Hoffen wir, dass wir und auch der VfL es gut überstehen und noch viele Top-Heimspiele dazukommen werden. Foto: David Matthäus Photografie

Fußballliebe in Zeiten von Corona – meine Top 5 Heimspiele

Momentan ist die vermutlich größte Durststrecke eines jeden Fußballfans. In jeder Sommerpause gibt es Transfergerüchte, man sehnt sich bereits der Vorbereitung entgegen, als Bochumer hofft man endlich auf eine gute neue Saison. Aber momentan ist einfach alles nur so vage, dass man keine Ahnung hat, wohin mit der Liebe für das „nur“ Hobby Fußball, weil es so viel anderes, wichtigeres gibt. Aber dennoch möchte ich zumindest ein bisschen Fußballinhalt bieten und schwelge dabei, wie so oft, ein wenig in Erinnerungen. Meine persönlichen Top 5-Heimspiele (Reihenfolge nicht zwingend), Stand heute. Vermutlich habe ich noch diverse herausragende Spiele vergessen, aber so ist das ja immer. Und entschuldigt, falls ich mal etwas emotional werde…

Platz 5 – VfL gegen Borussia Dortmund 1:0 (04. Oktober 1996)

Freitag Abend, Flutlicht. Ich war 15, das erste Mal auf einem Sitzplatz in Block A, alleine mit meinem zehnjährigen Bruder. Wir hatten die Karten aus irgendeinem Grund geschenkt bekommen. Schräg über uns saß das Commando, mit aufblasbaren Hämmern bewaffnet und besonders ZICK ZACK Mathias Jack feiernd. Spätestens als Heulsuse Möller dann den Helden an der Außenlinie wegflexte, platzte der Block fast. Wenn man sich heute die Aufstellung der vielleicht besten Bochumer Mannschaft aller Zeiten anguckt, erschließen sich einem viele Namen da erst bei genauerem nachdenken, aber sie haben halt einen anderen Teil beigetragen als beispielsweise der alles überstrahlende Dariusz.

So war es in diesem Spiel eine herausragende Defensive und am Ende das verdiente 1:0 ebenfalls durch einen Verteidiger. Schon früh in der Saison merkte man irgendwie, dass diese Truppe etwas ganz besonderes ist, so auch bei diesem Sieg im Revierderby vor ausverkauftem Haus.

Platz 4 – VfL gegen Schalke 04 2:1 (27.04.2007)

NICHT IN MEINER STADT – Die Bochumer Antwort auf die „Nordkurven-Invasion“ aus Gelsenkirchen. Am 31. Spieltag der Saison 2006/07 traf Bochum auf den Nachbarn aus Gelsenkirchen. Die Vorzeichen standen schlecht. Schalke kam als Tabellenführer, Bochum war zwar 11., aber nur 3 Punkte von den Abstiegsrängen entfernt und zudem waren wohl mehr als 10.000 Auswärtsfans in weiß nach Bochum gepilgert.

Diese bekamen dann auch als Erstes Grund zur Freude, als Kuranyi früh nach einem Standard traf. Doch trotz des großen Jubels, trotz der sich möglicherweise einschleichenden „Gewissheit“, dass nun alles seinen Weg geht, die Bochumer Fans gaben alles und die Mannschaft kam noch vor der Pause zuerst zum Ausgleich durch Zwetschge und anschließend schallte der Sirtaki durch das Ruhrstadion. Nach der Halbzeit verteidigte Bochum dann mit Mann und Maus die knappe Führung… bis zur großen Erleichterung. Unerwartete Punkte im Abstiegskampf und dann noch gegen einen großen Rivalen.

Wie die Saison weiter ging, weiß vermutlich jeder. Wir haben die Vorlage geliefert, Dortmund hat verwandelt. Meisterschaft am 33. Spieltag verspielt. Bochum wurde trotz einer eigentlich eher durchschnittlichen Saison noch Achter, schrammte minimal am UI-Cup vorbei und Fanis Gekas wurde Torschützenkönig, bevor er uns dann leider viel zu früh wieder verließ.

Und dann abschließend noch als Frage: Wie gehen die Bochumer nochmal?

