Mit dem Spitzenreiter auf Augenhöhe

Der neue Mann an der Linie: Robin Dutt. Foto: Tim Kramer (Tremark Fotografie)
Robin Dutt und die Ostkurve. Foto: Tim Kramer (Tremark Fotografie)

Sonnenschein, der Spitzenreiter aus Nürnberg zu Gast und 14.000 gespannte Zuschauer im eiskalten Schmückkästchen an der Castroper Straße. Bei seinem Heimdebüt erlebte Robin Dutt das Ruhrstadion so, wie wir es kennen: Nicht ganz voll, aber dennoch gewillt dem Spitzenreiter die Zähne zu zeigen. Unsere Mannen hatten sich für das Spiel viel vorgenommen und unter der Woche dafür einige neue Ideen an die Hand bekommen. 

Dass sich unsere Jungs viel vorgenommen hatten, merkte man bereits in den ersten Minuten. Mit viel Energie konnte man so das Spiel von der ersten Sekunde an an sich ziehen. Schnell kam man zu einigen guten Angriffen, ohne jedoch den Ball gefährlich auf das Tor vom Gästekeeper Fabian Bredlow zu bringen. Das sollte sich leider auch nicht mehr ändern im weiteren Spielverlauf. Doch der Reihe nach…

Die taktische Ausrichtung und ihre Umsetzung

Kommt immer besser in Fahrt: Sidney Sam. Foto: Tim Kramer (Tremark Fotografie)

Unser Chef-Trainer Robin Dutt lässt die Mannschaft das spielen, wofür sie konzipiert wurde und man merkt ihr direkt an, dass die bereits verinnerlichten Abläufe abgerufen werden können. Die Grundordnung des 4-2-3-1 wurde mit der Asymmetrie auf links gepaart. Kruse und Sam tauschten die Seiten, um invers das Tor attackieren zu können. Daraus ergab sich eine sehr starke linke Seite mit Soares und Sam, die die meisten der Bochumer Angriffe initiierte. Gerade Sidney Sam spürt man (endlich) wieder die Spielfreude an, mit der er den Unterschied ausmachen kann. Robin Dutt kennt Sam aus Leverkusen und tut ihm anscheinend gut. Kleine Gesten wie beispielsweise die Streicheleinheiten von Dutt bei Sam nach seiner Auswechslung können Wunder bewirken.

In der Defensive spielte Hoogland erneut den Part von Felix Bastians, Kapitän Stefano Celozzi übernahm nach langer Zeit seine angestammte Position rechts in der Viererkette und Robert Tesche startete erneut neben Anthony Losilla. Die Abläufe in der Defensive stimmten und das ständige herausrücken von Danilo Soares wurde gut aufgefangen. Gegen den Ball verteidigte unsere Mannschaft wiederum um 4-4-2, wobei Dutt vermehrt den Raum statt den Mann decken ließ, wodurch kaum Räume für die Nürnberger entstanden sind und viele Ballgewinne zu verbuchen waren. Generell wusste die Mannschaft im Umschaltspiel defensiv gemeinsam zu verteidigen und die Lücken zwischen den einzelnen Mannschaftsteilen, welche in den vergangenen Wochen noch zu erkennen waren, werden konsequenter geschlossen. Patrick Fabian hatte seine Abwehr im Griff und lieferte erneut ein sehr gutes Spiel ab.

Das Spiel gegen den Glubb

Der Tabellenführer aus Nürnberg ließ zu Beginn mit Möhwald seinen Spielgestalter auf der Bank und setzte mit Behrens, Löwen und Erras auf ein kompaktes und starkes Mittelfeld. Gepaart mit den beiden Innenverteidigern Ewerton und Margreitter waren die Nürnberger immens zweikampfstark und ließen nur schlechte Abschlüsse unserer Jungs zu. Gerade Margreitter spielte exzellent und viele Angriffe endeten bei ihm. Es ist daher nicht verwunderlich, dass 55% der Zweikämpfe gestern an die Spieler des 1. FC Nürnberg gingen. Offensiv fehlte jedoch Möhwald, wodurch der Glubb bis zu seiner Einwechslung ebenfalls keine zwingenden Torchancen erspielen konnte. Nach seiner Einwechslung einige Minuten vor dem Ende brachte er neue Ideen und Nürnberg hatte eine kurze Drangphase, jedoch ohne Torerfolg.

