Nach spielerisch starken 80 Minuten und einer 2:0-Führung gegen den FC St. Pauli nahm man am ersten Spieltag nur einen Punkt mit. Der VfL Bochum hatte sich deshalb beim Auswärtsspiel gegen den Karlsruher SC vorgenommen, über 90 Minuten das Spiel zu bestimmen und mögliche Punkte nicht aus der Hand zu geben. Das gelang nicht so wie erwartet, trotzdem können nicht nur Schönredner aus diesem Spiel positive Erkenntnisse für die Entwicklung der Mannschaft ziehen.
Nach dem Heimspiel gegen St. Pauli sprach Robert Zulj davon, dass die Mannschaft die Ordnung und den Zugriff auf das Spiel verloren hätte und in die alten Muster der letzten Saison verfallen wäre, als der VfL reihenweise die Spielkontrolle aus der Hand gab und damit regelmäßig hart erkämpfte Punkte herschenkte. Gegen den KSC wollte man dementsprechend an die Phase nach dem Re-Start anknüpfen, als man konstant punktete und sich nicht aus der Ruhe bringen ließ.

Gegen die Badener trat man nicht so spielbestimmend auf wie gegen St. Pauli, was auch daran lag, dass KSC- Trainer Eichner seine Mannschaft gut auf das Spiel des VfL eingestellt hatte. Zusätzlich zum hohen Pressing im 4-3-3 gesellte sich eine Manndeckung für Robert Zulj, was das kreative Offensivspiel nicht so zur Entfaltung kommen ließ wie zuletzt. In Ballbesitz versuchte der KSC schnell mit langen Bällen oder über die Außen das Mittelfeld zu überbrücken, um so Lücken in die Bochumer Defensive zu reißen. Wie schon St. Pauli zog man sich im Aufbau sehr tief zurück, um die Bochumer herauszulocken, und Entscheidungskonflikte zwischen riskantem hohen Pressing und stabiler Kompaktheit zu erzeugen.
Auch Zoller hat ’nen feinen Fuß
Die Bochumer taten sich entsprechend mit dem Zugriff und auch bei eigenem Ballbesitz schwer, gelungene Aktionen und Ballstafetten wurden durch Ungenauigkeiten und leichte Ballverluste gestört, gerade im letzten Drittel fehlte die Genauigkeit. Ein weiter Abschlag von Manuel Riemann, der Hinterkopf von Silvère Ganvoula und ein feiner Heber von Simon Zoller sorgten dann jedoch nach 15 Minuten dennoch für Jubel im Bochumer Lager. Hier wurde dem KSC nun selbst die hohe Linie gegen den tiefen Aufbau des VfL zum Verhängnis.
„Da vorne steht bei denen Bundesliga-Qualität“, schätzte der Trainer des Karlsruher SC, Christian Eichner, unsere Offensive schon vergangene Saison in der Badische Neuste Nachrichten ein.
In der Folge ändert sich das Bild kaum: Der KSC lief an, presste früh, kam viel über die Außen, agierte jedoch beim Torabschluss auch aus aussichtsreicher Position überhastet und ohne das nötige Fortune. Ein Kopfball von Babacar Guèye klatschte ans Lattenkreuz.
Der VfL lässt sich nicht aus der Ruhe bringen
Auch nach einer kuriosen gelb-roten Karte für Gerrit Holtmann und der verletzungsbedingten Auswechslung von Danilo Soares nach einem giftigen Zweikampf gab der VfL seine Grundordnung nicht auf (nun im 4-4-1, später sogar im 4-2-3-0) und ließ sich weder durch das Heimpublikum noch durch Nebenschauplätze abseits des Balles von seiner Linie abbringen.

Die Flanken des KSC landeten regelmäßig in den Armen von Manuel Riemann und auch den ein oder anderen Entlastungsangriff konnte man fahren. Hier verpasste man jedoch die Chance, mit geduldigem Ballbesitz Zeit von der Uhr zu nehmen. Die schnellen Angriffe hatten zwar gegen die riskante Restverteidigung des KSC durchaus Potenzial für Torchancen, bedeuteten jedoch auch nur wenig Zeit zum Verschnaufen bis zum nächsten Angriff des KSC.
War man in den letzten zehn Minuten gegen den FC St. Pauli vielleicht zu sicher und selbstbewusst, die drei Punkte zuhause zu behalten, agierte man gegen den KSC so als wäre man sich seiner eignen Stärken bewusst, aber nicht überheblich und tat auch alles dafür die drei Punkte mit nach Hause zunehmen.

Erkenntnis: Es geht auch dreckig!
Am Ende stand ein Sieg, der sicher nicht schön anzusehen war, aber an dessen Ende die Erkenntnis steht, dass sich die Mannschaft nicht aus der Ruhe bringen lässt, wenn auch mal die Genauigkeit und Passsicherheit fehlt. Das zeigt, dass unser Team sich seiner neu gewonnen Stärke bewusst und als Einheit zusammen gewachsen ist. Anders als in der letzten Saison, wo es im Strafraum teilweise lichterloh brannte und Führungen regelmäßig verspielt wurden.
Auch der eingewechselte Danny Blum und der oft launige Silvère Ganvoula, die in der Vergangenheit für die ein oder andere Eigenheit von Trainer Thomas Reis einen Denkzettel bekamen, ackerten für das Kollektiv. Nur Tarsis Bonga sollte schnell noch einen Intensivkurs in unser Pressing bekommen. Er wirkt noch überfordert und weiß selten wie er sich positionieren oder anlaufen soll. Sollte man die spielerische Komponente vom ersten Spieltag und den Kampfgeist dieses Auswärtsspiels vereinen können, ist auch im Heimspiel am nächsten Freitag gegen den anderen VfL von der Bremer Brücke Etwas zu holen.
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