Der VfL Bochum verliert in Dresden mit 2-0 und verpasst es, den Klassenerhalt (fast) perfekt zu machen. Viele personelle Ausfälle, individuelle Schwächen und Entscheidungen von Uwe Rösler, die zumindest vielen Teilen der Anhängerschaft eher Fragezeichen ins Gesicht werfen. Ein Meinungsbild.
Tobias Wagner – Zwischen „Heavy Metal“ und Domino-Effekt: Warum uns in Dresden die Kontrolle entglitt
Während das 4:1 gegen Braunschweig noch wie der perfekte Plan wirkte, fühlte sich die Niederlage in Dresden wieder wie der klassische Rückfall in die Bochumer Achterbahnfahrt an. Wir spielen unter Uwe Rößler momentan einen extrem vertikalen Stil, den ich als eine Art „Heavy Metal“ bezeichnen würde. Wir setzen alles auf schnelle Bälle über die Flügel oder lange Schläge, um dann über die zweiten Bälle Druck zu machen. Das Problem dabei: Dieser Ansatz macht die Spiele unglaublich chaotisch und unkontrolliert. Wenn dann mit Hofmann noch der Zielspieler fehlt, dann wird es problematisch.
In der ersten Liga war das als Außenseiter eine adäquate Taktik, um durch viel „Zufall“ Punkte zu klauen. In der zweiten Liga wollen wir aber eigentlich konsequent gute Leistungen sehen. Aktuell schaffen wir es jedoch nicht, das Spiel zu beruhigen. Sobald wir – wie in Magdeburg oder Dresden – früh in Rückstand geraten, fehlen uns die Mittel.
Besonders bitter war die Entstehung des ersten Gegentores. Nach dem zentral orientierten Ansatz gegen Braunschweig gab es wieder schiefes Pressing aus der Phase davor: Miyoshi agierte als höchster Spieler und Olsen rückte extrem weit auf, um den Raum dahinter zu besetzen. Doch dann passierte das, was ich den Domino-Effekt nenne: Ein einziger Einwurf der Dresdner über zwei Köpfe hinweg reichte aus, um unser gesamtes System auszuhebeln. Plötzlich waren Miyoshi und Olsen aus dem Spiel. Am Ende stand Morgalla auf der anderen Seite völlig allein und musste einen riesigen Raum verteidigen, wodurch er seinen Mitspieler aus den Augen verlor.
Für die Vorbereitung auf Fürth sollte der Fokus trotz der Gegentore auch wieder mehr auf der Offensive liegen. Wir erarbeiten uns zwar viele Durchbrüche über außen, besonders durch Holtmann, machen aber zu wenig daraus. Die Konsequenz, die wir zu Beginn unter Rösler bei der Strafraumbesetzung hatten, ist uns komplett abhanden gekommen.
Die Rückkehr von Philipp Hofmann macht etwas Hoffnung. Er macht die Bälle fest und verteilt sie klug. Spieler wie Marshall oder Onyeka agieren mir aktuell zu wild. Vor allem Onyeka war im Spiel gegen Dresden ein „Ego-Shooter“, der den Ball zu selten abspielte.
Ansonsten rechne ich kommenden Spieltag zu Hause mit hohem Pressing, um deren gute Fußballer gar nicht erst ins Spiel kommen zu lassen, und weiterhin mit einem sehr direkten Spielstil von uns. Absteigen werden wir mit diesem „Heavy Metal“ wahrscheinlich nicht, für uns anspruchsvolle Fans bleibt es allerdings eine nervenaufreibende Fahrt.
Matthias Rauh: Der Blick auf die Aufstellung sorgte bereits vor Anpfiff für Stirnrunzeln: Kein Hofmann, kein Loosli und dann musste auch noch Morgalla positionsfremd für den kurzfristig ausgefallenen Wittek einspringen. Damit fehlte nicht nur der beste Torschütze der Rückrunde, der gegen Braunschweig noch geglänzt hatte – Trainer Uwe Rösler war auch gezwungen, die halbe Defensive umzubauen. Mit Morgalla links, Olsen rechts und Masovic im Zentrum, die so in der Saison auch noch nicht spielten, war die Abstimmung schwierig. So war es prompt Bobzien (einer meiner Scoutingbericht-Vorschläge), der über außen durchbrach und im Rückraum für Ceka auflegte, der uns das 0:1 einschenkte. Zwar übernahm der VfL im Anschluss das Kommando und erarbeitete sich bis zur Pause ein deutliches Chancenplus, doch die Kaltschnäuzigkeit vor dem Tor fehlte.
Sportlich verstehe ich Röslers Idee in der Zentrale nicht: Bero und Pannewig passen schlicht nicht zusammen, beides sind Box-to-Box-Spieler, beiden fehlt der klare Ankerpunkt vor der Abwehr. Hinzu kam in Dresden, dass Masovic eine unfassbar schwache Saison spielt und auch Olsen in Dresden einen schwachen Tag erwischt hat. Dazu noch die ganzen Ausfälle in einem eh nicht idealen Kader. Im nächsten Spiel muss der VfL endlich den Deckel draufmachen, drei Punkte holen und einen Schlussstrich unter diese Saison ziehen. Diese Spielzeit hat einfach nur Nerven gekostet.
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