Das Nürnberger Abwehrbollwerk besteht unter anderem aus Margreitter, Ewerton und Behrens. Foto: Tim Kramer (Tremark Fotografie)

Auffällig bei unseren Jungs war vor allem die gute und sichere Spieleröffnung. Zum Ende hin hatte Hoogland zwar einige Fehlpässe, diese führten jedoch lediglich zu einer Chance der Nürnberger nach einem Konter. Insgesamt konnten die Nürnberger zwar viele Bälle gewinnen, jedoch meist durch gewonnene Duelle in der Luft oder in ihrem Drittel der Hälfte. Offensiv war der VfL Bochum gewillt das Tor zu schießen, die Überlegenheit bei Flanken oder im Ballbesitz konnte jedoch nicht in Torabschlüsse umgemünzt werden. Die hohen Fehlpassquoten von Kevin Stöger, Anthony Losilla und Robbie Kruse darf daher verziehen werden, handelte es sich oft um „Risikopässe“ im letzten Drittel.

Die Stimmung im Ruhrstadion hingegen war in Ordnung. Situativ mit überschwänglicher Anfeuerung in Drangphasen und einigen Liedern zwischendurch. Man merkt, dass die Mannschaft die überschwappende Stimmung bereitwillig aufnimmt und während dieser Phase eine Schippe drauf legt.

Fazit

Gutes Spiel im zentralen Mittelfeld von Robert Tesche. Foto: Tim Kramer (Tremark Fotografie)

Ein gutes Zweitligaspiel, in dem sich beide Mannschaften weitestgehend neutralisierten. Unsere Jungs taten mehr für das Spiel, zeigten aber weiterhin Probleme zu guten Torabschlüssen zu kommen. Nürnberg hingegen kontrollierte das Spiel in der Defensiv, weshalb das 0:0 am Ende gerecht ist. Mit Georg Margreitter und Patrick Fabian standen zwei Abwehrrecken auf dem Feld, die jeweils eine tolle Leistung ablieferten. Wiedereinmal zeigte sich, dass wir mit den Spitzenteams der zweiten Liga mithalten und sie sogar streckenweise dominieren können. Um sich weiterzuentwickeln, bedarf es jedoch weiterer Trainingswochen.

Der Ausblick

Robin Dutt war nach dem Spiel hin- und hergerissen. Sein Credo um jeden Grashalm zu kämpfen und dennoch einen gepflegten Ball zu spielen passt sowohl zur Mannschaft als auch nach Bochum. Wichtig wird sein, dass das Trainerteam es in den kommenden Wochen schafft, dass die Mannschaft die guten Ansätze in Torchancen ummünzt. Man hat endlich wieder das Gefühl, dass nur der Knoten platzen muss. Und wir alle können uns gut daran erinnern wie es ist, wenn unsere Jungs ein Offensivfeuerwerk auf den Platz zaubern. Ich lehne mich weit aus dem Fenster, aber wir werden in den kommenden Wochen wieder mehr Spaß an Spielen des VfL haben. Der Glaube ist zurück!

Autor: Sebastian Hettmann

Als ich zum ersten Mal bewusst im Ruhrstadion war, spielte der VfL Bochum in der Saison 2002/2003 gegen den Hamburger Sport Verein und ein direkt verwandelter Eckstoß sowie einige Anekdoten von meinem Großvater lassen mich seither den Rothosen die Daumen drücken. Ich kam allerdings nie wieder vom Ruhrstadion los und bin seitdem regelmäßig ins Ruhrstadion gegangen. Seit der Saison 2006/2007 fiebere ich als Dauerkarteninhaber im Block N2 bei Spielen unseres VfL mit.

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