Nach dem Spiel war feiern angesagt! Foto: Tim Kramer (Tremark Fotografie)

Nicht in der Halbzeitpause das Stadion verlassen…

…sonst verpasst man womöglich einen der besten Auftritte des VfLs in den letzten Jahren. Als ich zuletzt über ein Spiel nachgedacht habe, bei dem der Gegner seitens des VfL vollends dominiert wurde, war das Spiel gegen den FC Ingolstadt noch nicht gespielt. Zwar herrscht im Ruhrstadion oft Spektakel, ein Spiel, an das ich mich aber noch erinnere als wäre es gestern gewesen, war das Spiel gegen Dynamo Dresden am 28. April 2017, dem 31. Spieltag der Saison 2016/17.

Im Nachhinein kann das Spiel als die „Wende im Abstiegskampf“ bezeichnet werden, denn aufgrund des 4:2-Erfolgs machte man einen großen Schritt in Richtung Klassenerhalt, der dann am 33. Spieltag endgültig dingfest gemacht wurde. Davor war die durchschnittliche Saison des VfL unter Ex-Coach Gertjan Verbeek von eher schwankenden Leistungen geprägt.

Die Ausgangslage

Vor dem Spieltag lag der VfL Bochum mit 37 Punkten auf Platz 10. Klang jetzt nicht unbedingt nach Abstiegskampf, der Tabellen-16. Aue hatte allerdings nur vier Zähler weniger. Nachdem der VfL wie der Rest der Liga auf Dreierkette umstieg, und so insgesamt vier Spiele ohne Gegentor blieb, riss die Gegentorlos-Serie bei der 2:0-Niederlage in Braunschweig.

Bei der SG Dynamo Dresden war das Gras erheblich grüner. Der Zweitligaaufsteiger belegte nach 30 Spielen und 46 Punkten den fünften Tabellenplatz. Zwar hatte die Mannschaft von Uwe Neuhaus aufgrund der Niederlage in Fürth keine Chance mehr, nach oben einzugreifen, ein 13-Punkte-Polster nach unten bedeutete jedoch schon den sicheren Klassenerhalt für Elbflorenz.

Wer unbedingt ins Fernsehen wollte, konnte vor dem Spiel bei Vonovia seine Fangrüße ausrichten, die dann auf der Leinwand übertragen wurden. Foto: Tim Kramer (Tremark Fotografie)

Die Aufstellungen

Beim VfL gab es insgesamt drei Änderungen in der Startelf. Nico Rieble wurde von Marco Stiepermann auf links ersetzt, der seine Gelbsperre abgesessen hatte. Statt Selim Gündüz gehörte Tom Weilandt wieder zum Startpersonal und im Sturmzentrum spielte neben Johannes Wurtz unser Peniel Mlapa, wofür Nils Quaschner auf der Bank Platz nahm.

Bei Dynamo Dresden rückten Jannik Müller und Niklas Hauptmann für Giuliano Modica und Aias Aosman in die Startformation. Kreuzer ersetzte auf rechts den Verletzten Fabian Müller.

Riemann (C) – Gyamerah, Hoogland, Bastians – Janelt, Losilla – Weilandt, Eisfeld, Stiepermann – Wurtz, Mlapa

Schwäbe – Kreuzer, Müller, Ballas, Heise – Hauptmann, Konrad, Lambertz – Gogia, Kutschke, Stefaniak (C)

Erste Halbzeit: Tiefschlaf des VfL

Mit der ersten nennenswerten Aktion des Spiels in der achten Spielminute ging der Gast auch gleich in Führung. Die Dresdner konterten über Gogia und Hauptmann konnte ungedeckt zum 0:1 einschieben. Zwar proklamierten Anzeigetafel und Kicker-Liveticker zunächst Stefaniak als Torschützen, allerdings war der jetzt beim 1. FC Köln spielende Niklas Hauptmann der Torschütze.

Vier Minuten später hatte Kutschke die nächste Möglichkeit, Riemann konnte aber mit einer Fußabwehr zur Ecke ablenken. Dresden dominierte den VfL im eigenen Stadion und es schien keine Besserung in Sicht. So erzielte Dynamo in der 25. Minute gar das 0:2 durch den starken Akaki Gogia. An den Weitschuss aus ca. 20 Metern kam Riemann zwar dran, der Ball flog allerdings trotzdem ins Tor, sodass Riemann beim Tor keine glückliche Figur abgab. Nach vorne gelang dem VfL überhaupt nichts, lediglich die gelben Karten wurden von Schiedsrichter Koslowski sehr großzügig gezeigt. So bekamen noch vor der Halbzeitpause Tom Weilandt, Anthony Losilla und Marco Stiepermann den gelben Karton gezeigt.

