Rieman(n) und die Eier aus Stahl

Der VfL macht Spaß. So lässt es sich kurz und knapp zusammenfassen, was eigentlich seit der Wiederaufnahme des Spielbetriebs im Mai 2020 durchgehend hier anne Castroper passiert. Unser Verein zeigt ein ganz anderes Gesicht als das, was man all die Jahre zuvor immer gewohnt war. Gestern lieferte dieser „neue“ VfL sein nächstes Highlight – Bochum gewinnt 7:6 im Elfmeterschießen gegen den FC Augsburg und zieht ins Achtelfinale des DFB-Pokal ein.

Sicherlich hatte der ein oder andere beim Blick auf die Aufstellung ein mulmiges Gefühl – mit sechs Änderungen tauschte Coach Thomas Reis mehr als die Hälfte der Mannschaft vom Sieg am Sonntag aus. Doch der VfL präsentierte sich wie zuletzt in guter Form und konnte durch einen Doppelschlag von Pantovic in der 12. und 53. Minute in Führung gehen. Kurz schien es so, als würde der VfL das Dingen locker nach Hause schaukeln. Bis auf eine kurze Phase rund um die 30. Minute präsentierte sich unsere Mannschaft im 4-2-1-3 stabil und extrem ballsicher. 59% Ballbesitz mit einer Passgenauigkeit von 87% zur Halbzeit untermauerten den Eindruck. Ein Sonderlob verdient hier sicherlich auch Stafylidis, der bis dato seine stärkste Leistung im blau-weißen Dress zeigte und Kilometer ohne Ende abspulte. Und natürlich Milos Pantovic, der einen bärenstarken Auftritt hinlegte und seinen Kritikern die Antwort für diverse “unschöne” Kommentare auf Instagram und Co auf dem Rasen gab.

Foto: Claudio Gentile

Doch kurz nach dem 2-0 schaffte der FCA durch Oxford und Vargas den Ausgleich. Von da an entwickelte sich ein offener Pokalfight, bei dem sich kein Team hätte beschweren dürfen, wenn jemand den Lucky Punch gelandet hätte. Das Spiel ging in die Extra-Runde. Zunehmend machte sich die Intensität bemerkbar. Die Präzision in der Verlängerung ließ nach. Großer Kampf von allen Spielern, denen man förmlich anmerken konnte, wie weh die Sprints mittlerweile taten.

Timing is a Bitch

Und als hätte das Timing nicht besser sein können parierte Manuel Riemann am Sonntag gegen Frankfurt einen Elfmeter. Auch wenn seine überdurchschnittlichen Fähigkeiten bzgl. des Vereitelns von Strafstößen dem Bochumer Publikum auch schon vorher bekannt waren, geisterte Sonntagabend schon eine Liste durch die sozialen Netzwerke. Darauf zu sehen, dass Manuel Riemann in den ersten drei deutschen Profiligen der größte Elferkiller ist. Der größeren medialen Aufmerksamkeit in Liga eins sei Dank. Pünktlich vor einem DFB-Pokal-Spiel, in dem es zu einem potenziellen Elfmeterschießen kommen kann. Timing ist a Bitch.

Das wird sich auch der ein oder andere Augsburger Spieler und Verantwortliche gedacht haben, als dann in der 115. Minute Manuel Riemann sich tatsächlich an der Seitenlinie anfing warm zulaufen.  Der VfL hatte noch einen Wechsel offen und so kam unsere Nummer 1 in der 118. Minute für den bis dahin starken Michael Esser ins Spiel. Psychospielchen sein Vater. Das Stadion kochte förmlich. Das ist unser VfL.

Eier aus Stahl

Manuel Riemann konnte zwar keinen Strafstoß parieren, aber Maier vergab als fünfte Schütze bei den Augsburgern über das Gehäuse. Dass unsere Nummer 1 dann zum letzten und entscheidenden Elfmeter selber antrat, setzte dem Ganzen die Krone auf. Die Ostkurve tobte. Und Manuel Riemann verwandelte. Eier aus Stahl. Mehr muss man dazu nicht sagen. Was ein Typ.

Und was für ein Feiner Kerl Manuel Riemann auch noch ist, zeigte er nach dem Spiel auf dem Zaun, als er vor der Kurve „Michael Esser“-Sprechchöre anstimmte. Eine kleine, aber eindrucksvolle Geste des Respekts und der Wertschätzung für unsere Nummer 21 im Tor – und vielleicht auch irgendwie die Szene des Abends, die alles abrundete. Auf geht’s ins Achtelfinale!

 

Autor: Claudio Gentile

Als gebürtiger Bochumer wurde ich das erste Mal im zarten Alter von sechs Jahren ins Ruhrstadion geschleppt. Der VfL verlor. Was auch sonst. Trotzdem ließ mich der Verein nicht mehr los und spätestens als ich ein paar Tage nach meinem ersten Stadionbesuch das legendäre Papagei-Trikot mit einem "Peter Peschel"-Flock überstreifen durfte, war es um mich geschehen. Das ist jetzt 22 Jahre, wenig Siege und viele Niederlagen her. Wo die Liebe im Fußball hinfällt, kann man sich ja bekanntlich nicht aussuchen. Und eine Liga kennt Liebe auch nicht.

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