Der Name Marcel Sobottka sorgte bei einigen VfL-Fans erstmal für gemischte Gefühle. „Verletzungsanfällig“ und „Notlösung“ waren die ersten Gedanken nach dem Sissoko-Abgang. Doch vielleicht tun wir dem Transfer damit Unrecht. Block__8 aus dem Transfermarkt-Forum sieht Marcel Sobottka nämlich etwas anders. Und siehe da: Mit seiner Perspektive ergibt das Puzzle-Stück, das Uwe Rösler sich gewünscht hat, plötzlich deutlich mehr Sinn. Ein Gastbeitrag mit freundlichen Grüßen aus Düsseldorf.
Herzlichen Glückwunsch aus Düsseldorf zu diesem Transfer!
Das ist ein – soweit ich das von außen betrachten kann – ein cleverer Deal für alle Beteiligten. Bei euch sind auch nach dem Sissoko-Abgang aufstrebende, junge Spieler auf dieser Position fest eingeplant (Lenz, Pannewig) und mit Sobottka erhaltet ihr nun kostengünstig einen erfahrenen Zweitligaprofi, der den Trainer kennt und die Back-Up Rolle annehmen wird. Für Sobottka ist es ebenfalls dankbar, da er sich mit dem Vertrag bei euch wieder ins Geschäft gebracht hat.
Auch wenn ihn die Meisten schon etwas kennen werden – hat er doch immerhin 178 Zweitligaspiele, von denen auch einige Schlachten gegen den VfL geschlagen wurden – werde ich als Düsseldorfer mal ein klein wenig zu unserer Vereinslegende der jüngeren Vereinsgeschichte sagen.
Es gibt da dieses berühmte Zitat vom ehemaligen spanischen Nationaltrainer Vincente del Bosque: „Du betrachtest das Spiel und du siehst Busquets nicht. Doch wenn du Busquets betrachtest, dann siehst du das ganze Spiel.“. Keine Frage, der Vergleich wäre unangebracht und auch was den Spielstil betrifft unterscheiden sich Busquets und Sobottka nicht unerheblich, aber dennoch hätte man zu seinen Düsseldorfer-Zeiten einen ähnlichen Satz auch über Sobottka sagen können. Seine Bedeutung für unser Spiel fiel immer dann auf, wenn er mal fehlte. Stand er auf dem Platz war er in den aller seltensten Fällen besonders auffällig geschweige denn spektakulär. Stand er nicht auf dem Platz merkte man seine Wichtigkeit für Stabilität und Ordnung.
Im defensiven Bereich hat er wirklich ein herausragendes Gespür für Räume, die es vor der Abwehr zu schließen gilt. Und auch im Zweikampf wusste er stets mit seiner Galligkeit zu überzeugen. Wie sehr diese noch vorhanden ist nachdem er schon etwas an Dynamik eingebüßt hat, ist natürlich offen, aber sein defensives Bewusstsein für Räume wird er nicht verloren haben. Kleine Anekdote: Es gibt ein weiteres Zitat, das lautet „Ich weiß jetzt nicht, wie mein Gegenspieler hieß, aber der wäre mir auch sonst wohin gefolgt.“ – das stammt von Marco Reus, der nach einer Niederlage seiner zum damaligen Zeitpunkt tabellenführenden Dortmunder bei unserem letztmaligen Bundesligaaufenthalt zum Besten gegeben hat, wie viel Spaß es machen kann, wenn Sobottka dein Gegenspieler ist.
Im Spiel mit Ball darf man keine Wunderdinge erwarten, aber auch hier setzt sich die Linie fort, dass er unauffällig häufig das Richtige macht. Manchmal ist es auch nur richtig stehen, euer von mir stets sehr geschätzter Coach Uwe Rösler hat über ihn mal sinngemäß gesagt, dass er einfach so ein wenig das unerklärliche Gen hätte richtig zu stehen, wenn ihm beispielsweise der Ball nach einem Standard vor die Füße fällt. Ansonsten ist Sobottka eher der Typ für das klassische Kurzpassspiel, wobei seine Qualitäten im Spiel mit Ball nicht zwingend auf dem Passpiel lagen, sondern er in meinen Augen eher in die Rolle des Ballschleppers passte. So hat er weniger durch ein starkes vertikales Passspiel den Ball ins letzte Drittel getragen, sondern vielmehr häufig nach Balleroberung mit Ball am Fuß das Mittelfeld überbrückt.
Das volle Paket seiner Dynamik dürfte allerdings für letztgenannte Stärke nicht mehr zu erwarten sein. Denn zur Wahrheit gehört auch, dass sich Sobottka insbesondere im Herbst seiner Karriere als ziemlich verletzungsanfällig erwiesen hat, vor allem was den Muskelapparat betrifft. Dadurch hat er in einigen Komponenten seines Spiels eingebüßt und die geringe Verfügbarkeit hat dann auch dazu geführt, dass sein Vertrag in Düsseldorf auslaufen gelassen worden ist. Dennoch bin ich der Meinung, dass die Verpflichtung mit Blick auf eure Situation (kurzfristiger Bedarf eines Back-Ups) eine gute und sinnvolle Sache ist. Zumal er von eurem Trainer wirklich ein gutes Verhältnis hat, mit seiner Erfahrung ein wertvoller Kaderspieler sein kann und menschlich ohnehin astrein ist. Ich halte es auch zumindest nicht für gänzlich ausgeschlossen, dass es sich als so guter Fit erweist, dass das Engagement über den Sommer hinaus ausgeweitet wird. Zumal Sobottka in der Region sehr verwurzelt ist.
Also, passt gut auf ihn auf! Auch wenn sein Abgang in Düsseldorf von Seiten unserer Verantwortlichen eher unrühmlich gestaltet war vor dem Hintergrund eines so verdienten Spielers mit 10-jähriger Vereinstreue, ist er in Düsseldorf mehr als geschätzt.
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