Platz 3 – VfL gegen Hannover 96 4:2 (06.02.2002)

Ein Zweitliga-Spiel, zudem an einem Mittwoch. Klingt erst einmal mau. Aber das hier hatte es in sich. Hannover kam als ungeschlagener Spitzenreiter, Bochum war Sechster in der Saison, die mit Ennatz Dietz begann und bei der dann im Dezember Peter Neururer geholt wurde. Selbst unter ihm lief es zunächst mäßig, mit jeweils zwei Siegen und Niederlagen, bei einem Unentschieden. Dann aber kam dieses Spiel, welches das wahre Potential der Mannschaft zeigen sollte. Man sollte allerdings nicht verschweigen, nur wenige Tage später gab es in Oberhausen ein Debakel, diese beiden Spiele scheinen aber den Geist der Mannschaft so gefördert zu haben, dass am Ende der nahezu komplett unrealistische Wiederaufstieg stand.

Es war das Duell der Spielgestalter, auf der einen Seite das überragende Talent Jan Simak, noch vor seinen Problemen und auf der anderen Seite der, durch den Zuspruch von Neururer wieder in seiner Position gestärkte Dariusz Wosz. Von Beginn an ging es Schlag auf Schlag. Wosz in der zweiten Minute, Stendel mit dem postwendenden Ausgleich. Und das hat dann auch die Messlatte gesetzt für das Spiel, das für mich vom Offensivfußball her, vor allem in der ersten Hälfte, das beste Zweitligaspiel ist, das ich je gesehen habe (rein subjektives Empfinden). Es ging in einer Tour von links nach rechts, vor der Halbzeit machte Stefulj erst den Führungstreffer für Hannover, Christiansen glich kurz vor dem Pausenpfiff aus. Nach der Halbzeit war Bochum dominant, mit etwas geringerem Tempo, Hannover blieb aber gefährlich. Letztlich trafen Delron Buckley und nochmal Wosz und der VfL hatte Hannover die erste Saisonniederlage beschert.

Platz 2 – VfL gegen Bayern 1:0 (14.02.2004)

Peter Madsen – ich will ein Kind von dir!
Platz Fünf gegen Zwei und wir waren dabei. Bochum ging mit Selbstvertrauen ins Spiel, mit einem Bollwerk um Keeper Rein van Duijnhoven, der bereits hunderte Minuten zuhause ohne Gegentor war und attackierte die Bayern extrem hoch. So fiel dann auch das 1:0 – Ball erobert im Gegenpressing, Doppelpass, brutaler Schnittstellenpass von Freier auf Madsen, der eiskalt Olli Kahn austanzt und ins leere Tor trifft. Anschließend… kein Jubel. Madsen hat auf seinen Trainer gehört, dass man Tore gegen die Bayern als was ganz normales ansehen solle und guckte eher etwas bedröppelt, auch wenn er sich das Grinsen kaum verkneifen konnte.

Nach diesem frühen Treffer gab es dann noch fast 90 Minuten pure Leidenschaft der Bochumer, wenn man die Nachspielzeit mit einrechnet. Und Können, Glück und manchmal zu umständliche Bayern führten am Ende zu etwas, was man als Bochum-Fan nur allzu selten erleben konnte, einem Sieg gegen die Bayern, dem Ersten zuhause seit 1985. Und dieses Mal half auch kein Hoeneß wie im Jahrhundertspiel (oder der Jahrhundertniederlage) des VfL.

Platz 1 – VfL gegen Trabzonspor 5:3 (30.09.1997)

UEFA-Cup 1997
Und dann auch noch Stehplatz international, heute kaum denkbar. -Foto: einsachtvieracht

