Am 24. Spieltag der zweiten Bundesliga verlor der VfL Bochum das Auswärtsspiel bei Fortuna Düsseldorf mit 1:2. Nach zuletzt zehn ungeschlagenen Spielen kassierten die Jungs von der Castroper Straße und Uwe Rösler erstmals wieder eine Niederlage. Trotz eines prall gefüllten Gästeblocks, eines wieder aufgelaufenen Gerrit Holtmanns und starker Paraden von Timo Horn musste die Rückreise mit leeren Taschen angetreten werden. Ein Resümee.
Atmosphärisch bot der Freitagabend des 24. Spieltags die Chance für ein herzhaft geiles Auswärtserlebnis. Mit über 9000 verkauften Tickets begleitete eine Vielzahl an Bochumer Mädchen und Jungen die Mannschaft in die naheliegende Modestadt. Im Flutlicht der Merkur Spielarena bot sich um 18:30 ein äußerst erotisches Bild, als die von blau-weißen Fahnen und Bannern gefärbte Gästekurve im Schein einer Vielzahl weißer Fackeln erleuchtete.
Gepaart mit lautem Gesang zum Anpfiff war klar ersichtlich: Bochum hat Bock. Nicht zuletzt aufgrund des Flashbacks, welchen die meisten von uns gehabt haben dürften, als sie erstmals nach dem unvergessenen letzten Auftritt in Düsseldorf den Block betraten und auf’s Grün herab schauten.
System und Personal
Wie auch in der Vorwoche im Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg schickte Coach Uwe ein ‘4-2-3-1’ an die Startlinie. Personell gab es vier Änderungen im Gegensatz zur Startelf des vergangenen Spieltags.
Timo Horn hütete wie gewohnt das Tor, vor ihm stand eine Viererabwehrkette. Neu (beziehungsweise wieder) dabei in dieser: Mikkel Rakneberg und Philipp Strompf, die Maximilian Wittek und Erhan Masovic auf den Positionen des Linksverteidigers und des linken Innenverteidigers ersetzten. Noah Loosli und Leandro Morgalla komplettierten die rechte Seite der Kette. Das defensive Mittelfeld wurde wie gewohnt von Cajetan Lenz und Mats Pannewig bekleidet.
Im zentral offensiven Mittelfeld und als einzigen Stürmer sahen wir erneut Callum Marshall und Philipp Hofmann. Gerrit Holtmann, scheinbar wieder fit, startete im linken offensiven Mittelfeld und Koji Miyoshi nach abgesessener Gelbsperre ihm gegenüber auf rechts. Farid Alfa-Ruprecht und Francis Onyeka mussten für die beiden auf die Bank weichen.
Neblig trüber Auftritt in Halbzeit eins
Die erste Chance erspielte sich unser VfL direkt nach dem Anpfiff in den aus dem Gästeblock schweflig über die Wiese ziehenden Rauchschwaden. Die fein von der rechten Seite reingeschlenzte Flanke von Lenz konnte Holtmann nach Direktabnahme aus aussichtsreicher Position nur links neben das Tor setzen.
Nachdem die Gastgeber folgend das Spielgeschehen an sich rissen, waren es dennoch unsere Jungs, die die nächste gute Chance erspielten. Gerrit Holtmann dribbelte sich von links in Richtung Sechzehner, drosch die Kugel jedoch nur an die HTS (die Hintertorstange). Zehn Minuten später war Horn mit seiner ersten Großtat zur Stelle, indem er einen starken, sich in feinster Parabel auf’s lange Eck herabsenkenden, Aufsetzer von Shinta Appelkamp über den Querbalken kratzte.
Wenig später musste Horn erneut parieren, diesmal einen Schuss von Immanuel Iyoha von der rechten Kante des Fünfmeterraums. Mit dem Pausenpfiff belohnte sich die Fortuna für eine im Großen und Ganzen überlegene erste Hälfte. Im Anschluss an einen laschen Abschluss von Pannewig konnten die Gastgeber über die rechte Seite aufbauen. Iyoha durfte (zu) viele ungedeckte Meter machen und löffelte das Leder in den Strafraum auf die Rübe von Cedric Itten. Der, zu viel Platz zwischen Strompf und Noah Loosli habend, schraubte sich hoch und traf per Kopfball über den Innenpfosten ins lange Eck – 0:1.
(Zu) Spätes Aufwachen im zweiten Durchgang
Nach der Pause brachte Rösler Moritz-Broni Kwarteng und Onyeka für Holtmann und Pannewig. In Minute 55 kooperierten die beiden, indem Kwarteng am Sechzehner auf Onyeka quer legte, der jedoch knapp links mit dem Innenrist am Tor vorbeischoss.
Wenig später knallte uns der eingewechselte Florent Muslija in Form eines Traumtores das 0:2 rein, als er einen fein abgelegten Ball von der Strafraumkante sehenswert in den rechten Giebel setzte. Ermöglicht wurde dies durch auffällig passives Abwehrverhalten von Morgalla, Lenz und Loosli, die Christian Rasmussen im Strafraum zu lange frei agieren ließen, sodass dieser Muslija den Ball auf die Schüppe legen konnte.
