Ausgecheckt: Sehen wir durch Dynamo wieder Licht?

Nachdem uns mit Ausnahme unserer speziellen Freunde aus Ostwestfalen alle NRW-Klubs „genommen“ wurden und somit alles, was man an Derby oder Nachbarschaftsduell finden könnte, bleiben uns nur noch wenige Spiele, die außerhalb der Tabellensituation einen gewissen Zündstoff bieten. Eines dieser Teams ist natürlich die Sportgemeinschaft aus Dresden, mit der unser VfL auf verschiedenen Ebenen bereits vielfach aneinander geraten ist und die am Sonntag zu Gast im Ruhrstadion ist.

Dynamo – Ebenfalls im Umbruch

Zur neuen Saison änderte sich die Mannschaft von Trainer Cristian Fiél, der als Spieler immerhin ein Jahr beim VfL aktiv war, auf vielen Positionen. Teils langjährige Stammspieler wie Rico Benatelli, Haris Duljevic, Aias Aosman oder Erich Berko verließen den Verein, der ehemalige VfL-Spieler Peniel Mlapa kam nach seiner Ausleihe nach Venlo nicht mehr zur SGD zurück und spielt inzwischen in den Vereinigten Arabischen Emiraten.

Am schmerzhaftesten war aber der Abgang des sehr talentierten Torhüters Markus Schubert zu unseren Gelsenkirchener Nachbarn, der nicht nur mit Störgeräuschen einher ging, sondern auch ablösefrei erfolgte und somit viele Jahre der Ausbildung nicht entschädigte, ein Problem, welches wir beim VfL ebenso gut kennen.

Den Abgängen gegenüber stehen natürlich auch eine Menge Zugänge und für die Mittelstürmer Jeremejeff (BK Häcken) und Stor (NK Aluminij), Linksverteidiger Löwe (Huddersfield) und Mittelfeld-Talent Taferner (Wacker Innsbruck) wurde einiges an Geld in die Hand genommen. Zudem kamen der neue Stammtorwart Broll ablösefrei aus Großaspach und Mittelfeld-Allrounder Klingenburg aus Münster.

Zumindest in den ersten Spielen brachten die Veränderungen noch keinen messbaren Aufschwung, vor allem an der Durchschlagskraft in der Spitze mangelt es etwas. Dresden steht nach fünf Spieltagen und einem Sieg bei jeweils zwei Unentschieden und Niederlagen mit fünf Punkten wie der VfL unten in der Tabelle, auch wenn diese natürlich noch nicht besonders aussagekräftig ist.

BO-bachtet – Das letzte Spiel des Gegners

Dynamo Dresden setzte, wie in den Spielen davor, auf ein 3-4-2-1 System, welches defensiv eine Fünferkette herstellt und mit den zwei Sechsern, sowie den beiden Achtern einen kompakten Mittelblock bildet. So drängen sie den Gegner auf die Außen, um ihn dort zu pressen. Gegen den FC St. Pauli hatte das Team jedoch Schwierigkeiten die Kompaktheit aufrecht zu erhalten, wenn es sich nach einem eigenen Angriff in der Rückwärtsbewegung befindet. In der Dynamik zum eigenen Tor hin wurde beim 2:0, als auch beim 3:0 für die Hamburger dadurch ein Raum zwischen den Sechsern und den drei Verteidigern offen. So bekam der jeweilige Offensivspieler von St.Pauli genug Zeit um sich aufzudrehen und im Anschluss boten sich ihm Passwege durch die Schnittstellen zwischen den Verteidigern, die auch der VfL Bochum mit den schnellen Blum oder Ganvoula anvisieren sollte.

Rückblick – Im direkten Vergleich leichte Vorteile für den VfL

Im Unterhaus standen sich beide Vereine bislang 14mal gegenüber. Fünf Partien gewann der VfL, viermal gewann Dresden und fünfmal teilte man sich die Punkte bei 19:17 Toren. In der vergangenen Spielzeit verlor der VfL völlig unnötig sein Heimspiel mit 0:1, holte aber zumindest in Dresden ein 2:2 nach abermals vergebener 2:0-Führung bei Fiéls Premiere auf der Trainerbank von Dynamo. Blickt man zurück auf die vorherigen Jahre, war so manches Heimspiel gegen Dresden überaus spektakulär, so auch das 3:2 in der Saison 2017/2018, als sich beide Teams einen offenen Schlagabtausch lieferten, Hinterseer kurz vor Spielende aber noch die drei Punkte sicherte. Mit Sicherheit ist zudem die Erinnerung noch bei vielen recht frisch an die Saison 2016/2017, als wir gegen Dresden mit 4:2 gewannen und nach katastrophaler erster Halbzeit und einem 0:2-Rückstand zur Pause die Partie drehten und den VfL endgültig sicherten.

