Coldings Erbe – Olsen kommt für hinten rechts zum VfL Bochum

Sieg gegen Schalke am Samstag. Langfristige Verpflichtung von Top Talent Moritz Göttlicher am Sonntag. Verstärkung für die rechte defensive Außenbahn am Montag. Mit Oliver Olsen vom Randers FC hat der VfL Bochum auf den Abgang von Felix Passlack reagiert, den es kurz vor Transferschluss – wie sich bereits länger abzeichnete – nach Schottland zog. Die Verpflichtung des 25-jährigen Dänen ist jedoch mehr als nur ein Eins-zu-eins-Ersatz. Sie ist ein Vorgriff auf den kommenden Sommer, wenn uns Stammspieler Leandro Morgalla aller Voraussicht nach verlassen wird. Doch wer ist der neue Mann?

Eines vorab – das frei verfügbare Videomaterial zu Oliver Olsen ist recht knapp. Die Einordnung ist daher als „erster Eindruck“ zu verstehen und keine Analyse mit Anspruch auf Vollständigkeit.

Dänische Rechtsverteidiger und der VfL Bochum, das passt einfach. Gerne erinnert man sich an Sören Colding zurück, der 161 Spiele für unseren Verein machte. Nun kommt also der nächste Mann für die rechte defensive Außenbahn aus unserem Nachbarland im Norden. Doch während Colding mit 1,78 m eher durchschnittlich groß gewachsen war, bringt Oliver Olsen eine Physis mit, die auf der Außenbahn selten zu finden ist. Mit 1,90 m Körpergröße hat er eher die Statur eines Innenverteidigers – und genau das spiegelt sich in seiner Spielweise wider. Olsen ist ein defensiver Allrounder, der in Dänemark flexibel zwischen der Zentrale und der rechten Seite pendelte. Damit erinnert sein Profil stark an Leandro Morgalla: Auch Olsen ist ein gelernter Verteidiger, der die Position primär über defensive Stabilität und Körperlichkeit interpretiert, statt als Sprinter ständig zu hinterlaufen.

Die Stärken: Lufthoheit und Hybrid-Rolle

Taktisch ist Olsen ein passendes Puzzleteil für Uwe Rösler. Aufgrund seiner Statur und Ausbildung kann er auch als rechter Part in einer Dreierkette (RIV) agieren. Das ermöglicht es uns, während des Spiels nahtlos zwischen Vierer- und Dreierkette zu wechseln, ohne auswechseln zu müssen – genau so, wie Morgalla es bereits unter Hecking und zuletzt auch phasenweise unter Rösler getan hat.

Mit seiner Größe löst Olsen ein klassisches Problem vieler kleiner Außenverteidiger: Er macht den zweiten Pfosten dicht. Er fungiert quasi als zusätzlicher Innenverteidiger, wenn Flanken hoch in den Strafraum kommen – eine Qualität, die gegen die wuchtigen Stürmer der 2. Liga wertvoll ist und ihn auch bei offensiven Standards gefährlich macht.

Mit Rakneberg haben wir für die linke defensive Außenbahn einen Spieler geholt, der aufgrund seiner Ausbildung fast als Außenstürmer agiert und genau die Läufe zur Grundlinie anbietet, die nicht zu Olsens Kerndisziplin gehören. Umso wichtiger ist es, dass auf der rechten Seite jemand steht, der die Restverteidigung sichert. Olsen kann hier als stabilisierender Faktor wirken, der einrückt, wenn über links angegriffen wird.

Die Risiken: Wendigkeit im Eins-gegen-Eins

Natürlich bringt ein 1,90-Meter-Spieler auf der Außenbahn auch physikalische Nachteile mit sich. Im direkten Duell gegen kleine, wendige Gegenspieler könnte Olsen Probleme bekommen, wenn er sich schnell um die eigene Achse drehen muss. Der Körperschwerpunkt ist hier naturgemäß ein Thema – ähnlich wie wir es schon bei der Analyse von Rakneberg besprochen haben, der ebenfalls eine gewisse Körperlichkeit mitbringt. Olsen muss diese Duelle über gutes Stellungsspiel und Körperkontakt lösen, bevor der Gegner Tempo aufnimmt.

Fazit: Hausaufgaben mit Weitblick gemacht

Dieser Transfer ergibt mit Sicht auf die Kaderplanung absolut Sinn. Was sehr klar wird: Man hat sich dazu entschieden, Passlack nicht 1-zu-1 zu ersetzen. Stattdessen setzt der VfL auf ein Profil, das aktuell mit Morgalla gut funktioniert: Groß, defensivstark, flexibel. In der Spielweise ähneln die beiden sich sehr, wobei Morgalla vom ersten Eindruck her noch einen Ticken stärker im defensiven Zweikampf am Boden wirkt.

Damit schafft der VfL eine Asymmetrie in den Neuzugängen auf den defensiven Außenbahnen: Links Offensiv-Power mit Rakneberg, rechts Stabilität mit Olsen. Gleichzeitig hat man mit Wittek und Kocierski aber ebenso Spieler im Kader, mit denen man diese Asymmetrie genau umkehren kann. Die AV-Positionen sind damit fürs kommende Jahr variabel besetzt.

Da Olsens Vertrag in Randers im Sommer ausgelaufen wäre, hielt sich das finanzielle Risiko in Grenzen. Laut Medienberichten zahlt der VfL Bochum 200.000 EUR plus mögliche Boni in gleicher Höhe. Er muss nicht sofort funktionieren, sondern kann sich in der zweiten Reihe an das Tempo der 2. Bundesliga gewöhnen, um dann im Sommer die Lücke zu füllen.

Ein Transfer, der sehr für eine erwachsene Kaderplanung steht. Wenig spektakulär, aber einfach sinnvoll. Sinnbildlich für die gesamte Transferphase in diesem Winter. Zu- und Abgänge haben Hand und Fuß, es wurde mehr als ordentlich gearbeitet. Nach der Achterbahnfahrt der letzten 1,5 Jahre kennt man das gar nicht mehr: ein positives Bauchgefühl.

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Autor: Claudio Gentile

Als gebürtiger Bochumer wurde ich das erste Mal im zarten Alter von sechs Jahren ins Ruhrstadion geschleppt. Der VfL verlor. Was auch sonst. Trotzdem ließ mich der Verein nicht mehr los und spätestens als ich ein paar Tage nach meinem ersten Stadionbesuch das legendäre Papagei-Trikot mit einem "Peter Peschel"-Flock überstreifen durfte, war es um mich geschehen. Das ist jetzt 26 Jahre, wenig Siege und viele Niederlagen her. Wo die Liebe im Fußball hinfällt, kann man sich ja bekanntlich nicht aussuchen. Und eine Liga kennt Liebe auch nicht.

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