Der einsachtvieracht-Scouting-Bericht #9

Während der Fußball in Deutschland mittlerweile ruht, hat die heiße Phase für die Sportvorstände gerade erst begonnen. Am 15. Juli öffnete das Transferfenster und ermöglicht dieses Jahr bis zum 05. Oktober neue Spieler zu verpflichten. Mit Tarsis Bonga wurde überraschenderweise direkt der erste interessante Spieler ablösefrei für die offensiven Außenpositionen verpflichtet. Laut einem Interview mit Thomas Reis in der WAZ, ist der VfL weiterhin noch auf der Suche nach einem Innenverteidiger, einem rechten Verteidiger, einen zentralen Mittelfeldspieler und einem Stürmer. Höchste Zeit also, dass wir für euch wieder in unserer „Scoutingabteilung“ aktiv werden und euch Spielervorschläge liefern.

Lasse Sobiech könnte zur Alternative werden, sollte sich Lampropoulos gegen den VfL entscheiden. Foto: dronepicr (wikimedia commons)

Jens Hartenstein: Der Platz in der Innenverteidigung dürfte vermutlich mit Vasilios Lampropoulos an einen alten Bekannten aus der Rückrunde gehen. Der VfL scheint weiterhin an eine feste Verpflichtung des Griechen interessiert zu sein und durch den Abstieg von Deportivo La Coruna ist der Grieche vermutlich ablösefrei verfügbar. Sollte der Transfer wider Erwarten dennoch nicht zustande kommen, wäre mit Lasse Sobiech ein weiterer Routinier verfügbar, der die VfL Abwehr stabilisieren könnte. Sobiech soll den 1. FC Köln verlassen dürfen und wurde im Winter bereits mit dem VfL in Verbindung gebracht. Gerüchten zufolge könnte es bei Sobiech allerdings namhafte Konkurrenz aus Hamburg geben. Sportlich wie finanziell hoffe ich persönlich ohnehin auf eine festen Verpflichtung von Lampropoulos, auch weil selbiger zusammen mit Maxim Leitsch bislang hervorragend harmoniert hat und wohl etwas weniger kosten dürfte.

Jens Hartenstein: Generell dürfte das Geld in diesem Jahr aufgrund der leeren Stadien und geringeren Fernsehgeldeinnahmen recht klamm beim VfL sein, weshalb ich auch auf anderen Positionen im Kader größtenteils von ablösefreien Transfers und Leihspielern ausgehe. In die erste Kategorie würde auch der 23-jährige Rechtsverteidiger Linus Wahlqvist zählen. Aufgrund des Abstiegs von Dynamo Dresden ist der ehemalige Kapitän der schwedischen U21 Nationalmannschaft ablösefrei auf den Markt gekommen. Wahlqvist galt als großes Talent in seiner Heimat und wechselte mit vielen Vorschusslorbeeren in die 2. Bundesliga. Diesen Ruf konnte er bislang zwar nur bedingt gerecht werden, dennoch konnte er sich in Dresden aufgrund seiner guten Grundschnelligkeit, einer hohen Laufbereitschaft und ordentlichen Defensivleistungen als Stammspieler etablieren (siehe GSN Profil). In Bochum könnte er hinter Cristian Gamboa mit weniger Druck auf den eigenen Schultern in Ruhe aufgebaut werden und auf Sicht dessen Position übernehmen. Die Kombination aus jung, viel Profierfahrung und ablösefrei macht ihn sicherlich zu einem Kandidaten den einige Zweitligisten auf dem Zettel haben werden.

Statistisches Spielerprofil von Linus Wahlqvist. Quelle: Global Soccer Network (GSN)
Statistisches Spielerprofil von Linus Wahlqvist. Quelle: Global Soccer Network (GSN)

Sebastian Hettmann: Der Markt für Rechtsverteidiger ist derzeit sehr schwierig und wenig ergiebig. Der von Jens genannte Linus Wahlqvist ist vermutlich der heißeste Kandidat unter den ablösefreien Spielern. Die Variabilität von Wahlqvist könnte ihn auch für die Innenverteidigung interessant machen, sollte uns das Verletzungspech ereilen. Neben Wahlqvist ist die Personalie Gino Fechner spannend. Der ehemalige U20-Nationalspieler entstammt unserem Talentwerk, wechselte dann zu RB Leipzigs A-Jugend und über die zweite Mannschaft der Leipziger nach Kaiserslautern. Beim 1. FC Kaiserslautern konnte er sich in der zweiten Liga durchsetzen und blieb auch nach dem Abstieg in die Dritte Liga, fiel zuletzt jedoch in ein Formloch und wurde nicht mehr berücksichtigt. In diesem Sommer lief der Vertrag vom 22 Jährigen in Rheinland-Pfalz aus. Fechner kann sowohl im zentralen Mittelfeld als auch auf der rechten Abwehrseite agieren und ist mit seiner Mischung aus Alter, Erfahrung und VfL-Vergangenheit jemand, den man als Kaderspieler durchaus in die Mannschaft holen könnte. Gerade im Umschaltspiel ist Fechner mir stark in Erinnerung geblieben und er konnte dort seine Fähigkeiten, gegen den Ball zu arbeiten, gut einsetzen. Nach einer sehr unbeständigen Saison und keiner Berücksichtigung in der Rückrunde wäre Fechner jemand, auf den man wetten müsste. Vermutlich wäre er jedoch eine kostengünstige Wette, um Druck im zentralen Mittelfeld aufzubauen.

