Torschau: Den Ex im Rücken

Der VfL Bochum 1848 musste in die Stadt an der Elbe, wo der Hamburger Sportverein wartete. Die zweite Niederlage im dritten Spiel setzt den VfL für die kommenden Spiele gehörig unter Druck. In der Torschau wollen wir zunächst jedoch einen Blick darauf werfen, wie es zu dem entscheidenden Treffer kommen konnte.

1:0, Lukas Hinterseer:

Eine Standardsituation. Genauer gesagt: ein Eckball. Der Ball wird hoch in den Sechzehner geflankt und… nein, nicht das gefühlt hundertste Gegentor nach einem Standard. Der Ball überfliegt die Spieler nämlich im hohen Bogen und landet auf dem gegenüberliegenden linken Halbfeld, wo ihn Linksverteidiger Tim Leibold aufnimmt. Der VfL rückt im Gegenzug mit dem Großteil des Mittelfelds aus dem Sechzehner heraus. Doch warum? Klar, im Falle von Anthony Losilla um Druck auf den Ballträger auszuüben, aber welcher Grund liegt bei Danny Blum, Silvere Ganvoula und Chung-yong Lee vor? Die drei Offensivspieler laufen bereits in Richtung ihrer Position, obwohl die Gefahrensituation noch gar nicht bereinigt ist. Aber zurück zu Losilla, welcher, wie bereits erwähnt, Druck auf Leibold ausüben möchte, doch dabei zu passiv agiert und zusätzlich keinen Passweg zu den möglichen Anspielstationen (van Drongelen, Jatta) mit seinem Deckungsschatten zustellt. So hätte man den Angriff in eine Bahn lenken können, die man selbst bestimmt und woran die Mitspieler sich orientieren hätten können.

Im Strafraum herrscht währenddessen Verwirrung. Der aufgerückte Gideon Jung liegt nach einem Zusammenprall mit Losilla während der Ausführung des Eckballs noch am Boden. Armel Bella-Kotchap wird jedoch aufgrund von Jungs Präsenz vor dem Tor gehalten, weil er nach mehrfacher Orientierung erkannt hat, dass in diesem Gefahrenbereich sonst eine Unterzahl herrscht, sollte Jung aufstehen. So kann er nicht den Raum zwischen sich und dem nach Außen zu Bakary Jatta (oder doch Daffeh?) gerückten Simon Lorenz, welcher die Rechtsverteidiger Position bekleidete, verkleinern.

Tim Leibold passt auf Jatta und in dem Moment, indem Losilla den Ball mit seinem Blick verfolgt, startet der Hamburger in den eben beschriebenen freien rechten Halbraum und erhält den Ball zurück. Warum der sich hinter Losilla befindende Vitaly Janelt nicht diesen Weg mitgeht, sondern seine Vorwärtsbewegung beibehält, wäre die nächste Frage. Der Doppelpass macht diesmal den VfL Bochum nass.

Die Bochumer Verteidigung im Strafraum läuft nun wieder mit dem Blick zum eigenen Tor gerichtet und kann nicht mehr nach vorne verteidigen. Ex-Bochumer Lukas Hinterseer weiß diese Dynamik für seinen Vorteil zu nutzen und setzt sich mit einem Richtungswechsel von seinem Gegenspieler Danilo Soares in den Rückraum ab, wo er den Pass von Leibold erhält.

Auch Analysen bieten einen Interpretationsspielraum. Ihr bewertet eine Szene anders? Teilt mir eure Meinung gerne über die Kommentarfunktion mit. Bis zur hoffentlich mit Bochumer Toren vollgepackten nächsten Woche!

Janik Aschenbrenner

Janik Aschenbrenner

In meinem Freundeskreis dreht sich alles um die Blau-Weißen, für die ich in meiner Jugend selbst die Schuhe schnüren durfte - so kommt es, dass der VfL auch mich nicht los lässt. Durch meine Affinität zur Spielanalyse und Trainingslehre bin ich ansonsten bei Konzeptfußball zu finden. Fußball ist für mich eine Kunstform, die ich mitgestalten möchte. Twitter: @Janik_Asc / janik.aschenbrenner@einsachtvieracht.de

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