Ein Trainer, ein Neuzugang, ein Comeback – es ist viel zu vereinfacht, es auf diese drei Punkte runterzubrechen. Der VfL Bochum ist jedenfalls sehr gut in die Rückrunde gestartet. Der Heimsieg am Samstagmittag rundet das Auftaktprogramm gegen die drei Topteams der Liga ab. Und der VfL verschafft sich nach unten ein wenig Luft.
Ich kann mich nicht mehr dran erinnern, wann der VfL zum letzten Mal eine so große Menge an richtigen Entscheidungen in Folge getroffen hat. Es fing mit dem Trainerwechsel zu Uwe Rösler an, der genau die richtige Mischung aus Mentalität und auch Akribie im Einstudieren der Spielweise mitbringt. Mehrfach hatte der VfL Trainer an der Seitenlinie stehen, die in ihrem Auftreten sachlich-nüchtern waren, aber eine tolle Idee vom Fußball hatten. Der Gegenentwurf waren diejenigen Trainer, die emotional alles in die Waagschale geworfen haben. Trainer, die Spieler stark reden konnten, aber eher einen sehr an Basics orientierten Fußball spielen ließen.
Uwe kommt mit seiner kurzen Hose auf den Platz, holt emotional alles raus und man erkennt dennoch ganz deutlich, worauf er hinaus will. Und diese Spielweise soll jeden Tag verbessert werden.
Doch nicht nur Uwe Rösler lässt ein klares Konzept erkennen. Die neue Führungsriege im sportlichen Bereich arbeitet sehr fleißig daran, den Kader zu verbessern. So wurden im Winter diverse Spieler abgegeben, die enttäuschten oder weg wollten. Und bei den Neuzugängen schaute man offensichtlich mehr darauf, wie sie zum geplanten Fußball und dem VfL passen. Erste Früchte konnte unser Verein bereits ernten.
Auftakt nach Maß
Nach zuletzt vier Unentschieden in Folge hatte das Spiel nicht nur die Brisanz der Nachbarschaft. Das Ergebnis des Spiels konnte auch darüber entscheiden, ob die “Rösler-Formkurve” abflacht oder man weiter im Aufwind bleibt.
Und der VfL legte los wie die Feuerwehr. Wenige Sekunden waren gespielt, da verlagerte der extrem umtriebige Callum Marshall – Posterboy für einen Leihspieler, in den man sich verlieben kann – das Spiel schnell aus dem Zentrum. Der Ball ging tief auf die linke Seite, von wo aus Gerrit Holtmann den auf der gegenüberliegenden Seite einrückenden Koji Miyoshi fand. Dieser konnte sich endlich mal mit einem Tor belohnen.
Marshall war kurzfristig in die Startelf gerückt, da Mats Pannewig krank ausfiel. Francis Onyeka rückte für diesen eine Position nach hinten. Und Marshall spielte, als wäre er nie wo anders aufgelaufen.
Früher Schock für den Tabellenführer und das Konzept, auf links Tiefe zu erzeugen, wurde konsequent weiter verfolgt. Nach fast jedem Ballgewinn wurde Holtmann gesucht, was mehrfach in leider recht ungenauen Abschlüssen endete.
Gelsenkirchen hatte zwar viel vom Spiel, Bochum blieb aber deutlich gefährlicher. Insgesamt entwickelten sich bis kurz vor der Pause kaum noch Großchancen, doch kurz vor dem Pausenpfiff ging es noch einmal schnell. Wieder Marshall auf Holtmann, kurze Absprache mit Philipp Hofmann, Flanke – Direktabnahme zum umjubelten 2:0 direkt unter die Latte.
Völlig verdient und bejubelt konnte der VfL sich in die Pause verabschieden.

Qualität und etwas Glück
Für einen Spieler war das Spiel nach Halbzeit eins bereits beendet. Holtmann, der Mann des ersten Abschnitts und letztlich auch des Spiels, blieb völlig entkräftet in der Kabine. Comeback mehr als nur geglückt. Für ihn kam Farid Alfa-Ruprecht, ein 1:1-Tausch. Mit Edin Dzeko, der ebenfalls zur Halbzeit kam, wollte der Gegner das Spiel noch kippen. So wie er zuletzt gegen Kaiserslautern nach Einwechslung Dzekos noch einen Punkt holte.
Der Gast aus Gelsenkirchen zeigte sich nun deutlich druckvoller und gefährlicher im Spiel. Das hing auch damit zusammen, dass Alfa-Ruprecht nach seinem starken Spiel gegen Darmstadt nun bereits den zweiten völlig schwarzen Tag in Folge hatte. Alle Aktionen endeten entweder in Abseitspositionen oder er verdribbelte sich komplett. So kam es nicht mehr häufig genug zu Entlastungen, sondern zunächst zu einer Großchance durch Kenan Karaman, die vereitelt werden konnte.
Recht kurz darauf kam es dann zu der meistdiskutierten Szene des Spiels. Nach einer Ecke köpfte Nikola Katic zusammen mit einem Pfiff des Schiedsrichters ein. Es wurde auf Offensivfoul gegen Timo Horn entschieden. Absolut nachvollziehbar, dass die Emotionen hier hoch kochten. Aus Bochumer Sicht bin ich allerdings froh, dass auch mal eine Fehlentscheidung zu unseren Gunsten hilft, ein Spiel mit zu entscheiden.
Ein letztes hin und her
Nach der Aktion kam Bochum dann auch wieder besser ins Spiel, muss eigentlich in Person von Felix Passlack das 3:0 machen. Doch mit jedem ganzen Schritt, den er näher auf das Tor zulief, wurde er einen halben Schritt langsamer. Mit viel zu viel Zeit, sich Gedanken und über seinen Abschluss zu machen, kam er dann nicht einmal mehr zu diesem, weil Katic ihn blockte.
Im Anschluss an diese Aktion kam es dann nur noch zu einer brenzligen Situation, der Ball lag ein zweites Mal im Bochumer Tor. Allerdings wurde der Ball in der Vorarbeit klar strafbar von Dzeko mitgenommen und so blieb es beim 2:0
Mir doch egal, wie die das sehen
Die Bochumer gehen so, die Schalker gehen so. Sollen sie sich doch einen darauf pellen, dass sie es nicht für ein Derby halten, mir doch scheißegal! Ich fand’s GEil!
Redet uns uns ruhig klein, gegen Elversberg oder Paderborn (als Beispiel) fehlt es auch euch an der Emotionalität, die ihr in dem Spiel hattet. Liegt übrigens daran, dass es ein Derby ist.
Sportlich half dem VfL natürlich, dass das frühe Tor auch den Letzten im Stadion angezündet hat, dass das gallige Anlaufen von Callum Marshall auch im Team immer wieder für einen Ruck sorgte und den Gegner nicht ruhig aufbauen ließ. Aber genau das sind die Spiele, die man im Fußball sehen will.
Und zuletzt nur als Fußnote. Es ist erfreulich, dass die Diskussionen über die Sondertrikots unter der Woche sich nicht bis zum Spiel hinzogen, sondern alle nur dasselbe vor Augen hatten – den Sieg.
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