Gino Fechner, der selbst während der hohen Belastungen in den Spielen nach Corona keine Chance erhielt, wird den FCK nach drei Jahren verlassen – sein Vertrag läuft aus und er konnte sich nicht für eine Verlängerung empfehlen.“ – Der Betze brennt in deren Artikel zur Personalplanung

Statistisches Spielerprofil von Gino Fechner. Quelle: Global Soccer Network (GSN)

Thorsten Amberge: Überraschenderweise ebenfalls ablösefrei und vereinslos ist Julian Korb, der zuletzt bei Hannover 96 unter Vertrag stand und in der abgelaufenen Zweitligasaison auf 26 Einsätze kam mit einem Tor und vier Vorlagen. Korb wäre ein reiner Rechtsverteidiger, könnte dafür aber mit seiner Vorliebe für das Kurzpassspiel (Rund 80,2% seiner Pässe kommen an, Quelle: Sport) und seine starken Werte bei Key Passes (siehe GSN Profil) aktiver am Spielaufbau teilnehmen als Gamboa (76,51% seiner Pässe kommen an, Quelle: Sport). Seine defensive Unbeständigkeit hat die Karriere in der ersten Bundesliga erschwert und auch in der zweiten Liga zählte Korb nicht zu den besten Zweikämpfern auf seiner rechten Abwehrseite. Lediglich 48,8% seiner Zweikämpfe konnte Korb für sich entscheiden. Zum Vergleich: Gamboa gewann derer 60,9% (Quelle: Sport). Bei Grätschen und abgefangenen Bällen sowie erfolgreichen Defensivaktionen liegt er im Ligadurchschnitt, auch wenn GSN sein Defensivverhalten weiterhin als stark einschätzt.  Die Zeit bei Hannover 96 neigte sich einfach dem Ende zu, der Verein möchte sich erneuern. Nahe seiner Heimat könnte Korb bei uns anne Castroper einen neuen Anlauf nehmen und mit 28 Jahren hat er laut GSN seinen Leistungspeak genau vor sich. Korb wäre ein typischer Transfer für den VfL.

Statistisches Spielerprofil von Julian Korb. Quelle: Global Soccer Network (GSN)
Statistisches Spielerprofil von Julian Korb. Quelle: Global Soccer Network (GSN)

Jens Hartenstein: Robert Tesche und Anthony Losilla werden nicht jünger und ein altersbedingter Einbruch der Leistungen scheint absehbar. Mit Vitaly Janelt steht ein möglicher Nachfolger bereit, der seine Stärken eher als klassischer Box-to-Box Spieler hat. Was noch fehlt ist ein dynamischer Spieler, der es schafft, ein Spiel zu lenken und auf Sicht womöglich gemeinsam mit Janelt unser Zentrum zu prägen. Ein durchaus interessanter Kandidat für diese Position dürfte der nur 1,68 Meter große Vincent Koziello sein. Vor 2 Jahren wechselte der mittlerweile 24-jährige Franzose, für 3 Millionen Euro (Quelle Transfermarkt.de) zum 1. FC Köln in die 1. Bundesliga. In Nizza schaffte er es in jungen Jahren bereits auf 102 Spielen und 12 Torbeteiligungen und beeindruckte mit seiner Ballkontrolle und Spielübersicht. In Köln schaffte es Koziello hingegen bislang nicht, sich trotz teilweiser sehr guter Ansätze durchzusetzen. Mit einer guten Übersicht und Dynamik könnte er in Bochum wieder zu mehr Spielanteilen kommen und an seine Leistungen in Nizza anknüpfen. Dass er für einen Verein wie den VfL mittlerweile erreichbar sein dürfte, zeigt seine jüngste Leihe in die 2. französische Liga. Eine Leihe, bestenfalls mit Kaufoption, wäre hier aufgrund des bestehenden Vertrages in Köln bis 2022 allerdings wohl das einzig finanzierbare Szenario.

