Grubenstaub über der Elbflorenz

Ein wichtiger Auswärtssieg im Osten

Am vierten Spieltag der zweiten Bundesliga erkämpfte sich unser VfL Bochum ein 2:1 bei Dynamo Dresden. Unter dem beißenden Flutlicht des Rudolf-Harbig-Stadion behielten Uwe Röslers Jungs trotz eines herausfordernden Spiels letztendlich die Oberhand und konnten wohltuende drei Punkte aus dem Osten mitbringen. Im Gegensatz zum vergangenen Heimspiel durften wir in den Genuss kommen, spielerische Ideen, effiziente Torabschlüsse, aggressiv erfolgreiche Zweikampfführung und einen saustark aufgelegten Koji Miyoshi zu erleben. Ein Resümee.

Unter der Vorwoche konnte ich meinem eigenen Kopf und geführten Gesprächen irgendwie nicht den Optimismus entlocken, dass es in Dresden etwas zu holen geben würde. Die enttäuschende Mannschaftsleistung aus dem letzten Spiel, die wild durchwachsene Statistik aus Aufeinandertreffen mit Dynamo und ein Kader, der in der zurückliegenden Trainingswoche durch späte Neuzugänge ergänzt und durchgewirbelt wurde. Diese Kombination bot ordentlich Grundlage für ein spielerisches Pulverfass, dessen Explosion sich in jede erdenkliche Richtung hätte erstrecken können.

System und Aufstellung

Wie bereits gegen den VfL Osnabrück schickte Uwe Rösler die Mannschaft im ‘4-2-3-1‘ formiert auf den Rasen. Während die Viererkette in der Verteidigung unverändert blieb, übernahm Enis Cokaj neben Mats Pannewig im defensiven Mittelfeld für Tom Meyer.

Koji Miyoshi wurde von der rechten Außenbahn mittig auf die 10 gezogen, wofür Berkan Taz auf die Bank weichen musste. Den linken Flügel bekleidete erneut Gerrit Holtmann, auf rechts begann Christian Rasmussen. Philipp Hofmann stand wie gewohnt vorne auf dem Pinn.

Auf eine bunte erste Hälfte…

Die ersten fünf Minuten hatten es in sich. Unmittelbar nach dem Anstoß schepperten Holtmann und Miyoshi ineinander, gingen beide zu Boden. Wenig später sägte Cokaj Nikolai Rapp im Mittelfeld rüde um und kassierte eine schnelle gelbe Karte.

Nur zwei Minuten später trafen Cokaj und Rapp erneut aufeinander. Diesmal in Nähe des Dresdener Tores. Cokaj spitzelte Rapp in dessen hektisch überfordert defensivem Aufbauspiel durchdacht den Ball vom Fuß und steckte die Kugel an der Sechzehnerkante auf den frei stehenden Miyoshi durch. Der behielt die Nerven und versenkte das Leder zum frühen Führungstor unten links.

In Minute 21 musste Cokaj verletzungsbedingt durch Tom Meyer ersetzt werden. Vier Minuten darauf schickte Meyer Miyoshi mit einem feinen Schnittstellenpass nach vorherigem unsauberen Aufbauspiel von Dynamo ins eins gegen eins gegen Keeper Tim Schreiber auf die Reise. Miyoshi behielt erneut die Nerven, dieses Mal flach rechts – 0:2.

In Dresden Man of the Match und in Vergangenheit bereits Thema in unserem Podcasts: Koji Miyoshi.

Im Anschluss an eine feine Passkombination, im Rahmen derer unsere Defensive vor dem Strafraum die Räume nicht adäquat und zügig genug schloss, sorgte Dresdens Ben Bobzien für den 1:2 Anschlusstreffer vor der Pause. Timo Horn konnte bei dessen sattem Flachschuss in die rechte flacke Ecke nichts ausrichten.

… folgte ein mäßiger zweiter Abschnitt

Eine knappe Viertelstunde nach Wiederanpfiff bugsierte Hofmann nach einer Ecke einen krummen Joffel in Richtung des Tores von Dynamo. Der ihm über den Außenrist rutschende Seitzieher prallte jedoch vom linken Pfosten ab. Miyoshi war in der 65. Minute drauf und dran, aus knapp elf Metern sein drittes Tor zu erzielen – Schreiber parierte jedoch stark.

In den Folgeminuten übernahm Dresden die stärkeren Spielanteile und konnte sich zwei gute Torabschlüsse erspielen. Nach einem haarsträubenden Bock im Aufbauspiel von Karol Mets drosch Tobias Raschl den Ball an den linken Innenpfosten, von wo dieser glücklicherweise nicht ins Tor sprang. Wenig später überlupfte Kennedy Okpala Timo Horn im eins gegen eins, die Kugel ging jedoch ans Außennetz.

