Foto: Tim Kramer (Tremark Fotografie)

Auswärts in Amsterdam dem Traum so nah – und am Ende alles wieder typisch VfL!

Im fünften Teil unseres UEFA-Cup-Rückblicks blicken wir auf das Wahnsinns-Hinspiel in Amsterdam zurück.

Ich für meinen Teil kann mich noch genau erinnern, wo ich das Spiel geschaut habe – bei einem Schulfreund, der Schalke-Fan war und sich selbst auch zwicken musste, was da in Amsterdam passierte. Dass sich jeder Bochum-Fan noch mehr zwicken musste, liegt auf der Hand. Das Spiel habe ich immer noch auf VHS, wie alle Spiele der UEFA-Cup-Saison, wenn nicht gerade der Videorekorder streikte – wie leider Gottes beim ersten und zweiten UEFA-Cup-Heimspiel. Gedanken an dieses Spiel machen mich jedenfalls auch heutzutage immer noch „wuschig“ – aber das geht sicher jedem so bei jedem Spiel im UEFA-Cup-Heimspiel.

Was genau passierte aber an diesem 25. November 1997?

Nach Trabzonspor und dem FC Brügge bekam der VfL im Achtelfinale Ajax Amsterdam zugelost. Das Kürzel „Ajax“, samt der großen Jugendschule des Vereins, hatte damals immer noch den großen Klang in Europa und zwei Jahre zuvor die Königsklasse gewonnen und unter anderem Bayern München im Halbfinale mit 5:2 vom Platz gefegt. Angelegt an das niederländische „Voetbal total“ der 1970er Jahre kickten unter anderem Van der Sar, Blind, die De Boer-Zwillinge, Michael Laudrup sowie Litmanen bei Ajax, um nur einige der vielen Stars zu nennen. Sogar ein Ex-Bochumer spielte bei Ajax zu dem Zeitpunkt – Andrzej Rudy, der uns in der Zweitligasaison 1995/1996 aushalf. Ein weiterer Mann aus dem Kader von Ajax sollte hingegen bis zu seinem unrühmlichen Abgang später einen wichtigen Teil beim zweiten UEFA-Cup-Einzug spielen. Bei Ajax unter Vertrag stand kein Geringer als Sunday Oliseh. Auch das Stadion war ein Meilenstein. Die damals neu hochgezogene Arena war das Vorbild für viele der heute entstandenen Neubauten. Und der VfL? Nun gut, getreu dem Motto „Ihr seid Ajax, wir haben Ata!“ schickte Trainer Toppmöller folgende Truppe auf dem Platz.

Die Helden

Gospodarek – Sundermann, Waldoch, Schreiber – Reis, Dickhaut, Hofmann – Wosz – Juran, Donkov. Peschel kam während des Spiels für Juran ins Spiel, Hutwelker für Waldoch und Reichel für Dickhaut. Auf der Bank saßen noch Ernst, Baluszynski, Bastürk und Mamic.

Und diese folgende Elf ließ aufhorchen – wie schon so oft in der UEFA-Cup-Saison. In Minute 20 sorgte zuerst Reis für Gänsehaut und traf nach herrlicher Vorlage von Donkov zum 1:0 und nur vier Minuten später erhöhte dann Waldoch nach einer Ecke von Wosz zum 2:0. Bochum spielte danach sehr gut mit, wurde aber nachlässig – und bevor man aus dem süßen Traum dieser Führung aufwachen konnte als Bochum-Fan, war auch schon Halbzeit und es stand bereits 4:2 für Ajax. 4:2? War war passiert? Der VfL war passiert – kennen wir doch. Michael Laudrup überrollte uns mit zwei Toren, Arveladze traf nach einfachem Trick nach einem Freistoß und Gospodarek patzte leider wie in fast jedem UEFA-Cup-Spiel, als er einen Freistoß von Oliseh abprallen ließ und Einer der beiden de Boers traf. Dann war Halbzeit. Und da beide Teams so furios spielten, war auch alles Pulver in Halbzeit 1 bereits verschossen. Selten verspielte eine Truppe im Europapokal so ein beruhigendes Polster in so schneller Zeit auswärts. Aber wir hatten ja noch das Rückspiel – und an Aufgabe zu denken war nicht.

Und auch das Rückspiel sollte es in sich haben…

Thorsten Amberge

Thorsten Amberge

Eine Dauerkarte beim VfL habe ich mit einjähriger Pause im Zivijahr 1998/99 ab der nächsten Saison im 20. Jahr, so dass ich verwundert feststellen muss, dass ich nunmehr doch zum alten Eisen langsam gehöre. Der VfL und ich haben aber lange gebraucht, um warmzuwerden. Erstmalig im Stadion bei Schwarz-Weiß Essen Mitte der 1980er Jahre, bin ich der typische Bochum-Fan, der über die Fanfreundschaft zum FC Bayern zum VfL kam – und gewissermaßen ein Erfolgsfan bin. Denn ich bin maßgeblich über die 1996/97er-Truppe dem VfL verfallen und habe mich seitdem diesem Verein total verschrieben. Ohne den VfL kann ich nicht – so einfach ist das. Im Internet treibe ich seit nunmehr über 15 Jahren mein Unwesen und habe neben meiner nicht minder zeitintensiven Aktivität bei transfermarkt.de zuerst bei vfl-fanforum.de und dessen Nachfolger unservfl.de als Mitinhaber der Seite mit mehreren Akteuren des VfL sehr spannende Interviews und Gespräche führen dürfen. Meine zeitintensiven Vorberichte dürften sicherlich bekannt sein, einige meiner Interviews mit aktiven Spielern, aber auch mit Vorständen möglicherweise auch.

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