Arbeitssieg gegen zahnlose Wölfe

Heimsieg gegen den VfL Wolfsburg, da darf man ruhig die Fäuste ballen! Foto: VfL Bochum
Heimsieg gegen den VfL Wolfsburg, da darf man ruhig die Fäuste ballen! Foto: VfL Bochum

Der VfL Bochum gewinnt mit einer starken Defensivleistung 1:0 gegen den VfL Wolfsburg. 23 Punkte hat man nun nach 18 Spielen auf dem Konto und liegt damit im Plan für das große Ziel: Klassenerhalt. Die Mannschaft zeigte sich erneut taktisch hervorragend eingestellt und geduldig und wurde dafür mit drei Punkten belohnt. Unser Spielbericht.

Nachdem Erhan Masovic gegen Union Berlin seine fünfte gelbe Karte gesehen hatte, musste Thomas Reis in der Innenverteidigung umbauen: Neben Maxim Leitsch verteidigte diesmal Armel Bella-Kotchap, der vor Vasilios Lampropoulos den Vorzug erhalten hatte – nicht ganz unerwartet, wenn man sich die Statur von Wout Weghorst als zentralen Fixpunkt der Wolfsburger Offensive anschaut. Somit stand unser Duo in der Innenverteidigung auf dem Platz, das man vor der Saison wohl als Stammformation erwartet hätte.

Rückte wieder in die Startformation: Cristian Gamboa. Foto: David Matthäus Fotografie

Cristian Gamboa rückte für den COVID-19 erkrankten Konstantinos Stafylidis auf die rechte Abwehrseite, Eduard Löwen war zwar zurück im Kader, schaffte es aber noch nicht in die erste Elf. Für ihn spielte Milos Pantovic. Ansonsten ging der VfL mit der erwarteten Elf ins Rennen.

Schafften es die Wolfsburger im Hinspiel noch unsere Elf vor allem in den ersten Minuten förmlich auseinander zu spielen, hatte der VfL die Wolfsburger gut unter Kontrolle. Florian Kohfeldt versuchte nach sieben Niederlagen am Stück weiterhin mit seinem bevorzugten 3-4-3 zurück in die Erfolgsspur zu kommen – mit mäßigem Erfolg.

Während Rene Maric/ Alexander Zickler, Frank Kramer und Urs Fischer ihre Ausrichtung perfekt auf den VfL abstimmten, passte bei Kohfeldts Team so gut wie gar nichts. Drei Leute wurden im Pressing vorne abgestellt, um passiv die Räume ins Zentrum zu verschließen. Unsere Innenverteidiger konnten also seelenruhig das Spiel über die Außen einleiten und um diese Pressinglinie herumspielen. Die Endverteidigung der Wölfe passte zwar meist, bei zweiten Bällen und Angriffen, die über die Außen in die Mitte getragen wurden, konnte der VfL seine Überzahl im Mittelfeld – drei Leute im 4-3-3 vs zwei Leute im 3-4-3 – gut ausspielen. Die gefährlichen Fernschüsse von Rexhbecaj und Soares seien als Beispiel genannt.

Im eigenen Aufbau wurde zwar auch versucht, das Bochumer Pressing weit herauszulocken und bei Ballgewinnen wenig Räume anzubieten, durch die enge Dreieraufbaureihe wurde der eigene Torwart jedoch übergangen und das nach innen gerichtete Pressing unseres VfL konnte perfekt greifen. Wolfsburg war insbesondere in der ersten Hälfte taktisch deutlich unterlegen.

So entwickelte sich ein Spiel mit wenigen Highlights, in denen der VfL die Wolfsburger über weite Strecken gut kontrollierte, ohne selbst wirklich zwingend zu werden. Sebastian Polter rieb sich an der Wolfsburger Innenverteidigung auf, konnte aber kaum Gefahr ausstrahlen. Unsere Defensive stand mehr als kompakt und ließ über die gesamten 90 Minuten keine wirklichen Chancen der Wolfsburger zu.

Ja, hier! Ich bin schuld! Foto: VfL Bochum 1848

Pantovic ist schuld

So war es nach Ballgewinn nach tollem Gegenpressing im Mittelfeld auf der linken Seite des VfL Wolfsburg Gerrit Holtmann, der den Ball mit seinem starken linken Fuß ins Zentrum bugsierte. Pantovic, bisher nicht als begnadeter Kopfballspieler bekannt, konnte wesentlich unspektakulärer als bei seinen bisherigen Toren den Ball aus acht Metern ins Tor köpfen. Er war schon wieder Schuld. Das Tor in der 65. Minute blieb das einzige große Highlight in einem Spiel, das ansonsten vor allem durch defensive Kontrolle geprägt war. Das höhere Pressing der Wolfsburger konnte die taktische Unterlegenheit zwar etwas kaschieren, die Dribblings der Wingbacks blieben aber weiterhin das einzige erfolgsversprechende Mittel.

Der VfL meldet sich damit erfolgreich aus der doch recht kurzen Winterpause zurück. Wurde die für unsere Verhältnisse doch sehr ansehnliche Hinrunde maximal durch die zwei Niederlagen gegen Bielefeld und Union in der englischen Woche vor Weihnachten getrübt, setzt der VfL exakt dort wieder an, was ihn davor lange Zeit stark gemacht hat – mannschaftliche Geschlossenheit, ein kompaktes Defensivverhalten und das (temporäre) Ausspielen der individuellen Stärken der Offensivkräfte. Mit Jürgen Locadia hat man eine weitere Option in der Offensive, um Polter mit seiner intensiven Spielweise Pausen zu verschaffen.

Die Aussichten auf die kommenden Spiele gegen Mainz 05: Regnerisch, aber hoffnungsvoll. Foto: Tim Kramer (Tremark Fotografie)

Nun steht der Doppelpack in der Liga und im Pokal gegen den 1. FSV Mainz 05 an. Beides Spiele, in die man mit ordentlich Selbstbewusstsein und vor allem ohne Pistole auf der Brust gehen kann. Unsere Mannschaft braucht sich vor niemanden verstecken und steht zurecht dort, wo sie steht.

Gyamerah zurück zum VfL?
Im Laufe des Montag geisterte ein Bericht durchs Internet, dass der VfL an einer Rückkehr von Jan Gyamerah interessiert sei – das Portal One Football berichtete darüber. Für hitzige Diskussionen sorgte die Nachricht in diversen Fan-Foren sofort. Wie Einsachtvieracht nun erfahren hat, ist an dem Gerücht aber absolut nichts dran.

Autor: Claudio Gentile

Als gebürtiger Bochumer wurde ich das erste Mal im zarten Alter von sechs Jahren ins Ruhrstadion geschleppt. Der VfL verlor. Was auch sonst. Trotzdem ließ mich der Verein nicht mehr los und spätestens als ich ein paar Tage nach meinem ersten Stadionbesuch das legendäre Papagei-Trikot mit einem "Peter Peschel"-Flock überstreifen durfte, war es um mich geschehen. Das ist jetzt 22 Jahre, wenig Siege und viele Niederlagen her. Wo die Liebe im Fußball hinfällt, kann man sich ja bekanntlich nicht aussuchen. Und eine Liga kennt Liebe auch nicht.

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