Der Obergau des kompletten Durchwanderns von Liga eins in Liga drei konnte vermieden werden. 41 erspielte Punkte reichen aus, um in der Liga zu verbleiben. Gegner Hannover 96 ließ zeitgleich die Chance liegen, sich im Rennen um den Aufstieg in die erste Bundesliga in die Poleposition zu bringen. Im Anschluss an das letzte Heimspiel der laufenden Spielzeit hier nochmal doppelter Senf von unserer Seite.
Lennart Markmann:
Vor exakt einem Jahr stand fest, dass unser geliebter VfL Bochum aus der ersten Bundesliga absteigen wird. Im Anschluss daran teilte ich offen meine Gedanken. Angst vor der Ungewissheit zu haben, was uns im unkalkulierbaren Fleischwolf der zweiten Liga erwarten wird. Vom direkten Wiederaufstieg bis zum Durchreichen in Liga drei hätte alles eintreten können. Im Fortlauf der Zeit äußerte ich in Gesprächen oft, persönlich mit einem weitestgehend ungefährdeten einstelligen Tabellenplatz völligst zufrieden zu sein.
Dass wir diesen mit einem Auswärtssieg beim Karlsruher SC in der kommenden Woche noch erreichen können finde ich verwirrend und abgefahren. Das Ganze vergegenwärtigt die irre Knappheit der diesjährigen Tabelle. Eine Saison auf dem neunten Platz zu beenden, in der es gefühlt im wöchentlichen Wechsel zwischen existenzieller Gefahr mit Panik, Schwimmen im Niemandsland mit Langeweile und eventuellem doch nochmal oben anklopfen mit Hoffnung wild hin und her und auf und ab ging – das ist schon wild.
Aber klar, der grinsende neunte Platz ist alles andere als sicher. Bei der Frage nach der Wahrscheinlichkeit, den dazu notwendigen Sieg auf einem fremden Rasen, den wir erfahrungsgemäß nur mit ganz stumpfen Klingen mähen, einzufahren, muss ich selber grinsen. Naja, wer weiß, letztendlich würde mich nichts mehr wundern.
Versöhnlicher Auftritt im letzten Heimspiel
Einem großen Traditionsverein, der aktiv um den Aufstieg spielt, zuhause ein Unentschieden abzutrotzen, finde ich im 17. und letzten Heimspiel akzeptabel. Während vor Anpfiff bereits eine komplette Mannschaft verabschiedet wurde fragte ich mich, was das Spiel den Jungs überhaupt noch bedeutet. Wer sich nochmal reinhängen würde, wer im Kopf schon bei einem anderen Verein aufläuft und wer sich vielleicht eher darum sorgt, sich vor dem Sommerurlaub nicht noch im letzten Biss im Zweikampf zu verletzen. Das Ergebnis und die Zahlen der Partie sind allerdings komplett in Ordnung. Von Gleichgültigkeit oder gar Arbeitsverweigerung war, meines Erachtens nach, nichts zu sehen.
Farid Alfa-Ruprecht war die Personalie, die ich mit meinen Sitznachbarn bei frischem Fiege am meisten diskutierte. Wie schon oft in dieser Saison fluchte ich auf ihn, da er sich, meiner Meinung nach, konstant zu stark darauf beschränkte, mit Einzelaktionen zu glänzen. Das weiterhin wohl bemerkt auch größtenteils mit wenig Erfolg. Und konträr dazu ein mannschaftsdienlicher Laufweg gegen den Ball in die Defensive oder der letzte moralische Biss bei ihm eher selten sichtbar war.
Sein Ausgleichstor in der 55. Minute sorgte jedoch dafür, dass ich mir dachte: “Ja gut, wat willste sagen?”. Der Übersteiger, welcher Hannovers Defensive auf den Boden spielte. Der zielstrebige Zug in die Mitte des Strafraums und der feine Innenristschlenzer ins lange Eck – Hut ab, geiles Ding. In der Sekunde war wenig Unterschied zwischen Alfa gegen Hannover und Michael Olise gegen Real Madrid zu sehen.
Gute Stimmung trotz Zukunftsungewissheit im Ruhrstadion
Während des Spiels war die Unterstützung für das Team nach gut einer Viertelstunde präsent, laut und nach vorne peitschend. Nach Abpfiff schossen mir die üblichen Tränen zum Saisonende in die Augen, als gemeinsam mit erhobenem Schal “Mein VfL” gesungen wurde. Das sportlich (freundlich genannt) durchwachsene Jahr hat nichts an der Unterstützung und dem Rückhalt von den Rängen geändert.
Unterm Strich können (und müssen) wir in Anbetracht des komplett in die Hose gegangenen Saisonstarts unter Dieter Hecking mit dem Endergebnis zufrieden sein. Wie in jedem Jahr zum Saisonende werden die Fragen nach dem Gelingen der bevorstehenden Transferperiode laut. Ich bin gespannt, welchen Kader die Verantwortlichen bis zum Auftakt der Saison 26/27 zusammen stellen werden.
Was mich in erster Linie beunruhigt ist die durch den Stadionumbau bedingte Umverteilung unser Stamm- und Dauerkartenplätze. Nicht zu wissen, wo und mit wem überhaupt noch zusammen sitzend ich die Spiele ab der kommenden Saison sehen kann, ist im ersten Moment ein beschissen trauriges Gefühl.
Jedoch bin ich, nach all den teils unerträglichen Situationen, die wir in den vergangenen Jahrzehnten bei und mit dem VfL erleben durften und mussten, zuversichtlich, dass auch diese vermeintliche Krise wieder etwas herzlich geiles hervorbringen wird.
In dem Sinne: ne schöne Sommerpause euch und bis nächste Saison!
Matthias Rauh:
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