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Spielerportrait Lukas Hinterseer

Lange mussten die Fans des VfL Bochum auf den ersten Transfer warten, am 8. Juni war es dann schließlich offiziell: Lukas Hinterseer ist der erste Neuzugang des VfL Bochum im Sommer 2017. Mit aller Seelenruhe bat Hochstätter die Anhänger in den Wochen zuvor um Geduld und betonte dabei stets den Verein punktuell verstärken zu wollen. Diese Geduld scheint sich nun ausgezahlt zu haben, mit Lukas Hinterseer konnte ein echter „Kracher“ verpflichtet werden. Wir von Einsachtvieracht wollen euch gerne den österreichischen Neuzugang der beim VfL bis 2019 unterschrieben hat näher vorstellen.

Geboren im Jahr 1994, entstammt der gebürtige Kitzbüheler einer äußerst erfolgreichen Skisportfamilie. Großvater Ernst Hinterseer feierte sowohl bei Olympia als auch bei den alpinen Weltmeisterschaften jeweils große Erfolge. Auch Vater Guido konnte ebenso wie der berühmte Onkel Hansi Hinterseer weitere Titel für die Familiengalerie hinzugewinnen.

Die ersten Schritte in Österreich

Foto: Ailura, Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

Lukas Hinterseer hat es im Gegensatz zur Familientradition aber bekanntermaßen nicht in den Skisport, sondern in den Profifußball verschlagen. Dabei begann seine Laufbahn als Fußballer relativ spät, denn erst mit 10 Jahren schloss er sich seinem Heimatverein, dem FC Kitzbühel an. Was als Leidenschaft begann, wurde bald von Scouts anderer Vereine mit Interesse beobachtet. Nach seinem Wechsel im Sommer 2008 in die Jugend des FC Wacker Innsbruck, folgte schließlich ein Jahr später sein erster Profivertrag für den FC Wacker. Der damals 18-jährige Hinterseer kam allerdings die folgenden zweieinhalb Jahre kaum im Profiteam zum Zug und wurde vermehrt in der 2. Mannschaft in der Regionalliga eingesetzt. Dort schaffte es der Offensivallrounder in 51 Spielen immerhin auf beachtliche 23 Tore und wurde somit auch für andere österreichische Mannschaften interessant. Nach zwei Kurzleihen in die zweithöchste österreichische Liga zum FC Lustenau (15 Spiele/3 Tore/1 Assist) und First Vienna FC (18 Spiele/2 Tore) kehrte der nun gereifte Stürmer zur Profimannschaft von Innsbruck zurück. In den folgenden eineinhalb Jahren entwickelte er sich dort zu einem wichtigen Stammspieler und schließlich zum Kapitän seiner Mannschaft, für die er wettbewerbsübergreifend 49 Spiele bestritt (16 Tore/4 Assists). In dieser Zeit konnte man vor allem auch seine Flexibilität bestaunen, der Jungprofi wusste auf allen Offensivpositionen (LA, RA, OM, HS, MS) nachhaltig zu überzeugen. Seine unbestrittenen Qualitäten wurde im November 2013 auch mit seinem Debut im österreichischem A-Nationalteam honoriert.

„Was mir noch mehr gefällt als die Tatsache, dass er gut Fußball spielt, ist die Tatsache, wie er für die Mannschaft arbeitet. Er hat fast in jedem Spiel die besten Sprintwerte, nicht vom Tempo her aber von der Anzahl. Und das ist für mein laufintensives Spiel vorne unglaublich wichtig, weil er durch sein ständiges Anlaufen immer wieder für Unruhe beim Gegner sorgt. Er hat von der Statur her eine ideale Figur für einen Mittelstürmer, weil er nicht zu zentral bleiben muss und weitere Wege gehen kann. Und er weiß wo das Tor steht. Das ist eine verdammt dramatisch gute Kombination, die dafür sorgt, dass er Tore macht. Das ist top.“

