Saisonauftakt gegen Castra Regina – oder auch Regensburg.

Das Warten hat ein Ende. Endlich wieder Fußball. Endlich wieder Bochum. Am kommenden Sonntag startet der VfL in die Spielzeit 2019/20. Zum Auftakt dürfen die Jungs in blau und weiß in den Süden der Republik reisen – wir spielen gegen den SSV Jahn Regensburg. Wir stellen euch unseren ersten Gegner vor, wagen einen Blick in die Historie und analysieren, worauf man sich taktisch einstellen darf.

Der Jahn im Fokus – was gibt es zu wissen über unseren Auftaktgegner?

Der Sport- und Schwimmverein Jahn Regensburg e. V., auch die Jahn-Elf genannt, ist seit der gewonnenen Relegation 2016/2017 gegen 1860 München Zweitligist. Vier Aufstiege gelangen dem Jahn in die 2. Bundesliga, der erste im Jahr 1975, danach stieg man in den Jahren 2003, 2012 und 2017 auf. Was auffällt: In der jüngeren Vergangenheit war es in Regensburg immer schwierig, erfolgreiche Trainer zu halten. Dieses Schicksal teilt sich der Jahn in der jüngeren Vergangenheit besonders mit Holstein Kiel. Nach dem Aufstieg 2016/17 war Trainer Heiko Herrlich ohne Vertrag und unterschrieb kurz darauf auch schon in Leverkusen. Auf ihn folgte Beierlorzer, der den Jahn erfolgreich, gemessen an den finanziellen Mitteln, zwei Jahre im Unterhaus hielt – und nun ebenfalls wechselte. Ihn zog es ebenfalls ins Rheinland, zum 1. FC Köln. Und Nachfolger Selimbegovic? Ist er erfolgreich, ist die Fährte ins Rheinland schon fast gelegt – und er 2020/2021 bei Fortuna Düsseldorf?

Die Heimstätte des Jahn ist seit der Spielzeit 2015/2016 die Continental Arena, welche 15.210 Zuschauer fasst und voll überdacht ist. Theoretisch ist die Möglichkeit aber gegeben, die Kapazität auf 18.100 Zuschauer zu erhöhen. Die Namensrechte hat sich Continental bis 2020 gesichert. Die Heimtribüne, welche nach dem einzigen WM-Fahrer des Jahn, Torwart Hans Jakob, der im Kader Deutschlands 1934 stand, benannt ist und auf der die Ultras des Jahn unter anderem ihren Platz haben, ist im Süden des Stadions gelegen. Für Gästefans gibt es im westlichen Teil der Nordtribüne insgesamt 884 Steh- und 919 Sitzplätze. Verkehrstechnisch günstig gelegen ist das neue Stadion an der A3 und kann über die Ausfahrt Regensburg Universität erreicht werden, so dass hier kostenlos sowohl an der Universität als auch am Universitätsklinikum geparkt werden kann. Alternativ ist das Stadion auch über ÖPNV mit der Linie 3 zu erreichen des RVV zu erreichen oder mit Shuttle-Bussen vom Regensburger Hauptbahnhof. Als Biersorte darf man sich auf eine lokale Biermarke freuen, da die Privatbrauerei Bischofshof, welche in Regensburg braut, den Jahn beliefert. Wettertechnisch wird nächsten Sonntag, Stand heute, ein sonniger Tag mit um die 23° C erwartet – perfektes Fußballwetter also.

Eine Reise in die Vergangenheit

Die gemeinsame Historie des VfL Bochum und des Jahn aus Regensburg ist noch recht dürftig. Insgesamt gab es erst acht Aufeinandertreffen (sechs Spiele in der 2. Liga, eins im Pokal und ein Freundschaftsspiel).

