Foto: Marcel Maltritz (Privat)

Was haben wohl Zlatan Ibrahimovic und Marcel Maltritz gemeinsam? – Teil 2 des großen Interviews mit Marcel Maltritz

Im zweiten Teil unseres Interviews mit Marcel Maltritz soll es weiterhin um den VfL Bochum gehen, jedoch auch um die vorherigen Profi-Stationen von Marcel Maltritz und seine Zukunftspläne.

MM – Marcel Maltritz, CG – Claudio Gentile, SH – Sebastian Hettmann

SH: Du hast positive Erinnerungen erwähnt. Woran denkst du besonders gerne zurück?

Foto: Marcel Maltritz (Privat)

MM: Aus meiner Zeit in Bochum natürlich, dass ich das letzte Europapokaltor geschossen habe. Wahrscheinlich…für immer möchte ich nicht sagen, aber für eine lange Zeit wird das so sein, leider hat es nicht gereicht für ein Weiterkommen. Da wissen wir auch alle was passiert ist (Anm. d. Red.: Edu.). Aber es gibt so bestimmte Spiele, die einem im Kopf bleiben. Eines davon war das 2:1 gegen Schalke 2007, wo wir letztendlich den Klassenerhalt festgemacht haben, Vorlage Maltritz, Torschütze Gekas. Bei uns im Stadion waren gefühlt 15.000 Schalker, alle in Weiß. Selbst in der Ostkurve waren viele Schalker und wir haben das Unmögliche möglich gemacht und Schalke 2:1 besiegt mit insgesamt 6 Minuten Nachspielzeit obendrauf. Diese Saison sind wir 7. oder 8. geworden und letztlich nur mit einem Tor zu wenig an der Qualifikation zum UI-Cup gescheitert. Solche Spiele sind mir in Erinnerung geblieben. Genauso wie das Spiel gegen Köln unter Peter Neururer, als ich, wie erwähnt, das 2:1 köpfte und einen Ball vor der Linie rettete. Der Aufstieg in Aachen. Damals sind wir fünf Spieltage vor Schluss bereits aufgestiegen, Aachen war bereits aufgestiegen. Also es gab nicht nur schlechte Zeiten, es gab auch schöne Zeiten! Viele schöne Situationen! Letztendlich habe ich auch mit Hamburg und Wolfsburg international spielen dürfen, mit dem HSV leider allerdings nur zwei Spiele.

CG: Du bist in die Bochumer Legendenelf gewählt worden und stehst in der Abwehr neben Hermann Gerland, Jupp Tenhaken und Thomas Stickroth. Wie sehr freust du dich über die Auszeichnung?

MM: Das ist eine große Ehre für mich. Ich bin einer der Jüngsten, die in der Legendenelf mit dabei sind. Ich will nicht sagen die glorreiche, aber die erfolgreiche Zeit ist ja schon ein bisschen länger her, wodurch meine Nominierung vielleicht verwundert. Allerdings habe ich zehn Jahre für den Verein gespielt, viele gute Momente erlebt mit dem VfL und mich natürlich total darüber gefreut in der Legendenelf mit dabei zu sein.

SH: Wir in unserer Generation, denken irgendwann an die Zeit der frühen 2000er Jahre zurück, wo ihr mit eurer Mannschaft erfolgreich für den VfL gewesen seid. Das ist einfach so, dass das von Generation zu Generation andere Mannschaften und Namen sind.

MM: Natürlich.

„Mit Anthar Yahia habe ich sehr gut zusammengespielt und wir hatten auch immer viel Spaß zusammen, ihn möchte ich besonders hervorheben.“ – Marcel Maltritz

SH: Apropos, mit welchen Mitspielern hast du denn besonders gerne zusammengespielt? Mit wem hast du denn gerne zusammen das Tor verteidigt?

MM: Mit Anthar Yahia habe ich sehr gut zusammengespielt und wir hatten auch immer viel Spaß zusammen, ihn möchte ich besonders hervorheben. Wir haben auch heute weiterhin Kontakt. Gerne habe ich auch mit Pavel Drsek zusammengearbeitet, der leider immer etwas unterschätzt wurde in Bochum. Pavel hatte es schwer in die Mannschaft zu kommen, aber wenn er gebraucht wurde, war er immer zu 100% da. Charakterlich sowieso ein Top-Spieler! Auch danach hatten wir immer gute Charaktere dabei. Mit Dariusz spiele ich beispielsweise heute noch zusammen. Er ist so fit, da ziehe ich meinen Hut vor! Dariusz ist fast 50, ich hoffe ich bin in seinem Alter noch so fit! Auch mit Slawo Freier habe ich noch einen engen Draht, ebenfalls mit Stanislav Sestak und natürlich mit Heiko Butscher, der ja auch in Bochum lebt. Es gab viele Spieler, mit denen ich mich nicht nur bei der Arbeit sondern auch noch heute gut verstehe.

CG: Du hast einige Trainer in deiner Zeit in Bochum kennengelernt. Unter welchem hast du am liebsten in Bochum gearbeitet?

