Altbekannte Achterbahnfahrt

Mit Formschwankungen zum ersten Punkt im Ruhrstadion

Nach dem Spiel gegen Fürth verließen einige das Stadion mit gesenktem Kopf.

Am fünften Spieltag der zweiten Bundesliga trennten sich der VfL Bochum und Greuther Fürth mit 1:1. Endlich gab es im dritten Anlauf das erste Tor im Wohnzimmer zu bejubeln. Der erhoffte Heimsieg blieb hingegen aus. Im Anschluss an eine Partie, die zwischen Spielfehlern, einer teils souverän geschlossenen Mannschaftsleistung und einem nicht erklärbaren Formeinsturz pendelte, bleibt ein Punkt auf dem Tableau. Ein Rückblick.

Nach dem Auswärtssieg der Vorwoche machte ich mich bei feinstem sonnig blauem Fußballwetter mit einer grundsätzlich positiven Grundhaltung auf den Weg zum geliebten Ruhrstadion. Zwar glänzte in Dresden bei weitem nicht alles, jedoch waren spielerische Fortschritte phasenweise klar erkennbar. Auch die Gesamtstatistik in Partien gegen das Kleeblatt ließ darauf hoffen, weiter auf dieser durchaus positiven Traditionswelle zu reiten.

Dementsprechend wuchs auch der Optimismus, im dritten Anlauf endlich ein erstes Saisontor anne Castroper bejubeln zu können. Bestenfalls auch drei Punkte, die das Punktekonto auf einen Stand gehoben hätten, der ein durchaus positives Gesamtfazit der ersten fünf Saisonspiele ermöglicht hätte.

System und Aufstellung

Auch an diesem Spieltag formierte Uwe Rösler die Mannschaft im ‘4-2-3-1’. Timo Horn hütete wie gewohnt die Kiste. Die einzige Änderung in der Abwehrkette bestand darin, dass Sean Klaiber auf der rechten Seite begann. Tom Meyer ersetzte den verletzungsbedingt ausfallenden Enis Cokaj im defensiven Mittelfeld neben Mats Pannewig.

Koji Miyoshi übernahm nach seinem starken Auftritt wieder zentral auf der 10. Christian Rasmussen sollte den rechten Offensivflügel beackern, während Gerrit Holtmann auf der linken vorderen Schiene begann. Die einzige Spitze war wie gewohnt Philipp Hofmann.

Auf einen schwachen Start und eine stabile Steigerung in Abschnitt eins …

Würde mein Barber Ahmed mir am Südring die Hinterkopfhaare nicht regelmäßig auf Null rasieren, hätte ich spätestens in der siebten Minute was zum gewaltigen raufen in der Hand gehabt. Den teils unkoordiniert wirkenden Defensivauftritt unseres Teams nach dem Anpfiff krönte Michael Steinwender, indem er sich im Dribbling im eigenen Sechzehner überschätzte. Der daraus resultierende Ballverlust blieb dank des beherzten Einsatzes von Karol Mets folgenlos.

Die Fürther Drangphase flaute in den Folgeminuten ohne zählbares Resultat ab. Der VfL übernahm die Spielanteile zunehmend zu seinen Gunsten. So war es eine schöne Kopfballverlängerung Hofmanns nach einer Ecke von Maximilian Wittek in der 17. Minute ins linke Eck, die das 1:0 erbrachte. Den Doppelpack verpasste Hofmann fünf Minuten später um wenige Zentimeter, als er eine starke flache Hereingabe von Rasmussen von der rechten Seite rutschend verfehlte.

Erzielte das Führungstor per Kopf: Philipp Hofmann. Foto: VfL Bochum

Zunehmend erarbeiteten sich unsere Jungs im Fortlauf der Halbzeit Spielanteile, die ansehnliche Spielzüge und Torgefahr mit sich brachten. Einen Innenristabschluss Miyoshis von der Sechzehnerkante blockte Fürths Krisztian Keresztes in der 39. Minute zur Ecke. Insgesamt hätte es gut und gerne mit einer 2:0 Führung zur Pause in die Kabine gehen können – oder müssen.

… folgte ein schwankender Auftritt inklusive gravierendem Formeinsturz in Abschnitt zwei

Die erste Viertelstunde nach Wiederanpfiff konnte der VfL weiterhin maßgeblich gestalten. Rund um Miyoshi, Rasmussen, den eingewechselten Jarne Steuckers und aufrückende Defensivspieler ließen sich im Ballbesitzspiel und Aufbau vereinzelte Chancen kreieren. Der letzte Schritt, hiermit für weiteres Zählbares zu sorgen, blieb aus.

Ganz im Sinne des Phrasenschweins “was du vorne nicht machst, kriegste hinten” erfolgte die Konsequenz in Minute 71. Dennis Srbeny überspielte unsere Abwehr mit einem feinen Heberpass, Omar Sillah ließ Horn im eins gegen eins keine Chance und schob flach zum 1:1 ein. Eine Co-Produktion der Joker der Gäste sorgte für die kalte Dusche.

Nach dem Ausgleich verfielen unsere Jungs in eine Art Starre. Bis hin zum Abpfiff war von dem bis dato phasenweise selbstsicheren und souveränen Spielstil nichts mehr zu sehen. Eher im Gegenteil. Auf Grundlage von Unsicherheit und Abstimmungsschwierigkeiten gelang es die letzten 20 Minuten kein einziges Mal mehr, offensiv für Gefahr zu sorgen. Sowohl im Aufbau als auch in der Verteidigung wirkte das Spiel fahrig und unkonzentriert, von Kreativität und Entschlossenheit war kaum etwas zu sehen.

