Riemann, Unentschieden und gemischte Gefühle

Ein Punktgewinn mit hohem Stellenwert (?)

Foto: VfL Bochum

Der VfL holt beim Auswärtsspiel in Leipzig ein 0:0. Nach zwei Niederlagen in Folge gegen die Bayern und Gladbach schafft es das Team rund um Trainer Thomas Letsch, vor allem die Defensive sichtbar zu stabilisieren. Ein Punkt. Verschiedene Meinungen.

Claudio Gentile: Wo fang ich an, wo höre ich auf? Das Spiel gegen RB Leipzig lässt mich mit gemischten Gefühlen zurück – dabei ist das Gesehene auf dem Platz nicht der einzige Faktor. Zuallererst: ich bin mit dem Punkt bei RB absolut zufrieden. Leipzig ist aufgrund der finanziellen Möglichkeiten nicht die Kragenweite, mit der wir uns messen können. Daher war der extrem defensive Ansatz, der gestern von unserer Elf gewählt wurde, genau der richtige. Individuell sind wir einfach deutlich schwächer als Leipzig. Wichtig war also, dass man vor allem vor dem eigenen Strafraum immer wieder Überzahlsituationen erzeugt, um  den Laden so sprichwörtlich „dicht zu halten“.

Gelungen – auch dank einer überragenden Leistung inklusive zwei gehaltener Elfmeter von Manuel Riemann. Chapeau für diese Leistung. Ein besonderes Lob gebührt auch der zweiten Reihe im Kader. Ganze fünf Wechsel in der Startelf gab es gestern. Und diese fügten sich alle nahtlos ein. Besonders Schlotterbeck zeigt eine großartige Leistung und dirigierte aus zentraler Position die Defensive. Nicht nur in der Spitze, auch in der Kaderbreite bestätigte sich hier mein Grundgefühl, das ich trotz beschissener Leistungen in den letzten Wochen schon im August hatte: In der Breite haben wir in diesem Jahr einen großen Sprung nach vorne gemacht. Um das Ganze zusammenzufassen: Positive Leistung auf dem Platz. Gute Reaktion nach zweimal ‚Schlag-in-die Fresse-Leistungen‘ in den Wochen zuvor.

Verwundert war ich allerdings von der spürbar ablehnenden Haltung seitens Thomas Letsch auf die Nachfragen von Philipp Rentsch bei der PK hinsichtlich der vorgenommenen Änderungen. Gerade in Zeiten, in denen es nicht so läuft, hat die Anhängerschaft ein „erhöhtes Informationsbedürfnis“. Für mich ein völlig natürlicher Vorgang. Dass nicht alles in der Öffentlichkeit breitgetreten werden kann ist völlig klar. Mit besserem Verständnis für Gedankengänge und Ideen des Trainers steigt auch die Akzeptanz für Fehlschläge. Jemand, der einen Plan, und sei es auch nur oberflächlich, versteht, wird sich zweimal überlegen, ob er pfeift oder wilde Spekulationen aufstellt. Wir schaffen den Klassenerhalt nur zusammen.

Lennart Markmann: Kein erzieltes Tor. 9:17 Torschüsse. Ballbesitz in ‚Höhe‘ von 23%. Soweit das statistische Resultat des Auswärtsauftritts bei RB Leipzig. Die Erinnerung, den Schlusspfiff in der 96. Minute zwischen guten Freunden und leeren Pizzakartons mit geballter Faust und einem aus tiefster Seele entspringenden Jubelschrei quittiert zu haben, fühlt sich anders an – definitiv besser.

Noch vor 14 Tagen hagelte es die üblichen sieben Gegentore gegen den FC Bayern. Vor einer Woche durfte als Fan nach 45 gespielten Minuten und einem Stand von 0:3 gegen die bis dato sieglose Borussia aus Mönchengladbach die Frage gestellt werden, was dort überhaupt auf dem Rasen geschah. Gestern hingegen gaben die Jungs den Anlass, die Fanbrille mit Zuversicht ein Stück höher zu schieben.

In absoluter Topform – Manuel Riemann (Foto: VfL Bochum 1848)

Zweifelsohne gilt der größte Dank an dieser Stelle Manuel Riemann. Fünf Paraden, sechs abgefangene Flanken, zwei gehaltene Elfmeter, 358 Punkte bei ‚Kickbase‘, Keeper Nummer eins in der ‚Kicker Elf des Spieltags‚ – eine Leistung, die Didi Hamann völlig berechtigt dazu veranlasste, Riemann als dritten Torwart der Nationalmannschaft ins Spiel zu bringen. Auch wenn der Nacken sich verspannte und das Herz kurz stehen blieb, als Mohamed Simakan im Zweikampf mit Ivan Ordets in der 94. Minute im Strafraum zu Boden ging, bestand Grund zur optimistischen Annahme, dass Riemann auch den dritten Strafstoß problemlos pariert hätte.

Der VfL verbleibt mit vier Punkten auf dem 16. Tabellenplatz. Was sich zunächst trist anhört ermöglicht dennoch Raum für ein anderes gutes Gefühl – als erstes Team, welches in der aktuellen Saison kein Gegentor beim ostdeutschen Champions-League-Teilnehmer kassiert hat, in die Länderspielpause zu gehen. In Anbetracht dessen gibt es den heutigen Kaffee auf jeden Fall aus der richtigen Tasse

Trotz Punkteteilung heute die richtige Wahl.

Matthias Rauh: Ein Punktgewinn, den ich in dieser Form gar nicht erwartet habe. Und ich bin ehrlich: Was habe ich mich über diese beiden Elfmeterentscheidungen während des Spiels aufgeregt. Am Ende waren aber beide vertretbar, auch wenn es beim ersten Elfmeter Xavi Simons „clever“ gegen Schlotterbeck macht. Es war eine geschlossen gute Leistung der Mannschaft, auch wenn Manuel Riemann individuell aufgrund seiner zwei parierten Elfmeter herausragte. Doch Letsch schreckt nicht vor unpopulären Entscheidungen zurück. Erhan Masovic, gegen Borussia Mönchengladbach alles andere als glücklich, auf der Bank, genau so Philipp Hofmann, der noch auf seinen ersten Saisontreffer wartet. Und auch die Verletzung von Matus Bero konnte Osterhage für sich „nutzen“ und sein Startelfdebüt in dieser Saison feiern. Ich bin guter Dinge, dass man in der Länderspielpause seriös weiterarbeiten wird, um dann gegen den SC Freiburg den ersten Saisonsieg einzufahren. Denn zu viele Unentschieden können einen am Ende auch das Genick brechen. Siehe Arminia in der Saison 2021/22.

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Autor: Lennart Markmann

Am 19.02.2005 stand ich erstmals in der Ostkurve. Die geschenkte Karte eines Bekannten öffnete mir damals die Tür zu Block O links. Drei traumhaft rausgespielte Buden von Zwetschge Misimovic, Raymond Kalla und Tommy Bechmann sorgten dafür, dass der SC Freiburg punktlos aus der Stadt und der VfL nicht mehr aus meinem Herzen verschwand. Seitdem genieße ich die Höhen und Tiefen als Bochumer Junge. Lange Zeit in der Ostkurve stehend, anschließend in Block H1 sitzend und mittlerweile mit 32 Jahren auf dem Altherrenplatz in Block M1.

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