Weiteres Nennenswertes geschah nicht, sodass Referee Harm Osmers die Partie mit dem Endstand von 1:2 beendete.

Insgesamt zweifelsohne ein spielerischer Fortschritt

Im Gegensatz zu den Vorwochen, besonders zum blutleeren Auftritt gegen Osnabrück, gab es in Dresden, meines Erachtens nach, viel Positives und Fortschrittliches zu sehen.

Allem voran überzeugte Miyoshi auf der 10 im zentralen, offensiven Mittelfeld. Auf Grundlage seiner akribischen Laufarbeit, präziser Pässe, erfolgreicher Dribblings und natürlich seiner zwei Tore verlieh er unserem Spiel einen maßgeblich individuell starken Gewinn.

Insgesamt konnten in der Offensive einige gute Chancen erspielt werden. Ein weiterer Kopfball von Myoshi und ein strammer Schuss von der rechten Strafraumkante durch Rasmussen erzeugten ergänzende Torgefahr.

Kritisch betrachtet lässt sich natürlich nicht gänzlich verleugnen, dass Dresden uns mittels zweier gravierender Defensivfehler zu beiden Toren einlud. Auch hätten die schwarz-gelben mit stärkeren Nerven und/oder mehr Qualität und Glück in ihren Abschlüssen den Ausgleich locker erzielen können. Acht kassierte gelbe Karten (inklusive der für Rösler) sind auch nicht ohne.

Aber: das lässt sich alles drehen, wenden und betrachten, wie man es möchte. Präsentierte Geschenke erzwingt man auf dem Platz auch in einem gewissen Rahmen durch eigene Vehemenz und nimmt sie dann gern entgegen. Dass nicht alle Bälle den Weg ins Tor finden und man am Ende trotzdem gewinnt, spricht immerhin dafür, dass genug Chancen heraus gespielt werden konnten. Acht gelbe Karten sind tatsächlich saftig – bezeugen jedoch auch, dass die Zweikämpfe akribisch und aggressiv geführt wurden. So, wie wir uns das doch wünschen.

Glück kannst du haben, Glück kann dir fehlen. Mal bisse der Hund, mal bisse der Baum. In Dresden waren wir der Hund und hatten das Glück auf unser Seite. Und das ist auch gut so.

Spannung in der kommenden Startformation

Nun wird es interessant, welche Elf Rösler am kommenden Spieltag gegen Greuther Fürth an die Startlinie schicken wird. Nach den späten Neuzgängen um den Deadlineday herum hat der Kader an Qualität und Breite gewonnen. Und ich gehe davon aus, dass sich die Startelf dadurch weniger selbstverständlich aufstellen wird, als sie es bisher getan hat.

Dass Miyoshi erneut zentral offensiv auf der 10 auflaufen sollte, ist meiner Meinung nach klar. Ob Gerrit Holtmann nochmal beginnen darf, während Rasmussen ebenfalls auf links spielen kann und über mehr Stabilität und Stärke im Torabschluss und Passspiel verfügt, ist für mich zweifelhaft.

Auch stellt sich mir die Frage, ob “Key-Player” Jarne Steuckers von Anfang an ran darf. Und wenn ja – wo? In Dresden besetzte er als Joker den rechten Flügel, während Rösler ihm offensichtlich aufgrund seiner spielerischen Vergangenheit auch die 10 zutraut.

Und dann sitzt da immer noch ein Berkan Taz auf der Bank, Neuzugang Charlie Patino hat sicherlich auch mal Bock, während eines Spiels am Rasen zu riechen und Sean Klaiber machte es als für Oliver Olsen eingewechselter Rechtsverteidiger nicht verkehrt.

Fragen über Fragen, ich hab Bock auf die Antwort. Sollte das Team in puncto Einsatz, Laufbereitschaft und spielerischer Qualität an die Partie in Dresden anknüpfen, bin ich guter Dinge, dass es nicht mehr allzu lange dauern sollte, ein erstes Tor und erste Punkte in der laufenden Saison im Ruhrstadion bejubeln zu dürfen.

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Autor: Lennart Markmann

Am 19.02.2005 stand ich erstmals in der Ostkurve. Die geschenkte Karte eines Bekannten öffnete mir damals die Tür zu Block O links. Drei traumhaft rausgespielte Buden von Zwetschge Misimovic, Raymond Kalla und Tommy Bechmann sorgten dafür, dass der SC Freiburg punktlos aus der Stadt und der VfL nicht mehr aus meinem Herzen verschwand. Seitdem genieße ich die Höhen und Tiefen als Bochumer Junge. Lange Zeit in der Ostkurve stehend, anschließend in Block H1 sitzend und mittlerweile mit 34 Jahren auf dem Altherrenplatz in Block M1.

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026 – Drei Punkte und drei Neue: Woche des Fortschritts beim VfL Bochum