Dutt stellt die Weiche auf Erstrundenaus in Flensburg

Der Pokal behält seine eigenen Gesetze. Robin Dutt und das Trainerteam des VfL Bochum fanden zu keinem Zeitpunkt eine Antwort auf den schlechten Rasen und die physische Präsenz der Regionalistenligisten von SC Weiche Flensburg 08. War die erste Halbzeit mit dem Gegentreffer aus dem ersten Torschuss der Nordlichter noch unglücklich, so resultierten die Umstellungen in einem völlgen Kontrollverlust und einer verdienten Niederlage.

Aufgrund von Ausfällen und Sperren konnte unser Cheftrainer nicht auf seine erste Elf zurückgreifen. Sebastian Maier erwischte direkt nach dem Trainingseinstieg nach überstandener Knieverletzung die Grippe. Robbie Kruse war aufgrund von vorväterlichen Pflichten verhindert. Jan Gyamerah und Sidney Sam waren gesperrt. Kruse wurde von Tom Weilandt ersetzt, während Milos Pantovic für Sam aus dem Zentrum in den linken Halbraum auswich. Die freie Position übernahm Silvère Ganvoula, was eine Umstellung auf ein 4-2-2-2 mit sich brachte.

Grundformationen zu Spielbeginn

Als wäre dies nicht genug, so warf Robin Dutt auch noch auf anderen Positionen die Rotationsmaschine an. Robert Tesche machte Platz für Youngster Vitaly Janelt, Timo Perthel übernahm für Danilo Soares. Gegen den Ball gab es das übliche 4-4-2 zu sehen. In Ballbesitz ließen sich entweder Janelt oder Losilla fallen, um ein 3-1-4-2 zu bilden. Weilandt und Pantovic rückten in die Halbräume ein, während die Außenverteidiger weit vorrückten, um die Breite in der Offensive zu geben.

Foto: einsachtvieracht

Schlechter Rasen und fehlendes Gegenpressing

Es war schnell klar, dass der Rasen es nicht zulässt, das 5-3-2 des kompakten Gegners auseinander zu kombinieren. Bei jedem Pass hoppelte der Ball und der lange Rasen nahm das Tempo aus dem Spiel. Dementsprechend war Physis und Spielkontrolle durch Zweikämpfe gefragt. Zwei Aspekte, die VfL nie ausreichend aufbauen konnte.

Spieler wie Pantovic und Weilandt sind perfekt für die eingerückte Rolle im 3-1-4-2 geeignet. Die Stärken der beiden liegen jedoch im Kombinations- und Bewegungsspiel, nicht im physischen Zweikampf. Nach einer ersten Platzbegehung hätte Dutt klar sein müssen, dass in diesem Spiel alles über zweite Bälle gehen wird – also die Kontrolle der herausgeköpften langen Bälle und Flanken im Rückraum. Diese Zone war in Bochums Formation jedoch ein riesiges Loch (siehe rote Fläche in der Taktikgrafik). Weilandt und Pantovic versuchten auf den Außen, mit den ausweichenden Stürmern und den hohen Außenverteidigern Kombinationen zu starten. Janelt oder Losilla kippten tief ab. Das Zentrum war bis auf den verbleibenden Sechser, der sich zudem nah an den Verteidigern hielt, komplett leer.

Foto: Tim Kramer (Tremark Fotografie)

Neben den zweiten Bällen litt auch das Gegenpressing. Die Gruppen von 2-3 Leuten im Halbraum setzten zwar engagiert nach, waren jedoch isoliert von der restlichen Mannschaft. Selbst für den Viertligisten war es somit leicht, den Weg an der ersten Druckwelle vorbei zu finden. Eine direkte Ballrückeroberung fand quasi nie statt. Die Konter waren aufgrund der guten Restverteidigung zwar so gut wie nie ein Problem. Der Ballvortrag musste jedoch wieder aus der eigenen Verteidigung beginnen.

Mit den Wechseln stellt Dutt die Weiche auf Aus

In den ersten Minuten der zweiten Halbzeit sah es kurz so aus als hätte unser Cheftrainer die Probleme erkannt. Die Mannschaft agierte auch in Ballbesitz kompakter, was in besserem Zugriff im Gegenpressing resultierte. Dies hielt jedoch nur wenige Minuten an. Baris Ekincier kam für Tom Weilandt und interpretierte seine Rolle deutlich breiter. So kam er zwar einmal zur Grundlinie, die Präsenz um Zentrum wurde jedoch weiter reduziert. Als dann im zweiten Wechsel mit Vitaly Janelt der präsenteste Zentrumsspieler für den Stürmer Johannes Wurtz weichen musste, war klar, dass nun die Brechstange ausgepackt wird. Der physisch schwache Pantovic und unser tapferer Captain Anthony Losilla kämpften von nun an gegen bis zu fünf Flensburger auf verlorenem Posten. Daran konnte auch das kurze Experiment mit Soares auf der Acht nichts ändern, was dann auch nach nur 2-3 Minuten wieder aufgegeben wurde. Der Brasilianer war für Pantovic gekommen und besetzte anschließend mit Perthel die Breite doppelt, um Flanken zu schlagen. Ganvoula allein konnte jedoch die langen Bälle nicht gegen 8 Flensburger ins Tor bringen. Lukas Hinterseer läuft in dieser Saison noch seiner Form hinterher.

Kommt in dieser Spielzeit noch nicht in Schwung – Lukas Hinterseer. Foto: Tim Kramer (Tremark Fotografie)

 

 

 

Fazit

Der VfL konnte das Spiel nie wirklich kontrollieren. Der schlechte Rasen führte zu einer Physisschlacht, in der mit den Sprintern Gyamerah und Kruse entscheidende Waffen fehlten. Länge Bälle ohne Präsenz im Rückraum sind zum Scheitern verurteilt. Anstatt diesen Missstand zu erkennen, verschlimmerte Dutt ihn noch. Es bleibt nur zu hoffen, dass es mit Maier, Kruse und einem Profifußball-tauglichen Rasen schnell wieder anders aussieht. Das war einfach nur peinlich!

Tobias Wagner

Tobias Wagner

Ich bin seit meinem fünften Lebensjahr Fan des VfL. Die Hochzeiten des Vereins mit den beiden UEFA-Cup Teilnahmen habe ich in meiner Jugend live miterlebt. Von da an war klar - für mich gibt es nur den VfL. Die Jungs von Spielverlagerung weckten meine Begeisterung für die Taktikanalyse. Auf erste Taktikanalysen, die noch direkt an den VfL versendet wurden, folgte der Blog "Blau-weiße Taktikecke". Später wurde ich dann selbst Autor bei Spielverlagerung und Trainer verschiedener Jugendmannschaften (U14-U16). Meine Begeisterung für Fußball, Training, taktische Raffinessen und statistische Spielereien möchte ich nun hier mit Euch teilen.

1 comment

  1. Sehr gute Analyse, was mich allerdings erschrocken hat war das fehlende Coaching an der Seitenlinie.
    Ich denke jeder Bochum Fan wusste ab Minute 10 wohin die Reise geht.
    Und das der Platz nicht wirklich bespielt werden konnte wusste man spätestens beim „warmmachen“.
    Systeme hin Systeme her, bei manchen Spielern sollte man sich schon mal die Qualitätsfrage stellen ;).
    Toller Blog, macht weiter so.

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