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Ein Spiel für die Ewigkeit

Legendärer Abend im Rheinstadion

Heute Abend gastiert der VfL mal wieder bei der Düsseldorfer Fortuna. In den letzten Jahrzehnten kam es regelmäßig zu Spielen der beiden Traditionsvereine. Das bislang spektakulärste Aufeinandertreffen fand aber zweifelsohne am 32. Spieltag der Saison 1990/91 statt. „Unvergesslich!“ Mit diesem einen Wort erinnert sich Thomas Kempe, damals Kapitän unseres VfL, im Gespräch mit unserer Redaktion an das Spiel im Mai 1991.

Der VfL kämpfte wie üblich gegen den Abstieg und rangierte mit 26 Punkten (Achtung: es galt noch die Zwei-Punkte-Regelung) und einem Zähler Vorsprung vor dem 1. FC Nürnberg auf Platz 14. In der Woche zuvor hatte es am Betzenberg gegen den kommenden Meister 1. FC Kaiserslautern eine deftige 1:4-Schlappe gegeben, durch die der VfL dem Abstieg noch mal gehörig nähergekommen war.

Ben Redelings erinnert sich an ein Wechselbad der Gefühle. Foto: Frank Hommes
Ben Redelings erinnert sich an ein Wechselbad der Gefühle. Foto: Frank Hommes

Nun galt es, bei der Fortuna im altehrwürdigen Rheinstadion zu punkten, um nicht vollends an den Abgrund zu geraten. Trainer Rolf Schafstall, nach der Entlassung von Reinhard Saftig interimsmäßig VfL-Coach, hatte die Mannschaft auf vier Positionen verändert. Für Christian Herrmann, Rocco Milde, Putsche Helmig und den späteren Alpenbomber Uwe Wegmann waren Frank Benatelli, Thorsten Legat, Thomas Epp und Stefan Kohn in die Startelf gerückt. Bereits nach drei Minuten geriet der VfL durch einen Treffer des späteren Bundesliga-Torschützenkönigs Jörn Andersen in Rückstand. Sieben Minuten später fiel das 2:0 durch Martin Spanring, bevor Thomas Allofs, der kleine Bruder von Klaus Allofs, nach 31 Minuten für das 3:0 sorgte.

„Wollt Ihr wirklich absteigen!?“

Fußball-Lexikon Ben Redelings war damals live vor Ort und blickt zurück auf diesen Freitagabend: „Meine Erinnerungen sind getrübt. Ich weiß nur noch, dass wir zu spät kamen. Da stand es bereits 2:0 für die Fortuna und uns allen ging der Arsch auf Grundeis. Nach dem 3:0 wollten meine Mitfahrer schon nach Hause. Völlig frustriert. Und dann macht Ratschi vom legendären Erfolgsduo „Ritschi-Ratschi“ doch noch vor der Pause das 1:3.“

Thomas Kempe kann sich noch gut erinnern: „Zur Halbzeit stand es 3:1 für Düsseldorf. Dann sind wir in die Pause gegangen und der Alte (Rolf Schafstall, Anm. der Redaktion) kam in die Kabine und schrie uns an: „Wollt ihr wirklich absteigen!? Jetzt geht da raus und haut‘se weg oder ihr braucht gar nicht mehr nach Bochum kommen.“ Wir sind dann raus und alle haben gekämpft bis zum Schlusspfiff.“

Genauso legendär wie das Spiel: Der ehemalige VfL-Kapitän Thomas Kempe. Foto: Stephan Kottkamp
Genauso legendär wie das Spiel: Der ehemalige VfL-Kapitän Thomas Kempe. Foto: Stephan Kottkamp

Was dann in den zweiten 45 Minuten passierte, ging in die VfL-Geschichte ein. Nur drei Minuten nach Wiederanpfiff erzielte Jupp Nehl den Anschlusstreffer. Ein wie entfesselt aufspielender VfL drehte dann binnen zwei Minuten das Spiel komplett. Dem Ausgleich durch Putsche Helmig folgte der Siegtreffer durch einen verwandelten Elfer von Frank Heinemann.

„Das Spiel wird niemand vergessen!“

„Ich meine mich erinnern zu können, wie wir alle nach dem 4:3 in dieser komplett leeren Betonschüssel in einem riesigen Pulk versanken. Da fällt mir ein: Hat es nicht nach dem 3:0 sogar noch zu regnen begonnen, obwohl vorher die Sonne schien? Egal. Das Spiel wird niemand vergessen, der dabei war – auch wenn ich mich vor allem an das Gefühl erinnere, wie Scheiße alles war, als es 0:3 stand“, gibt Ben Redelings Einblick in sein Seelenleben anno Mai 1991.

Dem nicht mehr für möglich gehaltenen Erfolg am Rhein folgte eine Woche später im Ruhrstadion ein enttäuschendes 0:0 gegen den Lokalrivalen aus Wattenscheid. Trotzdem schaffte der VfL aufgrund des guten Torverhältnisses den vorzeitigen Klassenerhalt. Nach der Saison fand beim VfL dann ein großer Umbruch statt, der sich u. a. in der Verpflichtung von Holger Osieck als Trainer niederschlug. Doch das ist ein ganz anderes Thema…

Der VfL spielte mit:

Andreas Wessels – Thomas Kempe, Walter Oswald, Rob Reekers – Fank Benatelli, Frank Heinemann, Thorsten Legat (66. Peter Peschel), Michael Rzehaczek, Josef Nehl – Stefan Kohn (46. Dirk Helmig), Thomas Epp

Die Fortuna spielte mit:

Jörg Schmadtke – Ralf Loose, Martin Spanring, Rudolf Wojtowicz (34. Karsten Hutwelker) – Jörg Albertz (71. Minute Antoine Hey), Anthony Baffoe, Michael Büskens, Michael Schütz – Thomas Allofs, Jörn Andersen, Sven Demandt

Tore: 1:0 Andersen (3.), 2:0 Spanring (10.), 3:0 Allofs (31.), 3:1Rzehaczek (36.), 3:2 Nehl (48.), 3:3 Helmig (67.), 3:4 Heinemann (69./Foulelfmeter)

Zuschauer: 11.000

Schiedsrichter: Manfred Neuner

Stephan Kottkamp

Stephan Kottkamp

Meine Liebe zum VfL hat ganz klassisch angefanegen. Im Mai 1986 hat mich mein Vater zum ersten Mal mit ins Ruhrstadion genommen. Der VfL spielte gegen die Bayern und holte ein 1:1-Unentschieden (Tore: Frank Benatelli und ein gewisser Lothar Matthäus). Seither war ich unzählige Male im Ruhrstadion und erinnere mich am liebsten an die Zeit unter Klaus Toppmöller. Auch deshalb zählt Fußballgott Thomas Stickroth für mich zu den größten VfLern aller Zeiten.

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