Am 21. Spieltag der zweiten Fußball-Bundesliga erspielte der VfL Bochum ein Unentschieden im Auswärtsspiel bei Preußen Münster. Unter beißendem Flutlicht trennten sich schwarz-weiß-grün und blau-weiß nach einem unterhaltsamen Freitagabendspiel im Preußenstadion mit 1:1. Damit ließen die Jungs von der Castroper Straße die Chance, sich tabellarisch in Richtung oberer Gefilde zu orientieren, ungenutzt. Vermieden jedoch auch, punkt- und tatenlos einen Rückschritt in Richtung des Tabellenkellers zu riskieren. Ein Resümee.
Im Anschluss an den wohltuenden Derbysieg der letzten Woche sah Coach Uwe Rösler keinen Grund, die ins Rennen geschickte Truppe systemisch und personell zu verändern. So erhielten Callum Marshall, Gerrit Holtmann und Koji Miyoshi noch einmal die Chance, sich in der Startelf zu zeigen und mit der Geschwindigkeit, Passgenauigkeit und Spritzigkeit der Vorwoche gewinnbringend ins Offensiv- und Aufbauspiel einzubringen.
Den Rest des Teams formierte die altbekannte Besatzung. Timo Horn in der Kiste, Leandro Morgalla, Philipp Strompf, Noah Loosli und Maximilian Wittek in der Viererabwehrkette. Cajetanz Lenz als alleiniger Sechser, Francis Onyeka als Spielmacher auf der Acht und Philipp Hofmann als physisch orientierter zweiter Angreifer neben dem eher technisch wirbelnden Marshall.
Schwankender erster Spielabschnitt
Nachdem sich der Gast und sein Geber zunächst abtasteten, hatte der VfL aus Bochum die erste große Möglichkeit, in Führung zu gehen. Nach feiner Flanke von Marshall vom linken Halbflügel scheiterte Miyoshi, im eins gegen eins flach abschließend, an Preußens Schlussmann Johannes Schenk. Wenig später jagte Holtmann von der linken Seite einen Abschluss in Richtung des kurzen Ecks, den Schenk erneut parierte. Auch eine Mehrzahl sich wiederholender Ping-Pong-Abschlüsse nach einer Ecke fand nicht den Weg ins Tor.

Diesen fand jedoch der Lupfer von Imad Rondic in Minute 35. Mit einem Steckpass von Jorrat Hendrix, der unsere Defensivreihe durchdrang, wie es eine warme Messerklinge mit einem Block in der Sonne aufgeweichter Butter tut, in Szene gesetzt, ließ er Horn im Abschluss keine Chance zur Abwehr. Eine weitere Großchance nach einem Eckball jagte eben jener Rondic kurz zuvor knapp über das linke Toreck.
So ging es mit einem 0:1 Rückstand in die Kabine. Mit schmerzhaft halbtaub eingefrorenen Zehen sahen wir aus dem Auswärtsblock nicht nur den einsamen Ordner inmitten der Banner der Hellmich Unternehmensgruppe auf der leeren Stehtribüne der Preußen. Wir sahen in der ersten Hälfte auch einen VfL, der eine starke Anfangsviertelstunde nicht mit Zählbarem belohnen konnte und den Münsteranern die Chance bot, gemächlich und zunehmend selbstsicher ins Spiel zu kommen. Und letztendlich in Führung zu gehen.
Aufwind und eine teilweise Belohnung in Halbzeit zwei
Das Gesicht unserer Jungs sollte im zweiten Durchgang ein anderes sein. Aktiver, präsenter und zielstrebiger forcierte der VfL den Ausgleich. Zunächst bugsierte Miyoshi eine Flanke von Holtmann knapp über den linken Giebel. Wenig später donnerte Holtmann einen Abschluss, bedrängt durch die Münsteraner Defensive, Goalie Schenk an die Brust.

Besser machte es Miyoshi bei seinem erneuten Abschluss in Minute 60. Nach Hofmanns Querablage an der Sechzehnerkante per Kopf schnitt er die Kugel per Innenrist in die linke untere Torecke. Schenk kam nicht dran, das Netz krachte – 1:1.
