal zu Fuß zum Tempel aus Querenburg, ohne dass ich noch weiß, wie es zurück ging. Nur gegen Schalke, Dortmund und Bayern gingen wir länger nicht hin... weil es zu voll wurde (meine Entscheidung war das natürlich nicht). Ich wurde also quasi gleich zum Anti-Rosinen-Picker erzogen... ;-)

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