Pokal-Aus als gutes Omen

Das erste Mal trafen der VfL und der heutige Gegner im Jahr 2003 aufeinander. Es handelte sich um die 1. Runde im DFB-Pokal, in der der damalige Bundesligist VfL Bochum auf den Jahn traf, der seinerzeit in der 2. Liga kickte. Als Favorit ins Spiel gegangen, enttäuschte der VfL auf ganzer Linie und unterlag mit 1:2 (der VfL spielte u.a. mit Sören Colding, Raymond Kalla, Peter Madsen, Frank Fahrenhorst und Thomas Zdebel, das Tor für den VfL erzielte der Hubschrauber Vahid Hashemian). Mochte man aufgrund dieser Pleite eine schwere Saison vorausahnen, sah man sich spätestens im Mai 2004 getäuscht. So schwach der Auftritt im DFB-Pokal auch war, so fantastisch lief die Saison, an deren Ende das Team von Trainer Peter Neururer auf Platz 5 landete uns sich zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte für den UEFA-Cup qualifizierte.

Grottenkick an Karneval

Februar 2013. Es war Karnevalssonntag und während in Düsseldorf und Köln die Narren regierten, schwang beim VfL Bochum Karsten Neitzel das Zepter. Nachdem der ursprünglich als Interim angedachte Coach zu Beginn einige Erfolge verbuchen konnte, saß er nun als Cheftrainer auf der Bank. Das Spiel gegen die Gäste aus Regensburg, die sich als Aufsteiger im Tabellenkeller befanden, sollte den Aufwärtstrend bestätigen. Bei eisigen Temperaturen an jenem Sonntagmittag erlebte man im Ruhrstadion einen der erbärmlichsten Auftritte der jüngeren Vergangenheit und eine verdiente 0:2-Niederlage, die das Ende von Trainer Karsten Neitzel und Sportvorstand Jens Todt einleitete. Im Team standen damals Spieler wie Leon Goretzka, Christoph Kramer und Club-Legende Marcel Maltritz. Negativer Höhepunkt des „Spiels“ war der Platzverweis von Co-Trainer Thomas Reis, der anschließend auf der Tribüne verfolgen musste, wie der VfL gegen einen ebenfalls schwachen Gegner mehr als verdient verlor.

Eine Reihe von späten Rückschlägen

Ein denkwürdiges Spiel fand im Oktober letzten Jahres an einem Montagabend an der Castroper Straße statt. Nach einer eher schwachen Leistung führte der VfL nach einer guten Stunde etwas glücklich mit 3:1 (alle drei Assists durch Lee). Doch zu jener Zeit begab es sich, dass der VfL Woche für Woche Führungen aus der Hand gab – besonders gerne in den Schlussminuten oder gar in der Nachspielzeit. Und so war es auch an diesem Abend. In der 79. Minute kam der Gast zum Anschlusstreffer; in der vierten Minute der Nachspielzeit gelang den Regensburgern dann sogar der verdiente Ausgleichstreffer.

Insgesamt: 2 Siege, 3 Remis, 3 Niederlagen

Taktikcheck – Was erwartet unseren VfL auf dem Platz?

Der SSV Jahn Regensburg hat einen neuen Trainer, trotzdem bleibt vieles beim Alten. Mersad Selimbegovic war im letzten Jahr noch Co-Trainer des Teams und übernahm diesen Sommer vom nach Köln abgewanderten Achim Beierlorzer. In Regensburg wird auch in dieser Saison auf eine ekelige Spielweise im bewährten 4-2-2-2 System gesetzt.

Das System sieht vor, die beiden Innenverteidiger mit der Doppelspitze sofort zu attackieren und den Spielaufbau dadurch von der ersten Sekunde an unter Druck setzen zu können. Das ist ekelig für den Gegner, bringt jedoch seine Risiken mit sich. In der Vorbereitung hatte der Jahn große Probleme, kompakt die Räume hinter der ersten Pressingreihe zu schließen. Die restliche Mannschaft schob hinter den Angreifern nicht konsequent genug nach. Sobald die ersten Spieler vom Gegner überspielt waren, traf dieser auf eine wenig kompakte, stellenweise völlig unorganisierte Verteidigung.

