Junges Gemüse zum Trainingsauftakt des VfL

Foto: VfL Bochum 1848

Gestern um 11 Uhr war es dann so weit: Thomas Reis und sein Trainerteam baten zur ersten Trainingseinheit nach der Sommerpause. Da neben den geschonten Simon Zoller und Kevin Stöger auch einige Nationalspieler noch im Urlaub weilen, war die Truppe mit 18 Spielern recht überschaubar. Allerdings befanden sich auf dem Trainingsplatz auch einige Spieler, die dem ein oder anderen nicht direkt bekannt sein dürften. Wir stellen euch die Spieler etwas näher vor.

Unser Talentwerk darf durchaus als qualitativ hochwertig angesehen werden und hat bekanntlich in den vergangenen Jahren einige fantastische Spieler hervorgebracht. So gesehen ist das Talentwerk eine Versicherung für den VfL Bochum nachhaltig Spieler aus den eigenen Reihen hervorzubringen und in der ersten Mannschaft zu etablieren. Zum Trainingsauftakt durfte das Trainerteam um Cheftrainer Thomas Reis erneut einige Youngster auf dem Rasen begrüßen.

Unser Schnapper: Paul Grave

Im Frühjahr 2019 bekam Grave zusammen mit Armel Bella-Kotchap und Moritz Römling einen Profivertrag, obwohl sogar noch im Folgejahr für die U19 spielberechtigt. Zum ersten Mal auf der Bank saß Grave beim 1:3 gegen den Hamburger SV im Frühjahr 2020, als Manuel Riemann rotgesperrt fehlte. Seither kamen zehn weitere Kadernominierungen hinzu, zuletzt auf der Bank beim Auswärtsspiel beim 1. FC Union Berlin. Nach dem Abgang von Torhütertalent Tjark Ernst wird Grave ziemlich sicher der 3. Torhüter im Torhüterteam sein.

Paul Grave ist bereits seit längerer Zeit bei der ersten Mannschaft dabei. Foto: VfL Bochum1848

Linke Außenbahn: Moritz Römling

Bereits eine Woche vor seinem Profivertrag feierte Moritz Römling sein Zweitligadebüt: Gegen Holstein Kiel war Römling der Linksverteidiger in der Fünferkette. Nach 61 Minuten kam dann Simon Zoller für ihn um die Aufholjagd zu starten – es gelang jedoch nur noch der Ehrentreffer (Endstand 1:3). Er kam in der Saison 2018/19 noch zu zwei weiteren Einsätzen. Im Folgejahr – Römling war noch für die U19 spielberechtigt – kam er lediglich zu zwei Kaderplätzen an den letzten beiden Spieltagen, als die Mannschaft sehr verletzungsgeschwächt war. So wurde nach einem Kurzeinsatz gegen Heidenheim in der Folgesaison zur Winterpause eine Leihe zu Regionalligist Wuppertaler SV vereinbart. Diese Leihe offenbarte sich als voller Erfolg: Bis auf drei verletzungsbedingt verpasste Spiele absolvierte Römling beinahe alle Spiele über die volle Distanz und traf sogar im Derby gegen Rot-Weiss Essen (Endstand 1:2). Der nächste Schritt sollte hierfür die Leihe zu Türkgücü München sein, wofür sein Vertrag bis 2023 verlängert wurde. Doch während er anfangs unter Trainer Petr Ruman noch spielte, wurde im Laufe der Saison Lukas Scepanik nachverpflichtet, sodass Römling häufiger von der Bank kam. Als er unter Andy Heraf, dem vierten Trainer in der Saison, endlich wieder Stammspieler wurde, meldete Türkgücü in der laufenden Saison Insolvenz an und Römling kehrte so vorzeitig zum VfL zurück. Laut der WAZ ist für Römling eine Leihe zu Drittligist SC Verl geplant.

Seine Leihe war zuletzt nicht von Erfolg gekrönt und endete im Lizenzentzug für Türkgücü München: Moritz Römling. Foto: einsachtvieracht

Abteilung Attacke: Luis Hartwig

Der Gewinner der Werner-Altegoer-Medaille 2017 trug mit sieben Einsatzminuten am 17. Spieltag beim SV Sandhausen (Endstand 1:1) mit zur Zweitligameisterschaft 2020/21 bei. In der Rangordnung der Stürmer stand Hartwig hinter Zoller, Silvére Ganvoula und Soma Novothny nur auf Platz 4 und war außerdem noch für die U19 spielberechtigt. Da allerdings die U19-Bundesliga nach nur drei Spielen abgebrochen wurde, holte Reis ihn hoch zu den Profis. Bemerkenswert: Mit fünf Treffern in drei U19-Bundesligaspielen war Hartwig der zweitbeste Torjäger hinter einem gewissen Yousoufa Moukoko. Der daraufhin im Sommer mit einem Vertrag bis 2024 ausgestattete Torjäger wurde in den Medien öfter als Leihkandidat genannt, seine Adduktorenverletzung verhinderte jedoch eine Leihe im Sommer. So war Hartwig am 17. Spieltag gegen den 1. FC Union Berlin und am 27. Spieltag gegen Borussia Mönchengladbach im Spieltagskader, der Becherwurf verhinderte das Bundesligadebüt von Luis Hartwig. Dieser folgte dann am 34. Spieltag beim 1. FC Union, als Hartwig in der 89. Minute für Zoller eingewechselt wurde.