Ja, nur EIN UEFA-Cup-Spiel. Aber man kann ja nicht mehr als die halbe Top 5 damit füllen und somit steht das erste UEFA-Cup-Heimspiel der Vereinsgeschichte für die unglaublich geilen Erlebnisse in der Saison. Im Hinspiel, vom deutschen Fernsehen sträflich ignoriert, kam man bereits nach einer Minute per Foulelfmeter zur Führung durch den leider viel zu früh verstorbenen Baluszynski, trotz Niederlage war man mit einem 1:2 noch in einer guten Ausgangslage. Nach sieben Jahren Fandasein durfte ich nun meinen VfL also international verfolgen. Der VfL kam durch Libero Stickroth in Führung, der durchgestartet war und einen Außenristpass durch das komplette Mittelfeld von Kracht per Schuss von der Strafraumkante verwandelte. Danach gab es mehrere Chancen, die Führung auszubauen, es folgte allerdings die Ernüchterung mit dem Ausgleich. Der VfL ging aber wieder in Führung, dieses Mal durch Sergej Juran, den Mann, der wie quasi niemand anders so stark zwischen Genie und Wahnsinn pendelte. Und wie das Genie bei dem Tor aufblitzte. Flanke von Außen, mit der Hacke am Keeper vorbei… ein Traum. Und wieder gab es die Ernüchterung im Anschluss. Waldoch holte sich völlig unnötig mit einem dummen Foul die Ampelkarte ab. Spielstand nach Hin- und Rückspiel also ausgeglichen, 45 Minuten in Unterzahl.

Aber der VfL kam gut aus der Halbzeit und Juran erhöhte nach wenigen Minuten, nach einer Stunde legte Dickhaut für die inzwischen auf’s Kontern verlegten Bochumer nach. Etwas mehr als 20 Minuten vor Schluss legte Peschel dann zum 5:1 nach. ABER: Der VfL wäre ja nicht der VfL, wenn diese Führung beruhigend wäre. Trotz eines berauschenden Spiels, als Trabzon erst das zweite und dann das dritte Tor nachlegte, lief es bei vielen Fans ganz flüssig. Vor allem bei denen vermutlich, die das oben bereits genannte Jahrhunderspiel erlebt hatten. Eine kleine Gruppe türkischer Fans neben mir bekam wieder Hoffnung, doch letztlich brachte der VfL die Zwei-Tore-Führung über die Zeit, der Traum ging also weiter. Mit letzter Kraft.

Kurz erwähnt noch die anderen, ebenfalls berauschenden Fußballabende in der Europapokalsaison. Das 4:1 gegen Brügge (nach 0:1 auswärts), deutlich souveräner und kaum weniger spektakulär und das 2:2 im Achtelfinale gegen Ajax Amsterdam. Nach dem 2:4 in Amsterdam startete man hier schon mit eher geringer Hoffnung, aber gegen solch ein Top-Team präsentierte man sich trotzdem wirklich stark, drehte einen Rückstand und hatte drei Minuten große Hoffnung. Zwischem dem 2:1 von Mamic in der 70. und dem Ausgleich gab es einen kleinen Hoffnungsschimmer, dass vielleicht doch noch einmal die riesen Sensation geschafft werden könnte. Und wer weiß, wie es geworden wäre, hätte sich Juran im Hinspiel nicht bereits seine zweite Gelbsperre der laufenden UEFA-Cup-Saison geholt.

Habt ihr auch persönliche Lieblingsspiele, die hier nicht erwähnt wurden? Schreibt uns gerne eure Erlebnisse.

Stefan Zils

Stefan Zils

Wenn man Fan eines im Zweifel erfolglosen Vereins ist, stellt man sich vielleicht irgendwann die Frage, wann man es hätte merken müssen. Bei mir war das sehr früh. Es war der 27.05.1990 und somit das Relegations-Rückspiel gegen Saarbrücken, mein erstes bewusstes Spiel vom VfL (allerdings im Fernsehen). Ich war 9 und somit eigentlich alt genug, um es zu merken. Gut, alle haben wir gejubelt, als uns Uwe Leifeld erlöste (den ich da grad einmal vom Namen kannte) und spätestens da packte mich dann das VfL-Fieber und das logische Denken setzte aus, Fußball wurde Emotion. Anschließend gleich am 2. Spieltag zu meinem ersten Heimspiel ins Stadion (ein 1:0 gegen den 1.FC Köln) und ab da zu vielen schönen und weniger schönen Spielen (anfangs meist) mit einem Mitspieler vom LFC Laer 06 und unseren Vätern. Im Sommer häufiger mal zu Fuß zum Tempel aus Querenburg, ohne dass ich noch weiß, wie es zurück ging. Nur gegen Schalke, Dortmund und Bayern gingen wir länger nicht hin... weil es zu voll wurde (meine Entscheidung war das natürlich nicht). Ich wurde also quasi gleich zum Anti-Rosinen-Picker erzogen... ;-)

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