Sprunghaftigkeit in der Kaderplanung – ein Kommentar

Es geht in den Endspurt des Transfersommers 2026. Noch bis Dienstag 18 Uhr sind Wechsel möglich. Laut WAZ haben sich beim VfL Bochum die Prioritäten verändert, was man am Kader noch machen möchte. Unverändert kommen soll noch ein Offensivspieler. Durch die Verletzung von Mbom nimmt man nun laut WAZ aber anscheinend Abstand von der Verpflichtung eines spielstarken, zentralen Mittelfeldspielers. Stattdessen soll noch eine Alternative für hinten rechts geholt werden. Das sorgt für Irritationen, sahen die Prioritäten bisher anders aus. Ein Kommentar.

Mich stört die Sprunghaftigkeit in der Kaderplanung, sollte der neuste Bericht der WAZ sich Bewahrheiten. Rösler betont seit Wochen, dass im ZM noch Qualität fehlt und Mbom eigentlich auch RV sei, obwohl bei seiner Verpflichtung kommuniziert wurde, dass er auch fürs Zentrum eingeplant ist. Jetzt fällt Mbom länger aus, die Position ist quantitativ noch dünner besetzt und plötzlich besteht dort kein Bedarf mehr?

Isbruch und Meyer hat Rösler die komplette Vorbereitung gesehen. Kein Spieler macht innerhalb von zwei Wochen einen solchen Sprung, dass sich die grundsätzliche Bewertung einer ganzen Position verändert. Falls doch, lag man vorher offensichtlich komplett daneben.

Wahrscheinlicher ist: Man hat Mbom zunächst fest fürs ZM eingeplant. Irgendwann hat man dann festgestellt, dass die Idee nicht optimal funktioniert. Koscierski wurde abgegeben, Mbom auf RV gezogen und dafür sollte ein neuer ZM kommen. Durch Mboms Verletzung fehlt nun aber plötzlich die Alternative zu Olsen auf rechts.

Und weil es in U21 und Jugend offenbar keinen RV gibt, dem man den direkten Sprung zutraut, verschiebt sich die Priorität wieder. Karademir könnte zwar rechts spielen, dafür müsste man aber die Statik des eigenen Spiels stark verändern. Meyer und Isbruch sind ebenfalls noch nicht ganz so weit, aber der qualitative Abstand zu den etablierten Spielern im ZM ist offenbar kleiner als der zu den Alternativen auf RV. Also geht man dort den Gamble ein.

Ich halte das trotzdem für die falsche Priorisierung. Für mich ist das ZM eine viel zu essentielle Position, um dort zu experimentieren. Dem Kader fehlt komplett ein Spieler mit klaren Stärken in Pressingresistenz, Spielkontrolle und Aufbau. Genauso ein Spieler wäre zudem enorm wichtig, um Taz dauerhaft in gefährlichere Räume zu bekommen, statt ihn immer wieder tief in den Aufbau ziehen zu müssen.

Wenn man die Lücke auf RV gleichzeitig für so groß hält, würde ich deshalb eher auf den zusätzlichen offensiven Flügel verzichten und nach einem RV-Profil suchen, das notfalls auch weiter vorne eingesetzt werden kann.

Verstehen könnte ich RV und Flügel nur, wenn Rösler den Spielaufbau bewusst anders gestalten will. Also weniger über einen spielstarken ZM, dafür mehr über die Außen, schnelles direktes Spiel nach vorne, lange Bälle und zweite Bälle. Dann ist das fehlende ZM-Profil Teil der Idee.

Wenn das nicht der Plan ist, würde ich als letzte Transfers eher ZM und einen flexiblen RV holen.

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Autor: Claudio Gentile

Als gebürtiger Bochumer wurde ich das erste Mal im zarten Alter von sechs Jahren ins Ruhrstadion geschleppt. Der VfL verlor. Was auch sonst. Trotzdem ließ mich der Verein nicht mehr los und spätestens als ich ein paar Tage nach meinem ersten Stadionbesuch das legendäre Papagei-Trikot mit einem "Peter Peschel"-Flock überstreifen durfte, war es um mich geschehen. Das ist jetzt 26 Jahre, wenig Siege und viele Niederlagen her. Wo die Liebe im Fußball hinfällt, kann man sich ja bekanntlich nicht aussuchen. Und eine Liga kennt Liebe auch nicht.

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Einsachtvieracht-Stammtisch #118