Zunge raus! Saglam nach seinem ersten Profitor. Foto: Tim Kramer (Tremark Fotografie)

Die zweite Hälfte und eine absolute Leistungsexplosion

Da stand ich also in der Halbzeitpause. Extra noch alles getan, um den 500 km langen Fahrtweg zu bewältigen, um dann zuzusehen, wie die eigene Mannschaft vorgeführt wurde. Mit einem Pfeifkonzert wurde die Mannschaft in die Halbzeitpause verabschiedet, und um mich rum höre ich nur „Das Ding ist eh verloren“, während ich wenigstens eine leise Hoffnung auf ein Unentschieden hatte.

Allerdings kam der VfL aus der Kabine und zeigte ein komplett anderes Gesicht. In der 49. Minute kam Mlapa zu einer Torschussaktion, die im letzten Moment von der Dresdner Hintermannschaft abgeblockt wurde. Eine Zeigerumdrehung später schickte Losilla Thomas Eisfeld auf die Reise, der Schwäbe auskuckte und überlegen zum 1:2-Anschlusstreffer einschob. Kleiner Jubel auf den Rängen, die Hoffnung war wieder da. Und ich beklatschte Eisfelds (Einzel-)Aktion zum Treffer.

Direkt nach dem Anstoß verlor Kreuzer den Ball an Stiepermann. Der rannte los und hatte nur noch Schwäbe vor sich, ehe er mit einem Schuss in das kurze Eck den Ausgleich erzielte! Innerhalb von einer Minute hatte man alles wieder auf Null gedreht und die desolate Leistung der ersten Halbzeit vergessen gemacht. Auf einmal grenzenloser Jubel im Ruhrstadion und man glaubte wieder an die Mannschaft!

Wieder stand Kreuzer im Mittelpunkt, der erneut den Ball an Stiepermann verlor. Torhüter Schwäbe verhinderte gerade noch so den dritten Einschlag innerhalb von drei Minuten. Der VfL war jetzt voll obenauf, während schwarz-gelb nicht mehr aus der eigenen Hälfte kam. Flügelflitzer Gündüz kam für Weilandt, um so den Druck auf Dresden noch einmal zu erhöhen. In der 70. Minute schließlich erzielte der VfL in Person von Anthony Losilla das 3:2!

Anthony Losilla nach dem 3:2. Foto: Tim Kramer (Tremark Fotografie)

Einen Freistoß von Eisfeld legte Wurtz auf unseren Franzosen ab, der gegen seinen Ex-Verein einschob. Spiel gedreht und dazu ein seltener Anblick: Anthony Losilla beim Torjubel!

Verbeek wechselte erneut und so kam Saglam für den starken Thomas Eisfeld. Auch Dynamo wollte es noch einmal wissen und brachte Aosman für Lambertz in das Spiel. Trotzdem konnte Dynamo dem VfL nichts mehr entgegensetzten und war fast ausgeknockt.

In der 88. Minute machte Görkem Saglam mit dem 4:2 den Endstand. Wurtz legte einen langen Ball auf Saglam ab, sodass dieser nur noch einschieben musste. Für Saglam war es das erste Profitor! Am Ende pfiff der Schiedsrichter die Partie ab und von den rund 1000 Dresdner Fans war nichts mehr zu hören. Eine besondere Stimmung im Ruhrstadion, so hatte man den Klassenerhalt jetzt so gut wie sicher. Nach dem 1:1 gegen Bielefeld und dem 1:2-Auswärtssieg bei den Münchner Löwen war der VfL sogar auf Platz 7 vorgerückt, durch die Niederlage gegen den FC St. Pauli am letzten Spieltag rutschte der VfL allerdings auf Platz 9 ab und hatte am Ende 44 Punkte auf dem Konto.

War das Ingolstadt-Spiel von der ersten bis zur letzten Minute überzeugend, so fand beim 4:2-Erfolg gegen Dresden ein wahrer Maskentausch statt. Nach der desaströsen ersten Hälfte überzeugte der VfL in der zweiten Hälfte mit offensivem Spiel, das die Fans euphorisierte. Für solche Momente geht man ins Stadion! Und nicht vergessen: Nie entnervt in der Halbzeitpause das Stadion verlassen, es gibt immer eine zweite Hälfte!

 

Matthias Rauh

Matthias Rauh

Obwohl in Bayern wohnhaft besitze ich eine Dauerkarte beim VfL und versuche, jedes Heimspiel und jedes Auswärtsspiel im Süden vom VfL mitzunehmen. Meine Begeisterung für den VfL entwickelte sich in der Saison 2006/07, endgültig besiegelt wurde sie bei dem eigentlich völlig belanglosen Spiel Karlsruher SC gegen den VfL im Jahr 2008. Während eines Fußballturniers wollten meine Mannschaftskameraden in der Bundesligakonferenz ständig die Zwischenstände von Bayern München und Nürnberg wissen, ich erntete misstrauische Blicke, als ich den Zwischenstand von Bochum wissen wollte. Abstieg, Relegation, Funkel, Neururer... ich bin immer noch dabei und freue mich immer mehr auf Spiele wie Bochum gegen Sandhausen als Bayern gegen Dortmund.

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