Weiteren starken Paraden von Horn war es zu verdanken, dass der VfL nicht vorzeitig die Entscheidung durch das 0:3 kassierte. Ein erstes Lebenszeichen setzte daraufhin Morgalla mit einem Dropkickhammer aus 15 Metern, den Florian Kastenmeier gerade so um den Pfosten drehte. Nichts machen konnte Kastenmeier zehn Minuten später gegen den feinfühligen Aufsetzer von Alfa-Ruprecht aus fünf Metern, der den 1:2-Anschlusstreffer erbrachte. Oliver Olsen hatte das Leder zuvor per Außenrist mit schöner Flugkurve von links assistiert.
Das Tor brachte nochmal ordentlich Wind in das sich schon tot anfühlende Spiel unserer Jungs. Leider blieb der Lucky Punch aus, nachdem Onyeka eine Flanke von Alfa-Ruprecht von der rechten Seite in der 95. Minute knapp über die Latte köpfte.
Kurz und knapp: Dat war nix
… sagte nach Abpfiff in schonungsloser Offenheit auch Timo Horn am Sky-Mikrofon, indem er den Auftritt als “eines der schlechtesten Spiele in den letzten Wochen und Monaten von uns” betitelte.
Dem schließe ich mich an. Ohne Horns Abwehrtaten hätten es in der Summe auch gut und gerne vier bis fünf Gegentore werden können. Meines Erachtens nach entstanden die Chancen für die Fortuna überwiegend auf Grundlage fahrigen (Defensiv-) Verhaltens unserer Jungs. Da war beispielsweise viel zu passives Tacklingverhalten, welches Düsseldorf den entscheidenden Platz vor den beiden Toren bot. Hin und wieder Stellungsfehler von Lenz in der Zentrale, wodurch wir durch aggressive Schnittstellenpässe in oder hinter die Viererkette zügig überrumpelt wurden.
Und auch Ideenlosigkeit im eigenen Aufbauspiel. Die Möglichkeiten zum Umschaltspiel und Kreieren eigener Angriffe waren gegeben. Jedoch fand Pannewig manchmal nicht den richtigen Moment, seine Offensivleute mittels schneller Pässe auf die Flügel in Szene zu setzen. Auch Marshall hatte schon den einen oder anderen Auftritt im Angriff, in dem er mehr Gefahr erzeugte und Holtmanns Abschlüssen fehlte leider weiterhin oftmals der entscheidende Schliff, den es zum Erzielen wichtiger Tore braucht.
Die Zahlen – unter anderem 10:20 Torschüsse, 8:23 Dribblings und 3:10 Ecken – verdeutlichen resümierend das umfassende Ungleichgewicht zu unserem Nachteil.
Auch Rösler zeigte sich auf der Pressekonferenz nach dem Spiel selbstkritisch, übernahm Verantwortung und kündigte akribische Aufarbeitung an.
Altbekannte innere Unruhe kommt auf
Die lange Serie ohne Niederlage ist nun also gerissen. Zehn Spiele unbesiegt – das klang hervorragend. Jedoch waren auch sieben Unentschieden dabei, nur drei Siege. Dementsprechend stehen wir (Stand jetzt) auf dem zehnten Tabellenplatz. Der Abstand zum bedrohlichen 16. Platz beträgt aktuell sechs Punkte, könnte jedoch, je nach Spielergebnis der Konkurrenz am laufenden Spieltag, noch schrumpfen.
Mein Kopf sagt: “Bleib locker, das wird schon. Einige der letzten Spiele waren gut und Uwe wird den Jungs wieder Leben einhauchen. Nicht ohne Grund konnte er das Team in der Krise mobilisieren und in ein ruhigeres Fahrwasser coachen”.
Mein Bauch, der von jahrelanger Bochumer Skepsis geprägt ist, fragt sich: “Scheiße, wie kann es sein, dass wir in den letzten Spielen zunehmend blutleere und wacklige Momente erleben? Warum ist unser Offensivspiel plötzlich wieder so sehr vom Tempo Holtmanns, der den Verein (quasi) schon verlassen hatte, abhängig? Wo sind die Galligkeit und der Biss hin, mittels derer wir Fürth auswärts überrannten, Darmstadt mit drei Toren die Stirn boten und Schalke schlugen?”.
Abwarten und Fiege trinken
Wie dem auch sei – sich jetzt bekloppt zu machen bringt wohl nichts. Letztendlich war es am Freitag die erste Niederlage nach zehn Spielen und ich traue es Rösler zu, der Mannschaft zeitnah die benötigten Impulse einzuhauchen, um sich wieder zu fangen. Dass er mehr als nur ein auf Basis von Worten agierender Feuerwehrmann ist, hat er, meines Erachtens nach, mit seinen Systemumstellungen und personellen Anpassungen schon bewiesen.
Kommende Woche geht es am Samstagabend zuhause unter Flutlicht gegen den 1. FC Kaiserslautern. Der wiederum steht momentan mit 37 Punkten auf dem sechsten Platz und schielt eher nach oben als Richtung Platz 16. Allerdings fuhren die Pfälzer in der laufenden Saison von ihren elf Siegen acht am heimischen Betzenberg ein und nur drei in fremden Stadien.
Dementsprechend wittere ich Lunte, nächstes Wochenende mal wieder einen Heimsieg bejubeln zu dürfen, der die latent im Nacken flüsternden Stimmen der Unruhe etwas leiser werden lässt.
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