Abseits des Rasens gibt es aber eine ganz andere Geschichte, die den VfL und Dynamo Dresden miteinander verbindet und die vermutlich bis heute noch bei ganz vielen VfLern in Erinnerung geblieben ist. Es war im Jahre 1993. Trotz einer überragenden Rückrunde konnte sich der VfL nicht mehr retten und musste erstmals in seiner Vereinsgeschichte aus der Bundesliga absteigen. Doch wollte sich rund um den VfL niemand mit diesem Abstieg abfinden. Denn der Verein aus Sachsen hatte während der Präsidentschaft des hessischen Bauunternehmers Hans-Jürgen Otto gegen Lizenzauflagen verstoßen und war vom DFB-Sportgericht mit einem Abzug von sechs Punkten bestraft worden (bei der damals noch angewandten 2-Punkte-Regel). Damit wäre Dynamo hinter den VfL gerutscht und abgestiegen – der VfL wäre weiterhin Mitglied der 1. Bundesliga geblieben.

Doch laut des Urteils sollten Dresden diese Punkte erst in der kommenden Spielzeit abgezogen werden. Ein Skandal, wie all diejenigen, die es mit dem VfL hielten, glaubten. Klaus Hilpert, der damalige Manager des VfL, wollte es nicht wahr haben und wollte mittels einer Einstweiligen Verfügung dafür sorgen, dass in Bochum auch in der folgenden Spielzeit Bundesligafußball zu sehen war. Doch alle juristischen Bemühungen blieben schließlich ohne Erfolg, so dass einige Wochen nach dem Ende der Saison der Abstieg des VfL nicht nur sportlich, sondern auch gerichtlich besiegelt war. Bis heute belasten diese Vorgänge das Verhältnis zwischen dem VfL und dem sächsischen Traditionsclub.

Special – Wie schlugen sich Trainerdebütanten in den letzten Jahren beim VfL?

Es scheint nachvollziehbar, dass wir alle nach drei Punkten lechzen und auf diesen Efffekt auch am Sonntag hoffen bei Thomas Reis‘ Debüt. Sollte der VfL hingegen nicht gewinnen, droht ein neuer Vereins-Negativrekord, da der schlechteste Saisonstart aus der Spielzeit 2011/2012 mit nur vier Zählern aus sechs Spielen damit eingestellt wäre. Wie aber schlugen sich die letzten Trainerdebütanten des VfL, seitdem wir wieder im Unterhaus spielen?

Robin Dutt startete mit einem 0:1 beim 1. FC Heidenheim, Heiko Butscher holte hingegen drei Punkte gegen Darmstadt als Interimstrainer mit 2:1. Jens Rasiejewski begann mit drei Punkten durch ein 2:0 gegen den SV Sandhausen, Ismail Atalan hingegen verlor mit 0:1 zum Saisonstart gegen den FC St. Pauli. Auch Geertjan Verbeek verlor bei seinem Trainerdebüt mit 1:2 bei Union Berlin. Peter Neururers zweites Comeback auf der Trainerbank bescherte uns drei Punkte durch ein 2:0 gegen Energie Cottbus. Vorgänger Neitzel startete mit einem 2:2 – im Hinspiel gegen Energie Cottbus. Andreas Bergmann wiederum legte einen Fehlstart par Excellence hin und unterlag dem SC Paderborn mit 0:4. Friedhelm Funkel hingegen startete mit drei Punkten. Damals gewannen wir mit 3:2 gegen 1860 München.

 

 

Stefan Zils

Stefan Zils

Wenn man Fan eines im Zweifel erfolglosen Vereins ist, stellt man sich vielleicht irgendwann die Frage, wann man es hätte merken müssen. Bei mir war das sehr früh. Es war der 27.05.1990 und somit das Relegations-Rückspiel gegen Saarbrücken, mein erstes bewusstes Spiel vom VfL (allerdings im Fernsehen). Ich war 9 und somit eigentlich alt genug, um es zu merken. Gut, alle haben wir gejubelt, als uns Uwe Leifeld erlöste (den ich da grad einmal vom Namen kannte) und spätestens da packte mich dann das VfL-Fieber und das logische Denken setzte aus, Fußball wurde Emotion. Anschließend gleich am 2. Spieltag zu meinem ersten Heimspiel ins Stadion (ein 1:0 gegen den 1.FC Köln) und ab da zu vielen schönen und weniger schönen Spielen (anfangs meist) mit einem Mitspieler vom LFC Laer 06 und unseren Vätern. Im Sommer häufiger mal zu Fuß zum Tempel aus Querenburg, ohne dass ich noch weiß, wie es zurück ging. Nur gegen Schalke, Dortmund und Bayern gingen wir länger nicht hin... weil es zu voll wurde (meine Entscheidung war das natürlich nicht). Ich wurde also quasi gleich zum Anti-Rosinen-Picker erzogen... ;-)

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