Die personelle Dezimierung durch den Platzverweis von Pannewig in der 82. Minute goss dahingehend nochmal Öl ins Feuer. Letztendlich ist es Timo Horn und dem ausbleibenden finalen Glück im Abschluss der Fürther zu verdanken, dass die Kugel kein zweites Mal im Bochumer Netz zappelte und Schiedsrichter Felix Bickel das Match nach 94 Minuten mit dem Endstand 1:1 beendete.

Woran hat et jelegen?

Diese Frage stellte ich mir in den vergangenen Jahren beim VfL schon sehr oft. So auch nach diesem Heimspiel. Unter’m Strich geht das Unentschieden, auf den Gesamtspielverlauf und die Spielstatistik bezogen, in Ordnung. Dennoch bleibt das Gefühl bestehen, dass auch ein Dreier drin gewesen wäre.

Für mich persönlich bleibt die Frage nach dem Grund und Ursprung der massiven Leistungsschwankungen innerhalb der 90 Minuten offen. Einen Spielstart zu verschlafen, sich daraufhin zu fangen und zu festigen – das kann gut und gern passieren. Die letzten 20 bis 25 Minuten eines über weite Teile stabilen Spiels derart passiv aus der Hand zu geben ist für mich schwer zu greifen.

Ich möchte mich als Laie nicht zu sehr aus dem Fenster lehnen und mir anmaßen, die professionellen Strategien der Fachleute dabei zu hinterfragen. Uwe Rösler wird seine Entscheidungen auf Grundlage seiner Erlebnisse innerhalb des Geschehens im Training fachlich fundiert gefällt haben. Jedoch erschließen sich mir seine Wechsel aus dem Spiel gegen Fürth nicht.

Dass Neuzugang Steuckers den verletzten Holtmann in Minute 30 ersetzte, ist, meines Erachtens nach, plausibel. Einen lauf- und spielstarken Rasmussen nach rund einer Stunde durch den noch jungen und vergleichsweise unerfahrenen Alessandro Crimaldi zu ersetzen hingegen wenig. Während Rasmussen auf beiden Außenseiten durch Antritt, Dribbling und gefährliche Pässe einen starken Einfluss auf unser Spiel nahm, zeigte sich Crimaldi in eben jenen Belangen oft überfordert.

Daniel Hanslik und Lasse Isbruch übernahmen in der 78. Minute für Maximilian Wittek und Tom Meyer. Hier beschäftigte mich schon im Stadion die Frage, welchen Gewinn ein Berkan Taz und/oder ein Charlie Patino auf unser Kreativspiel in der offensiven Zentrale und den Spielstand hätten ausüben können. Beide kamen, wie bereits in Dresden, keine Minute zum Einsatz.

Ein Zwischenfazit nach Spieltag fünf

Nach fünf gespielten Partien weist der VfL zwei Siege, ein Unentschieden und zwei Niederlagen vor. Dabei konnten vier Tore erzielt und mussten vier Tore geschluckt werden. Auf Grundlage der vier geschossenen Treffer teilen wir uns (Stand jetzt) die ‘Trophäe’ der wenigsten erzielten Tore der laufenden Saison mit dem SV Darmstadt. Parallel durch nur vier kassierte Gegentreffer auch eben jene der am wenigsten kassierten Tore, geteilt mit dem 1. FC Kaiserslautern.

Die Defensivarbeit scheint also gewissermaßen zu fruchten, die Offensivarbeit lässt zu wünschen übrig.

Im Vergleich zur tabellarischen Situation zum exakten Zeitpunkt der Vorsaison läuft es in dieser Spielzeit besser. Dort hatte es vier Niederlagen gehagelt, während lediglich ein Sieg verbucht werden konnte.

Hoffen wir mal weiter auf die kuriose Auswärtsstatistik

Saison- und wettbewerbsübergreifend haben wir zuletzt am 18.04.26 (damals bei Dynamo Dresden) ein Auswärtsspiel verloren. Seitdem konnten auf fremden Plätzen ausschließlich Punkte erspielt werden. In der aktuellen Saison in Braunschweig, Dresden und im DFB Pokal bei Greuther Fürth. Das bewerte ich, wie erwähnt, als kurios.

Viel mehr habe ich, auch aus den Jahren in der ersten Liga, in Erinnerung, dass es genau umgekehrt lief. Die gewonnenen Punkte wurden überwiegend auf dem Grün des heimischen Ruhrstadions abgegrast, während es auf Auswärtsplätzen meist gar nichts zu ernten gab.

Dass es derzeit exakt gegenteilig läuft, wirft mir die nächste Frage auf, auf die es wohl keine Antwort geben wird.

Am kommenden Spieltag steht das Auswärtsspiel bei Hannover 96 vor der Tür. Die Niedersachsen bewegen sich mit einem Sieg, einem Unentschieden und drei Niederlagen vermutlich weit hinter ihren eigenen Erwartungen an die laufende Spielzeit. Auf heimischem Rasen konnte 96 zuletzt am 20.03.26 mit einen knappen 1:0 gegen Eintracht Braunschweig einen Sieg einfahren.

Ein gutes Omen?

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Autor: Lennart Markmann

Am 19.02.2005 stand ich erstmals in der Ostkurve. Die geschenkte Karte eines Bekannten öffnete mir damals die Tür zu Block O links. Drei traumhaft rausgespielte Buden von Zwetschge Misimovic, Raymond Kalla und Tommy Bechmann sorgten dafür, dass der SC Freiburg punktlos aus der Stadt und der VfL nicht mehr aus meinem Herzen verschwand. Seitdem genieße ich die Höhen und Tiefen als Bochumer Junge. Lange Zeit in der Ostkurve stehend, anschließend in Block H1 sitzend und mittlerweile mit 34 Jahren auf dem Altherrenplatz in Block M1.

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