MM: Peter Neururer hat mich damals zum VfL geholt und kam später nochmals zurück für die Last-Minute-Rettung 2012/2013 und bis Dezember 2014. Ihn schätze ich sehr, da er total ehrlich ist und vielleicht manchmal den ein oder anderen Satz zu viel sagt. Aber so ist er halt. Marcel Koller würde ich auch sofort nennen, der sehr sachlich war und in Bochum keinen leichten Stand hatte. Er hat sich jedoch durchgesetzt und eine sehr gute Zeit mit dem VfL zu verantworten. Unter Friedhelm Funkel hat es auch Spaß gemacht. Ich möchte da jetzt keinen besonders herausheben, aber man muss auch sehen unter welchem Trainer wir die erfolgreichste Zeit hatten – und die war unter Marcel Koller.

Foto: Marcel Maltritz (Privat)

SH: Du hast nicht nur in Bochum gespielt, sondern auch in Hamburg und in Wolfsburg. Wie sehr unterscheidet sich das Vereinsleben in der Bundesliga? Oder ist das im Grunde in der Bundesliga fast identisch?

MM: Meine erste Profistation war damals in Wolfsburg, allerdings war der VfL Wolfsburg noch nicht der Verein, der er heute ist. Damals war alles noch sehr überschaubar und auch klein gehalten. Die Geschäftsstelle, das neue Stadion und das neue Trainingsgelände gab es noch nicht. Zum Einstieg war das genau die richtige Entscheidung für mich, da ich auch die räumliche Nähe zur Heimatstadt (Anm. d. Red.: Magdeburg) hatte mit nur 70 Kilometern Entfernung. Wir hatten einen kleinen, überschaubaren Kader und ich konnte sofort Spielpraxis sammeln. Das war sehr wichtig für meine Entwicklung. Im Anschluss kam der HSV, wo nicht nur der Verein, sondern auch die Stadt eine Ausstrahlung hat. Dass der Verein den Ambitionen ein bisschen hinterher hinkt, ist klar. Aber es war damals in Hamburg eine grandiose Zeit! Meine Tochter ist beispielsweise in Hamburg geboren und ich wäre damals gerne in Hamburg geblieben. Wir konnten uns damals allerdings nicht auf einen neuen Vertrag einigen, denn ich war zu dem Zeitpunkt leider auch verletzt. Es war alles sehr schade und ist alles vielleicht auch ein wenig komisch gelaufen. Grundsätzlich unterscheiden sich die Vereine aber schon. Hamburg ist eine Weltstadt, der Verein hat hohe Ansprüche und das Stadion fasst 50.000 Zuschauern und ist für mich eines der schönsten der Liga. Der HSV hinkt zwar den Ambitionen ein Stück weit hinter, aber mit der ganzen Power, die der Verein normalerweise hat, sollte der HSV auch unter den ersten Fünf der Liga sein. Ich kann mich noch daran erinnern, dass wir damals Stadtderbys gegen den FC St. Pauli hatten, zweimal bei uns im Stadion. Das waren grandiose Spiele! Es war eine sehr schöne Zeit!

SH: Du hast deine Heimatstadt angesprochen, Magdeburg. Beim 1.FC Magdeburg wird mittlerweile durch nachhaltige Arbeit viel aufgebaut. Ich denke die werden auch irgendwann in der zweiten Liga Gegner vom VfL Bochum werden. Verfolgst du da die Entwicklung? Hast noch Kontakt zum Verein?

MM: Maik Franz arbeitet im Verein jetzt auch auf Managementebene mit und zu ihm habe ich ab und zu Kontakt. Ansonsten ist natürlich von den Spielern keiner mehr da… (lacht) auch vom restlichen Präsidium nicht, vielleicht noch ein oder zwei Mitarbeiter im Verein. Ich verfolge das aber schon noch und schaue, wenn der 1.FC Magdeburg in der Nähe spielt, dass ich hingehen kann. Ich habe mir in der letzten Saison ein Spiel in Duisburg angesehen, als sie dort Freitag abends zu Gast waren und ca. 3000 Fans eine schöne Show veranstaltet haben, auch mit ein wenig Pyrotechnik. Ich glaube, dass sie ein riesiges Fanpotential haben. Der Zuschauerschnitt liegt in der dritten Liga bei 18.000, 19.000 Zuschauern und es würde mich freuen, wenn der Verein es schafft aufzusteigen. Ich denke der größte Schritt war der aus der Regionalliga heraus, das ist mit den Relegationsspielen am Ende der Saison immer schwer aufzusteigen. Ich meine in der letzten Saison waren sie bereits Vierter, daher wären sie in diesem Jahr eigentlich an der Reihe, um in die zweite Liga aufzusteigen. Das würde mich sehr freuen!

CG: Welche Ideen hast du denn für deine berufliche Zukunft?

