Wenn es regnet und stürmt, kommen einem auch schon einmal schmerzhafte Erinnerungen in den Sinn. Foto: Tim Kramer (Tremark Fotografie)

Wer 2:0 führt, der manchmal verliert – Heute vor 25 Jahren: Ein kurioses Gastspiel in Mainz

Es gibt Spiele, die einem in Erinnerung bleiben. Entweder weil das eigene Team eine überragende Leistung auf den Platz bringt und den Gegner an die Wand spielt oder weil das genaue Gegenteil der Fall ist. Und dann gibt es Spiele, in deren Verlauf das Team zwei Gesichter zeigt. Solche Partien lieferte der VfL nicht nur in der nahen Vergangenheit, sondern auch schon im letzten Jahrtausend ab. Weshalb wir VfL Fans auch bei (hohen) Führungen skeptisch bleiben. 

Auf dem Weg zum ersten direkten Wiederaufstieg kam es heute vor 25 Jahren am 25. Spieltag der Saison 1993/94 zu einem kuriosen Spiel am Mainzer Bruchweg. Der souveräne Tabellenführer VfL Bochum gastierte damals beim Tabellen-8. und ging somit als Favorit in die Partie. Der FSV Mainz war seinerzeit ein festes Mitglied der 2. Bundesliga und dümpelte Jahr für Jahr im grauen Mittelfeld herum. Zwar gehörten mit Jürgen Klopp und Ansgar Brinkmann zwei Spieler zum Mainzer Kader, die sicherlich nicht als unauffällig zu bezeichnen sind, doch hatte der Club aus der Karnevalshochburg noch nicht die Strahlkraft, die er seither entwickelt hat.

Die Mainzer Legenden Klopp (Rechts) und Buvac (Bildmitte) zusammen mit dem heutigen Düsseldorfer Vorstand Sport Lutz Pfannenstiel. Foto: Nadine Winter (Wikimedia Commons)

Der VfL legte los wie die Feuerwehr

An diesem 27. März 1994 brauchte der VfL noch nicht mal 120 Sekunden, um mit 2:0 in Führung zu gehen. Ein echter Blitzstart also. Uwe Wegmann, ob seiner allgäuer Herkunft mit dem Spitznamen Alpenbomber ausgestattet, hatte einen Doppelpack geschnürt und seine Mannschaft an diesem sonnigen Sonntag auf die Siegerstraße gebracht. Aber der VfL Bochum wäre nicht der VfL Bochum, wenn er trotz eines solchen Traumstarts nicht doch noch in Schwierigkeiten geraten sollte.

Und genau so kam es dann auch. Bereits zur Halbzeit hatten die Mainzer vor 6.500 Zuschauern den Rückstand egalisiert, bevor sie nach einer knappen Stunde sogar in Führung gingen. Auf Mainzer Seite trafen zwei Spieler, die später als Trainer Bekanntheit erlangen sollten: Zeljko Buvac, langjähriger Co von Jürgen Klopp in Mainz, Dortmund und Liverpool, sowie David Wagner, später Trainer der BVB-Amateure und beim FC Huddersfield in der Premiere League tätig. Auf Seiten der Bochumer blieben lange Gesichter an diesem Tag.

Uwe Wegmann (hier eine Aufnahme vom Legenden-Treffen 2016) war mit seinen 22 Toren maßgeblich am Wiederaufstieg beteiligt. (Foto: Stephan Kottkamp).
Uwe Wegmann (hier eine Aufnahme vom Legenden-Treffen 2016) war mit seinen 22 Toren maßgeblich am Wiederaufstieg beteiligt. Foto: Stephan Kottkamp (einsachtvieracht)

Freu und Leid sind in Bochum stets eng miteinander verknüpft

Als leidgeprüfter Bochumer, kann einem so ein Ergebnis aber nicht aus der Bahn werfen. Denn trotz der schmerzhaften und unnötigen Niederlage führte der VfL weiterhin die Tabelle der 2. Bundesliga vor Uerdingen und St. Pauli an. Und auch in den noch ausstehenden 13 Partien ließ sich das Team von Trainer Jürgen Gelsdorf die Tabellenspitze nicht mehr nehmen. Alpenbomber Uwe Wegmann avancierte zudem mit insgesamt 22 Treffern zum Torschützenkönig. Und so konnte im Mai 1994 der direkte Wiederaufstieg gefeiert werden. Aber das ist ein anderes Thema und wird an anderer Stelle noch ausführlich gewürdigt werden.

Der VfL spielte mit: Andreas Wessels – Christian Herrmann, Rob Reekers, Jörg Schwanke, Uwe Stöver – Markus von Ahlen, Max Eberl, Peter Peschel, Uwe Wegmann, Dariusz Wosz – Thordur Gudjonsson

Stephan Kottkamp

Stephan Kottkamp

Meine Liebe zum VfL hat ganz klassisch angefanegen. Im Mai 1986 hat mich mein Vater zum ersten Mal mit ins Ruhrstadion genommen. Der VfL spielte gegen die Bayern und holte ein 1:1-Unentschieden (Tore: Frank Benatelli und ein gewisser Lothar Matthäus). Seither war ich unzählige Male im Ruhrstadion und erinnere mich am liebsten an die Zeit unter Klaus Toppmöller. Auch deshalb zählt Fußballgott Thomas Stickroth für mich zu den größten VfLern aller Zeiten.

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