Der VfL greift in diesem Transferfenster zum ersten Mal in die Tasche und zahlt eine Ablöse im mittleren sechsstelligen Bereich für Michael Steinwender, der von Hearts aus der Scottish Premiership kommt. Eine Einordnung, wie „Steini” dem VfL helfen kann. Ein Gastbeitrag von Louis.
Athletisches Profil
Steinwender bringt ein extrem spannendes athletisches Profil mit, das der VfL in dieser Form seit Jahren nicht hatte. Trotz seines recht schlanken Körpers sorgt er mit 1,90 m Körpergröße für eine gewisse Präsenz auf dem Rasen.
Zudem ist sein Antritt für einen Spieler seiner Größe gut. Er macht große, lange Schritte und kann so vor allem auf langen Distanzen Gegenspieler ablaufen. Das lässt sich auch mit Daten belegen: Am letzten Spieltag gegen Celtic holte er zum Beispiel mehrmals Daizen Maeda ein und lief ihn sauber ab – und der kam in der vergangenen Champions-League-Saison auf 35,6 km/h Topspeed.
In Schottland spielte Steinwender meist als Rechtsverteidiger und nahm damit eine andere Rolle ein, als er sie beim VfL einnehmen wird. Bei Hearts positionierte er sich im Ballbesitz recht breit und etwas offensiver, schob also fast bis auf die Höhe der Mittelfeldreihe vor – eher wie ein Wingback. Beim VfL plant man jedoch mit ihm in der Innenverteidigung.
Im Spiel mit dem Ball
Im Aufbauspiel konzentriert sich Steinwender eher auf das Sichern des Ballbesitzes und die Zirkulation. Er agiert sehr risikoavers und präferiert kurze, einfache Pässe.
Mit einer Passgenauigkeit von 85,5 % auf kurze und mittlere Distanzen ist er durchaus zuverlässig. Auch technisch ist er sauber, leistet sich keine auffälligen Fehler bei der Ballannahme und stoppt Bälle meist weg vom Gegnerdruck.
Wird er allerdings selbst unter Druck gesetzt, neigt er vor allem bei flachen One-Touch-Pässen zu Ungenauigkeiten. Auch dann geht er kein Risiko ein und schlägt den Ball wenn nötig einfach lang oder ins Seitenaus – spielerische Lösungen sucht er nur selten.
Man merkt schon: Wirklich spielstark ist der Neuzugang nicht unbedingt. Das zeigt sich auch bei langen Bällen, die häufig zu kurz kommen und für die Mitspieler nicht verwertbar sind. Hinzu kommt, dass Steinwender recht einfüßig ist. Seine Pässe mit links sind unpräziser und können etwas wilder ausfallen, weshalb er diesen Fuß meidet und sich vor allem auf seinen starken rechten verlässt.
Im Spiel gegen den Ball
Steinwenders größte Stärken liegen aber ohnehin nicht im Spiel mit dem Ball, sondern im Spiel gegen den Ball. Wie erwähnt bringt er ein hohes Tempo mit, was der angekündigten höheren Defensivlinie der Bochumer zugutekommen wird.
Zusätzlich brilliert der Österreicher darin, seine Gegenspieler zu stellen, den gegnerischen Angriff zu verzögern und seinen zurückarbeitenden Mitspielern Zeit zu verschaffen. Durch sein Tempo und dieses starke Stellungsspiel entschärft er Situationen oft, ohne direkt einzugreifen.
Defensiv verlässt er sich aber nicht nur auf die Mitspieler. In Eins-gegen-eins-Situationen lässt er seinen Gegnern wenig Platz, wirkt dabei beweglich und kann auch auf schnelle Bewegungen und Tempowechsel reagieren.
Insgesamt hat Steinwender einen recht abwartenden Verteidigungsstil und sticht selten aus dem Defensivverbund heraus, um nach vorne zu verteidigen. Wenn er es doch tut, dann kompromisslos, entschlossen und mit gutem Timing.
Auffällig ist außerdem, dass er viel mit den Beinen verteidigt. Daran lassen sich auch die hohen Werte bei Interceptions (8,46 pro 90 Minuten) und Shot Blocks (0,46 pro 90 Minuten) festmachen – Topwerte der schottischen Liga.
Aber auch im direkten körperlichen Duell überzeugt er: Er ist robust und stellt seinen Körper effektiv gegen die Gegenspieler.
In der Luft ist er mindestens genauso stark wie am Boden, wahrscheinlich sogar noch stärker. Mit knapp fünf Luftduellen pro 90 Minuten ist Steinwender nicht nur präsent, sondern gewinnt davon auch rund 62 %. Seine 1,90 m sind dafür schon einmal eine super Grundvoraussetzung, aber auch Timing und Sprungkraft bewegen sich auf einem starken Niveau. Lediglich an seinem Stellungsspiel bei Kopfbällen könnte er noch schrauben: Dadurch kommt er manchmal gar nicht oder zu spät ins Duell und verpasst den Ball. Das sind aber eher Kleinigkeiten – insgesamt dominiert er den Luftraum.
Wo es noch hakt
Eine seiner wenigen Schwächen in der Defensive ist die Aufnahme tiefgehender Spieler in engen Räumen. Er tendiert dazu, Räume beziehungsweise Passwege zu schließen, anstatt mit dem tiefgehenden Spieler mitzugehen.
Das zeigt sich an einer typischen Szene: Er manndeckt seinen Gegenspieler eigentlich, verliert ihn aber im Rücken, weil er voll auf das Schließen des Raumes vor sich konzentriert ist. Ein einziger Steckpass reicht dann – der Gegenspieler kommt problemlos zur Grundlinie und flankt, Tor.
Eine letzte Schwäche: Im Kopf braucht er manchmal zu lange. Bei einer höheren Positionierung wirkt er öfter träge in der Rückwärtsbewegung, und gelegentlich fehlt ihm die letzte Konzentration und Frische, um sich rechtzeitig in die nächste Aktion einzubringen.
Einordnung
Ansonsten ist Steinwender im Defensivbereich ziemlich komplett. Aus der Innenverteidigung heraus dirigiert er seine Mitspieler, kommuniziert viel und geht voran. Ich sehe durchaus Potenzial, dass er sich zu einem Leader entwickeln kann – dafür braucht er aber noch mehr Selbstvertrauen und vor allem mehr Ruhe am Ball.
Bei diesem Transfer würde ich schon von einem Griff ins allseits beliebte „oberste Regal” sprechen. Steinwender ist für mich insgesamt eine Verstärkung und ein Upgrade gegenüber Strompf. Mit seinem Tempo passt er ebenfalls zum angestrebten Bochumer Spielstil und hat bei Hearts bereits in einer höheren Kette gespielt. Wichtig wäre, dass ihn ein Innenverteidiger ergänzt, der stark im Aufbauspiel und generell stark am Ball ist.
Dass man bereit war, eine Ablöse im mittleren sechsstelligen Bereich zu zahlen, zeigt: In Bochum ist man überzeugt.
Abonniere den Kanal Einsachtvieracht auf WhatsApp: https://whatsapp.com/channel/0029VaD2PJ7GE56qkEiBNO04
Wer uns einmalig unterstützen möchte kann das gerne über PayPal tun: paypal.me/einsachtvieracht



Laden...