MM: Nach drei Jahren, die ich beim VfL Bochum in verschieden Bereichen der Geschäftsstelle gearbeitet habe, wage ich den Schritt in die Selbstständigkeit. Ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, dass ich beim VfL Bochum gerne etwas im Sportlichen gemacht hätte, aber da gab es keine Funktion, unabhängig vom Trainerposten. Der Trainerposten reizt mich derzeit nicht. Ich konnte viele neue Erfahrungen sammeln und bin dem VfL Bochum da sehr dankbar für. Ich werde demnächst in Bochum eine Padel-Tennis Anlage eröffnen.

Foto: Marcel Maltritz (Privat)

CG: Padel-Tennis-Anlage? Würdest du uns erklären was man sich darunter vorstellen kann?

SH: Gibt es bereits schon Grundstück auf dem die Anlage entstehen soll?

MM: Da gibt es auch schon ein Grundstück. Es steht fest, dass die Anlage in Bochum entstehen wird und wir warten auf die Baugenehmigung. Da freue ich mich immens drauf und stecke meine Zeit und Kraft in dieses Projekt.

SH: Also kommt bald eine Freizeitaktivität mehr nach Bochum!

MM: Genau! Also es ist eine Sportart, die beispielsweise in Spanien von 3 Millionen Leuten gespielt wird. In Belgien, den Niederlanden und Schweden ist Padel sehr stark im Kommen. Zlatan Ibrahimovic baut jetzt auch eine Anlage in Schweden. Padel-Tennis macht unglaublich viel Spaß und es ist nicht so wie beim Tennis, wo man fünf Jahre trainieren muss für eine vernünftige Vor- und Rückhand. Beim Padel-Tennis nimmt man einen Schläger in die Hand und kann direkt loslegen! Es ist immer ein 2 gegen 2 Spiel in einem Glaskäfig und man kann schnell Fortschritte erzielen. Es ist eine Mischung aus Squash und Tennis. Wer schon einmal Tischtennis, Squash oder Tennis gespielt hat, der nimmt einfach einen Schläger in die Hand und kann sofort spielen. Das ist der große Vorteil von Padel-Tennis!

Es ist teilweise anstrengend, bringt aber eine Menge Spaß.

CG: Wie sieht der Zeitplan aus?

MM: Wir wollen im kommenden Frühjahr eröffnen. Wenn das Bauamt sich ein bisschen beeilt, dann klappt es auch! (lacht)

SH: Man hört heraus, dass das schon eine Leidenschaft von dir ist?

Foto: Marcel Maltritz (Privat)

MM: Ich spiele Padel-Tennis eigentlich erst seit einem Jahr und konnte mir am Anfang auch wirklich nichts unter der Sportart vorstellen. Ich habe mir dann in Barcelona ein paar Clubs angesehen. Die gibt es dort wie Sand am Meer und ich war sofort begeistert. In Deutschland gibt es insgesamt ca. 40 Plätze, jedoch nur zwei in Essen und sonst erst wieder in Münster und in Köln. Ich glaube, dass es in Deutschland einfach daran liegt, dass es zu wenig Anlagen gibt. Sicherlich muss man zu Beginn viel Marketing machen, aber wenn man die Sportart einmal ausprobiert und entdeckt hat, dann ist man total angefixt.

SH: Kannst du dir denn vorstellen irgendwann einmal wieder im Fußball zu arbeiten?

MM: Das möchte ich überhaupt nicht aufgeben! Ich habe zu lange auf einem hohen Level gespielt, mit vielen Trainern und Managern zusammengearbeitet und nach der Karriere auch auf der Geschäftsstelle bei einem Profifußballverein gearbeitet, um bestimmte Erfahrungen weiterzugeben. Ich hatte auch schon zwei, drei Angebote von anderen Vereinen, bei denen es letztendlich aber nicht funktioniert hat. Den Fußball werde ich nie so ganz aufgeben. Eventuell kommt irgendwann auch die Zeit in der ich sage, dass ich es doch einmal als Trainer versuchen möchte. Aber momentan ist die Trainerposition etwas, das ich nicht machen möchte. Ich habe vor zwei Jahren auch die Weiterbildung im Fußball-Management in Wolfsburg absolviert. Ich bin also staatlich anerkannter Fußballmanager! (lacht) Ich werde aber nicht ständig Bewerbungen schreiben, sondern die Padel-Anlage ist derzeit das Projekt an dem ich arbeite und dann muss man abwarten was sich in der Zukunft ergibt.

Sebastian Hettmann

Sebastian Hettmann

Als ich zum ersten Mal bewusst im Ruhrstadion war, spielte der VfL Bochum in der Saison 2002/2003 gegen den Hamburger Sport Verein und ein direkt verwandelter Eckstoß sowie einige Anekdoten von meinem Großvater lassen mich seither den Rothosen die Daumen drücken. Ich kam allerdings nie wieder vom Ruhrstadion los und bin seitdem regelmäßig ins Ruhrstadion gegangen. Seit der Saison 2006/2007 fiebere ich als Dauerkarteninhaber im Block N2 bei Spielen unseres VfL mit.

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