Die Ideen von Thomas Reis fruchteten nicht zum Rückrundenauftakt. Foto: David Matthäus Photography

Der VfL verteidigt wacker die 0 Punkte in Bielefeld

Flutlicht! Die lange Winterpause hat endlich ein Ende! Ein Klassiker auf der Alm steht vor der Tür und über 2000 mitgereiste Fans aus Bochum sind im Stadion – die Bühne schien angerichtet für ein Fußballspektakel. Doch wer voller Sehnsucht das Spiel gegen Bielefeld erwartet hat, wurde am Dienstagabend schwer enttäuscht. Der VfL verlor glanzlos mit 0:2 in Bielefeld und hat den Rückrundenstart damit wie schon den Hinrundenstart komplett in den Sand gesetzt.

Dabei trainierte der VfL wochenlang auf eben diesen Moment hin. Verschiedene Taktiken wurden eingeübt und versucht den Fokus mehr auf die Defensive zu legen. Mal stand man in der Verteidigung mit einer Fünferkette auf dem Platz, mal mit einer Vierer – aber immer fanden sich in der Startformation in den Testspielen sieben vornehmlich defensiv ausgerichtete Spieler. Was auf den Betrachter eher wie eine Variante wirkte, um auf die Einbrüche zu reagieren, die regelmäßig nach eigenen Führungen in der Hinrunde zu beobachten waren, wurde gestern Abend dann von Beginn an Wirklichkeit. Man setzte den Fokus voll und ganz auf die Defensive und vergaß dabei leider vollkommen die Offensive. Sicherlich war es unglücklich, wenn der erste Schuss des Gegners nach einem Standard im eigenen Netz zappelt, doch hat man die Essenz des Fußballspiels in der Winterpause anscheinend vergessen. Ohne Tore kann man ein Spiel nicht gewinnen, ohne Torschüsse kann man keine Tore schießen und mit einer defensiv ausgerichteten Mannschaft kommt man eben kaum zu Torschüssen. Oder zu gar keinem. Keinen nennenswerten Versuch hatte die Elf von Thomas Reis nach 90 Minuten zu verbuchen. Ein wahres Trauerspiel für Fans des offensiven Fußballs und den Fans, die sich gar einen Sieg auf der Alm erhofften.

Man predigt das Offensivspiel und dass Agieren das A und O im Fußball ist, doch selbst nach 45 Minuten kam kein offensiver Wechsel. Erst viel zu spät und einzig mit der Brechstange statt spielerischen Ideen wurde reagiert. Statt 90 Minuten kontrollierte Offensive kamen lediglich 20-30 Minuten mit (nominell) offensiven Spielern auf dem Platz, die allerdings aufgrund der Marschroute, mit den (ideenlosen) hohen Chipbällen nie wirklich ins Spielen/Dribbeln kamen. Das lässt sich auch nicht durch eine sehr fragwürdige Schiedsrichterleistung samt eines völlig überflüssigen Platzverweises von Manuel Riemann in den Schlussminuten entschuldigen. Für mich war das gestern eine spielerische Offenbarung in die falsche Richtung – und um ehrlich zu sein – wohl das schlechteste Spiel der Saison. Ohne Chance auf ein Tor, ohne Chance nach dem Rückstand auch nur einen Punkt mitzunehmen. Statt sich auf die Offensivstärke der Hinrunde zu besinnen, hat man durch die neue Taktik sich seiner eigenen Stärke völlig beraubt. 15 Spiele am Stück konnte der VfL immer treffen, gestern war davon nicht einmal etwas zu erahnen. Man kann durchaus gegen den Tabellenführer auswärts verlieren, aber in meinen Augen nicht in der Form.

Was bleibt ist die Hoffnung, dass dies lediglich eine „spielerische“ Maßnahme war, die aufgrund der Konstellation (Auswärtsspiel gegen den Tabellenführer) eine Ausnahme bleibt. Eine taktische Überlegung, die schnellstmöglich wieder in der Schublade verschwindet bzw. nur noch Anwendung findet, wenn der Spielstand es hergibt. Denn eines sollten wir doch eigentlich in der Hinrunde gelernt haben – von Anfang an auf ein zu Null spielen ist in dieser Saison wohl eher nicht unsere Stärke.

Jens Hartenstein

Jens Hartenstein

In Bayern geboren, führte mein Weg zum Fußball über den FC Bayern München erst über Umwege zum geliebten VfL. Hierbei hat mich insbesondere die Phase Mitte der 90 geprägt, als man unter anderm in den UEFA Cup einzog. Nach einer jugendlichen Trotzphase, in der ich mich fast gänzlich dem Fußball, aber vor allem der Kommerzialisierung von selbigem abgewandt hatte, fand ich dann Anfang des neuen Jahrtausends wieder zurück zum Fußball. Ein echter Fußballfan kann eben doch nicht ohne seine Leidenschaft. Spätestens als ich dann beim Abschiedsspiel von Darius Wosz dessen letztes Bundesligator, den Abstieg Gladbachs und unseren beinahe Einzug in den UI-Cup live im Gladbacher Stadion feiern durfte, wars um mich dann komplett geschehen. Seitdem sind mäßige Spiele, Niederlagen, Abstiege und sämtliches Leid aller VfL Fans mein ständiger Wegbegleiter.

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