– Ralf Hasenhüttl im Winter 2014 über Lukas Hinterseer

Der Wechsel nach Deutschland

Kein Wunder also, dass im Sommer 2014 für den damals ablösefreien Spieler ein ambitionierter Verein aus der 2. deutschen Bundesliga anklopfte. Mit Ingolstadt begann es für Hinterseer auch äußerst vielversprechend: Stammspieler, 9 Tore, Aufstieg in die erste Bundesliga und höchste Lobe vom Trainer Hasenhüttl. Auch in der ersten Liga begann der polyvalente Stürmer unter Hasenhüttl meistens als Stammspieler. Im Laufe der Saison 15/16 wurden allerdings die Einssatzzeiten etwas geringer, was sich auch in der Folgesaison unter Markus Kauczinski nicht großartig ändern sollte. Spätestens unter Maik Walpurgis zählte Hinterseer schließlich nicht mehr zum Stammpersonal und kam dabei in den letzten 11 Spielen lediglich 37 Minuten zum Einsatz. Der Wechsel des österreichischen Nationalspielers (12 Einsätze, letztes Spiel für die Nationalmannschaft im November 2016) war somit die logische Konsequenz. Dabei hatte der VfL auch namenhafte und vor allem finanzstarke Konkurrenz. Bereits im Winter wurde über ein Angebot aus Fernost spekuliert. Laut Hinterseer wäre ein solcher Wechsel nicht „wegen dem Gewinn der Meisterschaft“ zustande gekommen, sondern lediglich des Geldes wegen. Letztendlich blieb Hinterseer, der nach eigenen Aussagen ein Familienmensch ist, bekanntlich über die Winterpause hinaus bei Ingolstadt und erfüllte dort seinen auslaufenden Vertrag. Im Sommer kam dann eine Anfrage von Austria Wien, doch Hinterseer entschied sich gegen die sichere Europa League Teilnahme und für den VfL Bochum und die 2. Bundesliga.

Foto: Tobias Klenze, Wikimedia Commons, CC-BY-SA 4.0

Doch was genau erwartet die Bochum Anhänger? 

Mit über 1,90 m verfügt Hinterseer nicht nur über Gardemaße für einen Mittelstürmer, sondern überzeugt vor allem durch seine laufintensive Spielweise. Nicht verwunderlich, dass er die beste Phase seiner Karriere unter dem „Pressingfanatiker“ Ralf Hasenhüttl hatte. Auch Verbeek legt bekanntermaßen großen Wert auf das Spiel gegen den Ball und somit würde es nicht verwundern, wenn Hinterseer auch den holländischen Fußballexperten von sich zu überzeugen weiß. Zwar lassen seine Torquoten aus der Vergangenheit noch etwas Luft nach oben, gleichwohl weiß der Nationalstürmer mit dem Ball umzugehen. Zudem hat er mit Verbeek einen Trainer, der ihm eine feste, auf Bewegung basierende Struktur bieten kann, was ihm durchaus zugutekommen dürfte. Dennoch bleibt natürlich abzuwarten, ob er in Bochum der gewünschte 10+ Tore Spieler werden kann. Gleiches gilt für die Position, die er im beim VfL einnehmen soll. Hierbei scheint es vor allem eine Frage des Systems zu sein. Im 3-5-2 wäre er wohl der ideale Mann für das Sturmzentrum. Ob hängende Spitze oder ganz vorne, durch ständiges Anlaufen der Defensivspieler und den vielen Sprints ohne Ball zwingt er die Gegner zwangsläufig zu Fehlern und schafft die nötigen Freiräume für seine Nebenmänner – ohne dabei selbst die eigene Torgefahr vermissen zu lassen. In einem 4-2-3-1 käme der Österreicher auch als alleinige Spitze in Frage, was er unter anderem mit seinen Leistungen in Ingolstadt schon unter Beweis gestellt hat. Mit Mlapa, Diamantakos und Wurtz wäre die Konkurrenz allerdings riesig und es wäre kaum vorstellbar, dass drei der genannten Spieler Platz auf der Bank nehmen. So erscheint für dieses System auch eine Position auf den Flügeln als echte Option. Zumal Hochstätter Hinterseer keinesfalls auf die Position des Mittelstürmers limitiert, sondern ihn als „im Angriff variabel einsetzbar“ erachtet. Somit bleibt es spannend auf welcher Position Cheftrainer Verbeek sich am meisten von dem Neuzugang erwartet – womöglich abhängig von Gegner und System. Gerade aber diese Flexibilität, der unbändige Wille alles aus sich heraus zu holen und seine internationale Erfahrung könnten Lukas Hinterseer durchaus schon jetzt zum Königstransfer dieses Sommers machen.

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