Statistisches Spielerprofil von Vincent Koziello. Quelle: Global Soccer Network (GSN)

Moritz Möller: Ein weiterer für uns interessanter und dynamischer Spieler im zentralen Mittelfeld wäre Yassin Ben Balla vom Reviernachbarn aus Duisburg. Der 24 Jahre alte Rechtsfuß wurde beim RC Lens ausgebildet und hat bei Rot-Weiß Oberhausen in der Regionalliga und der dritten Liga beim MSV Duisburg reichlich Erfahrung gesammelt und sich zum Leistungsträger mit höheren Ambitionen entwickelt. In Duisburg hat er sowohl auf der Doppel-Sechs – mit Freiheiten nach vorne – als auch auf der Acht gespielt. Ben Balla übernimmt viele Defensivaufgaben und gilt als gradliniger, schneller Arbeiter mit einem guten Dribbling und immerhin 4 Toren in der letzten Saison. Ein Haken könnte zu einem die Vertragssituation darstellen – womöglich gibt es eine vereinsseitige Option, die RWO aber den Löwenanteil der Ablöse einbringen würde – zum anderen scheint auch bei Hannover 96 starkes Interesse am defensiven Mittelfeldspieler zu bestehen.

Statistisches Spielerprofil von Yassin Ben Balla. Quelle: Global Soccer Network (GSN)

Jens Hartenstein: Manuel Wintzheimer muss den VfL im Sommer wieder verlassen, wie es einst auch beim FC Bayern der Fall war. Wie schon bei den Bayern, könnte in Bochum Fiete Arp auf Wintzheimer folgen. Über Arp muss man in Fußball-Deutschland kaum etwas sagen, auch wenn es im letzten Jahr deutlich ruhiger um ihn geworden ist. Bei den Bayern hat Arp sehr wahrscheinlich keine Aussicht auf Einsatzzeiten in der 1. Bundesliga, nachdem mit Joshua Zirkzee ihm ein noch jüngeres Talent vorgezogen wird. In der 3. Liga konnte er in der abgelaufenen Saison wenigstens in 11 Spielen (3 Tore) seine Treffsicherheit beweisen. Ein Schritt in die 2. Bundesliga würde Arp sicherlich nicht schaden. Analog zu Wintzheimer dürfte dies allerdings ebenfalls nur als Leihe mit weitreichender Gehaltsübernahme des FC Bayern funktionieren.

Statistisches Spielerprofil von Fiete Arp. Quelle: Global Soccer Network (GSN)
Jubelt er bald wieder in blau und weiß? Lukas Hinterseer vor der Ostkurve. Foto: Tim Kramer (VfL Bochum)

Sebastian Hettmann: Ich gehe davon aus, dass uns Silvère Ganvoula im Sommer verlassen wird. Wir werden hoffentlich viel Geld für seinen Transfer einnehmen und benötigen einen Ersatz, der in die Mannschaft passt, bezahlbar ist und gerne in Bochum spielen möchte. Ich bin zu 100% überzeugt, dass eine Rückkehr von Lukas Hinterseer die Lücke eines Ganvoula-Wechsels schließt und unser vorheriger Sturmführer froh wäre, wenn er wieder regelmäßig Fußball spielen darf. Seine Zeit beim HSV scheint nach einem Jahr bereits vorbei zu sein. In der Rückrunde durfte Hinterseer kaum noch von Anfang an spielen und ein Einwechselspieler ist er wahrlich nicht. Zu lange braucht Hinterseer, um sich im Spiel einzufinden, wenn er von der Bank kommt. Was er zu Leisten in Stande ist, sofern Hinterseer in Kombination mit einer intakten und spielfreudigen Mannschaft agiert, steht außer Frage. Hinterseer trifft nicht nur, er macht seine Nebenleute besser.  Die von Thomas Reis vom Mittelstürmer eingeforderten defensiven Wege geht Hinterseer gerne und er könnte unserer Mannschaft damit noch mehr Stabilität verleihen. Eine Ablösesumme sollten wir stemmen können, ob dies wiederum gewollt ist, bleibt zweifelhaft. Auch auf Gehalt müsste Hinterseer verzichten. Wenn unser Alpenbomber zurückkommt, dürfen wir uns demnach sicher sein, dass er unbedingt zurück wollte.

Autor: Sebastian Hettmann

Als ich zum ersten Mal bewusst im Ruhrstadion war, spielte der VfL Bochum in der Saison 2002/2003 gegen den Hamburger Sport Verein und ein direkt verwandelter Eckstoß sowie einige Anekdoten von meinem Großvater lassen mich seither den Rothosen die Daumen drücken. Ich kam allerdings nie wieder vom Ruhrstadion los und bin seitdem regelmäßig ins Ruhrstadion gegangen. Seit der Saison 2006/2007 fiebere ich als Dauerkarteninhaber im Block N2 bei Spielen unseres VfL mit.

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