Wenn Baden baden gehen

3:2 im Heimspiel gegen den Karlsruher SC

Traumhafte Kulisse nach Abpfiff. Foto: Philip Mies.
Traumhafte Kulisse nach Abpfiff. Foto: Philip Mies.

 

Am 11. Spieltag der zweiten Bundesliga schlug der VfL Bochum den Karlsruher SC mit 3:2. Die 94 unter der tief im Westen verstaubenden Herbstsonne gespielten Minuten glichen einem Blockbuster. Traumtore satt, zwei Mannschaften, die sich mit offenem Visier begegneten, ein gedrehter Rückstand und ein inbrünstiger Last-Minute-Jubel. Fast alles, was das Fußballherz begehrt, war bei traumhaft herbstlichem Wetter im Ruhrstadion vorzufinden. Ein Rückblick. 

Nach den genussvollen vergangenen eineinhalb Fußballwochen begann mein Sonntag mit Zuversicht. Das erste Aufbäumen im Anschluss an die gewinnbringende Systemumstellung in Form des Punktgewinns gegen den VfL Wolfsburg. Der starke Heimsieg gegen den FSV Mainz, der uns das Achtelfinale des DFB Pokals beschert. Der mental und sportlich starke Kampf, der zum Auswärtssieg bei Energie Cottbus führte. All das ließ mich auf dem Weg über den Lohring zum geliebten Wohnzimmer daran glauben, dass auch gegen den KSC Zählbares drin sein könnte und sollte. 

System und Aufstellung

Den vorherigen Partien gleichend schickte Uwe Rösler die Mannschaft erneut im ‘4-2-2-2’ an die Startlinie. Timo Horn hütete wie gewohnt das Tor. Vor ihm formierten Sean Klaiber, Karol Mets, Michael Steinwender und Stahlschädel Maximilian Wittek die Viererkette. Mats Pannewig und Tom Meyer sorgten dafür, dass das zentrale defensive Mittelfeld erneut mit heimischen Eigengewächsen bestückt war.

Jarne Steuckers verdrängte Koji Miyoshi aus der Startelf der Vorwoche und agierte als zweiter Zehner neben Berkan Taz. Christian Rasmussen erhielt gegenüber Gerrit Holtmann den Vorzug und positionierte sich neben Phillip Hofmann im Doppelsturm. 

Auf einen furiosen Auftakt in Abschnitt eins …

Die ersten fünf Minuten des Spiels bestanden weitestgehend darin, dass sich der Gast und sein Geber zunächst herantasteten. 

Wenige Sekunden später schickte Taz Rasmussen mit einem feinfühligen Steckpass in die linke Angriffszone an die Sechzehnerkante des KSC. Dieser packte den Hammer aus und drosch das Leder brachial zur frühen Führung ins lange Eck. Gäste-Keeper Hans Christian Bernat bekam seine behandschuhten Flossen noch dran, konnte den Einschlag aber nicht verhindern. 

Im postwendenden Gegenzug krachte es im Gehäuse unserer Jungs. Und das nicht weniger attraktiv. Marvin Wanitzek legte Kevin Wiethaup das Leder vor, der dieses mit Gewalt und Präzision aus ebenfalls 16 Metern am chancenlosen Horn vorbei unter dem Querbalken zum Ausgleich versenkte.

Die restlichen 40 Minuten hatten mit Ausnahme dreier Chancen für unsere Jungs, einem knapp versemmelten Kopfball und einem Distanzschuss der Gäste nichts Zählbares mehr zu bieten.

… folgte ein furioser Auftakt in Abschnitt zwei

Drei Minuten waren im zweiten Durchgang gespielt, da bediente sich der VfL am Glück des Tüchtigen. Wiethaup knallte einen Querpass Wanitzeks aus kürzester Distanz nur an den rechten Pfosten.

“Leck mich fett und nenn mich Bärbel!” schallte es mir wenig später im Ruhrpott-Jargon durch den Kopf. Pannewig legte im Anschluss an einen Eckball des VfL den Ball auf Höhe der Mittellinie unglücklich in die Füße von Tim Civeja. Dieser ließ es sich nicht nehmen, das Spielgerät – wie einst Juninho und Diego – locker flockig aus 51,6 Metern über seinen Schlappen zu ziehen. Die sich gefühlt unendlich ziehende Bogenlampe senkte sich über unseren verdutzten Schnapper hinweg zum 1:2 für die Gäste vor der Ostkurve ins Netz. 

Drei Minuten darauf bugsierte Rasmussen den Ball im Strafraum auf Umwegen zu Hofmann. Der bedankte sich und vollendete aus kurzer Distanz in seinem 150. Spiel für den VfL zum 2:2.

Man of the Match in seinem 150. Spiel für den VfL: Philipp Hofmann. Foto: VfL Bochum

Nachdem Philipp den Doppelpack in der 74. Minute mit einem Flachschuss aus fünf Metern verpasste, zeigte er sich in der dritten Minute der Nachspielzeit eiskalt und effizient. Einen hohen Chipball von Mets nahm er stark mit der Brust an, drehte sich zielstrebig nach innen und setzte mit seiner starken linken Klebe zum Aufsetzer an. Von einer Karlsruher Wade minimal in der Flugbahn beeinflusst fiel der Ball zum 3:2 Siegtreffer ins flache rechte Eck. 

