Heike Butscher ist der neue Mann an der Seitenlinie des VfL. Es kommt aber nicht auf ihn alleine an. Foto: Tim Kramer (Tremark Fotografie)

Ab jetzt zuerst selbst in den Spiegel gucken

Man könnte sagen: Es ist vollbracht. Der Aufsichtsrat des VfL Bochum ist dem Wunsch beinahe aller VfL-Fans gefolgt. Er hat den lange geforderten Rausschmiss von Trainer Jens Rasiejewski vollzogen, ebenso wie die noch länger und hartnäckiger geforderte Trennung von Sportvorstand Christian Hochstätter. Doch nachdem der Gedankengang des gemeinen VfL-Fans in den letzten Wochen und Monaten nur bis zu jenem nun eingetretenen Ereignis reichte, stellt sich die Frage: Was nun?

Mit Heiko Butscher als Trainer und Sebastian Schindzielorz als Sportvorstand hat der Aufsichtsrat zwei interne Lösungen zur Neubesetzung der beiden Posten gewählt – vorerst. Beide können in ihrer neuen Positionen keine Erfahrungen vorweisen, Vorverurteilungen verbieten sich also.

Und darin liegt der Vorteil für den VfL Bochum in der aktuellen Situation. Eine Meinung zu Butscher und Schindzielorz kann und soll sich natürlich gebildet werden – aber bitte erst im Verlauf der nächsten Spiele.

Nicht nur die Mannschaft ist in der Pflicht

Bis dahin kommt dem eingangs erwähnten gemeinen VfL-Fan eine besondere Aufgabe zu. Auch er muss jetzt liefern, um es mal im Stammtischjargon zu sagen. Denn: die Unterstützung im Stadion ist schon seit Beginn der sportlichen Talfahrt ernüchternd. Einer verunsicherten und in Teilen auch jungen Mannschaft sieht man an, wie das Selbstvertrauen durch Pfiffe und ausbleibenden Support weiter leidet.

Besonders in den beiden Heimspielen der Rückrunde richtete sich der Unmut der Fans – und damit ist nicht nur die Ostkurve gemeint – in erster Linie gegen Christian Hochstätter. Dieser habe seinen Job schlecht gemacht, deshalb spiele die Elf in blau-weiß auch so furchtbar – so lautete der nicht ganz unwahre Tenor im Stadion.

Nun bleibt festzustellen: Hochstätter ist weg vom Fenster, das Rote Tuch in Augen der Bochumer Fans. Jetzt gibt es keinen Grund mehr, die Mannschaft nicht mehr bedingungslos anzufeuern, zu unterstützen. Nach wie vor befindet sich der Verein in einer existenzbedrohenden Lage, das muss mittlerweile jedem klar sein, der schon mal einen Fuß ins Ruhrstadion gesetzt hat. Wir Fans vom VfL betonen doch immer, dass Fußball für uns mehr als eine Leidenschaft sei und nichts über den Verein, die Mannschaft geht. Das muss man in den kommenden Wochen und Monaten auch im Stadion wieder spüren, jeder VfL-Fan ist in der Pflicht. Dann, und nur dann, blicken wir bald eventuell wieder weniger sorgenvollen Tagen entgegen.

Damit muss unverzüglich, also beim Heimspiel gegen Darmstadt am Freitag angefangen werden. Es wäre schön, wenn sich wieder einige verzweifelte Seelen mehr anne Castroper verirren würden. Wichtiger ist aber, dass sich die, die vor Ort sind, nichts vorwerfen lassen können. Von nun an gilt wieder: Erst selbst in den Spiegel schauen und überprüfen, ob man alles für den Erfolg der Mannschaft getan hat, bevor das Team kritisiert und ausgepfiffen wird.

Timo Janisch

Timo Janisch

Ich bin ein echtes Kind des Ruhrgebiets. Geboren und aufgewachsen bin ich leider in (der Nähe von) Dortmund. Als Kind zog mich mein erstes fußballerisches Interesse zum FC Bayern - und zwar wegen Größen wie Michael Ballack, Roy Makaay oder Zé Roberto, nicht des Erfolges wegen. Mit der Zeit distanzierte ich mich jedoch immer mehr vom Verein (oder der Verein von mir). Nach einem spontanen Besuch im Ruhrstadion war es - ganz klassisch - um mich geschehen und der VfL hatte mein Herz erobert. Heute: Dauerkarte, Block O.

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