Leihe oder Chance in der Bundesliga? Luis Hartwig. Foto: VfL Bochum

Mitglied des Bollwerks: Tim Oermann

Vor einigen Tagen wurde Tim Oermann mit einem Profivertrag bis 2024 ausgestattet. Der Innenverteidiger, der 2012 von den Sportfreunden Altenbochum kam, bildete in der letzten Saison mit Vertomy Boboy (der zu Schalkes U23 wechselt) dann Innenverteidiger-Pärchen. Mit lediglich neun Gegentreffern in 16 Spielen war die VfL-Defensive die zweitbeste, lediglich die Millionen-U19 von Borussia Dortmund kassierte noch weniger (sieben Gegentreffer). Für die U19 kam Oermann auf 18 Spiele, eins in 2020/21 (danach Abbruch), drei im Ligapokal und 14 in der abgelaufenen Saison. Oermann erfüllt auch die Local-Player-Regelung, wonach vier Spieler aus dem Kader im eigenen Verein ausgebildet werden müssen. Er trägt die Rückennummer 14, die in der letzten Saison Tom Weilandt trug.

Armel Bella-Kotchap: Damals im Talentwerk. Heute mit einem enormen Potential und jetzt Rekordabgang in der VfL-Historie. Ein Musterbeispiel für unser Talentwerk! Foto: Volker Barth

Nachwuchs für die Verteidigung: Mohammed Tolba

Es waren einige, mich eingeschlossen, überrascht, den U18-Nationalspieler Deutschlands mit ägyptischen Wurzeln beim Trainingsauftakt zu sehen. Doch für Kenner der U19 ist dieser Schritt nur folgerichtig. Wieder einmal bringt das Talentwerk einen Verteidiger hervor, der durchaus das Zeug für mehr hat. Tolba ist extrem schnell und auf dem Boden extrem zweikampfstark. Das Trainerteam wird intensiv mit ihm an seinem Stellungsspiel arbeiten, damit sich der 17-Jährige nicht zu oft auf seine Schnelligkeit verlassen muss. Ab und an hat Tolba einen Lapsus in seinem Spiel, bei dem er recht unbedacht Fouls zieht oder versucht mit dem Kopf durch die Wand zu gehen und einfach loszudribbeln. Doch wenn man ihm daran arbeiten und es ihm austreiben kann, ist möglicherweise das nächste Innenverteidiger-Toptalent in unseren Reihen. Hervorzuheben ist ebenfalls, dass Tolba hervorragend in einer Dreierkette eingesetzt werden kann, hierbei könnte er am besten den rechten Part übernehmen und seine Dynamik ausnutzen. Tolba trägt die Rückennummer 25 und wird wohl die Vorbereitung bei den Profis mitbestreiten.

Hat die Entwicklung unserer jungen Spieler stets im Blick: Heiko Butscher. Foto: VfL Bochum

Außerdem junges Gemüse

In der U19 von Heiko Butscher gibt es durchaus einige Spieler, von denen man im zweiten Jugendjahr einen Leistungssprung zutrauen kann. Mats Pannewig, Florian Berisha und Leon Tasov haben für den Lizenzspielerkader in Testspielen bereits debütiert und vor allem Pannewig hat einen sehr spielstarken Eindruck hinterlassen. Auch Finn Kotryba, der Tjark Ernst als U19-Stammkeeper beerben wird, kann man in der nächsten Saison weiter beobachten. Er schaffte das Kunststück im Westfalenpokal-Halbfinale gegen die U19 von Borussia Dortmund zwei gelbe Karten zu sehen, aber nicht vom Platz zu fliegen. Regelkonform, wie danach der Schiedsrichter bestätigte. Josue Santo, Nico Böll und der Deutsch-Ukrainer Artur Golubytskyi kann man zum erweiterten Blickfeld zählen. Die externen Neuzugänge in der U19, Suat Fajic (von Preußen Münster) und Niko Božičković (vom Hamburger SV) sollen die Qualität im Kader nochmal erhöhen. Und mit Mohammad Mahmoud rückt aus der U17 der Top-Torjäger nach, er erzielte in 16 Spielen starke 20 Treffer und wurde so Torschützenkönig der U17-Bundesliga West. Wie in der letzten Saison wird die U19-Bundesliga wieder nur mit einer Hinrunde ausgetragen. So wird es nur 15 Spiele geben, sich zu zeigen. Neu in der Liga sind übrigens der SC Verl, VfB Hilden und der Bonner SC, die die vier Absteiger Wuppertaler SV, Arminia Bielefeld, Fortuna Köln und Alemannia Aachen ersetzen werden.

Autor: Matthias Rauh

Obwohl in Bayern wohnhaft besitze ich eine Dauerkarte beim VfL und versuche, jedes Heimspiel und jedes Auswärtsspiel im Süden vom VfL mitzunehmen. Meine Begeisterung für den VfL entwickelte sich in der Saison 2006/07, endgültig besiegelt wurde sie bei dem eigentlich völlig belanglosen Spiel Karlsruher SC gegen den VfL im Jahr 2008. Während eines Fußballturniers wollten meine Mannschaftskameraden in der Bundesligakonferenz ständig die Zwischenstände von Bayern München und Nürnberg wissen, ich erntete misstrauische Blicke, als ich den Zwischenstand von Bochum wissen wollte. Abstieg, Relegation, Funkel, Neururer... ich bin immer noch dabei und freue mich immer mehr auf Spiele wie Bochum gegen Sandhausen als Bayern gegen Dortmund.

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Die Inventur des Kaders (Teil 9 1/2): Unser einsachtvieracht-Scouting-Bericht #12