Während Hofmann bei seinem Ausgleichstor aus Respekt zum ehemaligen Arbeitgeber vom Jubel absah, konnte er sich ein dickes Grinsen und eine stabil fliegende Siegesfaust bei seinem zweiten Treffer nicht klemmen. Völlig zurecht! Zumal er eben nicht nur dafür sorgte, dass Karlsruher Herzen brachen, sondern auch die Dämme an der Castroper Straße – und zwar vollends.

Neues System bringt sehnlichst vermisste (Spiel-)Freude

Heute zeigte sich meines Erachtens nach erneut, dass die Systemumstellung saftig zu erntende Früchte am Bochumer Fußballbaum wachsen lässt. 

Berkan Taz ackerte, wirbelte und passte wiederholt im Stile des starken Spielmachers, den man sich mit seiner Verpflichtung zu Saisonbeginn an Land zu ziehen erhoffte. War er im alten System als alleiniger Zehner oft überfordert, konnte er sein Potential, vom variabel agierenden Doppelsturm und einem zweiten Offensiven Mittelfeldspieler umgeben, gegen den KSC ein weiteres Mal ausschöpfen. 

Auch Christian Rasmussen präsentiert sich in der Spitze wesentlich erfolgreicher, als er es zuvor als Flügelspieler auf der Außenbahn tat. Seine technisch feinen Ballaktionen und seine zweifelsohne vorhandene Geschwindigkeit scheinen zunehmend von der dringend benötigten Abschlussstärke flankiert zu werden. Dass er mittlerweile als “CR7” bezeichnet wird, untermauert dies. 

Ich persönlich empfinde es als Größe von Uwe Rösler, sein Ego insofern hinten anzustellen, dass er von seiner ursprünglichen Systemidee abweicht und sich auf eine Alternative einlässt. Dies gelang in der Vergangenheit einigen unserer Trainer nicht, was schlussendlich meist zu einer Trennung führte. Uwe hingegen scheint daran interessiert, an einer Lösung zu arbeiten, mittels derer das Maximum im Sinne des Vereins herausgeholt werden kann. Ein menschlich feiner, nicht unerheblicher Schritt, der Wertschätzung verdient. 

Ein wohltuender Ritt auf der Welle des Momentums

Ganz klar – der VfL macht wieder Bock! Nach den eingangs bereits erwähnten Ergebnissen der vorherigen Spiele konnte heute ein weiterer Treffer gelandet werden. Dass dabei (wettbewerbsübergreifend) 10 von 12 möglichen Punkten eingefahren werden konnten spricht für sich. Zunehmend entsteht der Eindruck, dass sich die Mannschaft und ihr Coach gefangen und eine Ausgangssituation erarbeitet haben, auf Grundlage derer erfolgreicher Fußball gespielt werden kann.

Natürlich hat gegen den KSC nicht alles geglänzt und so manch ausbaufähiger Aspekt bleibt bestehen. Dennoch gelang es dem Team auch an diesem Spieltag, eine starke Statistik zu erzeugen, sich Chancen zu erarbeiten und die notwendigen Tore zu erzielen. Auch konnte zum zweiten Mal in Folge der mentale Wille aufgebracht werden, den es braucht, um einen Rückstand in einen Sieg zu wandeln. 

Als langjähriger Anhänger des VfL habe ich bereits so manches Mal auf brutalste Art und Weise den Teppich unter den Füßen weggezogen bekommen, als ich mich in wohliger Sicherheit wähnte. Dennoch, da lehne ich mich vorsichtig aus dem Fenster, bewegt sich das  Ganze aktuell in die Richtung, nach der wir uns in Bochum sehnen.

Am kommenden Spieltag gilt es, dem FC St. Pauli unter dem Flutlicht des Millerntorstadions die Stirn zu bieten. Da wir aufgrund des jüngsten Sieges auf den achten Tabellenplatz springen konnten, rutschte St. Pauli auf Rang neun herab. Somit wird ein unmittelbarer Konkurrent bespielt. Dieser wird den Ring im Anschluss an die zuletzt hohen Niederlagen gegen den 1. FC Nürnberg und den 1. FC Magdeburg eventuell taumelnd betreten. 

Allen Mitfahrenden wünsche ich aus vollstem Herzen das Gefühl, das wir heute empfinden durften. Die unvergleichliche innere Explosion, während die Hütte beim Siegtor in der Nachspielzeit platzt und das warme “hier bin ich Zuhause”, während die Mannschaft zum Gesang von “mein VfL” in die sonnenbeschienene Ostkurve schaut. 

Abonniere den Kanal Einsachtvieracht auf WhatsApp: https://whatsapp.com/channel/0029VaD2PJ7GE56qkEiBNO04

Wer uns einmalig unterstützen möchte kann das gerne über PayPal tun: paypal.me/einsachtvieracht

Autor: Lennart Markmann

Am 19.02.2005 stand ich erstmals in der Ostkurve. Die geschenkte Karte eines Bekannten öffnete mir damals die Tür zu Block O links. Drei traumhaft rausgespielte Buden von Zwetschge Misimovic, Raymond Kalla und Tommy Bechmann sorgten dafür, dass der SC Freiburg punktlos aus der Stadt und der VfL nicht mehr aus meinem Herzen verschwand. Seitdem genieße ich die Höhen und Tiefen als Bochumer Junge. Lange Zeit in der Ostkurve stehend, anschließend in Block H1 sitzend und mittlerweile mit 34 Jahren auf dem Altherrenplatz in Block M1.

Schreibe einen Kommentar

Laden...

0

031 – VfL Bochum vor der JHV 2026: Interview mit Andreas Luthe