Von da an sahen wir ein Spiel mit offensiv orientiert geöffnetem Visier von beiden Teams. Horn faustete einen Abschluss von Torge Paetow um den Pfosten herum. Der eingewechselte Moritz-Broni Kwarteng konnte seinen Abschluss nur in Schenks Arme stochern. Vereinzelte Abschlüsse und Chancen auf beiden Seiten.
In der 93. trat er fast noch ein, der Moment, der jedes Fußballherz rasen lässt: Der Siegtreffer nach einem knapp umkämpften Spiel in der Nachspielzeit. Farid Alfa-Ruprecht setzte sich temporeich stark über den linken Flügel durch und legte quer in die Mitte. Ebenfalls eingewechselt bekam Neuzugang Oliver Olsen den Ball auf den Fuß. Gut angenommen und wohl durchdacht, wollte er ins linke untere Eck abschließen – schoss jedoch genau in die Füße des herein laufenden Jano ter Horst.
So war ein laut raunender Aufschrei des Nicht-Wahrhaben-Wollens aus den mitgereisten Bochumer Kehlen der letzte Laut vor dem Abpfiff von Schiedsrichter Patrick Alt, der das Endergebnis der Punkteteilung besiegelte.
Okay – nicht mehr, nicht weniger
Was machen wir nun mit diesem Punkt? Auf jeden Fall nehmen. Das achte ungeschlagene Spiel in Folge. Der (vorerst, da die direkte tabellarische Konkurrenz noch nicht komplett gespielt hat) achte Tabellenplatz. Ein für sein erstes Spiel stark aufspielender fest verpflichteter Spieler in Person von Olsen.
Klingt gut.
Ein Punkt gegen einen gegen den Abstieg spielenden Konkurrenten. Das Liegenlassen dreier nahezu hundertprozentiger Chancen, bei denen unsere Jungs im eins gegen eins zum Abschluss kamen. Nur ein Tor und Punkt bei spielabschließenden Statistikwerten von 15:9 Torschüssen, 1,83:1,46 xGoals und 60% Ballbesitz zu unseren Gunsten.
Klingt nicht so gut.
Für mein Empfinden war mehr drin. Zwar hatte Münster die Gelegenheiten, größeren Ertrag herauszuschlagen – die hatten wir jedoch auch. Und das, meines Erachtens nach, im ausgeprägteren Maße. Ärgerlich, dass keine der drei Großchancen aus den eins gegen eins Situationen für ein zweites und spielentscheidendes Tor genutzt werden konnte.
Jedoch gilt auch da, wie so oft im Leben: Das ‘Scheitern’ des Einen beinhaltet zugleich die Fähigkeit des Anderen. So komme ich an dieser Stelle nicht darum herum, zu erwähnen, dass ich Gegnertorwart Johannes Schenk am Freitagabend extrem stark fand.
Positives zum Mitnehmen
Nu denn, ein Punkt ist ein Punkt. Nachdem wir zuletzt aus den Spielen gegen die drei Spitzenpositionen der Liga zwei Unentschieden und einen Sieg geholt haben, ist es in Ordnung, dass in Münster kein Dreier drin war.
Gut gefallen hat mir erneut das starke Umschaltspiel Callum Marshalls. Die minimale Verarbeitungs- und Umsetzungszeit, die er benötigt, um einen Ball aus der Defensive anzunehmen, sich zu drehen, einen Mitspieler zu sehen und diesen in Szene zu setzen, ist stark. Und kann ein Gamechanger zu unserem Vorteil in den restlichen Saisonspielen werden. Ebenso das Tempo und der Wille des wieder auflaufenden Gerrit Holtmanns und die, zuletzt durch Tore gekrönte, Spielintelligenz Miyoshis. Diese Aspekte sind wichtig und können in kommender Zeit zum hoffentlich eintretenden Festigen eines einstelligen Tabellenplatzes beitragen.
Am kommenden Spieltag gastiert der um den Aufstieg mitspielende SC Paderborn an der Castroper Straße. Hier können (beziehungsweise müssen) sich die von Rösler dirigierten Jungs erneut einer Reifeprüfung stellen, im Zuge derer sie sich möglichst wenige Fehler erlauben und den Fokus auf gelingende Sequenzen – so klein oder groß diese auch sein mögen – legen müssen. Mit dem Gesang des vollen Ruhrstadions und der Erinnerung an den Heimsieg gegen Schalke im Rücken sehe ich (zumindest den psychologischen) Vorteil auf unserer Seite.
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