Das unorganisierte Verhalten stellte sich insbesondere in schlecht abgesprochenen Übergängen zwischen Raum- und Manndeckung dar. Die Folgen waren schlecht abgestimmtes Herausrücken einzelner Verteidiger und eine wenig ausbalancierte Verteidigung auf dem Platz. Das 4-2-2-2 kann gut ausgeführt extremen Druck erzeugen. Stimmt die Abstimmung jedoch nicht, bleiben ballfern riesige Räume offen, die unser VfL ansteuern kann.

Wird der VfL so spielen? Foto: Einsachtvieracht

In der letzten Linie zeigten sich die Regensburger anfällig für Angriffe durch die Räume/Schnittstellen zwischen den einzelnen Abwehrspielern der Viererkette. Pässe und Läufe durch diese Schnittstellen führten zu einem Großteil der Gegentore in den Testspielen. Meist konnte der Gegner zur Grundlinie durchbrechen, um gefolgt von einem Querpass oder einem Pass in den Rückraum das Tor zu erzielen. Durch den voraussichtlichen Ausfall von Simon Zoller und die Sperre von Silvere Ganvoula bietet sich dem VfL die Chance, diese Schwachstelle des Gegners mit zwei beweglichen Angreifern, wie Danny Blum und Tom Weilandt, zu bespielen.

Doch Vorsicht! In eigenen Angriffsaktionen wusste Jahn Regensburg vor allem über Standardsituationen und Flanken für Gefahr zu sorgen. Hier wird mit viel Physis agiert und versucht, durch Kopfbälle oder Abschlüssen nach Abprallern aus der zweiten Reihe zum Erfolg zu kommen. Das ist nicht schön, aber ekelig für unseren VfL. Grad wenn mit Thomas Eisfeld ein physisch unterlegener Spieler als Sechser und Lückenfüller in der Abwehr agiert.

Für den VfL und die Stimmung in Bochum wäre es wichtig, wenn man nach zuletzt zwei Auftaktniederlagen zum Beginn einer Spielzeit wieder einmal mit einem Sieg in die Saison starten könnte. Hierzu ist es allerdings immens wichtig, die Fehlerquote niedriger zu halten als in der Vorbereitung, zudem muss im Sturm möglicherweise der Ausfall gleich zweier Stürmer gut kompensiert werden. Mal schauen, was im Süden der Republik drin ist. Endlich wieder Fußball. Endlich wieder Bochum.

Thorsten Amberge

Thorsten Amberge

Eine Dauerkarte beim VfL habe ich mit einjähriger Pause im Zivijahr 1998/99 ab der nächsten Saison im 20. Jahr, so dass ich verwundert feststellen muss, dass ich nunmehr doch zum alten Eisen langsam gehöre. Der VfL und ich haben aber lange gebraucht, um warmzuwerden. Erstmalig im Stadion bei Schwarz-Weiß Essen Mitte der 1980er Jahre, bin ich der typische Bochum-Fan, der über die Fanfreundschaft zum FC Bayern zum VfL kam – und gewissermaßen ein Erfolgsfan bin. Denn ich bin maßgeblich über die 1996/97er-Truppe dem VfL verfallen und habe mich seitdem diesem Verein total verschrieben. Ohne den VfL kann ich nicht – so einfach ist das. Im Internet treibe ich seit nunmehr über 15 Jahren mein Unwesen und habe neben meiner nicht minder zeitintensiven Aktivität bei transfermarkt.de zuerst bei vfl-fanforum.de und dessen Nachfolger unservfl.de als Mitinhaber der Seite mit mehreren Akteuren des VfL sehr spannende Interviews und Gespräche führen dürfen. Meine zeitintensiven Vorberichte dürften sicherlich bekannt sein, einige meiner Interviews mit aktiven Spielern, aber auch mit Vorständen möglicherweise auch.

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